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Grossbritanien will auch Internetverbot für Downloader

Unter dem Deckmantel „Creative Industries“ will jetzt auch Grossbritanien noch härter gegen Tauschbörsennutzer vorgehen. Die Gesetzesinitiative kennt man aus Frankreich. Grossbritanien als nächstes Land ist keiner Überraschung, bracht doch erst unlängst der britische Europaabgeordneter Christopher Heaton-Harris den Vorschlag ins Parlament ein, wonach die Internetprovider deutlich stärker in den Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen eingespannt werden sollen. Dieser wurde dort abgelehnt. In Grossbritanien möchte man laut Angaben der Times, worauf sich Heise bezieht, ebenfalls Tauschbörsennutzern das Internet kappen. Wer drei Mal verdächtigt wird, unrechtmässige Filme oder Musik getauscht zu haben, dem soll das Internet entzogen bekommen. Erinnert ein wenig an die DDR, wo man sich nicht mit Westfernsehen erwischen lassen sollte. Auch trägt dies sicherlich zur Steigerung der Medienkompetenz unter jungen Menschen bei, wenn sie von der digitalen Welt ausgeschlossen werden.


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Bei Heise hat man auch schon einige Problempunkte genannt:

Das Ministerium bereitet für den Gesetzesvorschlag ein Dokument vor, das in der nächsten Zeit veröffentlicht werden soll, um die britische Unterhaltungsindustrie zu fördern. Erste Entwürfe des Programms zur „kreativen Ökonomie“ habe man bereits zur Konsultation an die Beteiligten geschickt. Als eines der Probleme wird genannt, dass Internetzugänge teilweise nicht vom Kunden selbst, sondern von anderen Personen zum Download verwendet werden, etwa durch das Eindringen in eine WLAN-Verbindung. Ein anderer Konfliktpunkt sei, wie viele Warnungen die Internetprovider verschicken und wie viele Accounts sie sperren sollen. Man schätzt, dass etwa sechs Millionen Briten über ihre Breitbandverbindungen illegal Kopien aus dem Internet herunterladen.

In Deutschland ist es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis die erste Initiative gestartet wird. Die Frage ist eigentlich nur noch, wer zuerst damit startet. Meine Favoriten sind CDU/CSU, FDP oder SPD. In der Reihenfolge. Und dann alle zusammen.

Probleme lösen wird ein härteres Vorgehen nicht. Eher werden Probleme viel dramatischer eskalieren.

Mehr Informationen zu dem Projekt:

23. Januar 2008: Musikindustrie-Pläne scheitern im Kulturausschuss des EU-Parlaments.
16. Januar 2008: Bei Urheberrechts-Verstössen einfach das Netz kappen?
4. Januar 2008: Eu droht mit weiteren Urheberrechts-Verschärfungen.
26. November 2007: Frankreich will ein zivilisiertes Internet.

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8 Kommentare
  1. Wenn man denn überhaupt so einfach feststellen kann, was da konkret durch die Kabel der pösen, pösen Urheberrechtsverletzer flitzt, dann frage ich mich immer, wie man dann legale mp3-Dateien von illegalen mp3-Dateien unterscheiden will.

    Sicherlich hat die Musikindustrie aber einen Harry-Potter-Filter in petto, der das Unmögliche möglich machen wird. Und wenn die ISPs bei dem Filterwahnsinn nicht mitmachen wollen, dann werden sie halt verklagt. Das hat die IFPI jedenfalls in ihrem Digital Music Report 2008 angekündigt.

    IFPI and its affiliates are discussing with ISPs in many countries a system for curbing mass copyright infringement on their networks. Many countries are now progressing towards concrete steps by ISPs in this area. However, the recording industry is prepared to use the courts where voluntary collaboration fails.

    Ich bin der Meinung, nur Konzepte in Form einer Kulturflatrate werden diesen Irrsinn auf befriedigende Art und Weise beenden können; für beide Seiten. Bis man auch an oberster Stelle zu dieser Erkenntnis gelangt, werden aber sicher noch einige Jahre ins Land ziehen. Man kann nur hoffen und sich dafür einsetzen, dass bis dahin unsere Politiker nicht bereits irgendwelche ganz schrecklichen Vorstellungen und Ideen in Gesetze gegossen haben werden. Zurückrudern funktioniert ja in der Regel nicht.

  2. Womit wollen die ISP’s dann ihr Geld verdienen… es wird immer wieder an der falschen Stelle angefangen ein Problem zu lösen. Anstatt zu versuchen die Bevölkerung zu ändern und mehr Soziales Denken in unserer Gesellschaft zu bringen kommt die Politik ständig nur mit neuen Verboten Überwachungen und Kontrollen, die Medien die Politik und die Wirtschaft hat die Bevölkerung zu Konsum-Zombies ohne Mitgefühl gemacht deshalb die Überwachung und immer wieder neuen Gesetzte die NUR ZUM WOHLE DES VOLKES dienen…
    Die verflechtungen und das Soziale Netz das wir uns aufgebaut haben ist schon so fortgeschritten das es gar keinen Rückschritt mehr geben kann. MERKT DENN KEINER AUSSER MIR DAS ES SO NICHT WEITERGEHEN KANN?

  3. Das ist ja der dümmste Vorschlag den ich je (in Verbindung mit AntiP2P Propaganda)gehört hab. Da haben ja die Lobbyisten der Content-Mafia gute Arbeit geleistet, die Politiker mit Milliardsenverlusten zu schockieren. Wenn man dann noch bedenkt wie viele der Verdächtigungen sich im nachhinein als Nieten herausstellten kann man eigentlich nurnoch den Kopf schütteln.

    Inkompetenz kennt keine Grenzen…

  4. Ich glaub die SPD wird sich nicht daran beteiligen, da sie gerade Wählerstimmenmangel haben, und so noch weniger gewählt werden wurden.
    CSU/CDU kann ich mir aber auch sehr gut vorstellen.

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