„Tatort Internet“: Medienwächter sehen Verstoß gegen Programmgrundsätze

Verdammt, ich hätte wetten sollen. ,)


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Pünktlich nach der gestrigen Ausstrahlung der letzten Folge der RTL2-Pranger-Show „Tatort Internet“, stellt die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Landesmedienanstalten heute fest, dass das Format gegen die im Rundfunkstaatsvertrag verankerten Programmgrundsätze verstoßen habe.

Nach Einschätzung einer Expertengruppe der Landesmedienanstalten, die insgesamt vier Folgen geprüft hat,verstoßen die ausgestrahlten Sendungen gegen die im Rundfunkstaatsvertrag verankerten Programmgrundsätze, da sie die Persönlichkeitsrechte nicht hinreichend wahren.

Die ZAK kritisiert, dass die Redaktion nicht ausreichend sicher gestellt hat, dass die dargestellten Personen nicht durch Dritte öffentlich bloßgestellt werden können.

Von Konsequenzen für die RTL2 oder die verantwortliche Produktionsfirma Diwafilm steht nichts in der Pressemeldung der ZAK. Ob die Reihe fortgesetzt werden soll, ist laut SpOn noch nicht entschieden.

Die für die Belange des Jugendmedienschutzes in unseren Landen zuständige KJM konnte Anfang des Monats keinen Verstoß erkennen.

31 Kommentare
  1. Na das fällt denen aber früh ein.

    Es lässt kaum noch Zweifel, daß die Sendung von bestimmten Kreisen „politisch gewollt“ war und man eben trotz der eigentlich offensichtlichen Unrechtmäßigkeit es schaffen konnte partei- und klüngelnahe Medienwächter wenigstens solange zurückzuhalten bis das Ziel erreicht war, eine Debatte anzustoßen. Und ein „Das hätte nicht passieren dürfen“ ist halt mit weniger Unannehmlichkeiten verbunden als hätte man vor ein paar Wochen gesagt „Sofort die Sendung absetzen!!“. Somit konnte man seinem Kontrollauftrag genüge leisten, aber gleichzeitig die Bedürfnisse „bestimmter Kreise“ befriedigen.

    Aber der Stern von „Tatort Internet“ scheint auch so zu sinken… nachdem RTL II und Innocence in Danger vor ein paar Wochen stolz verkündet haben daß sie ein „Modellprojekt“ im Zusammenhang mit der Sendung an einer Schule in Kempen/NRW machen wollen, kam von dort vor ein paar Tagen ein Rückzieher:

    http://www.rp-online.de/niederrheinsued/kempen/nachrichten/LvD-sucht-geeigneten-Partner-statt-RTL-II_aid_932133.html

    Es sollte um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch im Internet gehen, ein Thema, dem sich RTL II in der Reihe „Tatort Internet“ widmet. Am Mittwoch sprachen sich jedoch die Vertreter der Lehrerschaft, Erziehungsberechtigten und Schüler in der Schulkonferenz gegen weitere Verhandlungen mit RTL II aus.

    Wenigstens gibt es noch Leute mit Verstand die die Panikmache von Frau Guttenberg und co. nach verständiger Würdigung doch nicht unterstützen wollen.

  2. Die Frage ist, wie geht es von hier aus weiter… wird man in der nächsten Staffel – wenn es eine gibt – die „Täter“ komplett unkenntlich machen (obwohl ich eh bezweifle daß man dies kann), oder wird man vielleicht bis dahin die überaus lästige Unschuldsvermutung abschaffen, wie von Frau Krafft-Schöning bereits angeregt?

    Ich hab jedenfalls ein ganz ungutes Gefühl, daß diese Geschichte irgendwann weitergehen wird. Da die politische Interessenlage hinter den Kulissen so eindeutig pro „Tatort Internet“ ist, dürften wir uns wohl noch auf einiges einstellen, spätestens wenn es um die Umsetzung der gerade diskutierten EU-Richtlinie geht. Welche im übrigen in der aktuellen Fassung bei weitem nicht so drakonisch ist wie das, was Jugendlichen am Ende in Deutschland bevorstehen könnte wenn Institutionen wie „Innocence in Danger“ ihren Willen bekommen.

  3. Ich habe gestern die Sendung mal wieder verfolgt. Es sind ja Doppelfolgen – In der zweiten habe ich folgende Verstösse der Macher, des Herrn Nagel und des Sicherheitsfuzzis gesehen (der angebliche BKA Mitarbeiter der Hartz4 Empfänger ist)

    – Freiheitsberaubung
    – Verstoss gegen die Persönlichkeitsrechte: Auslesen des handys
    – Verbreitung kinderpornographischer Bilder durch das Auslesen der Handies (das gesamte Team vor Ort ergeiferte sich an den Funden, auch der Lockvogel)
    – Physische Gewalt durch den Security-Mitarbeiter: „Nun red schon“. Die Art des anschliessenden „Verhörs“ war sehr grenzwertig

  4. Hallo,
    also grundsätzlich müsste man dann den Vergleich zu anderen Sendungen im sogenannten „Infotainment“-Sektor heranziehen. Hier ist die genannte Sendung Tatort Internet sicherlich noch weiter fortgeschritten und bietet zumindest einen rudimentären Persönlichkeitsschutz.

    Vielleicht sollte man sich dann allgemein die Frage stellen, wie gut die Medienaufsicht überhaupt arbeitet.

    Gruß

    Marc

  5. @Marc: Im Gegensatz zu den meisten anderen Infotainment-Formaten ist „Tatort Internet“ aber auch nicht gescripted.

    Selbst bei Casting-Formaten und Talkshows könnte man immer noch anmerken, dass die Teilnahme freiwillig ist und die Akteure nicht von „Security-Mitarbeitern“ unter Druck gesetzt werden.

    PS: Früher, ganz früher, haben die Gremien der Landesmedienanstalten tatsächlich einmal debattiert, ob man Menschen, die die Folgen ihres medialen Handelns nicht abschätzen können, schützen müsse. Es gab sogar Selbstverpflichtungen, die heute gerade zu anachronistisch wirken.

  6. Hallo,
    was soll das denn.???
    Ich finde dass die Täter mehr geschützt werden als die Opfer.
    Mich hat das Thema tief berührt. Die Justiz kann ja leider erst eingreifen wenn die Tat vollbracht ist.
    Aber ich habe auch einen Kindes-Missbrauch bei rtl selbst empfunden!!!
    Bei wer wird Millionär, Formel 1, z.B. gibt es was für Zuschauer zu „gewinnen“.
    Der Anrufer zahlt 0,49€ pro Anruf/SMS
    und darunter steht:
    MITMACHEN und GEWINNEN (können KINDER an) 14 JAHREN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Hallo – hier werden ahnungslose, minderjährige, nicht geschäftsfähige KINDER verführt, anzurufen und das Geld der haftenden Eltern auszugeben!
    In meinen Augen ein Verbrechen: Missbrauch von Kindern!!!
    Ich erwäge eine Strafanzeige gegen derartige Machenschaften!

  7. Hi, ich finde auch das diese Sendung uns Eltern, ein Stück weit informiert hat, darüber was den eigentliche am Nachmmittag in den Kinderzimmern so vorsichgehen KANN !
    Die Diskussion über den Inhalt der Sendung finde ich unangebracht und gebe Johni recht, es gibt andere Sendungen ma Nachmittag ! die unseren Kinder und den Erwachsenen wohl mehr Inhaltlich schaden ( will hier keine Namen nennen ).
    LG Andrea

  8. @Andrea: Wenn du auf RTL2 angewiesen bist, um zu wissen, womit sich deine minderjährigen Kinder beschäftigten oder welche Gefahren im Netz lauern, solltest du – auch im Interesse deiner Kinder – über einen Termin beim Jugendamt nachdenken.

    Sag einfach, dass du überfordert bist und dich bei RTL2 bedanken möchtest.

  9. @andrea

    Bei allem Respekt für Leute, die nicht so medienaffin sind wie viele Leser dieser Website – RTL2 und Konsorten kann man wohl kaum einen Bildungsauftrag unterstellen. Andere Sendungen des sogenannten „Unterschichtenfernsehens“ werden ja auch als inszeniert erkannt und auch die Aufmachung von Tatort Internet spricht Bände:
    – dramatischer Plot,
    – Spannungsbogen-Musik,
    – manipulative Sprecherstimme,
    – Vorführen des Täters,
    – Laienschauspiel und künstliche Kameraszenen in „Beobachterperspektive“).

    Wer meint, aus solchen Sendunge könnte man etwas für den Alltag lernen, der sollte wirklich etwas für seine Bildung tun und sich in seriösen Medien mal informieren. Und was die Kinder betrifft, einfach mal mit ihnen sprechen oder im Zweifel mal einen PC-Auskenner an den Heimrechner lassen..

  10. Derweil macht die BILD-Zeitung munter weiter und versucht krampfhaft, die Teenager-Morde von Bodenfelde mit dem Internet in Verbindung zu bringen:

    http://www.bild.de/BILD/news/2010/11/24/bodenfelde-doppelmord/fahndungserfolg-hat-er-nina-und-tobias-ermordet.html

    Im Internet suchte Jan O. den Kontakt zu jungen Mädchen. In einem sozialen Netzwerk für Jugendliche hat er 20 Freunde – davon 18 minderjährige Mädchen. […] Mehrfach und ganz gezielt forderte der 26-Jährige im Internet junge Mädchen auf, ihm zu schreiben: „Hat ein Girly zwischen 10 und 16 Interesse zu chatten und vielleicht mehr, bitte melden.“ Oder: „Suche Girls zwischen 10 und 14.“

    Nun, wenn „Jan O.“ als Mörder überführt worden ist, dann soll er auch voll mit der angemessenen Härte des Gesetzes bestraft werden. Aber hier hat man in gewohnter Manier wieder jemanden öffentlich exekutiert und die Unschuldsvermutung implizit aus dem Fenster geworfen. Die Unkenntlichmachung ist wieder mal ein Witz, zusammen mit den anderen Infos die man über ihn lesen kann.

    Nach allem was die Polizei jedoch bislang zu diesem Fall vermeldet hat, stellt ein möglicher Grooming-Aspekt keinen Zusammenhang zu den hier begangenen Taten dar, es handelt sich nämlich wohl gerade nicht um Sexualmorde. Aber das ist eben BILD – wenn man einmal auf so einer Mission ist, dann kommt auf so eine Meldung der Spin drauf den man haben will. Schließlich muß das Thema bis zur nächsten „Tatort Internet“-Staffel in den Medien gehalten werden.

  11. Grooming in Chats ist ein echtes Problem. Aber dagegen hilft Aufklärung. Anstatt solche skandalisierenden Sendungen zu produzieren, die keinerlei Hilfe vermitteln, sollten dieselben Leute fordern, dass z. B. in der Schule endlich ein adäquater Umgang mit dem Internet lehrplanmäßig unterrichtet wird.
    Es ist doch erst mal ganz einfach: ein internetfähiger Rechner gehört nicht ins Kinderzimmer.
    Verantwortungsvolle Eltern lassen doch nachts auch nicht die Tür zum Kinderzimmer auf und packen dann noch ein Schild an die Haustür: hier bekommen Sie Kontakt mit einem unbedarften unbeschützten minderjährigen Kind.

  12. Wenn der Autor von den Kommentaren 30% beiträgt (3 von 15, Stand 24.11.10 / 1045h MEZ), wirft das ja schon Fragen auf, zumindest solche nach dem Stil. Wenn er aber undifferenziert die Trolle bedient (vgl. 11.) stösst das einem in einem sonst so gut gemachten und sich durch seine kritische Distanz auszeichnenden Blog wie Netzpolitik sauer auf. Da scheint dem Moderator wohl der Selbstdarsteller durchgegangen zu sein.

  13. Wie sieht das eigentlich mit den Chats aus in denen die Personen sich als minderjährig ausgeben?

    Spin wurde in der jüngsten Sendung genannt (auch wenn es etwas unterdrückt wurde):

    „Der Nutzer versichert mit Anerkennung dieser Nutzungsbedingungen, dass er entweder das 18. Lebensjahr vollendet hat oder ihm eine ausdrückliche Einwilligung seiner Erziehungsberechtigten vorliegt, die in Abs. 1 genannte Community zu nutzen.“

    Bei den Männern die auf den angeblich 13jährigen gestanden haben meine ich „gayromeo“ gehört zu haben. Auch dieser Chat ist ab 18.

    Muss ein Chatter dann nicht dort annehmen sein Gegenüber ist 18 und steht zb. auf Ageplay?

    1. […]meine ich “gayromeo” gehört zu haben.[…]

      Wie bitte?

      Wenn dies stimmt, dann wirft das einige sehr unbequeme Fragen auf…denn der Name des Chats dürfte doch schon einiges über die Thematik um die es in dem Chat geht aussagen…..oder anders gefragt was haben juristische Kinder (Lockvögel) in einem expliziten Sex-Chat überhaupt verloren?

      bombjack

  14. Hallo bombjack,

    es fing mit g an (..dann setzt das piepen an..) und dann kommt nach dem piepen noch ein o.

    Und der Name Spin ist wortwörtlich so gefallen.

  15. @ 24

    Danke, guter hinweis. Es scheint wohl wirklich so zu sein..
    Mich hat eh immer schon so gewundert dass die grade bei schwulen so „extreme“ Kerle dabeiwaren… wenn man sich die Leute natürlich in einer Gay Sexcommunity „einfängt“ dürfte sowas kein Wunder sein…

  16. Ich vermute, diese Sendereihe sollte lediglich aufrütteln und keine Panik verbreiten, sonst käme sie der harten Realität noch ein gutes und damit unerträgliches Stück näher.

    Das jedermann darüber spricht, zeigt das die Sendung reflektiert. Damit wäre das Klassenziel erreicht.

    Letztendlich sollte es Aufgabe der Eltern und Lehrer sein, die Kinder auf die Gefahren des www vorzubereiten … vorausgesetzt, die Notwendigkeit wird erkannt und sensibel umgesetzt.

    Zu Kommentar 27: Jedes Kind kann sich, unter Angabe des geforderten Mindestalter, auch in einschlägigen Foren registrieren. Wer will die Angaben auf deren Richtigkeit überprüfen? Selbst wenn eine Tür verschlossen bliebe, würden sich tausend andere öffnen … für Täter sowie Opfer aus JEDER Gesellschaftsschicht.

  17. @ 28

    Ich denke NICHT dass es um Aufklärung ging.
    Klar kann sich in vielen Fällen ein 13 jähriger in einer Sex Community anmelden. Aber bitte ehrlich.. ist es Standart dass sich 13 jährige auf Schwulen Sex Seiten rumtreiben ?! Das ist doch Zuschauerverarschung, die meisten denken doch dass der „13 jährige“ auf Jugendseiten von solchen Kerlen angeschrieben wird.

  18. Jederzeit kann ein 13 jähriges Mädchen / Junge auf offener Straße, aber auch in Gassen, Hinterhöfen und dunklen Plätzen angesprochen werden. Auch kann diese Person körperliche Anäherungsversuche machen ohne dabei gesehen zu werden. Es wird so getan, als ob so etwas nur in einem „anonymen“ Chat sich abspielt. Dass das Grooming im Internet die große Gefahr für unsere Kinder ist.
    Die größte Gefahr war und ist, seine Kinder nicht über das Leben rechtzeitig aufzuklären. Das ein Erwachsener Gelegenheit bekommt mit einem 13 jährigen Kind Sex zu haben, hängt letztendlich in sehr hohem Maße mit Naivität des Kindes zusammen. Bei einem unaufgeklärten und geistig schlecht entwickeltem Kind kann ich mir solche Szenen, wie in dieser Sendung aufgezeigt vorstellen. Bei den meisten echten und ungestellten Fällen, ist es das in enger Beziehung stehende Kind das zum Opfer wird. Diese Sendung ist und bleibt ein Fall der Volksverblödung.
    Man könnte jederzeit auf die Strasse gehen und Kinder mit Migrationshintergrund zum Kaufhausdiebstahl überreden und würde ebenso viele Kinder finden um dann die Behauptung aufzustellen, Kinder aus Migrationsverhältnissen neigen zum Diebstahl.
    Schwachsinns Sendung und Volksverdummung ist das !!!
    PS: Uns wurde als Kinder noch beigebracht, uns möglichst nie alleine in uneinsichtigen Plätzen aufzuhalten, weil es auch böse Menschen gibt, die uns etwas antun wollen. Außerdem locken uns solche Erwachsene mit tollen Geschenken und großartigen Versprechungen. Über Pädophilie wurde dabei nicht gesprochen, aber wir wußten was gemeint war …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.