Kultur

Führungswechsel bei der Piratenpartei

Am kommenden Wochenende findet in Heidenheim an der Brenz ein Bundesparteitag der Piratenpartei statt. Die Mitglieder wählen dort u.a. einen neuen Bundesvorstand. Interessanteste Neuigkeit im Vorfeld: Der bisherige Bundesvorsitzende Jens Seipenbusch tritt nicht erneut an. Er amtierte seit 2009 und war zwischen 2007-2008 bereits Bundesvorsitzender. Dass Jens Seipenbusch nicht wieder antritt, ist wenig verwunderlich, da er sich in den letzten Monaten bereits zurückgezogen hatte und teilweise nicht mehr erreichbar war. In seinem Blog schreibt er, dass er nicht mehr antritt, erklärt aber nicht weiter die Gründe. Seine repräsentativen Aufgaben als Bundesvorsitzender übernahm in den letzten Monaten immer mehr der politische Geschäftsführer Christopher Lauer, dem es auch zunehmend gelang, die Piratenpartei wieder besser und öfters in der Öffentlichkeit zu vertreten.


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Laut Spiegel-Online treten neun Personen für die Wahl zum Bundesvorsitzenden an, darunter die bisherigen Vorstandsmitglieder „Daniel Flachshaar, Christopher Lauer und Bernd Schlömer sowie der Vorsitzende des Landesverbands Baden-Württemberg, Sebastian Nerz“. Die Empfehlung von Jens Seipenbusch sind in seinem Blog Sebastian Nerz und Bernd Schlömer. Nerz hat sicher bei den basisdemokratischen Strukturen der Piratenpartei Heimvorteil, da der Pateitag in seinem Bundesland stattfindet, Bend Schlömer war bisher Schatzmeister. Christopher Lauer ist sicher ein weiterer Kandidat mit guten Chancen bei der Arbeit, die er gemacht hat.

Wer es letztendlich wird, entscheidet der Parteitag am Wochenende. Bei sovielen Kandidaten wird sich die Wahl sicherlich wieder lange hinziehen und man kann sicher im Livestream zuschauen. Wer sind für Euch die Anwärter mit guten Chancen auf den Bundesvorsitz?

Kleine Empfehlung an die Piratenpartei: Bitte schreibt doch Hinweise und Hintergrundinformationen über Euren Parteitag deutlich sichtbar auf die Webseite. Ich habe gerade nach wenigen Minuten aufgegeben und außer dieser Meldung mit Ort und Zeit nichts gefunden (Suche nach Heidenheim als Veranstaltungsort lieferte auch nur diese Seite). Der Parteitag interessiert in den kommenden Tagen vielleicht auch noch Journalisten und andere Blogger. Versetzt Euch einfach in die Lage von Menschen, die nicht alle internen Kommunikationsstrukturen kennen und trotzdem an diese Informationen wollen, um über Euch zu berichten. Falls es irgendwo versteckte Links gibt, könnt Ihr diese auch noch in den Kommentaren posten und ich ergänze sie dann.

Update: Informationen zum Bundesparteitag finden sich im Wiki. Ergänzt doch einfach den Link auf Eurer Partei-Startseite oder nehmt das Wiki in Eure Suche auf.

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23 Kommentare
  1. Inwiefern es Herrn Lauer gelang die Piraten wieder „besser in der Öffentlichkeit zu vertreten“ gibt es durchaus sehr große Meinungsverschiedenheiten, aber da netzpolitik.org ja sowieso recht Berlin-fokussiert ist macht es auch durchaus Sinn, dass das so ankommt.

    Sebastian Nerz hat insofern besonders gute Chancen, als dass er bereits beim letzten BPT in Chemnitz (also weit weg von Ba-Wü) mit – für Piraten untypischem – minutenlangen Applaus für seine Rede belohnt wurde. Außerdem hat er es geschafft „seinen“ Landesverband zum bisher besten Wahlergebnis der Partei auf Landesebene oder höher zu führen, trotz „Grün-Wechselstimmung“ im Land.
    Aber auch die anderen Kandidaten wie Daniel Flachshaar oder eben Bernd Schlömer haben durchaus gute Chancen. In meinen Augen sogar bessere als Herr Lauer, da dieser eben in der Partei sehr stark polarisiert. Aber letzten Endes weiß mans vorher nicht, ist schliesslich nicht wie bei den Bundestagsparteien, wo nur bereits beschlossene Wahlen abgenickt werden ;)

    1. @Lama: Gut möglich, dass es zusammenhängt, dass ich Christopher Lauer hier in Berlin öfters auf Veranstaltungen für die Piratenpartei sitzen gesehen habe. Aber ich habe auch den Eindruck, dass er ein Vakuum füllen konnte, dass Journalisten von überregionalen Medien etwas verzweifelt waren, weil sie den Bundesvorsitzenden für Statements von der Piratenpartei nicht zu sprechen bekamen und Lauer so ein alternativer Ansprechpartner wurde.

      1. Das stimmt wiederum, wobei ich denke, dass dieses Vakuum von fast allen Kandidaten gefüllt werden kann. Denn soviel Jens auch für die Partei geleistet hat: im letzten Jahr war er quasi abwesend.

        Speziell Daniel Flachshaar hat auch in seinem Flaschenpost-Interview (bei 6. verlinkt) gesagt, dass er Aufgaben in diese Richtung gerne übernehmen möchte und auch bereits getan hat.

      2. Lauer ist immer da, wo die Medien sind. Kommen sie dann doch nicht, spielt er gerne den Troll, der eine sachliche Versammlung dann kaputt macht.

        Und auf der einen Seite ist man sicher froh, derr er mit den Medien kommuniziert, aber leider haut er immer wieder Berliner Meinungen als Bundesmeinungen raus. Die Berliner sind aber doch ein recht spezieller LV, dessen Meinung oft genug auf Bundesebene absolut nicht geteilt wird.

        Lauer ist mit seiner Art absolut ungeeignet als Vorsitzender. Hier wünsche ich mir jemanden, der vermitteln kann. Bernd Schlömer wäre daher ein durchaus guter Kandidat.

  2. Meine Meinung dazu ist in meinem Blog schon zu finden (http://blog.brechler-web.de), auch ich halte Christopher für die beste Wahl, grade wegen seiner guten Vernetzung in Berlin, aber auch Sebastian hat sicher gute Chancen. Auf bpt.piratenpartei.de sollen bald auch noch weitere Informationen, auch für die Presse, zu finden sein, wie ich hörte wird daran grade unter Hochdruch gearbeitet.

  3. Hallo, vielen Dank für den berechtigten Einwand. Einen Link zum Wiki habe ich gerade auf der Meldung auf der Hauptseite gesetzt.

    Link zu den Presseinfos inkl. Pressemappe und Presse DVD zum Download kommen heute Abend oder morgen, je nach Zeit.

    Schönen Gruß
    Aleks Lessmann

  4. Ich persönlich werde meine Stimme Tirsales (Sebastian Nerz) geben… Ich war bei seiner Wahl zum Vorsitzenden unseres Landesverbands zwar anfangs nicht nur wegen seiner politischen Vorgeschichte etwas skeptisch, er hat aber im Rahmen des Wahlkampfes mehr als bewiesen, dass er es organisatorisch drauf hat.

    Ich bin der Meinung dass seine guten organisatorischen Fähigkeiten (zusammen mit der Beharrlichkeit und Energie von Matthias Schrade aka. Kungler) zu unserem Wahlergebnis von 2,1% (trotz schwarzem Ländle und Lagerwahlkampf) beigetragen haben…

    Das Jens nicht mehr antreten wird hat sich abgezeichnet… Spätestens nachdem er mitten in (unserem) Wahlkampf immer wieder wichtige Termine, einmal sogar eine Diskussionsrundenteilnahme bei Phönix, einfach hat platzen lassen hat er viel Sympatie verspielt. Er hat viel für die Partei getan, aber man hat ihm im letzten halben, dreiviertel Jahr einfach angemerkt dass es ihm keine Freude mehr macht da im Vorstand zu sitzen…

    Christopher Lauer hat viel Arbeit reingesteckt und ich würde ihn durchaus gerne im Vorstand sehen, aber nicht als Vorsitzenden – er ist mir da einfach zu umstritten, und hat bei einigen Konflikten mehr als ungeschickt gehandelt … Von seinem Einsatz abgesehen ist er m.E. nach dementsprechend einfach zu umstritten um den Vorsitzenden zu machen.

    Im Grunde hoffe ich, dass die Leute sich besser auf die Wahl vorbereiten als beim Bundesparteitag 2010.1, wo nach vielen Stunden Wahl dann erst ein suboptimaler Vorstand da war – mit ein Grund war sicher dass viele sich erst im Anblick der Kandidaten akkut entschieden haben :-)

    Ciao,
    Martin

  5. Klar ist für mich, dass ich jmd. wählen werde für den Vorsitz, der bereits jetzt im Vorstand ist. Neuanfang gut und schön, aber es wäre doch doof, wenn wir alle gemachte Erfahrung hinwegwischen.

    Daher ist Tirsales für mich leider raus sosehr ich ihn schätze. Von mir aus kann er als Beisitzer oder Vize einsteigen, da hat er meine Stimme, aber für den Vorsitz gibt es nur drei wählbare Kandidaten. Bernd, Christopher und Daniel.

  6. „Nerz hat sicher bei den basisdemokratischen Strukturen der Piratenpartei Heimvorteil, da der Pateitag in seinem Bundesland stattfindet, Bend Schlömer war bisher Schatzmeister. Christopher Lauer ist sicher ein weiterer Kandidat mit guten Chancen bei der Arbeit, die er gemacht hat.“

    Falls Nerz gegen Lauer gewinnt, liegt das trotzdem nicht nur am Bundesland. Lauer ist in seinem eigenen Bundesland Berlin, in dem er explizit für Platz 1 der Abgeordnetenhausliste kandidiert hatte, von den Berlinern auf Platz 12 (!) gewählt worden. (Später wg. Rücktritten geringfügig aufgerückt)

    1. Hättest ja auch mal erwähnen können, dass es ne Präferenzwahl war und man gar nicht auf einzelne Listenplätze kandidiert werden konnte.

      Was man bei dieser graphischen Auswertung der Stimmverteilung sehen kann: Lauer polarisiert.

      http://wiki.piratenpartei.de/Datei:Stimmenprofil-praeferenzwahl-ahw11-lauer.png

      Was ich auch bemerkenswert finde: Hier scheinen ja anscheinend ziemlich viele damit beschäftigt zu sein, Lauer eins vor den Latz zu knallen. Was ist denn das bitte für eine Partei, die solche Aktivposten vergrault. Wollt ihr, dass die alle weglaufen?

      1. Nein im Gegenteil. Wir brauchen Aktive, wir brauchen auch Diskussionen und dafür polarisierende Meinungen.

        Aber die Aufgabe des Vorsitzenden ist es eben nicht innerparteilich zu polarisieren und spalten, sondern die gemeinsamen Positionen nach außen zu tragen.
        Und aus diesem Grund sehe ich in Lauer keinen geeigneten Vorsitzenden, aber einen guten Beisitzer oder Landesvorstand.

  7. Kann leider nicht dabei sein wegen Prüfungsstress :( …
    den 2. BPT – der wohl wieder ein programmatischer BPT sein wird -, find‘ ich jedoch bei weitem interessanter.
    Man muss mir wirklich noch mal erklären, was an diesen Vorstandswahlen immer so wahnsinnig „wichtig“ sein soll.
    Klar, Inhaltspersonifizierung zur besseren Vermittlung seiner politischen Identität, aber das ersetzt doch eine lebendige, konstruktiv-betriebsame Basis nicht im geringsten. Gerade für eine Partei, deren zentrales Motiv das Vorrantreiben von Demokratie ist, spielt die Vorstands-Kaste eine recht untergeordnete Rolle. Manchmal hab‘ ich eh das Gefühl, dass das Vorstands-Gestarre gar nicht aus uns selbst heraus kommt, sondern uns nur von außen aufgeschwatzt wird.
    Bei Vorstandswahlen seh‘ ich in der Regel Kraft meiner Stimme lediglich zu, dass keine Personen in den Vorstand geraten, die sich programmatisch-konzeptuell einfach nicht mit der Piratenpartei vertragen… und dass man ’nen vernünftigen Schatzmeister hat, der die Parteikasse nachhaltig und professionell führt…

    Naja, viel Spaß in Heidenheim, Leute; macht was drauß, und nehmt bitte den sonstigen Antrag von Boris an, der eine Zurücknahme eines verkorksten Positionspapiers aus Chemnitz einfordert – die Begründung ist nicht gerade die beste, aber die steht ja auch nicht zur Abstimmung; sachlich wäre die Annahme ein sehr erbaulicher Zug für das nahende Urheberrecht-Camp, bei dem man Abschied von Kurzschüssen nimmt und tiefgehender in die Thematik einsteigt.

    Viele Grüße,
    / aka Oliver

    1. Nimm Markus als „Vorstand“ von Netzpolitik.org als Beispiel. Er ist Ansprechpartner für Medien, er ist das Gesicht, er leitet Anfragen, Aufgaben und Einladungen an die andere Autoren weiter, er ist Vertrauensperson, er gibt Netzpolitik.org eine klare Linie, er koordiniert die Themeneinteilung, er stellt Leute ein, er hat den Überblick über das finanzielle usw

      Kurz um, ohne einen Chef wäre jede Organisation, ob Unternehmen oder Non-Profit eine Ansammlung von autonomen Personen, die ohne übergreifende Koordination und Organisation alle in ihrem eigenen Mikrouniversum arbeiten. In der Piratenpartei mögen das viele gut finden aber darum geht es nicht. Es muss auch funktionieren.

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