Kultur

Wer Musik herunterlädt, könnte auch weitere Straftaten begehen?

DerWesten berichtet über den Tauschnix e.V., der von einer „IGKS – Initiative gegen die Kriminalisierung der Schulhöfe“ in NRW geführt wird. Ziel ist, dass man Jugendliche über die Gefahren von Tauschbörsen aufklärt, um schlimmeres zu verhindern:

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Das soll sich ändern: TauschNix geht in die Schulen und informiert Schüler, Lehrer und Eltern darüber, was in Sachen Musik aus dem Netz legal und was verboten ist. „Die Menschen haben keine Ahnung, was erlaubt ist.” Da habe die Musikindustrie leider ganze Arbeit geleistet, so Hilbring. „Wir wollen, dass die Kriminalisierung von Jugendlichen aufhört”, erklärt er entschieden. Wer bereits in so jungen Jahren wegen heruntergeladener Songs kriminalisiert wird, dessen Hemmschwelle sinkt, und er begeht noch weitere Straftaten, befürchtet er.

Schirmherren sind eine illustre Runde an NRW-Lokalpolitikern. Etwas komisch finde ich die Herleitung, dass man als Tauschbörsennutzer später mal weitere Straftaten begehen könnte. Nach der Argumentation müsste man eigentlich konsequent für eine Entkriminalisierung eintreten.

Die Webseite möchte über legale Wege aufklären, wie man an Musik kommt. Nun erwartet man dann viele Links zu freier Musik. Dem ist aber nicht so: Stattdessen wird eine kommerzielle Software empfohlen, womit man sich Musik aus Internetradios herausschneiden kann. Das wird die Musikindustrie nicht besonders freuen, aber irgendwie erwartet man schon etwas mehr.

[Danke an Lukas]

Update: Hab mir mal die Adresse des Vereins angeschaut. Der sitzt zufällig dort, wo auch die Firma Tobit ihren Sitz hat. Diese vertreibt zufällig das Mitschneidewerkzeug, was der Verein als einzige Lösung promotet. Vertretungsberechtigter Vorstand des Vereins ist Stefan Hilbring, der Produkt-Manager bei Tobit ist. Auf der Webseite findet man dazu keinen Hinweis. Dafür aber einen Pressespiegel, wer schon alles über diese selbstlose Aktion geschrieben hat. Ohne einen Hinweis auf die Dauerwerbesendung zu liefern. Ob den vielen (Lokal-)Politikern ihre Funktion als Mit-Werbeträger klar ist, die dort als Schirmherren agieren?

Das lustige an der Sache ist ja, dass ein Haufen CDU-Landräte und ein NRW-Minister das Mitschneiden von Musik aus Internetradios propagiert, während die CDU-Bundestagsfraktion dies als Lobby der Musikindustrie im 2. Korb der Urheberrechtsnovelle immer verbieten wollte.

Übrigens gibt es auf einer Seite auch die Spiegelung eines iRights-Artikels mit einem fehlenden CC-Vermerk und einer falschen Autorangabe.

Nochmal Update: Die Firma Tobit war schonmal unterwegs, um verdeckt für ihre Software zu werben. Torsten Kleinz berichtete schon im Herbst letzten Jahres über Kommentar-Spam-Versuche bei Heise, Wikipedia und Blogs: Schonbezahlt.de und Kommentar-Spam.

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5 Kommentare
    1. Also, noch mal genauer: die sagen nicht, daß, wer Musik runterlädt, weitere Straftaten begehen könnte, sondern daß, wer fürs Musik-Runterladen als Krimineller abgestempelt wird, weitere Straftaten begehen könnte (Etikettierung).

  1. Daß die unzähligen Angebote zu freier Musik ignoriert werden könnte man noch mit der immer noch weit verbreiteten Unkenntnis entschuldigen.

    Aber es werden nicht mal die etlichen Programme zum Mitschnitt empfohlen und selbst nicht etliche kommerzielle Programme, sondern EINE KOMMERZIELLE Software.

    Noch deutlicher kann eine Werbe-Seite kaum aussehen…

  2. Hm… Emule, Bittorrent und Co. als Einstiegstatbestand für kriminelle Handlungen? Wenn die Herren ihre Zeit nicht sinnlos vergeuden wollen, sollen sie lieber mal die Musikindustrie hofieren und deren Ansichten korrigieren. Da hat man viel weniger Multiplikatoren mit viel größerer Reichweite zu bedienen!

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