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Missbrauch per Mausklick und ein Königreich für ein paar Fakten

Gestern lief im Deutschlandradio Kultur das politische Feature „Missbrauch per Mausklick – Kinderpornografie überschwemmt das Internet“. Ich hatte selber noch keine Gelegenheit reinzuhören, aber vielleicht mag ja jemand von euch. Eine mp3-Konserve ist vorhanden:


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

„Missbrauch per Mausklick – Kinderpornografie überschwemmt das Internet“
Von Jens Rosbach

Kinderpornografie ist streng verboten. Und doch ist das Internet voller einschlägiger Aufnahmen. Jeden Tag werden massenhaft neue Bilder geschändeter Jungen und Mädchen online gestellt.

Mehr als 15 Millionen Aufnahmen sollen bereits im Netz kursieren. Wer ist so süchtig nach dem verbrecherischen Sex-Material? Und was kann die Polizei tun, um den Sumpf trocken zu legen? Eine Sendung über kranke Konsumenten, gerissene Geschäftemacher und ratlose Politiker.

Und wo wir gerade beim Thema sind: Malte Welding zerpflückt als „Nicander A. von Saage“ im FAZ.net Stephanie zu Guttenbergs Buch „Schaut nicht weg!“.

Stephanie zu Guttenberg, die Frau frei von Fakten, hätte genug daran zu tun, in der Partei ihres Mannes für eine gewaltfreie Kindererziehung zu werben. Hinter den Kulissen, ohne Talkshowauftritte. Und ohne ein Buch, das die Welt nicht braucht.

Nein, auch sonst ist wahrlich nicht nett, was Malte über unsere kommende First Lady schreibt. Im zweiten Drittel argumentiert er leider etwas sprunghaft, was seine Auseinandersetzung für jemanden, der nicht im Thema ist, recht abenteuerlich erscheinen lässt. Egal. Bitte trotzdem lesen.

29 Kommentare
  1. wer sollte sich das hier anhören? Ich hab schon einen Würgereflex bei der Kurzbeschreibung.

    Und falls dann noch Stimmen von der Leyendarstellerin oder ähnlich demagogischem Gesocks zu hören sein sollte, ….neee, da ist mir mein Blutdruck zu schade :-)

  2. Man merkt dem Radio-Feature an, dass der Autor sich bemüht hat, allen Positionen Rechnung zu tragen. Leider merkt man auch, dass offensichtlich jedes technische Verständnis fehlt. Daran krankt der Beitrag, so dass die üblichen Verdächtigen unwidersprochen ihre Thesen verbreiten konnten.

    Peinlich das Zitat aus den Kriminalstatistiken, wo nicht erkannt wurde, dass die Ausschläge nach oben ausschließlich auf den Massenermittlungen in Sachen „Mikado“ & Co beruhen.

    Insgesamt war ich enttäuscht.

  3. kranke Konsumenten? Diese sind nicht krank. Zumindest ist das medizinischer Konsens.

    Gerissene Geschäftemacher? Ich will ja nicht abstreiten, dass es da draußen Geschäftemacher mit diesem Material gibt, aber so viele können es doch nicht sein. Wo ist denn der Markt?

    ratlose Politiker? Nichts neues. Die sind immer ratlos.

  4. OK, dieses Feature ist unerträglich, unfassbar undifferenziert und polemisch.

    Es beginnt mit Beschreibung des (vermeintlichen) Zustandes: Millionen von Bildern, ständig frisches Material, kommerzielle Angebote nehmen zu.

    Dann Interview mit einem „Kinderporno-Süchtigem“, der wie folgt charakterisiert wird: „Der 35-jährige hat ein blasses, schmales Gesicht. Er wirkt ängstlich und unterwürfig“.

    Als nächstes: Operation Data, die abgefeiert wird u. a. mit „durchsuchen massenhaft Wohnungen, leiten hunderte Strafverfahren gegen die Konsument ein“. Wie viele davon zu Verurteilungen führten? Erfährt man nicht. Auch ansonsten: alles für die Kinder!!1!

    Nun: Verknüpfung von KiPo mit allem möglichen anderen „Cybercrime“: Phising, Identitätsdiebstahl.

    Jetzt: Operation Mikado. Die Rasterfahndung wird gefeiert ohne daß dem Featuremachern auch nur ansatzweise die Verhältnismäßigkeit aufzufallen scheint: „Die Strafverfolger rasterten daraufhin sämtliche 20 Mio. Kreditkartenkonten in Dtl. nach diesem Betrag und konnten so mehr als 300 mutmaßliche Konsumenten entdecken.“

    Lustiger Zwischenmoderationstext, der die bisherigen „Erkenntisse“ zusammenfassen will: „Professionell gestaltete Webseiten, Kreditkartenüberweisungen, Kunden weltweit – alles Hinweise auf eine organisierte Kriminalität“.

    Jetzt kommen zum ersten Mal eine Gegenstimme, die diesen Massenmarkt bezweifelt.
    Dennoch bleibt der Tenor: mag zwar nicht kommerziell sein, aber dennoch gibt es eine Kinderpornoszene, die im Verborgenen agiert.

    Jetzt gibts lächerliches Technik-Gefasel: neben „abgeschirmten Online-Foren“ verwende die „Szene“ auch „P2P-Kommunikation“ über „gewöhnliche Filesharing-Seiten“. Um nicht aufzufallen.
    Und sie anonymisierten ihre E-Mails. Oje.

    Wir sind jetzt bei Minute 10 von knapp 30 und wir besuchen das tolle Technikcenter des LKA Berlin, euphorisch beschrieben.
    Man erklärt uns, daß die Polizei überfordert ist von all den beschlagnahmten Massen an Datenträgern.

    Außerdem ganz schlimm: das Verbot der Vorratsdatenspeicherung, die unser Liebling Ziercke unbedingt zurückhaben will.
    Wir wissen, daß die VDS nie für KiPo hätte verwendet werden dürfen, der Feature-Hörer erfährt dies nicht.

    Immerhin darf Constanze Kurz jetzt mal Ziercke widersprechen.

    Sofort hierauf erfahren wir: zwei Lager stehen sich angeblich gegenüber in der KiPo-Debatte.
    1. Netzaktivisten, die maximale Meinungsfreiheit fordern (wir erinnern uns: niemand der sog. Netzaktivisten hat je KiPo als Meinung bezeichnet, die frei sein solle)
    2. Polizisten und Politiker, die maximale Ermittlungsfreiheit wollen.

    Nach der VDS kommen wir nun zu #zensursula.
    Wir hören v. d. Leyen und Ziercke im O-Ton und mich schüttelt es, wenn das tolle Stoppschild gelobt wird.
    Die Kritik bekommt keine eigene Stimme, sondern wird vom Sprecher vorgetragen bis auch Constanze wieder einen Satz loswerden darf.

    Weiter gehts in die EU und zu #censilia. Löschen sei zwar nachhaltiger als Sperren, erklärt der Sprecher dem Hörer, aber soooooo aufwendig und hochbürokratisch, während Sperren sofort wirke.

    Constanze darf Abuse-Mails erwähnen, woraufhin die bekannte Lüge (Wissenschaftl. Dienst hat dies längst widerlegt) kommt, die Beamten dürften einfach nicht solche Schreiben verfassen.
    Und überhaupt: die (ausländischen) Serverbetreiber sind total schwer zu ermitteln.

    Wir hören wieder, daß seit Einführung des Internets die Kinderpornographie stetig angestiegen sei mit Höhepunkt 2007. Wir erinnern uns: 2007 – Operation Himmel (bzw. Heiße Luft)

    Nun darf mal ein Pädophilen-Forscher etwas sagen, der die 68er für KiPo mitverantwortlich macht und das Anfix-Argument bringt bzw. sagt, daß KiPo-Konsumenten „unstrittig“ später auch Kinder missbrauchen.
    Zwischendurch immer mal wieder der Kinderpornonutzer vom Anfang, der inzwischen zum Süchtigen geworden ist.

    Endlich mal was vernünftiges: das Projekt an der Charité mit seiner Therapie.

    Wir enden mit einer Zusammenfassung des Features, das ich ob seiner Unfassbarkeit vollständig zitiere:
    „Gerissene Kinderporno-Händler, geheime Pädophilen-Tauschforen, machtlose Polizisten, planlose Politiker – die verbrecherischen Aufnahmen kursieren weiter im World Wide Web. Der Missbrauch scheint nicht zu stoppen zu sein.“

    Dieses Machwerk ist unerträglich. Ich bin froh, daß ich mit 1,6-facher Geschwindigkeit durchgerauscht bin, sonst würde ich mich über die vergeudete Lebenszeit noch mehr ärgern.

    1. „O-Ton Thelen
      Die User dieser Seiten mussten 49 bis 99 US-Dollar für einen Ein-Monats-Zugang
      auf eine oder mehrere dieser Seiten bezahlen. Das ging ja so weit, dass man
      Jahresabos für alle Seiten, die von dem Netzwerk angeboten wurden, abschließen
      konnte für 2000 US-Dollar und dann noch als kleines Dankeschön zwei DVDs mit
      kinderpornografischem Material bekam.“

      Nämlich, klar, per Post, oder was?

      m(

  5. Ich stimme JOS zu. Immerhin ist das kein kleiner Regionalsendersonder bundesweiter öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Hier wird das Bildungsbürgertum (des)informiert und unterhalten.

    Dass Constanze Kurz auch was sagen darf macht das Stück auch nicht besser – im Gegenteil.

    Unter kann man seine Meinung dazu loswerden.

  6. Missbrauch per Mausklick.

    Klingt für mich wie:
    Kinderpornokonsument surft auf umfangreichem Erotikportal, und sieht ein hübsches Kind, und klickt „bitte mehr misssbrauchen“ und bekommt dann ein Video des Live-Missbrauchs zu sehen.

    Der typische Bild-Leser kann sich vermutlich noch andere Horrorszenarien ausmalen.

    Wenn man jetzt nimmt, dass der Großteil der rumgeistert laut dem Bereicht auf Wikileaks wohl gescanntes Material aus den 80ern ist, welches zu einem Teil sogar mit Einwilligung der Kinder angefertigt wurde, steht die Empörung die ein solcher Titel auslösen muss in keiner Relation zur Realität.

  7. Nicht eine Zahl mit Quellenangabe, nicht eine Behauptung mit irgendwelchen wissenschaftlichen Fakten untermauert…. Auch wenn man immerhin festhalten muss, dass nicht nur eine Sneeite zu Wort kommt, das kann Dradio zweifellos besser als eine solche Aneinanderreihung von Spekulationen abzuliefern

  8. bzgl. Frau Guttenberg – nachdem sie in einer vergangenen Bams-Ausgabe als „Bestseller-Autorin“ gefeiert wurde, verfolge ich seit einiger Zeit amüsiert, wie das Buch „Schaut nicht weg“ kontinuierlich weiter abstürzt in den Amazon-Verkaufscharts.

    Im Moment: Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.426 in Bücher

    http://www.amazon.de/Schaut-nicht-sexuellen-Missbrauch-m%C3%BCssen/dp/3783134854/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1286288708&sr=8-1

    In der Tat ein Buch, das nicht nur die Welt nicht braucht, sondern das noch nicht mal jemand lesen will.

  9. Lustige finde ich, dass das laut Amazons angaben häufig mit dem Machwerk von herrn Sarazzin gekauft wird :D

    Ob sich dadurch Aussagen über die Leserschaft solcher „hoher“ Werke treffen lassen?

  10. whoa… innerhalb von ner halben Stunde nochmal um 336 Plätze abgefallen…

    Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.762 in Bücher

    Das Buch interessiert ja anscheinend echt keine Sau mehr… wenn das so weitergeht dann muß die Bams das Buch noch verticken als Gratisbeilage in einer ihrer kommenden Ausgaben…

    Hat die Guttenberg nicht irgendne Mailadresse wo man sie fragen kann wie sie dazu steht daß ihr Buch wie Blei in den Regalen liegt? Aber ist wahrscheinlich zwecklos… sie wird wieder nur sagen daß das Thema eben halt noch ein viel zu großes „Tabu“ ist (siehe obige faz.net-Kolumne).

  11. @FrankN.Stein
    Und da Dradio das in der Tat besser kann, es aber nicht besser gemacht hat, darf man sich fragen, warum sie es so gemacht haben, wie es ist. Bin enttäuscht.

    Alles im Verborgenen, im Geheimen, Tausend dunkle Foren, streng abgeschirmte Benutzergruppen, eine Vielzahl Server, verborgene Betreiber, O-Ton: „Ein riesiges Dunkelfeld“.

    Solche riesigen Dunkelwolken haben ja die interessante Eigenschaft, dass man sie sich so groß reden kann, wie man möchte, und keiner diese Ausdehnung wirklich widerlegen kann. Weil die Wolken eben dunkel sind und im Verborgenen liegen.

    Argumente mit hochemotionalen Verborgenheiten scheinen super beliebt zu sein, siehe auch Thema ‚Ausmaß des Terrorismus‘. Notfalls kann man immer auch behaupten, dass einem zur Größenbestimmung mehr Informationen vorliegen, als dem Gegenüber. Besonders wirksam ist das, wenn diese Informationen dann als geheim und verborgen deklariert werden.

    Für mich wirkt der Dradio-Beitrag fast so, als wäre er Teil einer Kampagne zum Vorantreiben der Vorratsdatenspeicherung. Natürlich ist das nicht der Fall, denn es ist ein ausgewogener journalistischer Beitrag, bei dem alle Seiten zu Wort kommen, auch „blasse, schmale, ängstliche, unterwürfige, mit 35 noch bei Muttern wohnende Berliner.“, die im Verborgenen leben.

  12. Ich habe herzhaft gelacht. Gleich die ersten zwei, drei Sätze sind so eine Breitseite das man sich nur wundern kann warum Zensurula noch frei herum läuft :D

  13. Also der Titel des Beitrags ist schon echt mal abschreckend. 6, setzen! Gut fand ich allerdings, dass der Betrag in alle Richtungen geht. Nutzer (Täter), Polizei, Opfer, Wissenschaftler, Kritiker technischer Maßnahmen, …

    Hier ist mir auch mal der Dienstweg bewusst geworden, den die Ermittler bei Drittstaaten gehen. Dass das so überhaupt keinen Sinn hat ist nach diesem Beitrag wohl auch jedem Dummkopf klar. Was der Beitrag aber ganz klar herausgestellt hat ist, dass 1. Internetsperren vollständig für die Füße sind, da selbst die Polizei sagt, dass die Websites ständig auf anderen Domains erreichbar sind. Und 2. der Ball bei der Politik liegt, den o.g. Dienstweg bei den internationalen Ermittlungen drastisch zu verkürzen. Warum kann eine Ermittlungsstelle in Land A nicht direkt eine E-Mail an den Provider in Land B schreiben? Das sollte die Autorität von Land B wohl nicht untergraben, denn Anordungsbefugnis hat die Land-A-Polizei in Land B nicht. Es geht nur um den Hinweis, dem ja erfahrungsgemäß auf Providerseite relativ schnell nachgegangen wird. Den Offiziellen Dienstweg incl. Kopie der E-Mail kann ja trotzdem noch eingehalten werden. Aber das solche Vereinbarungen überhaupt versucht werden zu treffen, kann ich nicht sehen.

    1. > Hier ist mir auch mal der Dienstweg bewusst geworden […] Dass das
      > so überhaupt keinen Sinn hat ist nach diesem Beitrag wohl auch
      > jedem Dummkopf klar. […]
      > Warum kann eine Ermittlungsstelle in Land A nicht direkt eine E-Mail
      > an den Provider in Land B schreiben?

      Tja, äh, jedem Dummkopf wäre klar, daß das durchaus bereits jetzt möglich ist, hätte er sich damit beschäftigt:

      Wissenschaftlicher Dienst: BKA darf Abuse-Mails schreiben
      http://blog.odem.org/2009/06/bka-abuse-mails.html

      (Nichts für ungut)

  14. Ich habe mal ins Manuskript geschaut und bin bei ca. 40% auf folgenden Text des Sprechers gestoßen: „Auch die Anbieter
    verwischen ihre Spuren. So ändern einschlägige Webseiten ständig ihre Adressen.
    Zudem wird das Missbrauchs-Material von wechselnden Servern verbreitet – vor
    allem Servern in Nordamerika und Europa.“ Eigentlich werden hier (unwissentlich) einige der bekannten Argumente gegen Netzsperren genannt (auch dass die Server eben nicht in Burkina Faso stehen, steckt da drin). Nur einige Absätze weiter geht es dann um Netzsperren und Stoppschilder, der offensichtliche Zusammenhang wird nicht hergestellt.

  15. Danke, anon. Nach der Lektüre dieses weiteren Beitrags wird klar: Das, äh, politische Feature vom 4.10.2010 war weitgehend eine inhaltliche Wiederholung des Beitrags vom 4.7.2010.

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