Kultur

Internet-Manifest: Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.

Auf Initiative von Mario Sixtus hat sich eine Gruppe von Menschen in den vergangenen Wochen und Tagen im Netz vernetzt, um der Debatte über den „Untergang des sogenannten Qualitätsjournalismus“ und der latenten Internetfeindlichkeit in vielen Medien ein zeitgenössisches Manifest entgegen zu setzen. Das Internet-Manifest „Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.“ erscheint heute um Punkt 11:55 Uhr (Kurz vor 12) hier und an vielen anderen Orten im Netz, um einen zukunftsorientierten Standpunkt in die Debatte zu bringen. Die Erstunterzeichner, zu denen ich auch gehöre, stehen am Ende des Textes. Auf der Seite „Internet-Manifest“ kann jeder (bald) gerne Mitzeichner werden. Der Text steht unter der CC-BY-Lizenz und kann zu den Bedingungen gerne und oft wieder verwendet und kopiert werden.

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Internet-Manifest
Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.

1. Das Internet ist anders.

Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.

2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.

Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.

3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.

Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.

4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.

Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.

5. Das Internet ist der Sieg der Information.

Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.

6. Das Internet verändert verbessert den Journalismus.

Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.

7. Das Netz verlangt Vernetzung.

Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.

8. Links lohnen, Zitate zieren.

Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.

9. Das Internet ist der neue Ort für den politschen Diskurs.

Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die Überführung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus.

10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit.

Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder technisch tradierte Geschäftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit für jeden gelten, der zur Erfüllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.

Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut unüberprüfter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklopädisten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führen – sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

12. Tradition ist kein Geschäftsmodell.

Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren

13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht.

Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet.

14. Das Internet kennt viele Währungen.

Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.

15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.

Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.

16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität.

Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben.

17. Alle für alle.

Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die „Generation Wikipedia“ weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe. Journalisten mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Das Internet macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuhörer oder Zuschauer nannte – und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.

Internet, 07.09.2009

Markus Beckedahl http://www.netzpolitik.org/
Mercedes Bunz http://www.mercedes-bunz.de/
Julius Endert http://www.blinkenlichten.com/
Johnny Haeusler http://www.spreeblick.com
Thomas Knüwer http://blog.handelsblatt.com/indiskretion/
Sascha Lobo http://www.saschalobo.com/
Robin Meyer-Lucht http://www.berlin-institute.de/
Wolfgang Michal http://www.autoren-reporter.de/index.php?option=com_content&task=view&id=23&Itemid=66
Stefan Niggemeier http://www.stefan-niggemeier.de
Kathrin Passig http://de.wikipedia.org/wiki/Kathrin_Passig
Janko Röttgers http://www.lowpass.cc/
Peter Schink http://www.peter-schink.de/
Mario Sixtus http://www.elektrischer-reporter.de/
Peter Stawowy http://www.xing.com/profile/Peter_Stawowy
Fiete Stegers http://www.netzjournalismus.de/

Dieser Text steht unter der Creative Commons Namensnennungs-Lizenz (CC-BY)

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137 Kommentare
  1. Gute Initiative; aber leider muss ich ein wenig bashing betreiben: Herr Lobo ist nicht ernst zu nehmen; so ein parasitärer Trittbrettfahrer und Werbeknecht gibt diesem Manifest ein negativen Beigeschmack.

  2. Ein wichtiger Punkt, der in den Diskussionen nie so recht vorne steht: Das Internet erfordert Mündigkeit und Verantwortung. Mündigkeit und Verantwortung, die die Politik den Informationswilligen zugesteht genauso, wie die ungeregelte Informationsflut Mündigkeit und Verantwortungsbewusstsein der Informationssuchenden voraussetzt.

    Das ist der Informationsvertrag, den eine moderne, offene und vernetzte Gesellschaft miteinander schliessen muss. Im Grunde eine digitale Verfassung, auch wenn ich es so nicht nennen würde, denn eine Verfassung in dieser Form gibt es auch im Analogen nicht.

  3. Darf ich anmerken, dass die Aussage

    „Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks…“

    So nicht korrekt ist. Einmal bitte nach China gucken. Auch hier in Thailand und Südostasien ist das Netz vielerorts nicht wegzudenken. Möglich, dass das Manifest übersetzte wird, da sollte es doch universell sein.

    Warum nicht einfach

    „Für die Mehrheit der Menschen gehören Angebote wie Social Networks…“

    ?

    1. @Torben Friedrich: Der Text steht unter der CC-BY Version und kann gerne weiterentwickelt werden. Manchmal hat man auch nicht genug Zeitressourcen, um einen solchen text gemeinsam in kurzer Zeit zu entwickeln. Das war mit den teilnehmenden Menschen schon teilweise zuviel.

  4. @der andere Jan (6): Von „Mehrheit“ kann keine Rede sein. Weniger als 1/6 der Menschheit nutzt das Internet, auch wenn du Recht hast, dass Asiaten die größte Nutzergruppe stellen. Bei aller Begeisterung und bei allem Optimismus – diese Tatsache aus dem Blick zu verlieren, ist ignorant.

  5. Wer bitte glaubt an diesen Satz?

    „Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist.”

    Man muss nicht Glenn Beck und FoxNews anführen, um das als Wunschvorstellung zu entlarven. Ein Blick in die deutschen Blogcharts reicht aus. An welcher Stelle steht fixmbr, wo die „Achse des Guten”, wo die meist falsch verstandenen Spiegel-Online-Zusammenfassungen von Fefe? Wie viele gleichförmig Gizmodo-Kopien kassieren Klick um Klick?

  6. „Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag.“

    Dafür hätte ich gerne mal einen „Beweis“ … nicht einfach nur leere Worthülsen.

    Wenn ich die Menschen in meiner Umgebung betrachte, dann ist es nicht die Mehrheit, sondern die klare Minderheit die etwas mit Social Media, Wikipedia oder Youtube anfangen kann.

    Versteht mich nicht falsch. ich finde das Internet Manifest eine gutue Sache. Die Verlage und Journlisten sollten sich langsam mal der Wirklichkeit stellen … dass das Netz „dazu gehört“.
    Aber das Netz ist nicht die alleinige Herrlichkeit.

    Durch solche platten Falschaussagen macht man sich unglaubwürdig. Das was ihr anderen vorwerft. Eigentor anyone?

  7. Ich stimme Lars (17) zu, besser wäre etwas in Richtung „Für die Mehrheit der Menschen in den Industrienationen gehört das Internet zu Alltag. Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube werden von immer mehr Menschen ganz selbstverständlich genutzt“. Die jetzige Formulierung entspricht einfach nicht den Tatsachen.

  8. Sie haben sich also „im Netz vernetzt“…

    Wenn die Freiheit des Internets aber unantastbar wäre, wie behauptet, dann ergäbe es keinen Sinn zu fordern, aus welchen Gründen sie nicht eingeschränkt werden dürfe.

    Offensichtlich ist diese Freiheit antastbar und offensichtlich ist außer der Staatsgewalt niemand befugt, an dieser Stelle irgendwelche „darf“s und „darf-nicht“s auszusprechen.

  9. Ist wohl eher ein Positionspapier als ein Manifest, aber egal.

    Leider werden die klassischen Mechanismen der Print-Medien, entgegen der erklärten Absicht, nicht durchbrochen, sondern perpetuiert.

    17 mehr oder weniger bekannte Netzpersönlichkeiten setzen sich im stillen Kämmerlein zusammen, verfassen ein Papier und stellen es ins Netz. Den Text kann nun jeder ohne die Möglichkeit inhaltlicher Einflussnahme mitzeichnen oder es sein lassen.

    Mir ist nicht klar, wie sich diese Vorgehensweise von der sog. Hamburger Erklärung unterscheidet und worin das Netzspezifische zum Ausdruck kommt.

    Im Grunde ist es nur alter Wein in neuen Schläuchen.

  10. Das Internet als die demokratische Offenbarung zu sehen und ihm die Fähigkeit zuzusprechen, gleichförmige Massenware zu entlarven, halte ich für (noch) utopisch. Obgleich in der wissenschaftlichen Debatte umstritten, so möchte ich auf den sogennanten „digital divide“ verweisen: Demnach hängt eine Beteiligung am Meinungsaustausch hierzulande stark von sozialen Aspekten wie dem Alter, der Bildung und dem sozialen Milieu ab. Von den – weltweit betrachtet – technischen Zugangsbeschränkungen ganz abgesehen.

    Will sagen: Ich denke, dass das Internet in der Theorie zwar demokratisch ist, sich tatsächlich aber nur eine Minderheit der Intnernetnutzer engagiert der neuen Kommunikationsmöglichkeiten bedient. Die Mehrheit informiert sich per „gleichförmiger Massenware“ wie etwa der allseits geschätzen Bild-„Zeitung“. Das ist aber nur meine subjektive Einschätzung.

  11. Ich finde die Initiative gut, vor allem in Anbetracht dieser unsäglichen „Leistungsschutzrecht“-Diskussion die zum Selbstläufer zu werden droht.

    Aber bitte überarbeitet Punkt 3 nochmal. Über das „westlich“ wurde hier schon geschrieben, aber ich finde auch die Überschrift grenzwertig, denn sie verwirrt anstatt dass sie den Text zugänglicher macht. Und der letzte Satz kommt sehr arrogant rüber – Selbst wenn der Wille zu einer offenen Kommunikation fehlt, sollte keiner Seite abgesprochen werden, dass sie weiss was ein Dialog ist. WIr sollten die Leser des Manifestes, die wir noch überzeugen müssen, nicht verschrecken.

  12. Na toll…!

    Mein Provider heißt KabelDeutschland und als ich dem Link da oben folgen wollte, kam folgendes:

    >>>
    [groß, fett]
    Forbidden

    [normal]
    You don’t have permission to access / on this server.
    <<<

    Frage mich, ob's mit dem Inhalt zu tun hat. Das wär SO META…! ;-)

  13. Vorab: Jan, Gernot und andere haben absolut Recht: Das „westlich“ sollte schleunigst aus Punkt 3 raus. Erstens falsch und zweitens einem Systemdenken verhaftet, mit dem sich die Mehrheit der Erstunterzeichner bestimmt nicht identifiziert.

    Generell ist das eine schicke Sache, dieses Internet-Manifest. Allein die Relevanz fehlt. Denn das, was da steht, ist eine Zustandsbeschreibung und keine Agenda, wie es das Cluetrain-Manifest war und ist.

    Das Manifest ließt sich wie „Die Journalisten sollen endlich alle mitmachen, menno.“ Es prophezeit kein neues Zeitalter, benennt nicht die Frontlinien und zeigt nicht die Konsequenzen bei Missachtung auf.

    In dieser Form könnte es auch mit der Überschrift „17 Tipps für Journalisten“ im PR Blogger veröffentlicht sein.

    Das ändert natürlich nichts daran, dass alles richtig ist, was darin steht. Aber, was soll’s?

  14. Die meisten der 17 Thesen bringen eine Entwicklung treffend auf den Punkt, die seit Jahren im Gange ist – die meisten, nicht alle. So etwa, wenn es im Zusammenhang mit dem Urheberrecht heißt: Eigentum verpflichtet. Bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen von hauptberuflichen freien Journalisten in Höhe von etwa 2.000 Euro klingt der Satz zynisch. Zumal der Durchschnitt weiter sinken dürfte, wenn dank gelockerten Urheberrechts noch weniger für Onlinebeiträge gezahlt würde. Widerspruch melde ich auch da an, wo die Wahl zwischen gutem und schlechtem Journalismus losgelöst vom Einkommen der Journalisten getroffen werden soll. Wie stellen sich die Verfasser des Manifests denn bitte guten Journalismus ohne entsprechende Verdienstmöglichkeit vor? Ambition allein reicht nicht aus. Und dann fehlt mir noch der Hinweis auf die Medienkompetenz. Denn dass im Internet auf Dauer nur die sorgfältig recherchierten Themen und Beiträge ihre Chance haben, ist mit Blick auf die Realität nun mal nicht wahr.

  15. Ich finde es gut, wenn jemand seinen Marktwert durch eigene Leistung pusht.
    Wenn aber wenige Eingeweihte sich zum Sprecher eines relevanten Teils der Internet-User erheben und den Text nicht in Form einer offenen Zusammenarbeit entwickeln, dann hat’s ein Geschmäckle. Sollten die Autoren das Internet vielleicht gar nicht so weit überblicken, wie sie es vorgeben?
    Mögen die erhofften Einladungen in die Talkshows und Social-Media-Pitches folgen.

    1. @Bürger: es steht jedem frei, das Manifest weiter zu verarbeiten oder eigene Manifeste in die Welt zu setzen. Wie ich oben schon in der Einleitung geschrieben habe, ist die Motivation vor allem, der Verlags-Lobby einen zeitgenössischen Text in der politischen Debatte entgegen zu stellen. Nicht mehr und nicht weniger.

  16. Die Abgrenzung zwischen Journalismus und „bloßer Veröffentlichung“ von der journalistischen Qualität abhängig zu machen ist sehr gewagt. Schließlich ist journalistische Qualität kein absolutes Gut und definiert sich auch durch den Blickpunkt des Rezipienten. Wenn Person A also findet, dass auf Spreeblick „guter“ Journalismus stattfindet, dann kann Person B dazu völlig anders stehen und denselben Beitrag für „schlechten“ Journalismus halten. Das ist meiner Ansicht nach die Schwäche des Manifests: Eine sehr wackelige Basis, die sich nur auf subjektive Einschätzungen beruft.

    Also was ist eigentlich Journalismus? Wir diskutieren in der Redaktion weiter: http://www.text-gold.de/fundstuecke/das-internet-manifest-diskussionsprotokoll-der-aexea-redaktion/

  17. @Hendrik Zörner(37)
    Das Manifest nimmt an keiner Stelle auf die konkrete Bezahlung von Journalisten Bezug. Du hast die zwei von dir genannten Stellen missverstanden. Im ersten Teil ist das Eigentum von dem gesprochen wird das sog. geistige Eigentum. Geistiges Eigentum verpflichtet zu sozialer und gesellschaftlicher Kompetenz im Umgang mit diesem Eigentum. Unabhängig von materieller Vergütung dafür.
    Im zweiten Teil geht das Manifest darauf ein, dass professionelle Journalisten einen „Standesschutz“ für sich einfordern und damit ihre journalistische Leistungen über die von Bloggern und anderen nicht professionellen Journalisten stellen. Aber was schützenswert ist – und was nicht – sollte unabhängig von der Eingeforderten Vergütung dafür sein, sondern abhängig von der Qualität. Weil mein Becker für sein Brötchen 10 EUR verlangt, macht es das Brötchen nicht automatisch zu einem besseren Brötchen als das vom Bäcker aus dem Nachbarort, der nur 30 Cent nimmt.

    1. @julia seeliger: Hamburger Erklärung, Heidelberger Appell, Hubert Burda, Frank Walter Steinmeiers Thesen zru Medienpolitik, die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht, etc.

    1. @Christian S: Wie schon geschrieben: Das ist der Aufschlag (der übrigens kollaborativ im Netz von der Autorengruppe entwickelt wurde) und der Text steht unter der CC-BY-Lizenz nud lädt damit zum mitmachen und weiterentwickeln ein.

  18. schöne Sache so ein Manifest. Man merkt ihm nur stark an, dass einige der Autoren wahrscheinlich Medienunternehmen beraten. Das Gute am Manifest ist das Eintreten für die Freiheit im Netz und die Diskussion, die das Manifest aufgrund der Bekanntheit seiner Autoren auslösen wird. Warum allerdings soviel Medienberatung für Medienunternehmen in einem Manifest stehen muss, ist mir unklar. Logischerweise werden die Unternehmen lernen oder leiden. Das muss man nicht manifestieren.

  19. Ihr sagt \Internet\ und meint das Web. Und wenn Ihr \Web\ sagt, vergesst Ihr mobile Anwendungen. Die müssen weder mit dem Internet noch mit dem Web etwas zu tun haben. Die \Generation Handy\ lässt grüssen.

  20. ohjeh, ich sehs schon auf spon und bei annewill: Lobo der Internet Minister erklärt das „internet“ Manifest und keine Sau fragt nach wie es zu stande gekommen ist. Ihr seid nicht unsere online Regierung deshalb würde ich es sehr begrüssen wenn ihr das ganze umbenennen könntet!

    1. @annarose soweit ich das mit der Meinungsfreiheit verstanden habe, kann jeder ein Manifest veröffentlichen. Der Alternativvorschlag war übrigens „Düsseldorfer Erklärung“. Fand ich etwas unspannend.

  21. Mich nerven die teilweise Stammtisch reifen Thesen (die ich er als Parolen verstehe) besonders fallen mir da „12.Tradition ist kein Geschäftsmodell.“ „7.Das Netz verlangt Vernetzung.“ „17. Alle für alle“ ins Auge. Alle samt ziemlich nichts sagend. Ich hab lange darüber nachgedacht wie ich das schreiben würde und bin zu dem Schluss gekommen das ein solches „Manifest“ eigentlich unnötig ist. Es kommt ganz und gar auf die Menschen an die das Internet nutzen. Es ist nichts anderes als ein Spiegel seiner Nutzer.
    Man es könnte heute auch zum Aufbau eines Totalitären Regimes benutzen werden,
    wenn ja wenn nicht die aktivsten und erfahrensten Benutzer dieses Netzes(Mediums) aus der Hacker Szene und damit ein Stück weit aus der Anarcho Szene stammten die die Kultur der Freiheits-liebe, der Verteidigung der eigenen Rechte, der Idee das alles Wissen der Welt frei zugänglich sein sollte
    etc. p.p. in diesem Netz etabliert hätten.
    In sofern wäre vielleicht ein „Manifest“ von Nöten was diese sozialen und gesellschaftlich Werte manifestiert.
    Das diese Bewegung die für diese Werte steht heute hauptsächlich über das Internet kommuniziert halte ich für vernachlässigbar den das Internet ist und bleibt nur ein Medium (auch wenn ich es sehr schätze)

  22. Ich hätte es sinnvoller gefunden, dieses Positionspapier *direkt* in Wiki-Form zu veröffentlichen.

    Dann hätte man/wir/der Leser/Mitmacher eine Ausgangsposition in Form der von den 17 „Erstautoren“ erarbeiteten Kernthesen, und könnte dann *direkt* im Text Verbesserungen anbringen, statt hier den langen Dienstweg über die Kommentare zu gehen.

    Editwars, Spam und Vandalismus, falls zu befürchten, ließen sich mit den üblichen Wiki-Sicherheitsmaßnahmen eindämmen.

    So stünde am Ende eines vermutlich längeren Entwicklungsprozesses ein echtes „Manifest der Netzgemeinschaft“, wie schon in Kommentar #11 angedeutet. Alle Änderungen ließen sich in der Verstionshistory nachvollziehen, die vielleicht in dem Fall prominent hervorgehoben gehört.

    Dies wird mit Sicherheit nicht das letzte „nuabermalbutterbeidiefische“ seitens einer sich wie auch immer selbst so bezeichnenden Netzgemeinde/Netzprominenz sein… vielleicht beim nächsten Mal dann tatsächlich etwas „mitmachwebbiger“?

  23. Menschen, die miteinander oder für sich Spaß haben, und gleichzeitig etwas „herstellen“, das für sich selber oder für einen Dritten Profit erzeugt, das war früher ein Nischen-Dasein (kulminierend in der erheiterten Aussage des Pornostars, man werde im Business für das bezahlt, was die meisten Menschen aus purem Spaß machen). Im öffentlichen Raum wird dies weiter geführt in jenen Events, in denen Teilnehmer zugleich Zuschauer und Zuschauer zugleich Teilnehmer sind. Im Internet schließlich ist der konsumierende Produzent der Normalfall. Wer surft, hinterlässt nicht nur eine Datenspur, auf die sich die entsprechenden Scouts begeben, um ein Konsumentenprofil zu erzeugen und es zu nutzen, man ist zugleich auch die immaterielle Ware, die andere Surfer wiederum dazu veranlasst, das Netz überhaupt aufzusuchen. Eine Unterscheidung zwischen einem „professionellen“ und einem „dilettantischen“ ist dabei so wenig aufrecht zu erhalten wie die zwischen Konsument und Produzent. Indem wir uns austauschen erhöhen wir das immaterielle Potential der Medienkonzerne und bilden zugleich die ebenso wachsende Abnehmergruppe. Wir unternehmen eine Kreisbewegung durch eine Profitmaschine, in der sich Copyright-Magneten befinden, die aus solcher „freien Arbeit“ wiederum „Besitz“ erzeugt.

    Es geht dabei um nicht weniger als eine Privatisierung nicht allein des frei verfügbaren Wissens und der gesammelten Kultur, es geht mehr noch um eine paradoxe ökonomische Privatisierung des Privaten: Egal mit was Sie sich beschäftigen, mit Briefmarkensammeln, Feldhockeyspielen, Gruppensex oder Esoterik, sobald Sie es dem Netz „anvertrauen“, erzeugen Sie damit einen Profit – gewiss: in so Millionstel-Promille Einheiten, dass es Ihnen selbst nicht weiter auffällt: Der Lustgewinn in dieser teils realen und teils fiktiven Kommunikation erscheint größer als der ökonomische Verlust. (Das ändert sich erst in einem semi-professionellen Bereich, zum Beispiel beim Musik-Machen, Text-Erstellen oder Bilder-Erzeugen, wo sich die Verhältnisse umkehren: Der geistige Arbeiter von heute – und noch mehr derjenige von morgen – gibt seine Arbeit lieber umsonst ab – das heißt: Der Produzent der immateriellen Ware Kultur, Information und Wissenschaft bekommt nichts, der Konzern, der diese immaterielle Ware verbreitet alles – als dass er darauf verzichtet, überhaupt eine Öffentlichkeit dafür zu finden.)

    Eine kulturelle Produktion ist also entweder Gegenstand der Copyright Wars („Rechteinhaber“ versuchen ein solches Produkt, einen Song oder ein Bild zum Beispiel, gegen jede freie Nutzung zu sichern, wenn es technologisch nicht funktioniert, dann durch juristische Kniffe) oder aber sie ist, wenn sie zur Nutzung frei gegeben ist, Massenware der Distributoren, Trägersubstanz, zum Beispiel, für Werbung. Verlierer dabei sind die ursprünglichen Beteiligten jeden Austauschs von Kultur und Information, nämlich die eigentlichen Urheber, die Künstler, die Kritiker, die Wissenschaftler etc., und die Adressaten. Zwar glauben wir ja nicht ganz zu Unrecht, durch das Internet einen Zugriff auf Kunst und Information zu haben wie niemals zuvor, aber darüber vergessen wir vollkommen über die Art und Weise zu sprechen, in der dieser Zugriff ermöglicht wird.

    Ganz ähnlich verlieren wir in den Internet-Chats die Hoheit über den eigenen Diskurs. Da sich jeder einklinken und jeder alles benutzen und verfälschen kann, leben die immateriellen Produkte jenseits ihrer Urheber und jenseits ihrer Adressaten. (Und wie schnell kann man einen Diskurs verfälschen, verflachen oder in puren Nonsense verwandeln!)

    Die konsumierende Produktion/der produzierende Konsum, das ist beides zugleich: eine gewaltige Chance für eine demokratische Kultur, und das Medium ihrer Auflösung in ökonomischen Interessen und Beliebigkeit. Daher ist notwendig, sich Regeln zu geben, die Kommunikation im Internet immer wieder neu auszuhandeln und zu erfinden. Es gibt kein Medium, das so viel benutzt wird und über das zugleich so wenig nachgedacht wird wie das Internet. Worum es also gehen wird: Nicht „das Internet benutzen“, sondern im Internet neue Kommunikationswege finden. „Die heutigen globalen Medien- und Kommunikationskonglomerate sind Mafias“, behaupten A.S. Ambulanzen, „und wenn wir uns gegen sie zur Wehr setzen, sollten wir uns nicht auf das verlassen, was von den Staatsregierungen übriggeblieben ist“. Produzenten und Konsumenten der immateriellen Ware müssen einander stattdessen als freie Individuen begegnen, sie müssen Respekt füreinander haben, sie müssen gemeinsam über das Medium nachdenken, das sie benutzen. Sie müssen sich weigern, einen besinnungslosen Datenmüll zu produzieren, der das Schmiermittel der Kommunikationskonglomerate ist. Von da beginnen neue Gedanken zu einer Kommunikation, bei der man nicht mehr zwischen Produzieren und Konsumieren, nicht mehr zwischen dem Herstellen und dem Anwenden von Ideen unterscheidet. Es wird nämlich nicht besonders einfach werden, eine politische Ökonomie für eine Kultur zu finden, die die alte Autoren-Kultur nicht mehr sein kann, die aber auch nicht die schöne neue Kultur der Medienkonzerne sein soll.

  24. @markus

    klar, Meinungsfreiheit und jeder kann es nennen wie er will, aber durch diesen Titel bekommt das ganze einen unschönen Beigeschmack.
    „Das Internet“ fühlt sich übergangen, deshalb meine Bitte den Titel zu ändern
    “Düsseldorfer Erklärung” hätte ich super gefunden aber mir ist schon klar dass das Medienmässig nicht so viel hergemacht hätte.
    PR ging da wohl vor ;)

  25. Ich sehe es wie HannesPR – dieses Manifest ist irgendwie überflüssig.
    Jeder, der an dieser Form von Informationskultur teilnimmt, kennt die modernen Erfordernisse des Internetjournalismus, seine Chancen und Risiken. An wen soll sich dann das Manifest richten?
    Besonders schade ist auch, dass Vodafone- Werbeikone S.Lobo mit zu den Verfassern zählt…

  26. Es wundert mich doch sehr, dass sich bei dem ganzen Gerede von Freiheit im Internet niemand darüber aufregt, dass sich das amerikanische Department of Commerce in diesen Tagen zeitlich unbegrenzt die Oberhoheit über ICANN (u.a. zuständige für die Vergabe der neuen Top-Level-Domains im Internet) unter den Nagel reißt. Das DoC ist ja kein Wohlfahrtsverein, sondern exklusiv zuständig für die Wahrung der amerikanischen Wirtschaftsinteressen in der Welt, und die müssen sich mit denen des Rests der Welt nicht unbedingt decken, auch nicht auf ewig mit unseren. Das Internet gehört, wenn es frei, einheitlich, umfassend und weltweit bleiben soll, unter die Ägide der UNO, nicht eines einzelnen Landes, egal welches. Diese Forderung sollte sich m.E. die Netzgemeinde mal auf die Fahnen schreiben.
    Im Übrigen denke ich auch, dass die Medien das Web verschlafen haben und wir in ein völlig neues Zeitalter eintreten. Ich finde es aber naiv, das nur rosig zu sehen. Das journalistische Schlüsselloch ist nämlich nicht nur ein Schlüsselloch, sondern auch Brennglas, Lupe und ein Diskursmacher, während der öffentliche Diskurs in Web-Zeiten immer mehr in ungezählte Partialöffentlichkeiten zerfällt, die sich dank entsprechender Content-Filter noch nicht einmal gegenseitig zur Kenntnis nehmen müssen. Darin sehe ich, bei aller Liebe zu Web etc. ein großes Risiko für die Demokratie. Es wird noch einfacher, alles, was nicht in den eigenen Kram passt, schlicht zu ignorieren. Denn in Zukunft kriegen Menschen nur noch die Info, die sie wollen. Und was wollen sie? Mehrheitlich das, (so jedenfalls die psychologische Forschung), was ihre bereits vorhandenen Meinungen und Interessen bestätigt. Dabei stört sie zukünftig wohl nicht mal mehr eine aufrüttelnde Überschrift. Bewusstseinserweiternd, diskurs- und demokratiefördernd ist so was nicht.

  27. und schon wieder ein Manifest, von Menschen, die das Wort Manifest wohl falsch verstanden haben und für eine breite Schicht sprechen wollen.
    Für das Internet braucht es kein Manifest, es reicht die Beachtung des Grundgesetzes insbesondere des Artikels 5GG. Aber über dieses “Manifest” wird wohl leider diskutiert werden, reine Zeitverschwendung, lasst uns über wichtigere Inhalte reden.

  28. Mich erreichte heute eine Mail, in der dieses stand:

    Sagmal, ich befasse mich ja nicht so richtig mit der Bloggerwelt, aber ist der Autorenquerschnitt in
    http://netzpolitik.org/wiki/index.php/Internet_Manifest unten auch der in dieser Sphäre? Beim ‚klassischen‘ Journalismus gabs doch zumindest mal 30% Frauenanteil, oder? Aber vielleicht ist das ja nicht mehr so wichtig im unantastbaren Internet.

    Von einem Mann, übrigens, falls wer den ‚hysterische Emanzen‘-Reflex kriegt.

    Ansonsten ist im Wiki nur eine leere Seite (?). Das ändert sich sicherlich irgendwann wieder?

  29. lest http://www.padeluun.de/TEXTE/20jahregesamtwerk.html doch noch mal. da beschreibt padeluun in teilen, wie und mit welchen intentionen sich das www in deutschland entwickelt hat, das wir heute selbstverständlich benutzen. wer zeit hat, kann auch mal im antiquariat nach karl steinbuch, die informierte gesellschaft, stuttgart 1965 (!) suchen und es lesen. und dann den bogen schlagen zu dem beabsichtigten manifest, um festzustellen, was alles in nicht mal vierzig jahren geschah, und was heute verteidigenswert ist.
    text und zeitpunkt der veröffentlichung machen mich nicht glücklich. aber unter der prämisse, in sehr kurzer zeit viele leute unter einen hut und zu einem gemeinsamen statement gekriegt zu haben: nun gut. der text steht zur (notwendigen) diskussion – bloss meckern gilt nicht.

  30. Und wo bitte gehts hier zum INTERNER-Manifest? Das, was Ihr da in Netz gepappt habt ist (wenn überhaupt) ein „Journalismus im Internet“-Manifest. Es ist schon eine Frechheit mit welcher Borniertheit hier selbsternannte Internetgrößen sich über die Masse der Internetnutzer erheben. Nach „Alle für Alle“ sieht das nicht aus eher nach „Alle nach uns“!

    Wenn das euer Anspruch an Qualität ist, dann können wir das Internet ja wieder schliessen.

  31. Nicht schon wieder Lobo, könnte min. 10 Blogger nennen, die eher auf die Liste gehörten. Aber irgendwie scheinen viele an dem Typen zu hängen, wobei ich noch nie was konstruktives oder positives von dem gesehen habe.

  32. @markus: rhetorische Aufforderung war rein rhetorisch.

    Wer ohne Euer Manifest im Netz nicht klarkommt, der kommt auch mit Eurem Manifest im Netz nicht klar.

    Es steigert lediglich in der Welt der Internetausdrucker den Marktwert der beteiligten selbsternannten Internetexperten, ist also viraler kommerzieller Aktionismus.

  33. Das Internetmanifest ist eine große Bereicherung. Dazu eine Ergänzung: Traditionelle und zukünftige Medienplattformen sowie auch jegliche sonstige Handelsmarken dienen der Orientierung und rationalisieren das ansonsten herrschende Chaos in der Kommunikation. Medienplattformen und Marken machen den Unterschied zur bloßen Veröffentlichung von Beiträgen materieller oder immaterieller Art aus. Es wird sie deswegen auch in Zukunft geben. Aber alles wird Kommunikationsgegenstand und nicht mehr Ablass sein, und wird sich in einem wie auch immer strukturierten öffentlichen Diskurs bewähren müssen.

  34. Internet-Manifest. Größer habt ihr es wohl nicht gehabt?

    Aber man redet wieder über Lobo und Konsorten,
    bevor das Geschäft wieder einschläft, gell?

    das ist so, ich sag mal,: schade.

  35. @38 und 46: Ja, das Internet hat die Wissens- und Meinungsvermittlung fast kostenlos gemacht. Die Formel „Qualität hat ihren Preis“ gilt auf dem geduldigen Papier, aber nicht auf dem ungeduldigen Bildschirm. Journalisten leiden darunter, denn das neue Medium übertrumpft das alte nicht nur in der Auswahl und der Geschwindigkeit, sondern auch in der Glaubwürdigkeit, denn das Internet bietet eine unvergleichlich höhere Nachhaltigkeit, die einer Publikation einen weiteren großen Pluspunkt verschafft, die Kontrollierbarkeit.
    Die Faktoren Geschwindigkeit, Auswahl, Glaubwürdigkeit und Kontrollierbarkeit (in beliebiger Reihenfolge) führen dazu, dass Informationsvermittlung im Internet anders als in den analogen Medien der Vergangenheit automatisch eine immer bessere Qualität bekommt. Dieses Qualitätsversprechen wird auch zukünftig auf allen möglichen Ebenen durch entsprechende Kanäle rationalisiert werden, um das ansonsten entstehende Chaos zu vermeiden. Das beste Beispiel dafür ist die vor wenigen Jahren noch unbekannte Wikipedia. Die Bezahlung von Journalisten – ausgenommen herausragende Einzelpersönlichkeiten, die für sich eine bestimmte Qualität garantieren und ihre Angebote direkt anbieten können – wird dementsprechend von neuen oder sich über die Runden rettenden alten Medienplattformen oder Marken vorgenommen werden. Und die werden sich wiederum genauso finanzieren, wie alle herkömmlichen Medienangebote bis jetzt auch schon, durch Werbung und einen Verkaufspreis. Qualität wird selbstverständlich, bezahlt wird zukünftig mehr den je für eine ordnende Kompetenz.

  36. Es wurde mir erzählt, es ginge hier um den Gegenentwurf zum Heidelberger Appell. Das stimmt aber nicht. Um das Internet geht es auch nicht, sondern um Blogging und Text.

    „Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen.“

    Es beweihräuchert sich also die Zeitungsfüllerkunst und rüffelt die Online-Nase. Darüber könnte sich jemand lustig machen, herzhaft gähnen oder eine historisch-kritische Untersuchung wissenschaftlich schreiben. Der „Manifest“-Text spricht: „Solchen Weihrauch gibt es auch im Netz. Schaut auf uns.“ Ich halte dagegen: „Solche Aufgaben hat Journalismus gar nicht.“

    Falls jemand Interesse zeigen möchte, ein Gegendokument aufzusetzen (ich vermute, der Remix und die Debatte sind gewollt), dann bitte ich um Berücksichtigung als erste These:
    * Die Menschen schreiben was sie wollen. Die Journalisten schreiben was sie sollen.
    …und als zweite These:
    * Funktion von Medien ist nicht Aufgabe, Effekt ist nicht Absicht.

    Wer macht mit?

  37. heidelberger appell
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31135/1.html
    [..] Wenn man so will, dann werden diese Autoren „enteignet“ – von denjenigen ihrer Kollegen, die zu faul sind, Google mitzuteilen, welche ihrer vergriffenen Bücher sie nicht angezeigt bekommen wollen. Trotzdem versuchte das [extern] Bundesjustizministerium hier nicht einmal, Interessen gegen einander abzuwägen, sondern schlug sich sofort auf die Seite der Google-Gegner. [..]

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