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Realnamenpflicht ist Machtmissbrauch

Die US-Anthropologin Danah Boyd hat jetzt auch zur Diskussion über Realnamenpflicht und Pseudonyme gebloggt: “Real Names” Policies Are an Abuse of Power. Ein Ausschnitt:


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The people who most heavily rely on pseudonyms in online spaces are those who are most marginalized by systems of power. “Real names” policies aren’t empowering; they’re an authoritarian assertion of power over vulnerable people. These ideas and issues aren’t new (and I’ve even talked about this before), but what is new is that marginalized people are banding together and speaking out loudly. And thank goodness.

Sie verweist auch noch auf die Kampagnenseite “My Name Is Me”.

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41 Kommentare
  1. A propos Anonymitaet

    Ich habe (von frankreich aus) seit einiger Zeit keinen Zugriff auf Ixquick.
    Funktioniert das aus D oder ist der Server down?

    (Sorry, weil OT)

    1. Funktioniert die DNS-Auflösung? Wie lautet die IP-Adresse? Hast du schon einen freien, unzensierten DNS-Server ausprobiert? Bei mir löst ixquick.com zu 213.144.235.206 auf.

      Kannst du diese IP-Adresse anpingen? Kannst du ansonsten ein traceroute machen? Unter Windows heißt der Befehl tracert, unter Linux solltest du dich soweit auskennen.

  2. Danke.
    Wenn ich den Umweg ueber hidemyass gehe, klappts von hier auch, nur der direkte Aufruf von ixquick oder startpage geht nicht (mehr).

    Gibt’s noch mehr Leute aus Frankreich, die damit Probleme haben?

  3. Hat sich jemand mal die Argumente pro Pseudonyme angeguckt? Für mich klingen die alle nach „Ich hab keine Lust, dass andere meine öffentlich gemachten Äußerungen sehen und mich damit in Verbindung bringen.“

    Und hier dieses total unangebrachte „Won’t somebody PLEASE think of the women?“:

    I think the “real names” policy hurts women in particular.

    Was soll das? Das macht die Frau doch nur noch lächerlicher. Wenn sie einem dann erklärt, dass Googles Realnamenspflicht was ganz anderes ist als Facebooks, weil bei Google ja die Techies die ersten waren, die reindurften. Völlig bekloppt: Im deutschen Usenet wird man ebenfalls angehalten, seinen RN zu benutzen, und wenigstens die Newsgroups, in denen ich mich bewege sind voller Techies.

    Dazu kommt, dass man in G+ ja eher selten Sachen öffentlich postet und so das meiste im Freundeskreis bleibt.

    Ach ja: Hier hab ich ein Pseudonym benutzt. Weil es hier so Usus ist. Im Usenet benutze ich meinen RN, aus dem gleichen Grund.

    1. >Ach ja: Hier hab ich ein Pseudonym benutzt. Weil es hier so Usus ist. Im >Usenet benutze ich meinen RN, aus dem gleichen Grund.

      Weil du es darfst… und nicht weil es vorgeschrieben ist.

    2. “Ich hab keine Lust, dass andere meine öffentlich gemachten Äußerungen sehen und mich damit in Verbindung bringen.”
      Genau deshalb benutzt man Pseudonyme, ja.

    3. sorry, aber wer sowas kleinredet, der weiß nicht, dass zumindest in anderen Staaten der Welt, aber auch in Deutschland, alle Menschen (im „besten Fall) bevorurteilt und/oder lächerlich gemacht werden, die eben nicht hetero/männlich/weiß/Ureinwohner des jeweiligen Landes sind. So lange unsere Gesellschaft latent oder direkt an ihren patriarchalen Wurzeln zu knabbern hat, ist dieses Statement, dass „nicht privilegierte“ Gruppen immer den Kürzeren ziehen werden, auf jeden Fall korrekt. Weil „privilegierten“ Gruppen weniger übel genommen wird, wenn sie reaktionären Bullshit erzählen, selbst wenn es mit Realnamen ist. Siehe diverse CD/SU Politiker in Stammtisch-Manier.

      Stell dir einfach mal vor, du wärest schwul und vielleicht noch arabischstämmig. Würdest du dann mit deinem Klarnamen über deine privaten Probleme mit deinem Traummann reden?

      1. btw. ich denke, du hast den „techie-part“ nicht richtig verstanden. Sie sagt *nicht* dass die Klarnamenpflicht bei G+ weniger „böse“ ist als bei Facebook. Sie sagt nur dass der Sturm gegen die KN-Pflicht vermutlich deshalb bei G+ lauter ist/sein wird, *weil* Techies Pseudonyme gewohnt sind und ebenfalls gerne laut ihre Meinung bekunden. Im Gegensatz zu jugendlichen Latinos und Schwarzen bei Facebook.

  4. Nur um das mal einzustreuen, wäre ich einer von diesen internet-surfenden Personalchefs, käme ich zu völlig anderen Einschätzungen einer Person, wenn diese in irgendeinem Hobby-Forum oder einem Blog über absonderliche sexuelle Vorlieben Beiträge mit ihrem vollen Realnamen unterschreibt versus nur den Vornamen oder ein Pseudonym verwendet. Selbst wenn ich irgendwann beide Arten von Einträgen gleichermaßen gut finden kann, bliebe die Wahl des Auftretens ein Hinweis auf die Befähigung den sozialen Kontext oder die Außenwahrnehmung einer Internetbeteiligung richtig einzuschätzen. Ich würde mich auch nicht wundern, wenn eine Personen-Suchmaschine mal als besonders gut gilt, wenn sie semantisch zwischen professionellem und privatem Auftritt einer Person filtern kann.

    Mit anderen Worten, selbst wenn man überzeugt ist, dass Pseudonyme als Mittel der Verschleierung nicht funktionieren, eines der Hauptgegenargumente ist, dass sie „ja doch nicht helfen“, haben sie immer noch eine soziale Hinweisfunktion.

  5. Schlimm, wenn Leute nicht akzeptieren können, dass Sie irgendwo nicht mitbestimmen dürfen, nichts zu sagen haben. Ob Apple jetzt Tittenbilder im App store erlaubt oder nicht. Wenn Google Klarnamen will, ist das halt so (Xing will das auch, schon ewig). Niemand ist gezwungen, die Milch bei Edeka zu kaufen. Im Netz gibt’s genug Raum. Wer sich verkleiden will, baut eben selbst einen Blog oder geht zu Twitter. Und wenn Twitter klarnamen will, dann bau ich eben ein Social Netzwerk wo man sich verkleiden kann, soviel man will und werd‘ reich.

    1. Das ist das „dann geh doch nach drüben“-Argument in anderem Gewande.

      Facebook und Google+ sind große Communities (Gemeinwesen), die gerade durch die Menge ihrer Mitglieder ihren Nutzen gewinnen. Ein soziales Netzwerk nützt mir nichts, wenn mein Freunde und Bekannten da nicht angemeldet sind. Zu sagen, dass man das ja nicht nutzen „muss“, ist ein unfaires Argument, weil es kein Vergleichsangebot gibt, dass den selben Nutzen bringt.

      Du willst keine Vorratsdatenspeicherung? Dann benutz halt kein Telefon oder Internet!
      Du willst eine socialized health insurance? Dann geh doch zu den Sozialisten!

      1. Du hast ja recht. Aber du kannst ja jetzt nicht die Vorratsdatenspeicherung (Gesetz) mit der Klarnamenpflicht (Nutzungsbedingung eines speziellen Angebots) vergleichen. Passendes Analogon ist eher, wenn die Telekom und paar andere Vorratsdaten erhebten obwohl sie nicht müssten. Dann könntest Du aber doch wechseln. Die aktuelle Situation ist doch: Du kannst nach Twitter oder Diapora gehen, wo du Phantasienamen benutzen kannst.

        Weil man kann ja andersrum auch sagen: Warum soll ich den dazu gezwungen werden, mich mit diesen Feiglingen herumzuschlagen, die nicht dazu stehen, was sie sagen? Wenn ich, Chris Pillen, meine Meinung öffentlich vertrete und da ein zork82 ankommt und mir das dümmste geschwätz an den Kopf knallen kann, weil er sich mit seiner Identität nicht zu verantworten hat, dann ist das nervig. Und dann kann doch keiner was dagegen haben, wenn Google sagt, wir schaffen jetzt einen Raum für die, die das nicht wollen.

  6. Was genau schreibt Danah Boyd denn? Wo ist die deutsche Übersetzung?

    Wie sollen Besucher von Netzpolitik.org über einen Beitrag diskutieren, den sie nicht verstehen? :(

    1. Soviel (fremd)sprachliche Kompetenz sollte der Englischschulunterricht doch noch hergeben, zumal man sich im Netz ja kaum jahrelang bewegen kann, ohne diverse Vokabeln aufzuschneiden und den aktiven Wortschatz zu erweitern? Sorry, wenns zu harsch klingt, aber ich bin geschockt…!

      1. Nein. Um die 60% aller Deutschen haben niemals Englisch in der Schule gehabt. Weitere 30% haben allenfalls rudimentäre Grundkenntnisse und verstehen ein paar Worte. Um die 7 bis 10 Prozent aller Deutschen sind zumindest ansatzweise in der Lage, Dialoge auf Englisch zu führen.

      2. Ich kann einigermassen gut Englisch, um normale Texte zu verstehen.
        Aber a) strengt das Lesen immer noch an und b) ist fuer mich die Frage, ob ich gut genug Englisch lesen kann, um ueber den Text ernsthaft zu diskutieren, ohne dass ich irgendetwas ueberlesen oder falsch interpretiert habe.

  7. „Die Menschen, die am stärksten auf Preudonyme im „Onlineraum“ angewiesen sind, sind die, die durch Machtsysteme am stärksten in Randgruppen gedrängt werden. “Klarnamen” bekräftigen nicht; sie sind eine authoritäre Machterhebung über schutzlose Leute. Diese Ideen und Behauptungen sind nicht neu (Und ich habe mich auch bereits dazu geäußert), aber neu ist, dass diese Randgruppen sich zusammentun und ihre Stimme erheben. Und Gott sei Dank.c“

    :)

      1. Ja, auch aus der anderen Sicht, Chris.
        Gerade weil er nicht in direktem Bezug zu seiner Identität steht, kann er sowas sagen. Du sagst das nervt dich. Was auch ein nachvollziehbares Empfinden ist. Bedenke aber, dass „die, die durch Machtsysteme am stärksten in Randgruppen gedrängt werden“ Möglichkeiten zur Irritation brauchen, welche nicht auf sie zurückfallen, wo nicht die Ad Hominem Maschine gestartet wird. usw.
        Das ist der Witz solcher Pseudonyme: Die Nachteile der Titel und Namen abzulegen und im Diskurs seine Meinugn zu vertreten.
        Als Phil fordere ich bestimmt keine legalisierung von Droge X, spreche Tabus aus, und so weiter. Als zorck82 schon eher. Und irgendwann ist das Internet voll von zorcks und ninjas und piraten die alle das gleiche fordern und dann traut sich auch ein Phil oder Chris Dinge zu sagen.
        Gruss
        Phil.

  8. Natürlich obliegt es immer noch dem User selbst, ob er sich die aufgezwungene Realnamenspflicht bei manchen Diensten antut oder nicht. Wer wie bei Google+ oder Xing nicht mit seinem echten Namen aktiv sein möchte und Angst hat, sich mit unbedachten Äußerungen selbst zu disqualifizieren und seine Reputation im Netz negativ zu beeinflussen, der muss halt zwangsläufig auf solche Dienste verzichten.

    Mir persönlich ist es lieber mit einer Person zu diskutieren, die sich nicht hinter beliebigen Nicks wie frank123 oder bellonusu versteckt und möglicherweise diese Anonymität nutzt, um ausfallend und beleidigend im virtuellen Schlagabtausch zu agieren.

    1. Mir persönlich ist es lieber über eine Sache und Standpunkte zu diskutieren, egal ob mein gegenüber Nick oder (vermeintlichen) Klarnamen wählt. Trolle hält weder das eine noch das andere ab.

      Apropos: der schlimmste Troll, der mir pers. bis jetzt untergekommen war, war ein christlicher Eiferer mit Klarnamen, der von sich so überzeugt war, und mir nach meinem Tod eine heiße Zeit gewünscht hat. So kann jeder seine Beispiele beisteuern.

      mein Problem bei dieser Diskussion ist der Zwang und was ich befürchte die Ausbreitung dieser Unsitte den Klanammen vorzuschreiben.

      mld_de ;-)

      1. Wobei man sich durchaus mit etwas Einfallreichtum brauchbare Namen ausdenken kann. Allerdings sollte man diese Profile tunlichst nicht mit seinem anderen Accounts verbinden, außer man baut sich ein komplett virtuelles Alter Ego auf.

  9. Das kann er ja auch weiterhin machen. Auf Twitter. Bei Diaspora. Im Rollenspielforum und im zorck82-Blog. Nur man muss doch mal auf dem Teppich bleiben und nicht direkt das Ende der Welt so wie wir sie kennen einläuten – nur weil mehr Orte mit Klarnamenpflicht entstehen.

    Diese Denke: „Da entsteht etwas, also verdrängt es das andere“ ist im Netz nicht mehr zeitgemäß. Platzressourcen spielen keine Rolle. Und so kann man sich freuen, dass ein Klarnamenraum entsteht, ohne dass der „Ermächtigungsraum“ der „durch Machtsysteme am stärksten in Randgruppen gedrängten“ – Orte mit Pseudonymfreiheit – eingebüßt werden muss.

    Oder etwa nicht?

    1. Oder nicht. Ich seh es weitaus düsterer… Es wird auf lange Sicht dann etwas so wie ein Outer Rim bzw. Reservate für so Fossilien wie mich, die RL und VR trennen wollen, entstehen.

      Für mich ist es z.b. keine Überraschung, dass gerade Facepa… er… Facebook und Google+ so vehement dafür lobbyieren. Beide Unternehmen verdienen durch das Profilen ihrer Mitglieder.

      Ein Aspekt, der mir bei Klarnamen echt Kopfschmerzen macht, ist die Steilvorlage für Identitätsdiebstahl… Irgendwie scheint das aber in der ganzen Debatte unterzugehen.

      Ok, und ich will auch endlich mal den Anwalt des Teufels spielen: Da Leute wie z.b. zorck82, die unter Nick posten eh alles Trolle sind, die nur beleidigen oder alles ins lächerliche ziehen, sind Blogger die verlangen alles immer unter Realnamen zu posten, nur darauf aus sich in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und daraus Vorteile zu ziehen… ;-) – Ich denke es stimmt weder das eine noch das andere.

      alles Gute,

      mld_de

      1. Kann man Trolle nicht einfach ignorieren?
        Ich mein, wenn man sich argumentativ auf einem gewissen (gehobenen) Niveau bewegt und ein anderer trollt nur blöde als Antwort, dann ist den meisten Nutzern, die ebenfalls auf hohem Niveau unterwegs sind, eh klar, dass das ein Troll ist.
        Ist doch dasselbe, wenn mich im RL einer blöd von der Seite anmacht. Oder in einer Diskussion polemisiert. Dann wird er ignoriert.

        *Wie* eine Diskussion geführt wird, hängt doch alleine von den Diskutanten ab.

        Und ich bin froh, wenn Titel, vom Namen ablesbares Geschlecht und/oder Herkunft mein Gegenüber nicht eventuell in eine Vorurteilsschiene reinlaufen lassen, selbst wenn mir egal sein sollte, dass meine Meinung vermutlich morgen meinem Arbeitgeber etc. bekannt sein wird. Pseudonyme sorgen für geringere Diskriminierung, sie egalisieren automatisch. Alles was dann noch zählt, sind Inhalt und Ausdruck.

  10. Viel Wind um nichts. Natürlich ist Klarnamenpflicht sinnfrei, aber bei solchen Online-Diensten wird ja auch (noch?) kein Identitätsnachweis verlangt. Wenn man denn meint sie nutzen zu müssen, kann man sich immer noch genügend Pseudonyme aussuchen. Ich heiße zum Beispiel nicht Harald Töpfer. ;-)

  11. Sinnlose Diskussion. Dann gehen eben noch mehr über Server in Weißrussland oder sonstwo. Schon die Netzsperren waren albern, weil technisch nicht realisierbar. Jedenfalls nicht lokal, sondern nur global.

    Mein Erfahrung mit anonymen Bloggern und FB-Freunden ist aber, dass von denen selten Gutes kommt. Meine persönliche Erfahrung.

    Ich bin für eine Visitenkartenhinterlassenpflicht für Einbrecher und Ladendiebe ;-)

  12. ne. sry. gibt es. evt. nicht gesetzlich verankert, klar. aber manche webseite lässt mich logische rationale redebeiträge nicht mehr veröffentlichen, wenn ich als gebinsel poste. das ist schon nervig, wenn leute nur noch auf den nick schaun und nicht mehr auf den inhalt und ich den selben mist (hoffentlich irgendwo zwichengespeichert) als harald schmidt nochmal posten muss.

    darüberhinaus manifestiert sich das problem nicht alleine in friedrichs kranken phanasien, sondern auch im umgang mit dem nutzer auf zahlreichen webseiten. als bertelsmann beispielsweise vor einigen jahren studivz übernommen hat, mit einer klarnamensverpflichtung in der ’neuen‘ agb abgesichert, wurden in einer nacht zig tausend psyeudoprofile gelöscht und ein einzigartiges protestkunstwerk zerstört, welches die wenigen tage vor der übernahme dort entstand..profile als spam makieren, löschen, ruhe ist. keiner hat was gesehen. ups, wo ist denn mein freund, der ‚Hüpfball‘ hin.

    man kann das sicherlich als sommerloch füllenden schwachsinn betrachten. allerdings deutlich weniger, wenn man von dem problem mal selbst betroffen ist/war.

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