De Maiziere will das Staatsnetz (Ente)

Unser Innenminister de Maiziere hat eine tolle neue Idee: Warum nicht mal die Adressvergabe im Internet verstaatlichen? Darüber berichtet ZDNet. Bisher wird die Adressvergabe in Deutschland von der Denic organisiert. De Maiziere wundert sich wohl, dass diese so gut funktioniert, da kann man ja mal eine Verstaatlichung planen – in der Regel funktioniert danach alles besser, oder?

Die DENIC geht strikt nach dem Prinzip „First-come-first-served“ vor. Streitigkeiten, etwa wegen verletzter Marken- und Namensrechte, müssen von einem Gericht entschieden werden. Die DENIC bietet lediglich Hilfestellungen bei der Konfliktlösung an, etwa das Setzen eines Dispute-Eintrags. […] Falls die Adressvergabe in staatliche Hände kommt, könnten Behörden Domains und IP-Adressen ohne Mitwirkung der Justiz abschalten oder Bedingungen an die Vergabe und Verlängerung knüpfen. Beispielsweise könnte der Betrieb von DNS-Servern nur noch bestimmten Nutzergruppen erlaubt sein.

Update: Das war wohl eine Ente von ZDNet. Da steht jetzt:

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums dementierte heute gegenüber ZDNet, dass Bundesinnenminister de Maizière eine staatliche Vergabe von IP-Adressen anstrebe. Der Minister habe sich in den zugrunde liegenden Presseberichten allgemein zur Rolle des Staates im Umgang in dem Internet geäußert. Die Passagen bezögen sich jedoch nicht auf die Vergabe von Internetadressen. Der Minister habe vielmehr im zitierten taz-Interview wörtlich geäußert: „Die Adressvergabe funktioniert, obwohl sie nur von Privatleuten verabredet ist.“

Ralf hat noch die Hintergrundinfos in die Kommentare geschrieben:

Ich habe den Verdacht, dass es mit dem Vorstoß der EU-Kommission zu “Internet Governance – the next steps” zusammenhängt, der derzeit im EP diskutiert wird und wo es bis Juni eine Stellungnahme geben soll. Da geht es um eine stärkere Beteiligung der Regierungen (plural) an der ICANN-Aufsicht – allerdings mit der klaren Ansage, dass es eine rote Linie zwischen Day-to-Day-Management und Aufsicht geben muss. Teil der Argumentation ist der Vergleich mit der Finanzkrise (“Die Regierungen können nix dafür, aber wenn es kracht, werden die Bürger nach ihnen rufen”). Durchaus interessant.

52 Kommentare
    • Ungläubiger 4. Mai 2010 @ 11:43
  1. Shai Segal 4. Mai 2010 @ 9:39
  2. Bongomandrias 4. Mai 2010 @ 11:30
  3. Bongomandrias 4. Mai 2010 @ 11:51
  4. Name (pflicht) 4. Mai 2010 @ 12:14
  5. Zensurgegner 4. Mai 2010 @ 13:44
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