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Kartenprojekt zum Videoüberwachungsplan in Paris

Paris startet in Sachen Videoüberwachungschutz voll durch. Entschuldigung, Überwachung heißt ja seit dem Gesetzespaket Loppsi2 in Frankreich „Schutz“ (vidéoprotection). Jedenfalls möchte Paris bis 2012 die Zahl der Kameras für den öffentlichen Raum von 293 auf insgesamt 1302 erhöhen. Der Figaro berichtete Ende Dezember, dass mit dem Videoüberwachungsplan für Paris (PVPP) zudem 13.000 öffentliche und private Kameras vernetzt werden sollen.

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Kleines Vorher/Nachher:

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Big Brother à la française

An dieses gemeinsame öffentliche Netz werden allein 10.000 Kameras des öffentlichen Nahverkehrs sowie private Kamerasysteme aus Stadien, Parks oder auch dem Louvre angeschlossen. Die Beamten in den 20 Pariser Kommissariaten haben bald mit nur einem Klick Zugriff auf die Bilder, die 30 Tage gespeichert werden sollen. Für die Analyse und Auswertung werden 2.500 Polizeibeamte ausgebildet. Die Polizeipräfektur versichert, dass der Zugang zu den Bildern auf die Beamten beschränkt sein wird, die sich hierfür zusätzlich mit Chipkarten identifizieren müssen.

Wenn alles nach Plan verläuft, wird die Pariser Polizei schon Ende 2011 ihre Augen überall haben. Aber auf lange Sicht sollen nicht nur die Kommissariate an das Kameranetz angeschlossen sein. Ab dem nächsten Monat werden 400 km Glasfaserkabel verlegt, um 55 Standorten zu vernetzen, zu denen auch die Feuerwehr, das Hauptquartier der Terrorismusbekämpfung und Spionageabwehr, der Krisensaal des Innenministeriums und sogar auch der Elysée-Palast gehören.

Paris hat sich bei der Ausarbeitung des Videoüberwachungsplans wohl eher nicht von diversen Studien beeindrucken zu lassen. So zeigten bereits 2008 eine Studie von Scotland Yard und ein französischer Bericht von 2009 die Ineffizienz der Videoüberwachung. Der Verein „Paris ohne Videoüberwachung“ kritisiert zudem, dass die Präfektur für den Pariser Überwachungsplan insgesamt 200 Millionen Euro ausgegeben wird.

Eine Karte der Überwachungskameras in Paris

In der letzten Woche wurde die Liste der zukünftigen Kamerastandorte veröffentlicht. Daraufhin hat die Nachrichtenplattform Owni eine Karte der Überwachungskameras erstellt. Hier kann man die Daten auch direkt herunterladen (.kml).

KarteKameras

Da viele Standorte noch nicht zu 100% bestätigt wurden, bittet Owni für die kommenden Jahre um Hilfe bei der Erfassung und Aktualisierung. Man kann sich an dem Google-Maps-Projekt beteiligen und hier in einem Spreadsheet die Kameras eintragen.

(Crossposting von vasistas?)

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9 Kommentare
  1. Das wirklich interessante an der Tatsache ist nicht nur, dass die Zahl der Kameras drastisch erhöht wird.
    Man darf die Maßnahme ruhig in den politischen Kontext stellen, denn das Gesetz kommt zeitlich sehr nahe mit dem allgemeinen Verbot von Totalvermummung in der Öffentlichkeit, dem sogenannten „Burka-Verbot“.
    Landesweit geht man je nach Quelle entweder von 367 bis 2000 Frauen aus, die eine Burka tragen.

    Hier wird also über das populistisch „komfortable“ Thema Burkaverbot Menschen unter Anderem auch eine Rückzugsmöglichkeit vor der Allgegenwärtigkeit der Videoüberwachung weggenommen.

  2. Wow, das artet ja ganz schön aus bei den Franzosen. Und vermutlich ist das erst der Anfang… Frage mich wirklich wann das auch bei uns so weit sein wird!? Fehlen eigentlich noch Kontrollstellen (bei denen dann die National ID Card abgefragt wird, via RFID natürlich) und Mautgebühren für Fußgänger.

    Andererseits bietet es aber auch ein gewisses Featurepotenzial für Kartendienste. So könnte man ja neben \Autobahnen vermeiden\ oder \Mautstraßen vermeiden\ auch ein \Staatl. Videoüberwachung vermeiden\ bei Google Maps einführen. Oder halt neben den üblichen Optionen wie schnellster Weg bzw. kürzester Weg eine Option \unbeobachteter Weg\ :)

  3. @3: Genau mein Gedanke. Solange man nicht versehentlich auf eine Demo stolpert, sollte einem doch keiner was können, wenn man mit Guy Fawkes Maske draußen rumläuft, oder?

  4. @3 Don Jonston und @4 Autolykos

    Tja, Frankreich ist nicht Deutschland. Und in Frankreich ist doch gerade erst das „Burkaverbot“ durchgekommen. Das wird in Form eines Gesetzes garantiert jede Variante der Vollverschleierung /-maskierung betreffen. Und schon ist es dann verboten mit Masken durch die Gegend zu laufen.

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