Generell

Interne Dokumente des Auswärtigen Amtes zur Änderung der Open-Source-Strategie

Wir hatten bereits darüber berichtet, dass das Auswärtige Amt unter Minister Westerwelle Abschied von der erfolgreichen Freie Software – Strategie der vergangenen Jahre nimmt und wieder verstärkt auf Herstellerabhängigkeit und weniger offene Standards setzen will. Die Nachricht hat deswegen viele überrascht, weil gerade das Auswärtige Amt als Vorreiter galt und auch in den vergangenen Jahren regelmäßig Erfolgsstories über den Einsatz Freier Software in der Öffentlichen Verwaltung lieferte. Andererseits waren viele nicht überrascht, hatte sich doch gerade die auf „Freiheit“ setzende FDP nie wirklich mit den Potentialen von Freier Software auseinandergesetzt (Wenige Ausnahmen wie der Bundestagsabgeordnete Jimmy Schulz bestätigen die Regel). Und Microsoft-Mitarbeiter waren gern gesehene Gäste und Sprecher auf IT-relevanten Veranstaltungen der FDP und ihrer Friedrich-Naumann-Stiftung.

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Vergangene Woche bloggte bereits Joerg-Olaf Schaefers bei uns über die Antwort der Bundesregierung (PDF) auf Fragen der SPD-Fraktion zum Strategiewechsel.

Daraufhin fanden wir in unserem Briefkasten verschiedene Datensätze, die etwas Einblick in die Hintergründe liefern. Dazu zählt u.a. ein 300 Seiten umfassender Bericht zur Bewertung der Open-Source-Strategie, die das Auswärtige Amt im Jahr 2009 bei McKinsey in Auftrag gegeben hat (Im weiteren Verlauf „Organisationsuntersuchung“ genannt). Dort wird die Strategie bestätigt und Empfehlungen für einen weiteren Erfolg gegeben.

Der Strategiewechsel im Auswärtigen Amt wurde bereits im vergangenen Jahr eingeleitet, nicht lange nach dieser Organisationsuntersuchung. In einer Hausmitteilung (PDF) von Dr. Michael Groß (Referatsleiter IT) an alle Mitarbeiter wurde Ende 2010/Anfang 2011 bekannt gegeben, dass der Strategiewechsel in Richtung Windows auf die Clients bereits im vergangenen Sommer entschieden wurde:

„Dies Hausleitung hat daher im August 2010 die Entscheidung getroffen, dass wir bei den Arbeitsplatzrechnern wieder zu einem Microsoft Ansatz schwenken. […] Konkret werden wir in 2011 jene Arbeitseinheiten der Zentrale und der Auslandsvertretungen, die derzeit mit Linux arbeiten wieder auf das vertraute Windows XP Betriebssystem umstellen. Das trifft auf etwa 3.000 Anwender zu. […] Die erste Vertretung ist bereits umgestellt, ebenso viele Arbeitseinheiten in Bonn. […] Windows XP ist dann die einheitliche Basis für den eigentlichen Schritt zu einem neuen Windows 7 und Office 2010 (Word, Excel, PowerPoint) sowie Outlook als neuem Mailsystem mit integrierter Kalender- und Kontaktefunktion. Dieses Gesamtprojekt läuft seit September 2010.“

In der Beantwortung der kleinen Anfrage liest sich das so:

„Unter diesen Aspekten konsolidiert das Auswärtige Amt seine derzeitige IT-Landschaft. Je nach zu erfüllender Anforderung wird die passende Lösung zunächst bei den in der Bundesverwaltung standardisierten Anwendungen gesucht.“

(Was mich bei dieser Antwort verwundert, ist die Verwendung des Begriffs „standardisierten Anwendungen“. Mir war bisher nicht bekannt, dass die Bundesverwaltung bestimmte Softwarelösungen als Standard festgelegt hat. Aber ich lass mich hier gerne mit Quellen widerlegen).

Interessant ist auch die Beantwortung der Frage 9 in der kleinen Anfrage nach den möglichen Kosten:

„Es entstehen keine mittelbaren Kosten, im Gegenteil, durch die Einführung von standardisierten Software-Produkten und die Nutzung von im Bund bereits vorhandenen Softwarelösungen sowie Hardwareproduktpaletten werden Effizienzgewinne (insbesondere im Hardwarebereich und bei nachfolgenden Betreuungsaufgaben) erwartet.“

Das wundert uns etwas, wenn wir uns die dazu passenden Papiere anschauen. In einer zweiten McKinsey – Studie für das AA (19. März 2010 = Clientroadmap), die netzpolitik.org in Auszügen vorliegt, steht im Fazit:

– Linux single boot „Auch nach detailierter Analyse gangbarer Weg, bei dem verstärkt gegen die vorhandenen Nutzervorurteile angekämpft werden muss“.
– Linux/Windows dual boot „Kompromisslösung, die die Vision von Linux auf dem Desktop aufrecht erhält, aber gleichzeitig Nutzeranforderungen besser berücksichtigt.
Windows single boot „Technisch möglich und aus Nutzersicht attraktiv, jedoch teuer, aufwändig und als Schritt schwer vermittelbar.
[…]
Nachteile Windows-Single Boot:

– 180-Grad-Kehrtwende für IT des AA: hohe Change-Aufwände, Risiko von Know-How-Verlust, herausfordernde Kommunikation (intern und extern)
– Vorreiterrolle und Alleinstellungsmerkmal fällt weg; der „Optionswert“ von Linux auf dem Desktop für das AA und gesamten Bund geht verloren
Mittelfristig signifikante Lizenz- und Migrationskosten

In der Beantwortung der Frage 10 der kleinen Antwort wird auf die „Organisationsuntersuchung“verwiesen. Wir haben davon nur den Teil, der explizit die Open-Source-Strategie betrifft, online gestellt (PDF), weil das sehr interessant ist und unsere Leser vielleicht noch mehr daraus ziehen können als wir. In der angeführten Organisationsuntersuchung stehen u.a. folgende Punkte:

– Empfehlung der Organisationsuntersuchung Microsoft Office abzuschaffen:

„Zunächst ist es wichtig die interne Homogenität in der Office-Landschaft zu fördern, um so den Datenaustausch innerhalb des Auswärtigen Amts zu optimieren und zumindest hier Formatierungsverlusten vorzubeugen. Die heute noch standardmäßige Installation von Microsoft Office auf den Linux-Desktops in einer virtuellen Box (zukünftig ggf. Terminalserver) sollte abgeschafft oder zumindest nicht mehr automatisch freigeschaltet werden.“

– ODF Standard härter durchsetzen:

Bei den Kontaktpunkten, bei denen dies rechtlich oder anderweitig möglich ist, sollte der im eigenen Haus verwendete Standard durchgesetzt werden. Behörden in Deutschland und der EU sind größtenteils dazu verpflichtet, ODF zu unterstützen; gegenüber Dienstleistern sollte dies in Verträgen eingefordert werden.

Wir halten fest: Eines der Hauptmotive für den Umstieg auf Microsoft Windows und -Office sollen Inkompatiblitäten zwischen dem offenen Datenformat ODF von OpenOffice und dem Datenformat von Microsoft Office sein. Man könnte auch ODF „härter durchsetzen“, um dem Anspruch der Bundesverwaltung zu erfüllen, mehr auf Interoperabilität und Offene Standards zu setzen. Dass man dies nicht macht und eine erfolgreiche Unabhängigkeits-Strategie aufgibt, kann man dann wohl als Bankrotterklärung bezeichnen.

Das Ziel der Bundesregierung war mal, auf Offene Standards zu setzen und diese zu fördern. Die Gründe dafür waren mehr Offenheit, Interoperabilität, Herstellerunabhängigkeit und Nachhaltigkeit. Das Auswärtige Amt war dabei der Vorreiter. Offensichtlich hat man sich von dieser Strategie mehr oder weniger heimlich still und leise verabschiedet.

Wir haben Matthias Kirschner von der Free Software Foundation Europe um eine Bewertung gebeten:

„Die Bundesregierung verstellt der Öffentlichkeit den klaren Blick auf den Strategiewandel im Auswärtigen Amt. Es ist zu bezweifeln, dass ernsthaft versucht wurde die Freie-Software-Strategie im Auswärtigen Amt umzusetzen. Dabei zeichnet sich ein bekanntes Muster ab: Viele „beratende“ Unternehmen profitieren überdurchnittlich bei proprietärer Sofware und verfolgen daher bei Einführung Freier Software eine Strategie des doppelten Bodens. Zunächst wird bei dem „Versuch“ der Umstellung beraten. Dann bei der Abkehr von dem „Versuch“ und der „Rettung“ über das proprietäre Standardportfolio. Die Kosten dafür tragen in der öffentlichen Verwaltung die Bürger. Darüberhinaus wird die lokale Wirtschaft geschädigt, die nur bei anbieterunabhängiger Freier Software wirklich gleichbereichtigt mitbieten kann.“

Wir haben in den vergangenen Tagen viele kleine Puzzlestücke mit Informationen aus verschiedenen Quellen erhalten. Um diese weiter zusammen zu setzen und die genauen Hintergründe für den Strategiewandel zu dokumentieren, freuen wir uns selbstverständlich über weitere Insider-Informationen. Dazu zählen auch Infos, welche Lobby-Gruppen und -Agenturen für Microsoft hinter den Kulissen aktiv sind.

Gleichzeitig haben wir zur Dokumentation einen Teil der uns vorliegenden Originalquellen veröffentlicht, damit Ihr Euch diese auch anschauen könnt und uns Bescheid zu geben, wenn wir interessante Details übersehen haben.

Update: Mittlerweile haben wir auch Statement von Elmar Geese, dem Vorsitzenden des Linuxverbandes, bekommen:

„Ich bedaure die Entscheidung des Auswärtigen Amtes. Das wir seitens der Bundesregierung kein klares Bekenntnis zu Open Source haben, obwohl dies sowohl aus Sicherheitsgründen, als auch aus strategischen Gründen angeraten wäre, ist jedoch das wirkliche Problem. grade das Auswärtige Amt hätte aus Fehlern der Vergangenheit lernen können, es sei hier nur an den Skandal mit trojanerverseuchten Arbeitsplatzrechnern erinnert, die nach China gefunkt haben. Alles in allem ist die Entscheidung des Auswärtigen Amtes sicherlich auch ein Sieg der enormen Lobbyaktivitäten, die Microsoft, aufgeschreckt durch die zunehmende Marktbedeutung von Open Source, initiiert hat.“

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89 Kommentare
  1. Ich finde die Bezeichnung „Skandal“ trifft das hier schon ziemlich gut. Dass die FDP die Bedeutung des Wortes „Freiheit“ ausschließlich im Kontext von „Free Trade“ auslegt, war ja bekannt, dass sie aber den Staat offensichtlich als ein Geldschwein sieht, welches es den privaten Investoren zum Fraß vorzuwerfen gilt, ist neu, traurig und erschütternd zugleich. Die nächste stufe politischer Prostitution ist erreicht – Erstrecht vor dem Hintergrund der Haushaltskonsolidierung und der (angeblich) *alternativlosen* Kürzungen öffentlich finanzierter Dienstleistungen.

  2. Besonders ironisch ist, dass Microsoft WinXP eigentlich überhaupt nicht mehr unterstützen möchte. Nur auf Druck ihrer Großkunden und ISVs, mangelnder Kompatibilität zu Windows Vista und 7 und großflächiger Ablehnung seitens der Benutzer wurde der Support bis 2014 ausgeweitet. Und jetzt? Will das AA 2014 nochmal eine komplette Migration durchführen, auf ein neues Windows – und diesmal für die Lizenzen sogar zahlen? Oder schließt es einen komfortablen, privaten Supportvertrag mit MS oder einem deren Partner? In beiden Fällen zahlt das Amt doch nur drauf.

    Quelle: http://support.microsoft.com/lifecycle/?LN=en-gb&C2=1173

  3. Ich dachte erst ich seh nicht recht. Das ist ja wohl der Hammer. Die Begründung, die aufgeführt wird ist auch mal wieder so eine „ich weiss nicht genau was ich sage“-Antwort mit den Buzzwords, die vorgelegt wurden. Nur irgendwie passen sie nicht so richtig.
    Erst eine Rückabwicklung zum vorher mit Bedacht abgewählten System und dann eine neue Migration!? Was das alleine an administrativem Aufwand kostet ist ja schon enorm.
    Meiner Meinung nach sind sie einfach zu eingefahren und haben Schwierigkeiten sich an das neue System zu gewöhnen. Deshalb erfinden Sie jetzt einen Grund wieder zum alten, gewohnten System zurückzuschwenken. Natürlich aus Kostengründen.

  4. Wenn ich mir die Dokumente so ansehe, dann kann diese „Rückmigration“ durchaus durch Probleme der Mitarbeiter mit Linux ausgelöst worden sein. Es gibt da ein paar Zitate aus Nutzerbefragungen, die ganz stark auf „Nein, Fortschritt will ich nicht, das mache ich schließlich schon seit Jahren so“ hindeuten. Auch wenn einigen hier natürlich die FDP-Verschwörungstheorie besser passen würde ;)

  5. Ich bin weit davon entfernt MS zu mögen bzw. Linux schlecht machen zu wollen, aber einige stellen sich die Migration offensichtlich sehr einfach vor. Im privaten Bereich mag es völlig egal sein, ob man MS, Linux oder Apple benutzt, aber im professionellen Bereich gibt es nun einmal gewisse Hürden. Das Problem ist nicht, Linux auf die Clients zu installieren und die Mitarbeiter zu schulen, das ergibt sich ja fast von alleine, sondern die Migration der ganzen anderen Software. Es gibt zig Client-Softwarelösungen die im öffentlichen Dienst eingesetzt werden, für die es keine Alternative auf Linux gibt. Es gibt genauso Server-Software die nur unter Windows läuft, da kann man nicht mal eben ein Debian drüber bügeln und hoffen das alles wieder läuft. Eine Migration ist prinzipiell eine Operation am offenen Herzen mit vielen unbekannten Faktoren und lauernden Überraschungen, da ist es doch völlig klar, dass man als Verantwortlicher den einfachen weg geht und die Windows 7 + Office 2010 Alternative anstrebt!

    Lasst mal den Idealismus (den ich auch teile) bei Seite und denkt mal ein bisschen pragmatisch, es sind immer noch Menschen die da arbeiten und die haben auch so ihre Tätigkeitsfelder, da kann man nicht mal eben 20 Mitarbeiter in eine Special Operation Unit stecken, die sich 2 Jahre mit der (Planung)Migration für Linux beschäftigen.

    Man könnte ja einen langsamen Umschwung planen, indem man bei zukünftigen Softwarebeschaffungen darauf achtet, dass diese evtl. auch unter Linux laufen bzw. sich sehr leicht migrieren lassen.

  6. Das freie Software den Leuten bei der FDP irgendwie suspekt sein muss, war eigentlich klar.
    So wie es der Artikel beschreibt scheint die Geschäftstüchtige FDP hier mal wieder ihre Klientel zu bedienen.

  7. Oh, außerdem wird erwähnt, dass wohl eine Person mit großem Linux-Know-How gegangen ist und dass insgesamt mehr Windows-Know-How verfügbar ist.

  8. Das ist wirklich ein Skandal!

    Windows XP ist dann die einheitliche Basis für den eigentlichen Schritt zu einem neuen Windows 7 und Office 2010 (Word, Excel, PowerPoint) sowie Outlook als neuem Mailsystem mit integrierter Kalender- und Kontaktefunktion. Dieses Gesamtprojekt läuft seit September 2010.

    Hm, September 2010, lief da nicht noch eine andere Anti-FOSS-Kampagne von Microsoft an… ? :D

    Okay, genug der Verschwörungstheorien. Dennoch wäre es interessant, ob man über Herrn Dr. Michael Groß noch etwas genaueres herausfinden könnte, was ihn dazu bewegt derart grundlos so Microsoft-freundlich zu sein.

  9. Da bekomme ich Schaum vorm Mund. Ja, der Umstieg auf Linux ist für „durchtrainierte“ Windowsnutzer sehr schmerzlich, weil das plattform-spezifische Know-How plötzlich futsch ist und auf Linux zäh neu erkämpft werden muss. Aber so korrupt zu sein, den einmal erfolgreich vollzogenen Wechsel wieder zurück zu drehen…

  10. Wenn man hier so die Kommentare liest, dann werd ich den Eindruck nicht los, dass hier kaum einer ne Vorstellung davon hat was es heisst 3000+ Clients und entsprechende Server zu managen.

    In solchen Umgebungen geht es nicht um persoenliche Vorlieben fuer das (gute?) Linux oder das (boese?) Windows.

    Wer schonmal ueber Interoperabilitaet in Punkto Datenaustausch nachgedacht hat, wird schnell zu dem Punkt kommen an dem er merkt, dass es im Unternehmensumfeld nunmal ein quasi de-facto Standard gibt und der heisst MS Office. Kein Mensch der unter Zeitdruck steht und Vorgaben erfuellen muss, hat Lust sich anzuehoren, dass sein Openoffice Spreadsheet in Excel wie Kraut und Rueben aussieht – ne, derjenige benutzt dann lieber gleich Excel… Derartige Beispiele gibt es sicherlich noch viele mehr. Das Excel und Co. nicht unter Linux laufen muss hier sicher nicht erwaehnt werden…

    Leider wird hier zu oft Idealismus vor Realitaet gestellt. Schade, denn das mitlesende Publikum duerfte sicherlich zu der Gruppe der „Ueberdentellerrandschaenden“ zaehlen.

  11. @blackorb
    Wenigstens einer der auch aus einem ähnlichen Bereich kommt und meine „Kritik an den Kritikern“ nachvollziehen kann.

    @Chris (14)
    Du könntest doch mal die Planung für so ein Riesenprojekt übernehmen, wenn es doch alles so simpel ist.

  12. Man darf halt auch nicht vergessen, dass die IT im Bundestag bzw. den Abgeordnetenbüros (Parlakomm) auf Windows XP und Office läuft. Kann mir schon vorstellen, dass es nicht selten ist, dass dort dann Dokumente aus Anfragen an das AA nicht zu öffnen waren, weil mal wieder das falsche Dateiformat geklickt wurde.

    Klar fänd‘ auch ich es gut, wenn freie Software bevorzugt würde, aber es muss halt auch jemand managen.

    1. @Thomas Möhle: Das Ziel der Bundesregierung war mal, auf Offene Standards zu setzen und diese zu fördern. Die Gründe waren Offenheit, Interoperabilität, Herstellerunabhängigkeit und Nachhaltigkeit. Das Auswärtige Amt war dabei der Vorreiter. Offensichtlich hat man sich von dieser Strategie mehr oder weniger heimlich still und leise verabschiedet.

  13. @Count Krey, blackorb

    die 3000+ Rechner laufen BEREITS seit einiger Zeit mit Linux und werden nun ZURÜCKmigriert!

    …kaum einer ne Vorstellung davon hat was es heisst 3000+ Clients und entsprechende Server zu managen.

    Das macht auch im AA niemand. Die haben auf 8000 Rechnern Windows XP (!).

    DAFÜR verantwortlich zu sein, und als Admin abends einschlafen zu können, DAVON habe ich wirklich keine Vorstellung.

    Ich erkenne im Gegenteil keinen Grund, auf eine vernünftige handelsübliche und mit allen Wassern gewaschene Distro zu setzen. Eine eigene zu entwickeln, und dann über genau die Abweichung von den Standards zu nörgeln, vor denen selbst McKinsey 2009 gewarnt hat könnte ich da nur als Teil einer lang geplanten MS-Strategie (die sich jetzt auch offenbart) als sinnvoll erachten.

  14. Wer, wenn nicht der Staat (also wir) sollte die tiefgehende Umstellung auf Open-Source vorantreiben? Open-Source ist Demokratie. Für die FDP sind Worte wie Open-Access, Open-Source oder andere derartige Konzepte doch „kommunistisches“ Gift.

  15. Sagt mal hat jemand verlässliche! Zahlen, die auch publizierbar sind, zu (langzeit) IT Kostenentwicklung in einem vergleichbaren Unternehmen, dass von CSS auf OSS migriert ist?

    Sowas würde ich wirklich mal gerne in die Finger bekommen?

    Aber so recht detailiertes und belastbares finde ich da nicht? Auch die FSFE hat mir auf Anfrage nicht viel in der Richtung sagen können.

  16. Denken wir doch mal strategisch. Seit Markus/Werk21 vor nicht ganz 10 Jahren diese Bundestagspetition gemacht hat, ist der öffentliche Druck für eine Beachtung anderer Plattformen deutlich zurück gegangen. Keine Partei, weder rechts noch links, positioniert sich zum Thema eindeutig. Gerade in den Ländern könnte das prinzipiell interessant sein.

    Ist schon sehr merkwürdig, dass das AA die geringsten Kosten per Arbeitsplatz hat und nicht etwa die anderen Ministerien nachziehen. Offenkundig scheint es auch keine gut organisierte Lobby zu geben, die nachhakt. Das hätte doch z.B. den Rechnungshof interessieren können.

    Strategisch fehlt also eine Institutionalisierung von Interessen. Solange das unerreicht ist, bleibt alles Stückwerk.

  17. Mich würden mal die langfristigen Kosten interessieren: Ist es günstiger, eigene Software als OpenSource Software entwickeln zu lassen, die dann innerhalb der Behörden eingesetzt werden kann, oder ist es günstiger, sich ClosedSource Software von externen Anbietern einzukaufen? Wie mayleen schon gefragt hat, würden auch mich da Zahlen interessieren.
    Wie viele Softwareentwickler und Admins könnte man von den Lizenzkosten der Microsoft Software bezahlen? Hat sich das die \wirtschaftskompetente\ FDP mal ausgerechnet? Gibt es da evt. aus FDP Kreisen Zahlen, die den Einsatz von MS Software wirtschaftlich betrachten?

    PS: Klar ist es keine leichte Aufgabe, ein großes Netz zu verwalten, aber das gilt für Windows, wie auch für Linux. Und eine Migration von einem auf das jeweilig andere OS ist auch sehr kompliziert!

  18. Wow bei McKinsey kann man ‚ergebnisoffen‘ noch steigern!

    Seite 15, ganz oben erster Absatz, zweiter Satz:
    „Der Einsatz kommerzieller Industriestandards sollte hier ergebnisoffener geprüft werden […]“

    Schön das genau dieses Wort zuletzt auch bei Fefe und Frank thematisiert wurde. Da allerdings noch ohne Steigerung. :)

  19. Hat da wer mit so einer Entscheidung verdient?

    Wichtig ist das Kohle nach USA überwiesen wird – Wertschöpfung aus Deutschland bzw. der EU abgezogen wird.

    Herrliche Abhängigkeit an einen Hersteller hergestellt wird……

    Keinerlei wirkliche Kontrolle dieser Softwareprodukte….

    Irre…. und so ein „Entscheidungsträger“ hat noch studiert…. nur was wohl? M$-Uni??

  20. Oh ich habe den wirklichen Grund gefunden!
    Torsten Werner (u.a. auch Debian Entwickler) ist zu Tarrent gewechselt und jetzt fehlt ihnen wichtiges (Debian) GNU/Linux Know How.

    Daher dann wohl der Vorschlag mehr RedHat und Windows Server einzusetzen (ohne zu erwähnen dass Kosten mit sich bringt und zu hässlichen und ggf. anfälligeren Software Monokulturen führt, Techniker haben das nicht geschrieben).

    Diese Studien sind doch immer ein Quell der Freude. :)

  21. Danke an den Leaker/die Leakerin und den Artikel. Ich wusste, dass da was nicht stimmen konnte…die FDP versucht wahrscheinlich gerade ihre Schwarze Kasse außer Landes zu schaffen…

  22. Also, die Einladungen und ‚Aufmerksamkeiten‘ von Microsoft für gute Geschäftskunden konnten sich immer schon sehen lassen (eigene jahrelange Erfahrung). Wenn das kein Grund ist …

  23. zu blackorb: also, von wegen „de facto“-Standard.
    Wir haben in unserem Unternehmen OpenOffice/LibreOffice als Standard-Officepaket am Laufen und die Interoperabilität beim Datenaustausch ist sehr wohl gegeben. Inhouse wird ODF genutzt, alles, was das Haus verlässt, ist PDF.
    Das ist in unseren Richtlinien klar definiert und wird auch so gehandhabt.
    In Ausnahmefällen dürfen MS-Formate versandt werden, wenn es z.B. explizit erwünscht wird.

    Ja, es gibt Reibungspunkte, an denen man an MS-Systemen nicht vorbeikommt (Buchhaltung z.B.), aber wir könnten auf den anderen Rechnern ohne Weiteres auf Linux im Clientsegment migrieren. Vorbereitungen sind getroffen (Dual-Boot) und werden in Bälde den Schalter dafür umlegen. Tests haben ergeben, dass der Anwender, sobald er sich an die neue Umgebung gewöhnt hat und auch vernünftig rangeführt wird, die Oberfläche irgendwann egal ist, solange er seine Arbeitswerkzeuge nutzen kann, so wie er es gewohnt ist.
    Das Feedback der User mit den Linuxsystemen ist durchweg positiv, da eindeutig weniger Abstürze oder Merkwürdigkeiten auftreten, wie vorher mit XP Pro, und das ist nachweisbar.

    Was die Administration von Linux-Clients und -Server angeht, ist diese doch eindeutig einfacher, als mit MS-basierten Systemen.

    Migrationsprojekte, wie z.B. LiMux, scheitern oder verzögern sich übrigens fast ausschließlich nur durch den Unwillen von bestimmten Köpfen und Abteilungsleitern. Oft aus politischer Motivation oder weil man sich in irgendeiner Art und Weise verpflichtet fühlt.
    Das sind meine Erfahrungen und Kenntnisse, die ich in München und den Gemeinden drumherum gesammelt habe.

    Ich freue mich jedenfalls darauf, dass das Unternehmen in Bälde Linux auf Clientebene einsetzt. Für mich, als IT-Leiter, bedeutet das, dass ich dann mehr Zeit für andere Projekte finden kann und nicht mehr irgendwelchen Druckerproblemen oder anderen minderen Problemen hinterherrennen muss.

  24. 19.03.2009

    http://www.tagesschau.de/inland/ueberwachung/bsigesetz100.html

    Der Artikel ist der Depublikation zum Opfer gefallen.

    Dort stand:

    „Angriffe aus dem Internet auf Computer nehmen drastisch zu, warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Opfer von Internetkriminalität – Hacker-, Trojaner-, oder Wurmangriffen – sind aber nicht nur Privatpersonen. Im Fokus von Cyberhackern stehen zunehmend staatliche Regierungsnetze, sei es in Ministerien, Bundesbehörden oder sogar im Kanzleramt. Dort konnten 2007 chinesische Hacker ihre Spionagetrojaner per E-Mail einnisten.“

    rleo

  25. Das Auswärtige Amt gibt also eine Organisationsuntersuchung in Auftrag und macht dann das Gegenteil von den darin gegebenen Empfehlungen?
    Kann man die FDP für eine derartig unverschämte Geldverschwendung und Dummheit aus der Regierung rausklagen?

  26. Also wenn ich diesen Artikel so lese dann bekomme ich richtig heftige Mitleidsschmerzen und zwar für den armen IT-Verantwortlichen, der in der nächsten Zeit damit zu leben hat, dass immer mehr Leute in seinem Aufgabenbereich reinpfuschen. Ich glaube der kann sich schon mal eine schöne Zelle in der Klapse seines Vertrauens aussuchen.

  27. Also ich kann gronfuzius nur zustimmen. Auch nach meiner Erfahrung sind die technischen Probleme zwar herausfordernd aber lösbar.
    Das einzig wirklich wahre Problem sind die Nutzer, und zwar nicht die kleinen Angestellten (die sind IT-Kummer sowieso gewöhnt), sonder die bestenfalls halbkompetenten Köpfe in den Entscheidungsgremien (es gibt nur wenig Situationen in denen sich der Dunning-Kruger-Effekt besser beobachten läßt, als in solchen Gremien).

  28. Ich kanns nicht mehr hören…
    Das Argument (dass ich ja auch nachvollziehen kann) ist immer dass bestimmte Client Applikationen nicht unter Linux laufen.
    Warum setzt man dann nicht einfach ein paar Windows Terminal Server auf und lässt bestimmte MS Windows Software dann auf den Linux Clients per Citrix laufen ??

  29. Es ist doch nicht anders zu erwarten gewesen. Korrupte Politiker an allen Ecken. Letztlich wird das ganze noch unterstützt durch den Zwang zu Ausschreibungen, bei denen immer das billigste gewinnt. Und hier sind meist keine „Treiber“ außerhalb der Windowswelt zu finden, was dann natürlich kostspielige Zusatzentwicklungen erfordert.

    Wenn man dann noch etwas genauer in die Organisationsstrukturen der Bundesregierung blickt wird begreifen, dass zum einen Inkompetente Mitarbeiter und zum anderen Lobbyisten der verschiedenen Industriezweige entscheiden.

    Wen wundert es letztlich, dass solche Entscheidungen gefällt werden? Würde man Leute ran lassen die etwas davon verstehen und zudem auch das Wörtchen „Loyalität“ kennen, würden viele Sachen erst gar nicht passieren.

  30. Der Hauptgrund lässt sich ja auch ziemlich leicht herauslesen:

    „… wieder auf das _vertraute_ Windows XP …“

    Übersetzt:

    „Ich komm mit dem Linux-Dingens nicht klar, ich will wieder Windows.“

  31. An: IT-Beauftragter@auswaertiges-amt.de
    Betreff: Migration auf Windows
    Datum: Thu, 17 Feb 2011 11:08:26 +0100

    Sehr geehrter Herr Groß,

    bitte erklären Sie einem einfachen Steuerzahler warum Sie entgegen allen
    Empfehlungen und in meinen Augen auch gegen jede Vernunft im Auswärtigen
    Amt wieder auf Windows migrieren möchten.

    http://www.netzpolitik.org/2011/interne-dokumente-des-auswartigen-amtes-zur-anderung-der-open-source-strategie/

    Sicherlich haben Sie gute Gründe für diesen Schritt, aber die haben Sie
    bis jetzt nicht kommuniziert.
    Bitte klären Sie mich auf!

    Ich hoffe Sie überdenken diese Entscheidung und verbleibe
    mit freundlichem Gruß

  32. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Verwaltbarkeit von Windows Clients in größeren Umgebungen durch MSs Active Directory und deren Managementwerkzeuge einfacher ist, als ein entsprechendes Management mit Linux „zusammenzuklicken“.

    Ich sehe Linux daher auch eher im Backoffice Bereich als stabile, sicher, günstige und skalierbare Lösung für den Serverbetrieb.

    Abseits der Userakzeptanz dürfte das Problem viele Linuxprojekte auch das fehlende Linux Know-How in der IT sein. Einen Windows-Admin kann man relativ leicht ersetzen, einen eingefleischten Linux-Admin dert u.U. seine eigenen Anpassungen vorgenommen hat eher nicht.

    Zum Kostenfaktor von MS-Lizenzen kann ich allerdings nur den Kopf schütteln. Das kann im Government-Bereich kein wirkliches Argument sein. Ausserdem sollten auch Linux-Systeme im Enterprise Bereich mit einer Softwarewartung auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Auch das lassen sich Linux Distributoren bezahlen. Die Kosten hierfür liegen auf ähnlichem Niveau wie bei MS.

    Letztendlich kann man pragmatisch sagen „Leben und leben lassen.“ Jedes System -ob proprietär oder quelloffen- hat seinen Einsatzzweck.

    Chris

  33. Die Nachricht über den beschlossenen und teileweise bereits umgesetzten Schwenk von Linux zurück zu Windows hat mich nicht sonderlich überrascht. Wenn man bedenkt, dass die damalige Entscheidung von Propietären Betriebssystemen auf Open Source zu wechseln unter einem „grünen“ Minister getroffen wurde, hätte ich mit diesem Schritt schon viel eher gerechnet. Hinzu kommt, dass sämtliche Entscheidungen im öffentlichen Sektor nicht nach objektiven Gesichtspunkten getroffen werden und die Entscheidungsträger in den betreffenden Sachverhalten – und das ist meine persönliche Erfahrung – keinerlei Kompetenzen haben.
    Die McKinsey-Studie hat einen erfolgreichen Wechsel hin zum Open Source-Softwareeinsatz bestätigt. Insofern liegt für mich die Vermutung nahe, dass es eine Entscheidung war, die von MS-Jüngern aus dem eigenen herbeigeführt wurde. Es mag auch daran liegen, dass ein Mitarbeiter mit tieferen Linux-Kenntnissen das AA verlassen hat. Das läßt wiederum vermuten, dass es bei der Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung bezüglich des Open Source-Strategie kein ausgereiftes Konzept gab. Die sogenannten Anwender-Probleme sowie dessen Probleme mit dem neuen Betriebssystem sind nur vorgeschoben. Ein Wechsel von Windows XP auf Windows 7 oder vielleicht Windows 8 dürfte mit vergleichbaren Umstellungsschwierigkeiten einhergehen. Die Schulungskosten entstehen hier also in gleicher Weise. Insofern ist die Argumentation von Seiten des AA völliger Blödsinn. Zur Treiberversorgung möchte ich anmerken, alle Beschaffungen innerhalb des Bundes sollen bzw. sollten grundsätzlich zentral über Ausschreibungen erfolgen. Der Sinn hierbei ist es unter anderem, Einsparungen bei der Anschaffung von Informationstechnik zu erzielen sowie eine gewisse Standardisierung zu erreichen. Hierbei wäre es also jederzeit möglich gewesen, den Kriterienkatalog um eben entsprechende Forderungen zu erweitern wie z.B. Linux-Treiber oder Schnittstellen zu anderen Plattformen. Für einen rational denkenden und mit ausreichendem Verstand ausgestatteten Menschen stellt dies keine allzu großen Anforderungen an die Vorstellungskraft dar.
    Ich könnte hier wohl noch sehr viele Dinge anführen. Aber das wäre eigentlich schon fast Stoff für ein Buch. Eines vielleicht zum Abschluß noch: objektiv betrachtet macht es aufwandsbezogen keinen Unterschied, ob ich 20 Linux-Server oder 20 Windows-Server zu administrieren habe. Natürlich immer vorausgesetzt, dass fachliche Kno How ist vorhanden und erfährt eine ständige Erweiterung. Die gleiche Aussage trifft in meinen Augen auch auf die Clients zu. Hier ist das größte Problem eher der Nutzer (auch als Anwender bezeichnet) – getreu dem Admin-Motto: der Fehler sitzt immer davor.
    In diesem Sinne einen angenehmen und fehlerfreien Tag noch…..

    Ein über den Tellerant schauender Admin

    1. Das verwalten von Windows Domänen ist aber trotz ADS nicht wirklich einfacher als das in Linux-Domänen. Sicherlich sind die einfachsten Einstellungen für den geübten Maus-Transalierer schneller getan als wenn er erst auf der Konsole was einhämmern muss aber in Sachen Sicherheit hat man mit Linux viel schneller ein System am laufen als sich durch tausend Menüpunkte unter Windows zu arbeiten. Also vom Zeitaufwand nimmt es sich glaube wenig.

      1. Also mir fällt nach Jahren der Unix/Linux Administration das verwalten von Windows Server via ADS schwer!
        1. GPOs sind nichts anderes als regedit einträge die der client nach Login lädt. Dieses dynamische MS System versagt in der Praxis nur leider öfters und bisher haben meine shell scripte bei den Linux Servern und Clients noch nie versagt. Wir sind dazu übergegangen die regeinträge ebenfalls per script am client einzutragen und haben nun deutlich mehr kontrolle und deutlich weniger merkwuerdige effekte!

        mal ne Frage welches Linux Domain Modell meinst du ?
        eine Windows Domain ist ein Verwaltungselement mit dem wir leider leben müssen das wir aber sehr gern abschaffen würden, um uns einfach nach dem zu richten was wir in 15 Jahren Erfahrung und Netzstandards gelernt und angewendet haben. Das einzige was im rest der Welt (also dem nicht MS Universum) den Namen Domain trägt ist DNS pur nach RFC und ohne properitäre erweiterung. Simpel und funktionell. (nur leider nicht sicher genug! aber daran wird ja auch seid Jahren gearbeitet!)

        Wenn ich mir eine Welt als Administrator wünschen dürfte dann hätte properitäre Software darin keinen platz.
        Nicht tranzparent.
        Nicht frei.
        Nicht demokratisch.
        SO sieht unsere Welt aus, es mag anderswo noch schlimmer sein. Aber das ist kein Grund es nicht besser machen zu wollen und sich dafuer auch einzusetzen.

  34. Die Regierung scheint in Bezug auf OSS nur Lippenbekenntnisse zu haben. Wenn die gesetzwidrige Wettbewerbsverhältnisse angesprochen werden, sehen die Behörden (auf Veranlassung der Regierenden ?) kein Grund etwas vorzunehmen. Die Wettbewerbsbehörden verlangen Beweisen von den klagenden, es wäre aber die Aufgabe der zuständige Herren und Damen die Konformität zur Wettbewerbsregeln zu überprüfen. Bei den Verbraucherschutz sieht es auch nicht besser aus. Die Umsetzung von 2005/29/EG wie sie im UWG vorgenommen wurde ist mangelhaft und ein Verbraucher kann, wenn ich das Gesetz verstehe, noch nicht einmal sich, im Falle einer Klage auf UWG berufen.

    Wenn die Gesetzgebung so zur Vorteil von Firmen und zu Last von Verbraucher verfasst wurden, muss man sich fragen ob alles wirklich auf legaler Weg verfasst wurde.

    Scheinbar spielt der Einfluss einer Marktbeherrschenden Software Unternehmer ein nicht zu unterschätzende Rolle.

    Wie wäre es mit der Verweigerung ein Teil der Steuern zu zahlen ?
    jj

  35. Die niedersächsiche Steuerverwaltung (OFD-Niedersachsen) setzt seit mehreren Jahren erfolgeich Linux am Arbeitsplatz ein und denkt nicht daran, davon abzugehen. Aus eigenen Quellen weiss ich, daß die Lobbyarbeiter von Microsoft und damit „verwandten“ Beraterfirmen immer wieder versuchen, bei den weisungsbefugten Behörden mit sog. Wohlfühlveranstaltungen zu punkten. Solange Entscheider mit Kurzsichtbrille ihrer Verantwortung nicht gerecht werden und wie dumme Jungs auf diese Werber heinfallen, wird sich daran auch nichts ändern. Ich sehe hier Parallelen zum Gesundheitswesen (Pharmalobbying).

  36. Hat sich eigentlich einer der Kommentatoren den Teil der Studie angesehen? Es ist ja schonmal interessant, dass nur ein Teil veröffentlicht wurde. Steht im Rest vielleicht etwas, was zu der Stimmungsmache hier nicht passt?

    Vor allem sind mir drei Dinge aufgefallen:

    1. Kopfrisiko
    Es gibt wohl nur zwei IT-Know How-Träger, was Linux intern betrifft. Einer davon ist gerade gegangen. Das wird als höchstes Risiko eingestuft.

    2. Es wird absolut veraltete Software eingesetzt und mit BackPorts mühsam aktuell gehalten: Debian 3.2, 4.0 bis 5.0, Firefox 2.0, 3.0 bis 3.5, OpenOffice 2.2, 3.0 bis 3.2, Thunderbird 1.5-2.0, VLC 0.8.6-1.0.0 etc. Wieviele allseits bekannt Sicherheitslücken stecken wohl in den alten Firefoxversionen, die nicht mehr supported sind? Wieviele Sicherheitslücken wurden in VLC gefunden und in neueren Versionen gefixed?
    3. Der Einsatz von w32codecs ist vermutlich illegal, weil die Dateien nicht aus Windows heraus einfach rausgenommen und separat benutzt werden dürfen. Und das durch eine deutsche Behörde…

    Die genutzte Installationsbasis scheint vor bekannten Sicherheitslücken zu strotzen. Da braucht man nicht gegen Windowstrojaner wettern. Die Chinesen haben gezielt öffentliche Rechnersysteme angegriffen. Die werden spielend leicht auch Angriffe gegen derartig offene Linuxsysteme starten können.

  37. Jetzt migrieren wir also wieder zurück zu Windows. Das lassen wir uns natürlich auch einiges kosten oder bekommt das AA seine Lzenzen umsonst?! Dann schulen wir unsere Mitarbeiter natürlich auch gleich wieder um denn einem Beamten kann man ja nicht einfach wieder vor einen Windows Desktop setzen. das verwirrt ihn nur. Auch das lassen wir uns natürlich wieder einiges kosten. Schön für die Wirtschaft denn die verdients dabei was. Das Geld dafür könnnen wir ja von den nicht erbrachten Leistungen für Harz4-Kinder nehmen. Denn um die Kosten haben wir uns ja nun schon 2 Monate gedrückt. Und wenn der Support für XP 2014 ausläuft ja wer weiß das schon. Vielleicht migrieren wir dann wieder zu Linux weil wir feststellen das es ja doch nicht so schlecht war. Das Geld organisieren wir uns schon irgend wie. Dann müssen die Raucher oder die Autofahrer eben wieder etwas mehr bezahlen. Außerdem gewinnen doch die Admins ne Menge Erfahrung und sind dann im migrieren top ausgebildet. Das muss doch auch zu was nütze sein wenn sich andere Ämter auch mal so nen Treppenwitz liefern wollen.

  38. Im Artikel wird McKinsey zitiert und dort steht sinngemäß: Windows Single Boot: Höhere Lizenzkosten.

    Frage: Wie kann Single Boot höhere Lizenzkosten haben als ein Win & Linux Dual-Boot System?

    Haben die spezielle Verträge, anhand derer Windows Lizenzen günstiger sind, wenn sie seltener gebootet werden?

  39. Es heißt ja: Rückkehr zum „vertrauten Windows XP“. Mit anderen Worten: Die XP-Lizenzen sind noch vorhanden. Daher auch die Feststellung, dass erst mittelfristig erhebliche Lizenzkosten entstünden, und daher auch die Möglichkeit, zwei verschiedene System zu booten.
    Dennoch und bei allem Verständnis für sicher begründete Kompatibilitätsprobleme: Was für eine Schande!

  40. anstatt Windows 7 anschaffen zu müssen und sich ein selbst zusammengestricktes Debian System am Leben zu halten welches dann auch noch von Amtsinternen „know-How“-Isidern betreut wird.. warum setzt man nicht auf Enterprise Linux Distros wie Redhat oder Suse ? Bei beiden herrscht jahrelange Planungssicherheit ( Suse 7 Jahre ! ) , Updates kommen regelmässig, selbst „veraltete“ Software wird jahrelang sicherheitstechnisch gepflegt und im Falle von Suse bringt die Distro sogar legale codecs für WMA/WMV/MP3/Silverlight/Flash/AAC mit – Novell hat ja extra einen Deal mit MS geschlossen, so dass auf Endanwenderseite keinerlei „Bombe“ lauern dürfte.

    Das Zusammenspiel zu Windows Active Directories,Remote Desktops,Hyper-V ( virtualisierung von Vista/2008 ) ist ebenfalls out-of-theBox gewährleistet. Das in Suse enthaltene Office ist 100% auf Office07/10 Konformität ausgelegt; sogar VBA in Excel-Sheets läuft. Dank dem freien .NET clone „mono“ ist Interoperabilität sogar zu komplexen Vista/7/Net 3.x Anwendungen oder ASP.net Projekten gegeben.

    Also .. wo ein Wille, da ein Weg. Die 50 Euro/jahr und Maschine wird das wohl wert sein – es erspart dann vor allem die Abhängigkeit von amtsinternen „Geeks“. Im Gegenteil – dafür kann die Hotline von Novell rund um die Uhr belästigt werden.

    Suse meint übrigens nicht das frei runterladbare „opensuse“ sondern die ausgereiften Varianten – eben für kritische Büroumgebungen. Der Desktop ist übrigens in der Gnome-Version ( standard in suse enterprise ) extra Windows-Umsteigerfreundlich gestaltet : TAskleiste unten, Startmenü a la Vista, „Systemsteuerung“ ( Yast ) . Übrigens komplett ähnlich wie mit Gruppenrichtlinien fixierbar, also so dass eine „dumme Tippse“ nicht aus Versehen was verstellen kann. Auch Firefox lässt sich damit locken, Webseiten sperren etc. pp. – Eigentlich wirklich die ideale Distro für gross angelegte Deployments.

    Für Regierungen gibt es sicherlich Nachlass und Rabatte sowie extra Schulungsmaterial. In Version 10 liegt sogar auf jedem Desktop eine Audio/Video-Flash „Quickstart-Tour“-Verknüpfung, die die grundlegende Bedienung a la „so machen sie dies und das“ schön einfach erklärt. ( Windows Vistas Lehr-Videos für Anfänger lassen grüssen )

    Redhat ist preislich ebenbürtig, hat allerdings mit dem ganzen MS-Schmarren nichts am Hut. Gleichwohl eignet sich das OS als robustes und sicheres Grundgerüst.

  41. Interessant ist auch, dass die Inkompabilität der Office-Dokumente (ODF etc.) als einer der wichtigsten Gründe genannt wird. Dabei sollen die laut des Rates der IT-Beauftragten doch Standard in der Bundesverwaltung werden, vgl. Beschluss 11/2008:
    http://www.cio.bund.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Ueber_uns/IT_Rat_Beschluesse/beschluss_11_2008_download.pdf?__blob=publicationFile

    Oder kommt das noch?
    Immerhin soll der SAGA-Standard 5.0 für alle verbindlich werden…

  42. Ich lese hier immer ganz viel von „Open Source“ bzw. OSS usw. …

    Für alle, die es noch nicht wissen, noch einmal, um das ein für alle mal klar zu stellen:

    „Freie Software“ ist nicht zu verwechseln mit „Open Source“!

    Wer’s genau wissen will, sollte sich z.B. mal die (keine 100 Seiten umfassende) Lektüre von Christian Imhorst „Die Anarchie der Hacker“ durchlesen (dort wird auch der Begriff Hacker richtig erklärt, aber auch gezeigt mit welchen fiesen Methoden Bill Gates und Microsoft ihren Windows-Schrott salonfähig machen konnten).

    Also: GNU-Software ist „freie Software“ (wichtig ist das Wort „frei“) und die Offenheit der Quellen ist nur _ein_ Bestandteil von freier Software. Viel wichtiger ist, dass es dabei nicht ums Geld, sondern um 100% Informations- und Partizipationsfreiheit geht (Quellcode, den man einsehen, aber nicht verändern darf ist übrigens auch „quelloffen“ bzw. „open source“). Im Gegensatz zu Richard Stallman (Erfinder von GNU, GPL und dem Begriff „freie Software“) war Eric S. Raymond Mitbegründer (neben Netscape) der OSI (Open Source Initiative) und letzlich mit verantwortlich für die Prägung des Names „Open Source“.
    Die Sourcen des Firefox-Browser (letzlich hervorgegangen aus Netscape) sind zum Beispiel nur zum Teil unter GPL und LGPL veröffentlicht (siehe im Browser unter Hilfe->Über Mozilla Firefox->Informationen zur Lizensierung).

    last-not-least @Petra:
    Jeder, der Linux benutzt, verwendet automatisch freie Software (und nicht OSS!), da ein Großteil des Betriebssystems auf GNU-Software basiert.

    1. Du schreibst:

      Die Sourcen des Firefox-Browser (letzlich hervorgegangen aus Netscape) sind zum Beispiel nur zum Teil unter GPL und LGPL veröffentlicht (siehe im Browser unter Hilfe->Über Mozilla Firefox->Informationen zur Lizensierung).

      Falsch. Bitte nochmal genau lesen:

      available under any one of the following: the Mozilla Public License (MPL), the GNU General Public License (GPL) and the GNU Lesser General Public License (LGPL).

      = „verfügbar unter *einer beliebigen* der folgenden Lizenzen: MPL, GPL und LGPL.“

      1. Und die restlichen dort gelisteten Lizenzen sind fast alle BSD-Lizenzen (schau sie mal durch) und sind alle GPL-kompatibel, d.h. können in GPL-Projekten benutzt werden. Das ist explizite Anforderung von mozilla.org an die benutzen Lizenzen.

  43. Das Frustrierendste an der ganzen Sache ist, dass mehr als ein Viertel Jahrhundert nachdem Stallman das „GNU Manifest“ publizierte (uhhhhhhiii … Vorsicht … Kommunismus …), vielen „Usern“ immer noch nicht klar ist, was das Ganze eigentlich ist …

    Ich denke, ganz wichtig ist auf jeden Fall auch der Partizipationsgedanke, der nicht im Sinne von „Hilfst Du mir, so helf ich Dir“, sondern „Ich habe hier etwas, was ich mit der ganzen Welt teilen möchte – unabhängig davon, ob ich etwas zurück bekomme.“ funktioniert. Das hat schon, wenn man es so nennen will, einen kommunistischen Ansatz. Unabhängig von Begrifflichkeiten ist aber der Effekt – und der geht eindeutig in die Richtung, ein besseres System zu schaffen, von dem alle profitieren (und nicht wie bei Windows den größten Profit wieder mal die dreistesten Menschen einstreichen).

    @Gabi: Man kann es Dir gar nicht mal verübeln, dass Du mangels Desinformation auf diesem Gebiet solche Fragen stellst.

    Trotzdem sollten sich vielleicht gerade die „User“ fragen, wie _sie_ (neben den Programmierern der freien Software) an dem Ganzen partizipieren können. Das schaffen sie sicherlich nicht durch eine Bedienmentalität im Sinne von „Ich erwarte, dass das möglichst unkompliert und auf Knopfdruck funktioniert“ (wobei das bei vielen Linux-Systemen eigentlich schon ganz gut läuft).
    Ein Problem ist sicherlich, das viele einfach „Windows-versaut“ sind. Jemand der sehr lange an seinem DAU-Status nichts verändert hat, ist zwangsläufig überfordert und in Folge dessen frustiert, wenn ihm plötzlich ein „komplexerer“ Umgang mit einem anderen System bzw. einer anderen Anwendung abverlangt wird.
    Da hilft aber nicht zähneklappern und heulen, oder schimpfen und verurteilen, sondern beständiges fortbilden und fragen. Das mag für viele eine bittere Pille sein, aber nur so ist es möglich, sich von dem Zwang, Microsoft-Produkte zu konsumieren zu befreien: blaue oder rote Pille? ->http://www.youtube.com/watch?v=OuJ87X9YX3c

  44. Da schreibt wohl jemand mit Erfahrung ;-)

    Wer (+/- Novel) SuSE, RedHat, Mandrake, u.s.w. u.s.f. und Debian kennt, wird niiiiiiiiiiemals mehr Debian missen wollen. Debian ist weltweit das am häufigsten eingesetzte professionelle OS, auf Servern UND Desktops [von den Debian-Derivaten Ubuntu, Kubuntu, Xubuntu, Linux Mint, DSL, Knoppix, GRML, UCS, Mepis, Behördendesktop, Skolelinux, dem fantastischen Maemo/N900, …….usw…….. gar nicht zu reden], nicht zu vergessen die millionen von Domains, die unter Debian laufen. Es nennt sich zu recht \The Universal Operating System\.
    Werft ‚mal einen Blick auf http://distrowatch.com/. Allein unter den ersten beliebtesten Distris finden sich Ubuntu, Mint und Debian, welche alle debianbasiert sind.
    München, Wien, Extremadura, die französische Nationalversammlung, Cuba, Südafrika, Brasilien, tausende von Schulen, Polizeien welweit und viel mehr …..usw….. haben sich für Debian entschieden.
    Ein Blick auf http://www.keks.de/linux/ kann auch nicht schaden.

    Debian läuft auf nahezu jeder erdenklichen Hardware. Mittlerweile kann man statt Linux auch einen BSD-Kernel nutzen. Debian hat die mit Abstand größte Anzahl an Packete, ist in den meisten Sprachen weltweit übersetzt und kann selbst von Blinden ohne fremde Hilfe installiert und bedient werden ………………

    Diese elende Angstmacherei bzgl. angeblicher Lizensverletzungen zeugt entweder von Naivität, Unwissenheit oder Lobbyismus.
    Ein Blick auf Linux Mint und jeder versteht was es mit den Lizens-Gefahren auf sich hat.

    Trotz alledem wird proprietere Software zwar nicht aussterben, aber es wird wenigstens nicht weiter wie Krebs wuchern können. Es wird zurecht gestutzt zu einem Nischenprodukt. Und das ist für die ganze Menschheit gut.

    Zum Thema Beamte/Behörden:
    Staatsbedienstete leben dank unserer Steuermitteln. Wir haben ein Recht, darauf zu bestehn, dass keine Steuermittel verschwendet werden! Wir haben ein Recht, darauf zu bestehn, dass Transparenz keine Worthülse bleibt! Das Bessere muss der Feind des Guten bleiben (hier gewinnt Freie Software zweifelsfrei. Sie ist ALTERNATIVLOS! (haha)). Wenn es nach mir ginge würde ich den Beamtenstatus vollständig abschaffen und sämtliche Privilegien dazu!
    In keiner Firma werden Mitarbeiter gefragt, welches OS sie denn lieber hätten. In der DeuschlandAG hat man wohl vergessen wer der Arbeitgeber ist (wer bezahlt schafft an, siehe oben)!

    Zuschauen zu müssen, wie u.a. Kinder, Rentner, Hart-IV-Betroffene, Asylanten u.s.w. in unserem Land entwürdigt und gedemütigt in Armut leben müssen und das Geld andernorts den Milliardären hinterhergeworfen wird, widert mich an. Schuldig daran machen sich aber nicht nur Politiker, Lobbyisten und Wirtschaftslenker, sondern auch Mitbürger/innen, die an den Problemen vorbeireden, weil ihre Welt eine ganz andere ist.

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