Öffentlichkeit

Passend zur Wahl: Netzzensur in Weißrussland

In Weißrussland sind heute Wahlen und das Regime hat einige Aktionen gestartet, damit die Bürger sich nicht mehr so gut im Netz informieren können. Als Klassiker hat man SSL gesperrt, damit man nicht mehr gesichert auf Facebook, GMail, Twitter & Co zugreifen kann. Das funktioniert aber immer noch nicht so richtig, wie Evgeny Morozov auf Twitter schreibt, der gerade im Lande ist. Über den Browser kann er nicht auf GMail mit SSL zugreifen, über die iPad-Mail-App scheint das noch zu funktionieren. Wie Morozov weiter twittert, hindert die SSL-Sperre auch viele Oppositionsgruppen daran, über ihre Mailinglisten zu kommunizieren, die SSL verwenden. Ebenfalls ein Klassiker sind DDos-Attacken auf kritische Webseiten in den Tagen vor der Wahl.

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Eine etwas ungewöhnlichere Strategie scheint auch zu sein, dass kritische Webseiten gespiegelt worden und ein Aufrufen der jeweiligen Domain auf eine fast gleich klingende Domain weiterleitet. Ein Aufruf der kritischen Webseite gazetaby.com routet automatisch auf gazetaby.in. Hal Roberts vermutet, dass man damit verhindern will, dass am Wahltag auf den Webseiten kritische Texte erscheinen, die dann nicht auf den Fake-Seiten gespiegelt werden.

Bei Zeit.de gibt es noch einen Hintergrundartikel zur politischen Situation kurz vor der Wahl: In Stalinchens Reich.

Jung sein in Europas letzter Diktatur: In Weißrussland wird gewählt – Studenten fürchten sich vor dem Konflikt mit dem Regime.

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10 Kommentare
  1. Das ist mir alles etwas rätselhaft. Wie funktioniert eine Sperrung von SSL? Und reicht bei umleiten der Webseiten nicht schon einen DNS-Server manuell einzutragen?

    Grüße!

  2. …das erklärt dann auch warum das iPad geht… einfach den Browser auf den Port umbiegen, den das iPad verwendet (auf dem antwortet gMail ja offensichtlich) und gut.

    Ist zwar schon ziemlich pervers, aber einen Schritt weiter wäre doch dass man mit nem bisschen DPI (man muss ja nichtmal intensiv inspizieren) ermittelt ob SSL gesprochen wird oder nicht. Bzw. ob irgendwie (OTR) verschlüsselt wird (der Datenstrom keine Klarworte enthält).

    Naja, nächste Wahl…

  3. Ich glaube wir wissen gar nicht, wie gut es uns in Deutschland geht. Wenn man die Ereignisse in Minsk verfolgt, wo Weißrusslands Präsident Lukaschenko ist aus der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Wahl als Sieger hervorgegangen. Gegen das Ergebnis regt sich massiver Widerstand. In Minsk demonstrieren Zehntausende Menschen. Sie versuchten, ein Regierungsgebäude zu stürmen, wurden von der Polizei aber gestoppt. Lasst uns mal aufhören zu jammern und das Leben so geniessen, wie es ist.

  4. @ebook news: In Stuttgart wurde vor Jahren ein Projekt namens Stuttgart21 verabschiedet. Dagegen regt sich seitdem massiver Widerstand. Es demonstrierten zehntausende Menschen, versuchten dies zumindest, wurden aber von der Polizei „gestoppt“.
    S21: Polizeieinsatz, gewaltbereite Demonstranten
    Weißrussland: Diktator lässt Opposition niederknüppeln, Regime wehrt sich mit brachialer Gewalt

    Ich will dir nicht unterstellen, du hättest dich für S21 nicht interessiert, mir ists nur ein Dorn im Auge, das das deutsche Volk sich so sehr von den Medien leiten lässt. Erleb das selbst zuhauf im Bekanntenkreis, über S21 wird kurz bei ner Zigarette geredet, zum Thema Weißrussland regen sich manche auf als ob sie selbst dort leben würden. Das vor unserer Haustür allerdings auch jede Menge Mist passiert wollen viele nicht für Wahr haben, Bild berichtet ja auch nicht so reisserisch darüber ^^

  5. Nicht nur in Weißrussland, sondern auch in der EU gibt es massive Zensurbestrebungen. Hier ein Artikel zu Ungarns neuer Medienbehörde:

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-12/ungarn-mediengesetz-orban

    \Ministerpräsident Viktor Orbán verteidigte das Gesetz. Es setze unter anderen wichtige EU-Vorgaben im Jugendschutz, Kartellrecht und Digitalisierung um. \Es enthält kein Element, dass es nicht im Mediensystem in irgendeinem europäischen Land gäbe\, sagte er vor wenigen Tagen.\

    Und wieder einmal werden nur EU-Vorgaben umgesetzt….das heißt für uns: nicht glücklich sein, sondern aufstehen und die Missstände anprangern! Auch wir können uns in der EU für die Ungarn einsetzen – das kommt auch uns zu Gute.

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