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„Cyberkrieg“ gegen Estland: 1100 Euro Strafe

Erinnert ihr euch noch: Im Frühjahr 2007 wurden diverse Webseiten in Estland Opfer von DDOS-Attacken und waren zum Teil tagelang nicht erreichbar. Auslöser war ein Streit um ein russisches Denkmal. Die Sache hat damals sogar die NATO beschäftigt, die gerüchteweise kurz davor war, den gemeinsamen Verteidigungsfall auszurufen. Das Problem war nur die ganze Zeit: Verteidigungsfall…

  • Ralf Bendrath

Erinnert ihr euch noch: Im Frühjahr 2007 wurden diverse Webseiten in Estland Opfer von DDOS-Attacken und waren zum Teil tagelang nicht erreichbar. Auslöser war ein Streit um ein russisches Denkmal. Die Sache hat damals sogar die NATO beschäftigt, die gerüchteweise kurz davor war, den gemeinsamen Verteidigungsfall auszurufen. Das Problem war nur die ganze Zeit: Verteidigungsfall gegen wen?

Jetzt gibt es endlich Aufklärung in diesem absolut dramatischen „ersten Cyberkrieg“, wie Kevin Pulsen bei Wired berichtet:

The attacker convicted today isn’t a member of the Russian military, nor is he an embittered cyber warrior in Putin’s secret service. He doesn’t even live in Russia. He’s an ethnic Russian who lives in Estonia, who was pissed off over that whole statue thing. The court fined him 17,500 kroons, or $1,620 dollars, and sent him on his way.

Das sind umgerechnet 1108 Euro nach aktuellem Tageskurs. Eine gerechte Strafe für einen Angriff, der von vielen selbsternannten Experten mit einem Krieg gleichgesetzt worden war, bei dem aber am Ende nur ein paar Webseiten ein paar Tage nicht erreichbar waren. Gestorben ist deswegen genau niemand. Beruhigend, dass den Richtern hier nicht auch die Perspektive verrutscht ist.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


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3 Kommentare zu „„Cyberkrieg“ gegen Estland: 1100 Euro Strafe“


  1. Trac3R

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    In Deutschland wäre der gleich hinter Gittern gelandet, in Hessen sogar anschließend unter Verlust des Aufenthaltsrechtes nach Sibirien abgeschoben worden. So hätten es zumindest einige gern.


  2. „nur ein paar Webseiten ein paar Tage nicht erreichbar waren“

    Nun ja,
    1. Um eine DDOS-Attacke zu fahren braucht man mehr als einen Computer. Ein Student hat die sicherlich nicht unter dem Schreibtisch stehen. Er wahrscheinlich ein Botnetz benutzt habe (= Einbruch auf fremde Rechner).
    2. Es gibt Seiten die einen Umsatz generieren, bei dem es nicht ganz so unerheblich ist ob die Seite ein paar Tage nicht erreichbar ist.


  3. Deswegen gibt es ja Gesetze gegen Computerkriminalität, und nach so einem ist der Mensch ja auch verurteilt worden. Aber mit Krieg hat das nichts zu tun.

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