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  • : Bundesregierung: Unwissenheit oder Angriff auf Freie Software?
    Bundesregierung: Unwissenheit oder Angriff auf Freie Software?

    Im Fall der Abkehr des Auswärtigen Amtes von Freier Software verwickelt sich die Bundesregierung in Widersprüche. Die Reaktion der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

    Viele der Antworten zeigen, dass die Bundesregierung entweder wichtige Aspekte Freier Software nicht verstanden hat, oder dass die Regierung hier bewußt Freie Software im Allgemeinen und Freie Software-Unternehmen attackiert.

    So bestreitet die Regierung, dass die Entwicklungen im Auswärtigen Amt eine „Abkehr von der bisherigen ausschließlich auf quelloffener Software basierenden IT-Strategie“ darstellen. Gleichzeitig bestätigt sie jedoch, dass die Behörde auf Microsoft Windows 7 und Office 2010 migieren wird.

    Die Antwort verbreitet alte Mythen wie z.B., dass Freie Software schlechter benutzbar sei, höhere Hardware-Kosten verursache und es an Gewährleistung mangele.

    Daneben wirft die Antwort der Regierung neue Fragen auf. So erwähnt die Regierung, dass 4,3 Millionen Euro für eine „quelloffene Bundesdistribution“ ausgegeben wurde, die offenbar nie fertig gestellt wurde. Wer fragt sich hier nicht was mit diesem Projekt passiert ist, und wofür die Regierung das Geld eigentlich ausgegeben hat? 

    11. Mai 2011 29
  • : Die zweite „Kleine“ zur Rückmigration im Auswärtigen Amt
    Die zweite „Kleine“ zur Rückmigration im Auswärtigen Amt

    Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat diese Woche im Bundestag eine kleine Anfrage zur Rückmigration des Auswärtigen Amts auf Microsoft Windows XP gestellt (PDF). Die Grünen bemängeln, dass die Haltung der Bundesregierung zum Einsatz Freier Software weiterhin unklar ist.

    In den 39 Fragen geht es unter anderem um die Freie-Software-Strategie der Bundesregierung; die Verbreitung Offene Standards; Software-Monopole und Herstellerabhängigkeit; Fragen der IT-Sicherheit; und die Rolle des Innenministeriums, des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des Open-Source-Kompetenzzentrum des Bundesverwaltungsamtes (CCOSS).

    Nachdem die Bundesregierung auf die kleine Anfrage der SPD in ihrer Antwort keine klaren Aussagen gemacht hat, fragen die Grünen konkret nach:

    • seit wann der Bundesregierung die Rückmigration bekannt war (hier wird auf die geleakten Dokumente von netzpolitik verwiesen),
    • warum das Auswärtige Amt gegen die Empfehlungen der selbst in Auftrag gegebenen Studien handelt (das hatte ich in einem Interview mit der TAZ „Eine Studie nach der anderen“ bemängelt)
    • Welche Anstregungen unternommen wurden um die genannten Interoperabilitätsprobleme zu beheben,
    • warum es diese Interoperabilitätsprobleme gab, obwohl die Bundesverwaltung nach dem IT-Rats-Beschluss Nr. 11/2008 Open Document Format-Dokumente (ODF) empfangen, bearbeiten und zurückschicken können müssen,
    • was getan wurde, um die Mitarbeiter besser bei der Migration einzubinden
    • wie hoch die erwarteten und später die tatsächlichen Kosten waren
    • wie das Auswärtige Amt es schafft, dass wie die Bundesregierung schrieb, bei der Rückmigration keinerlei Kosten auftreten werden

    Die Free Software Foundation Europe (FSFE) hatte bereits in der Vergangenheit gefordert, den Prozess transparenter zu machen (siehe dazu Dradio-Wissen-Interview mit Bernhard Reiter) und begrüßt daher die kleine Anfrage der Grünen, wie damals auch die Anfrage der SPD.

    15. April 2011 13
  • : Kontraste leakt AKW-Prüfkatalog der Bundesregierung (Update)
    Kontraste leakt AKW-Prüfkatalog der Bundesregierung (Update)

    Die RBB-Sendung Kontraste hat gestern in ihrer Ausgabe über ein internes Papier der Bundesregierung berichtet: Geheimer Prüfkatalog – Alle AKW vor dem Aus?

    Interne Unterlagen der Bundesregierung, die KONTRASTE exklusiv vorliegen, belegen: Allen deutschen Kernkraftwerken droht das AUS. Experten fordern neue Sicherheitsstandards, deren Umsetzung die Energiewirtschaft Milliarden kosten würde.

    Leider immer noch etwas außergewöhnlich, aber sehr lobenswert: Die Redaktion hat das Papier gleich mit veröffentlicht. Einmal als Fließtext auf der Webseite, dann auf Dropbox und auf der eigenen Facebook-Seite:

    Das Dokument kann unter http://tinyurl.com/6bp7j8w heruntergeladen werden. Zusätzlich ist es auch auf der KONTRASTE-Seite bei Facebook einsehbar.

    Zur weiteren Ausfallsicherheit hab ich es nochmal auf unseren Server gepackt. Und hier ist die Sendung dazu:

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    Die erste Youtube-Version war wohl hinten abgeschnitten, hab den Beitrag durch eine jetzt vermutlich komplette Version ersetzt.

    Update: Warum Kontraste in dem Beitrag das Papier mit dem Datum 14.3.2011 abfilmt, aber das veröffentlichte das Datum vom 16.3.2011 trägt, weiß wohl nur die Redaktion. Oder sie haben verschiedene Diffs bekommen.

    Spannend ist ja auch immer die Frage, wer so etwas mit welchem Interesse leakt. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber vermutet auf Twitter, dass das Bundesumweltministerium den Bericht bewusst an Kontraste weitergegeben habe, um „Härte gegen Konzerne“ vorzutäuschen. Nix davon würde bleiben. Da lassen wir uns mal überraschen, was passiert, wenn die nächsten Landtagswahlen um sind.

    18. März 2011 63
  • : Dradio Wissen Interview: Ohne GNU/Linux im Auswärtigen Amt
    Dradio Wissen Interview: Ohne GNU/Linux im Auswärtigen Amt

    Nachdem einige interne Dokumente des Auswärtigen Amtes hier auf netzpolitik.org geleakt wurden, interessieren sich nun zu Recht auch immer mehr Journalisten für das Thema. Mehr Transparenz käme hier in jedem Fall allen zu Gute.

    Bernhard Reiter (Free Software Foundation Europe) sprach gestern mit Dradio Wissen darüber, was hinter dem Wechsel stecken könnte (Audio). Ich selbst habe letzte Woche der TAZ ein Interview zum Strategie-Wandel gegeben.

    Die SPD hat angekündigt, das Thema im Parlament weiter zu verfolgen. Außerdem sind auf abgeordnetenwatch mehrere Abgeordnete befragt worden (danke für das Engagement, dort Fragen zu stellen!). Bisher habe ich Antworten von Doris Ahnen (SPD), Kurt Beck (SPD), Ulrich Kelber (SPD), Michael Hanne (FDP) und Daniel Köbler (GRÜNE) gefunden.

    1. März 2011 8
  • : Interne Dokumente des Auswärtigen Amtes zur Änderung der Open-Source-Strategie
    Interne Dokumente des Auswärtigen Amtes zur Änderung der Open-Source-Strategie

    Wir hatten bereits darüber berichtet, dass das Auswärtige Amt unter Minister Westerwelle Abschied von der erfolgreichen Freie Software – Strategie der vergangenen Jahre nimmt und wieder verstärkt auf Herstellerabhängigkeit und weniger offene Standards setzen will. Die Nachricht hat deswegen viele überrascht, weil gerade das Auswärtige Amt als Vorreiter galt und auch in den vergangenen Jahren regelmäßig Erfolgsstories über den Einsatz Freier Software in der Öffentlichen Verwaltung lieferte. Andererseits waren viele nicht überrascht, hatte sich doch gerade die auf „Freiheit“ setzende FDP nie wirklich mit den Potentialen von Freier Software auseinandergesetzt (Wenige Ausnahmen wie der Bundestagsabgeordnete Jimmy Schulz bestätigen die Regel). Und Microsoft-Mitarbeiter waren gern gesehene Gäste und Sprecher auf IT-relevanten Veranstaltungen der FDP und ihrer Friedrich-Naumann-Stiftung.

    Vergangene Woche bloggte bereits Joerg-Olaf Schaefers bei uns über die Antwort der Bundesregierung (PDF) auf Fragen der SPD-Fraktion zum Strategiewechsel.

    Daraufhin fanden wir in unserem Briefkasten verschiedene Datensätze, die etwas Einblick in die Hintergründe liefern. Dazu zählt u.a. ein 300 Seiten umfassender Bericht zur Bewertung der Open-Source-Strategie, die das Auswärtige Amt im Jahr 2009 bei McKinsey in Auftrag gegeben hat (Im weiteren Verlauf „Organisationsuntersuchung“ genannt). Dort wird die Strategie bestätigt und Empfehlungen für einen weiteren Erfolg gegeben.

    Der Strategiewechsel im Auswärtigen Amt wurde bereits im vergangenen Jahr eingeleitet, nicht lange nach dieser Organisationsuntersuchung. In einer Hausmitteilung (PDF) von Dr. Michael Groß (Referatsleiter IT) an alle Mitarbeiter wurde Ende 2010/Anfang 2011 bekannt gegeben, dass der Strategiewechsel in Richtung Windows auf die Clients bereits im vergangenen Sommer entschieden wurde:

    16. Februar 2011 89