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Google aus deutschen Straßen vertrieben? (UPDATE!)

Nachdem Google sich gerade erst gerichtlich hat bestätigen lassen, dass Streetview ein legales Angebot ist, hat man sich dort nun entschieden, den Dienst in Deutschland aussterben zu lassen: Weder Aktualisierungen der bisher vorhandenen, noch die Aufnahme neuer Städte ist mehr vorgesehen.

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Es sind noch Streetview-Wagen unterwegs, aber deren Daten sollen laut Google nur zur Verbesserung von „Google Maps“ und Navigationsdiensten genutzt werden – man will wohl nur Straßennamen automatisiert auslesen lassen.

Ohne Zweifel wären das hohe Kosten für nur geringfügige Verbesserungen. Die gesammelten Daten wären – ohne kostspielige Verpixelungen – wohl auch schnell für Streetview aufbereitet. In dieser Meldung wird Google mit der Andeutung zitiert, dass man sich zumindest nicht festlegen wolle, ob die Entscheidung endgültig sei. Es könnte sich also auch ’nur‘ um ein Kräftemessen nach dem Verpixel-Eklat des letzten Jahres handeln.

Ob Google sich nun bitten lassen möchte? Zumindest ist es unwahrscheinlich, dass 250.000 Streetview-Freunde demnächst mit der Vehemenz der Gegner ähnlichem Engagement für die Wiedereinführung kämpfen. Dafür müssten – wie so oft in Deutschland – wahrscheinlich erst noch ein paar Jahre ins Land ziehen.

UPDATE: Google lässt via dpa dementieren:

[Kay Oberbeck] dementierte einen Bericht des US-Portals Searchengineland.com vom Wochenende, wonach Google die Fotoaufnamen für Street View in Deutschland gestoppt habe. „Wir haben den Dienst doch erst vor einigen Monaten eingeführt. Daher gibt es keinen Grund, derzeit erneut Aufnahmen für Street View zu machen.

In der Tat seien nun Fahrzeuge unterwegs, die Aufnahmen für Google Maps machen. Das ist seit einiger Zeit auch angekündigt. Und diese Bilder sollen auch nicht für Streetview genutzt werden, sondern für die Erkennung von Einbahnstraßen, Ladenschildern (für automatisierte Brancheneinträge) und 3D-Modellen.

An den Fakten hat sich also nichts geändert – aber die Interpretation ändert sich gründlich: „Wir haben uns noch nicht festgelegt, wann wir wie weiter ausbauen.“ heißt doch einfach nur „Wir haben uns noch nicht festgelegt, wann wir wie weiter ausbauen.“

34 Kommentare
  1. hat man sich dort nun entschieden, den Dienst in Deutschland aussterben zu lassen

    Sorry Linus, aber das ist in wohl eine Ente. Matt McGee hat sich bei „Search Engine Land“ wohl ziemlichen Unsinn zusammengedichtet.

    Weder Aktualisierungen der bisher vorhandenen, noch die Aufnahme neuer Städte ist mehr vorgesehen.

    Erstere waren meines Wissens nicht geplant (Erklärung dazu gibt es auch irgendwo hier im Blog, ich suche gleich mal). Für weitere Städte gab es bisher afaik ausser „Irgendwann 2011“ keinen Termin.

    Ich hatte meinen Blogeintrag soweit fertig, möchte vor der Veröffentlichung aber noch wissen, was Google zu der Geschichte sagt. Überhaupt: Nachfragen bei einem, der es wissen muss, ist nicht die schlechteste Idee.

    1. Es sind noch Streetview-Wagen unterwegs, aber deren Daten sollen laut Google nur zur Verbesserung von “Google Maps” und Navigationsdiensten genutzt werden

      Es könnte sich also auch ‘nur’ um ein Kräftemessen nach dem Verpixel-Eklat des letzten Jahres handeln.

      Ob Google sich nun bitten lassen möchte?

      Natürlich hoffe ich, dass es NICHT so kommen wird. Insofern freue ich mich auf deinen Artikel morgen.

      1. Es sind noch Streetview-Wagen unterwegs, aber deren Daten sollen laut Google nur zur Verbesserung von “Google Maps” und Navigationsdiensten genutzt werden

        Das ist auch spannend. Mein Stand war, dass die WLAN-Scanner ausgebaut wurden (wohl bereits im Sommer 2010). Zum Launch von Street View in Deutschland schrieb heise:

        Google stoppte daraufhin umgehend die Street-View-Fahrten weltweit, ermöglichte es den Datenschützern, das Computersystem an Bord eines der Kamerawagen detailliert zu überprüfen und baute die WLAN-Scanner aus den Fahrzeugen aus.

        Achja, Microsoft will demnächst auch WLAN erfassen. Auf der Freitag(?) gestarteten Infoseite heißt es:

        Zur Verbesserung der Dienste, die Geolokalisierung einsetzen, wird Microsoft Daten von verfügbaren Funknetzen erheben. Im Rahmen dieser Erhebung werden usschließlich Daten wie BSSID (auch MAC Adresse genannt), die Signal-Stärke und der Funktyp des WLAN gesammelt.

      2. Kurze Korrektur: „Das ist auch spannend. Mein Stand war, dass die WLAN-Scanner ausgebaut wurden (wohl bereits im Sommer 2010). “

        Bei den aktuellen Kamerafahrten geht es wohl nur um das Erfassen von Schildern und Straßennamen, nicht um WLAN-Netze.

      3. Soweit ich das sehe, geht die Ente von T-Online.de aus. Als Microsoft seine Pläne für Straßenfotos veröffentlichte, rief jemand bei Google an und fragte nach den neuen Plänen für Street View. Und wie Google seit über einem jahr kostant sagt, gibt es derzeit noch keine neuen Pläne. Aus der Nicht-Nachricht wurde dann wine News gemacht, die dann von englischsprachigen Blogs aufgegriffen wurde und wieder über den Atlantik zurückgekommen ist.

        Lausiger Journalismus ist halt international.

  2. Ah, hier schonmal. Am 21.10.2010 schrieb ich bei Netzpolitik.org in den Kommentaren:

    Zu den Updates: Gute Frage. Soweit ich Stefan Keuchel verstanden habe (ich letztens für meine FAS-Kolumne kurz mit ihm telefoniert) sind erst einmal keine Updates geplant. Da allerdings wohl auch die Widerspruchsanträge gelöscht werden, spätestens “im Rahmen der gesetzlichen Verjährung etwaiger Ansprüche”, müssten die Anträge wohl neu gestellt werden.

  3. Also ich finde Goolge sollte eine Gewinnbeteiligung an alle Hausbesitzer auszahlen. Kann ja nicht sein das ein fremdes Unternehmen durch das Photographieren meines Eigentums Gewinn macht ohne das ich daran beteiligt werde !

    So 10-100 Euro je veröffentlichtes Haus (Abhängig von Größe) wäre durchaus fair. Aber solange Google da nicht bereit ist Eingeständnisse zu machen solange werde ich natürlich der Ablichtung meines Wohneigentums widersprechen.

    Ich bin käuflich, meine Zustimmung kostet eben ein bischen ;)

    1. Wie sinnig. Andere Unternehmen machen Geschäfte mit Ihrer Adresse (Stadtpläne) oder Ihrer Telefonnummer (Telefonverzeichnisse) oder einem Luftbild, auf dem Ihr Eigentum zu sehen ist (Satteliten/Luftbildverwerter). Sollen die Ihnen jetzt auch alle Geld bezahlen?
      Ich verstehe nich warum die Deutschen sich bei diesem Thema so anstellen. Allein das „Einbrecher-Argument“ ist das lächerlichste was ich seit langem gehört hab.

  4. 1. Dürften sich wenn überhaupt nur die Leute beschweren die das Haus auch entworfen haben. Denn kein Mensch regt sich auf wenn er ein Schmuckstück im Katalog bestellt, dass ein Bild im Katalog ist.

    2. Müsste man Google sowieso schon lange verklagen, denn die verdienen sich eine goldene Nase dadurch, dass ich ihre Such-Maschine benutze!

    3. Wieso interessiert es eigentlich keinen, dass WLANs schon seit Jahren mitgeschnitten werden und die verpixelten Häuser von Google Streetview bei Diensten wie sightwalk, etc. schon vor StreetView zusehen waren?

    4. Wo sind die ganzen Bilder von den nackten Frauen im Garten?

  5. Wird höchste Zeit, das wir in Deutschland mal schärfere Gesetze gegen diese Schnüffelei der Wirtschaft bekommen. Wobei Google nur die Spitze des Eisbergs ist. Die Telekom und ihre MItbewerber erheben nach wie vor Vorratsdaten, obgleich das entsprechende Gesetz längst gekippt wurde.

    @Christian
    Schmuckstücke im Katalog haben im Gegensatz zu deiner Wohnung keinen Bezug zu deiner Person.

    1. Ich finde im Gegensatz zu den vielen Schnüffeleien der Wirtschaft, haben die Google Dienste einen erheblichen Mehrwert für die Menschen.

      Ich persönlich benutze Streetview sehr häufig.

  6. Unfassbar.
    Peinlich für Deutschland.

    Mit einer uninformierten dagegen(!!einself!)-Kultur kann man in Deutschland noch etwas bewegen. Wer innovative Ideen hat und Neues schafft, wird niedergeschrieen und fortgetrieben.

    Echt traurig.

  7. Also ich glaube ja auch eher an eine Ente bzw. verspaeteten Aprilscherz. Oder aber an eine Drohgebaerde Googles auch in Hinblick auf die Verpixelungsanordnung in der Schweiz, die ja deutlich weiter als die Verpixelung in Deutschland geht. Frei nach dem Motto: „Wenn wir verpixeln muessen, bekommt ihr kein Streetview!“

    Nichtsdestotrotz, daß ich selber gerne in Streetview herumbrowse, finde ich die Schweizer Entscheidung, konsequent alle Personen komplett zu verpixeln, grundsaetzlich richtig. Verpixelung ist immer unschoen, schoener waere es, wenn man die Personen komplett herausrechnen koennte.

  8. Jede Wette, dass Google die verpixelten Häuser in Zukunft durch große Werbebanner ersetzen wird. Das wird dann vermutlich nicht so einfach auszublenden sein, wie die häßliche Werbung hier auf Netzpolitik.org (Sorry, aber ich halte nicht viel vom Geschäftsmodell Werbung).

    To ensure that we can continue to offer the Maps APIs to developers for free, we now require that any new Maps API applications going forward display any advertising delivered in the maps imagery

  9. Google bestätigt offiziell, dass es vorerst keine weiteren Updates oder Erweiterungen von StreetView in Deutschland geben wird. Warum auch, wo es doch noch so viele Länder in der Welt gibt, die StreetView gerne auch häben möchten.

    Während Maps Einnahmen generiert und verhältnismäßig wenig Kosten verursacht, ist StreetView durch das Verpixeln ein ziemlich aufwändiger Dienst mit nur geringen Einnahmen. Solange gepixelt werden muss, wird es sich nicht lohnen.

    Bescheuertes Deutschland

  10. Nachdem Google ja die grössten Städte abgewickelt hat, kann bei den übrigen paar Ortschaften sicher auch genausogut der Herr Best an irgendeinem freien Nachmittag von Haus zu Haus laufen…

    1. @NetReaper: Vor allem: Eine Ente. Zumindest weitestgehend.

      @Ingo Jürgensmann:

      Also ich glaube ja auch eher an eine Ente bzw. verspaeteten Aprilscherz.

      Das Geschreibsel von Matt McGee ist einfach ein vollkommen übergeigter Blogeintrag, der bei der Fan-Fraktion auf fruchtbaren Boden fällt. Google gegen die bösen Datenschützern, alberne könnte die Debatte kaum sein …

      @Niedermeyer:

      Google bestätigt offiziell, dass es vorerst keine weiteren Updates oder Erweiterungen von StreetView in Deutschland geben wird.

      Nein, das tut Google gerade nicht. Es gibt schlicht keine konkrete Pläne. Daran hat sich aber seit dem Launch im November nichts geändert.

      @Andi: Google hat die Aufnahmen für Deutschland bereits im Kasten. Nicht nur für die 20 Städte, die bereits veröffentlicht wurden, sondern auch vom Rest. Gemacht wurden die Aufnahmen im Sommer 2008 und 2009, Updates sind nicht geplant. Siehe:

      http://www.netzpolitik.org/2011/google-street-view-deutschland-droht-kein-blackout/

  11. Ich tippe die schauen was MS da macht.
    Da die ja nun auch für Bing durch die Strassen fahren kann es ja sein, dass die sehen was da passiert. Ist ja nicht so, dass man wegen denen groß was hört… Bei Google haben alle geheult… Ich bin für abwarten und Tee Trinken… Google wird schon nicht aufhören damit… StreetView ist einfach super in Verbindung mit dem Smartphone Navi eine 1a zurecht Find Hilfe.

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