Wissen

Britische Abmahnindustrie wird transparent

In Grossbritanien ist die Kanzlei ACS:Law gerade in der öffentlichen Kritik. Die Kanzlei betätigt sich seit einiger Zeit als industrieller Massenabmahner bei Urheberrechtsvergehen und nun sind rund 1000 Mails von ihrem Mailserver im Netz aufgetaucht. In den Mails finden sich viele Details über die Arbeitspraktiken in der Abmahnindustrie, aber auch unerfreuliche Details wie Listen von rund 5300 abgemahnten Porno-Downloadern mit personenbezogenen Daten. Als Porno-Konsument möchte man in der Regel nicht gerne mit seinem Namen (und ggf. Anschrift) im Netz zu finden sein, zumal das Geschäftsmodell von ACS:Law u.a. darauf aufbaute, gezielt Porno-Konsumenten abzumahnen, die gerne dafür zahlen, nicht in ein Gerichtsverfahren reingezogen zu werden. Simon Davies von Privacy International nannte das Datenleck eines der schlimmsten Verstösse des Data Protection Act (DPA). Wenigstens die Veröffentlichung der Porno-Konsumenten-Liste aufgrund von mangelnder IT-Sicherheit könnte das Unternehmen daher eine hohe Geldstrafe kosten: ACS:Law could face £500,000 fine for porn list leak.

Wir finanzieren uns zu fast 100 % aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Mittlerweile ist auch der erste ISP ausgestiegen und will nicht mehr mit der Kanzlei zusammen arbeiten: ISP Sky Broadband Cuts off ACS:Law.

Ausführlich berichtet Ars Technica über das Datenleck und welche Rückschlüsse auf das Abmahn-Geschäftsmodell man aus den Mails herauslesen kann: The „legal blackmail“ business: inside a P2P settlement factory. Keine Überraschung: Um Künstler geht es übrigens nicht, das dient mehr oder weniger nur der Refinanzierung von Anwälten.

Mit ACS:Law verbandelt ist auch die deutsche Firma digiprotect. Darüber berichtet Gulli.com: ACS Law: Geleakte Mails legen DigiProtect Einnahmen offen.

Immerhin fordert die Kanzlei ACS Law pro Abmahnung einen Betrag zwischen 350 und 700 Britischen Pfund (ca. 400 bis 800 Euro). Wie aus den Mails hervorgeht, hat man für einen nicht näher bestimmten Zeitraum 6.640 Abmahnungen im Auftrag von DigiProtect verschickt. Dass sich damit Berge an Geld verdienen lassen, bestätigt weitere E-Mail Korrespondenz. Aus dieser geht hervor, dass für den Auftraggeber DigiProtect rund 347.000 Britische Pfund an Geld eingetrieben wurden (ca. 407.000 Euro).

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
3 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.