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2162 mal Werbung für unfreie Software gemeldet

In vier Wochen hat die Free Software Foundation Europe (FSFE) Meldungen für über 2162 europäische Einrichtungen erhalten, die Werbung für unfreie PDF-Betrachter machen. Neben den 305 Aktivisten, die sich an der Suche beteiligten, haben bisher 1500 Einzelpersonen, 46 Unternehmen und 38 Organisationen die Petition für die Entfernung von Werbung für unfreie Software auf den Webseiten der öffentlichen Verwaltungen unterzeichnet.

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In Deutschland ist unter anderem Werbung auf den Webseiten mehrere Ministerien, des Bundesrats, des Bundestags, der Bundesbank (schön mit Logo), des Bundeskriminalamts, oder der Bundesnetzagenturs. Auf der Webseite der Bundesregierung ließt sich das so:

"Zum Öffnen der angebotenen PDF-Dokumente benötigen Sie den PDF-Reader. Dieses Programm können Sie auf folgender Seite kostenlos herunterladen: …"

In den kommenden Wochen wird die FSFE Briefe an die Einrichtungen schicken, um sie auf ihre unfaire Werbung hinzuweisen. Im Namen der Unterzeichner der Petition wird die FSFE die Einrichtungen auffordern, entweder jede Empfehlung für unfreie Software von ihren Webseiten zu entfernen, oder eine Auswahl mehrerer Programme anzubieten. Dafür werden unter dem Motto "Stamp out the adds" Spenden (auf der Kampagnenseite auch per flattr) für die 1600 EUR Porto und Verwaltungskosten gesammelt.

12 Kommentare
  1. Ich verstehe nicht ganz, wo die FSFE das Problem sieht.

    Der Adobe Reader ist ein kostenloses Programm, dass sich jeder herunterladen und benutzen kann.

    Niemand wird dazu aufgefordert, ein kostenpflichtiges Produkt zu erwerben.

    Worauf sollen sie denn bitte sonst verlinken? Auf irgendwelche krüppeligen OpenSource Lösungen die meist neuere PDF Dateien gar nicht oder verhackstückt an da sie als Codebase ältere PDF-Standards nutzen…

    Ich finde es völlig ok auf den Adobe Reader zu verlinken. Adobe hat das PDF Format erfunden und bietet diesen Reader _kostenlos_ an.

    Das Geld verdient Adobe mit dem Verkauf der Lizenzen für das Gegenstück, Adobe Acrobat. Das Programm mit dem man PDF Dateien erstellen und bearbeiten kann.
    Und wenn ich dann eine PDF Datei in einem komischen Open-Source Reader öffne hat Adobe daran genau das gleiche verdient: Nämlich das was der Ersteller der PDF-Datei für seinen Acrobat gezahlt hat…

  2. @Maik du hast die Punkte schon gut aufgeführt, wieso Behörden für dieses Geschäftsmodell KEINE Werbung machen sollten.
    Nicht alle PDF Standards sind frei und dürfen von freier Software verwendet werden. Also wenn ich das Dingen von einer Behörde nur mit dem A…Reader angezeigt bekommen, werde ich praktisch dazu gezwungen.
    Und wenn eine Behörde die Dokumente für mich erstellen will/muss, ist es dann gerechtfertigt, dass ich dann indirekt die Lizenzen doch bezahlen muss? Oder die Kosten, die entstehen, falls die Dokumente zu älteren/neueren Versionen inkompatibel sind/seien sollten.

  3. Ich persönlich finde diese Kampagne etwas irreführend. Zumal der FSF Vergleich man müsste für die Benutzung einer Strasse einen VW kaufen müssen absolut unpassend ist, da man den Acrobat Reader ja nicht kaufen muss. (Übrigens darf man auch nicht mit einer selbst gebauten Seifenkiste auf die Autobahn.)

    Es scheint lediglich darum zu gehen Werbung für Software die einem bestimmten Modell/Ideologie entspricht (Kommerzielle Software) durch Werbung für Software die der eigenen Vorstellungen folgt auszutauschen. Dafür wird die Öffentlichkeit vor den ideologischen Karren gespannt indem man unpassende Autobahn-Vergleiche anführt.

    Dabei wird dann auch bewusst mit Free vs. Non-Free statt mit Open vs. Propriatary argumentiert und der Anschein erweckt für den Benutzer würden Kosten entstehen.

    Wenn man einen tatsächlichen Mehrwert der OpenSource PDF Betrachter für die Benutzer der angesprochenen Websites sieht, dann sollte dies als Argumentationsgrundlage benutzen. Ideologie hilft dem Bürger nämlich erst einmal recht wenig.

  4. etwas OT:
    Wäre schön wenn man als nächstes die zigtausende Schulen in der EU anschreibt die den Schülern Textverarbeitung mit MS-Office beibringen. Denn um sinnvoll „Haus“-aufgaben zu machen werden die Schüler entweder zum Kauf der ~100Euro teuren Software genötigt oder zu Straftaten (illegale Kopie) verleitet.

  5. Gute Sache, finde ich. Einen „Adobe“ Reader brauch man nicht. Hoffentlich wird mit dieser Petition auch etwas erreicht. Ich habe meine Stimme gegeben.

    @Maik:
    „Worauf sollen sie denn bitte sonst verlinken? Auf irgendwelche krüppeligen OpenSource Lösungen die meist neuere PDF Dateien gar nicht oder verhackstückt an da sie als Codebase ältere PDF-Standards nutzen…“
    Frage: Hast Du es denn einmal mit einer OpenSource-Lösung probiert? Bei mir läuft das offene Gnome-Projekt „evince“ astrein – keine Darstellungsfehler o.ä. Verkrüppelt ist hingegen die Performance von dem Adobe Reader unter Linux (bei AMD Phenom II X2 550 und 4 GB RAM!).

  6. Das sich viele Formulare von Behörden nur mit dem Acrobat wirklich funktionieren ist leider eine Javascriptige Tatsache, warum sollte auf ner Website der Kommunen und Behörden dann auch nen anderen Reader „beworben“ werden? Wenn’s halt nur mit Adobe sauber funktioniert???

    Fazit: wiedermal in den dunklen Wald geplärrt ohne vorher die Taschenlamoe eingeschaltet zu haben.

  7. @Marvin
    Schau dir mal die letzten 2 Artikel zu dem Thema an. Dort wurde mehrmal kommentiert, warum die Lösungen, auch schon vor der Installation, krüppelig sind. Dort wird auch erläutert, warum die Entfernung der Links kontraproduktiv ist und warum es keine konkurenzfähig freie Software gibt.

  8. Offensichtlich hat noch niemand von denen, die hier der Meinung sind, nur der Adobe Reader würde PDFs richtig anzeigen, einen OSS-Reader ausprobiert. Fakt ist: Evince, Okular oder auch XPDF (ob man letzteren nutzen will, sei mal dahingestellt) haben bei mir noch nie irgendwelche Probleme gemacht.

    Der Adobe-Reader ist auch VIEL langsamer, fetter und schlechter integriert als die genannten.

    Auch sollte man noch auf einen anderen Punkt hinweisen: Der Reader ist mittlerweile ein sehr wichtiger Angriffsvektor für Maleware und chronisch unsicher. Andere Reader mögen auch Lücken enthalten, vielleicht sogar ähnlich viele (was ich nicht glaube), aber wenn sie verbreiteter wären, wären Angriffe durch die nicht mehr vorhandene derzeitige fast-Monokultur deutlich weniger lohnend.

    Und warum OSS auch gegenüber Freeware generell zu bevorzugen ist: Sie ist, wenn sie nur freie Bibliotheken nutzt, wirklich plattformübergreifend, was auf Freeware nicht zutrifft: Wenn man einen exotischen Prozessortyp hat, könnte es schwer werden, sie zu nutzen.

  9. Auf dem Webseiten von Behörden / öffentlichen Einrichtungen tummeln sich „normale“ Menschen. Für die muss es einfach und intuitiv möglich sein so ein Formular auszufüllen bzw. sich passende Software dafür runterzuladen.
    So jemand hat nichts davon, wenn ihm dann Pakete für 5 verschiedene Linux Distributionen + Windows angezeigt werden; und das auch noch auf Englisch.

    Soll die Behörde dann Support leisten bzw. für den Download von PDF Readern dann möglichst noch eine Hotline einrichten?

    Über Vereinfachungen durch hinterlegte Scripte / Formeln kann man sicher geteilter Meinung sein, aber auch das sind Komfortmerkmale für den Endanwender!

  10. Das Problem ist, dass viele Windows als „nicht so wichtig“ ansehen und den Link zur Downloadversion verstecken. Als ob jemand das Betriebssystem wechseln würde, weil er den Link nicht findet. Gibt unter den Nerds einen Haufen von Anti-Windows-Gläubigen, die es einfach nicht pragmatisch sehen.

    Evince der Installer geht, man muss gar nichts auswählen. Über die Unterstützung kann ich keine Aussage machen

    Okular: Erst auf Download klicken, dann den Windowstextlink in dem riesigen Text finden, dann den kleinen Downloadtextlink finden. Dann findet man erst den Installer.
    Der sieht dann so aus: http://www.winkde.org/pub/kde/ports/win32/installer/manual/
    Automatische Installation Fehlanzeige.
    Benutzer brechen bei „Package Manager“, aller spätestens bei Release- oder Packageselection ab.

  11. Ob der Erstpfosten seine Meinung ändern würde, wenn er Folgendes liest?

    Ich verstehe nicht ganz, wo die FSFE das Problem sieht.

    Der Internet Explorer ist ein kostenloses Programm, dass sich jeder herunterladen und benutzen kann.

    Niemand wird dazu aufgefordert, ein kostenpflichtiges Produkt zu erwerben.

    Worauf sollen sie denn bitte sonst verlinken? Auf irgendwelche krüppeligen OpenSource Lösungen die meist neuere HTML Dateien gar nicht oder verhackstückt an da sie als Codebase ältere HTML-Standards nutzen…

    Ich finde es völlig ok auf den Internet Explorer zu verlinken. Microsoft hat das HTML Format erfunden und bietet diesen Browser _kostenlos_ an.

    Das Geld verdient Microsoft mit dem Verkauf der Lizenzen für das Gegenstück, Microsoft Office. Das Programm mit dem man HTML Dateien erstellen und bearbeiten kann.
    Und wenn ich dann eine HTML Datei in einem komischen Open-Source Browser öffne hat Microsoft daran genau das gleiche verdient: Nämlich das was der Ersteller der HTML-Datei für sein Office gezahlt hat…

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