Öffentlichkeit

Warum Microsoft den Fortschritt bremst

Guter Kommentar in der Süddeutschen: Warum Microsoft den Fortschritt bremst.

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Man stelle sich vor, es gebe auf der Welt nur einen Autohersteller, der zugleich alle Tankstellen kontrolliert. Der den Motor zum Auto nur liefert, wenn der Kunde auch eine Garage mitbestellt, einen Wohnanhänger, Winterreifen und einen Dachgepäckträger, selbst wenn er solches Zubehör nicht braucht. Neue Modelle gäbe es nur unregelmäßig. Die Käufer könnten aber nie sicher sein, ob die neue Autogeneration auch zuverlässig funktioniert, und alle paar Jahre wird die Qualität des Monopol-Treibstoffs so geändert, dass älterere Modelle auf den Schrott müssen. Eine absurde Welt, natürlich unrealistisch. Aber es gibt einen Markt, auf dem es so ähnlich zugeht. Das ist der Weltmarkt der Software für Büro- oder Laptop-Computer, den der amerikanische Konzern Microsoft zu über 90 Prozent beherrscht. […] Bill Gates und Microsoft haben eine globale Machtstellung erreicht, die zuvor kein Unternehmen hatte. Im Software-Sektor versagen sowohl die regulierenden Kräfte des Marktes wie die politischen und juristischen Kontrollen, die eine marktbeherrschende Stellung dieser Größenordnung verhindern müssten. […] Der Aufstieg des Hightech-Unternehmens Microsoft beruht in erster Linie auf dem systematischen Ausgrenzen der Konkurrenz. Doch wer zielstrebig den Wettbewerb behindert, trägt nicht zur Steigerung des allgemeinen Wohlstands bei, sondern zu seiner Minderung. Er bereichert sich zu Lasten anderer. So steht es in jedem Wirtschaftslehrbuch.

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24 Kommentare
  1. Besser hätte man es kaum formulieren können. Ich frage mich, welche Reichweite ein solcher Kommentar hat, ob das einige Leute aufrüttelt.
    So oder so aber schön zu lesen, dass eine kritische Auseinandersetzung mit den Wirtschaftsfolgen des Monopols langsam auch Mainstream-Medien erreicht.

  2. Dazu sollte man vielleicht sagen, dass meine Theorie, dass der Markt zum Monopol strebt, durch MS eindeutig bestätigt wird. Wer glaubt eigentlich auch nur einem Unternehmer, wenn er sagt, dass er Konkurrenz begrüße??

  3. Und wieder volle Kanne drauf los.. wie war das mit OOXML? MS hat in eigenem Interesse gehandelt, wenn die einzelnen Länder es zulassen, dass innerhalb kurzer Zeit die Mitgliederzahl drastisch ansteigt… wurde dagegen etwas unternommen? Nicht dass ich das gutheiße was MS da macht, nur wenn ihnen kein Einhalt geboten wird ist klar, dass die immer weitermachen und das von der EU mit dem Urteil…
    Anstatt über die 90% heulen, einfach nicht nutzen. Wenn möglich Linux/Mac/whatever auf Arbeit einsetzen.

  4. Die die andere Seite wird natürlich nicht erwähnt: Der Verbraucher kauft am liebsten ein Auto mit Garage, Reifenwechsel und allem Zubehör, weil er faul, bequem und luxusgewöhnt ist. Er will am liebsten nur einsteigen und fahren. Das Auto ja nicht warten – macht man ja am echten auch nie. Man schaut nie nach Öl, Kühlwasser, Bremsflüssigkeit, Funktion aller Lampen und Reifendruck, nicht wahr?
    Der Verbraucher ist mündig, er kann sich selbst auf dem Markt umschauen – es gibt nicht nur einen Anbieter.

  5. Bill Gates hatte vor Jahren ein revolutionäre Idee für ein Betriebssystem. Dieser Idee hat Microsoft seine derzeit nahezu unangefochtene Marktstellung zu verdanke (Leistungsmonopol). Das Unternehmen wurde größer und größer, träger und träger. Je schlechter das Produkt im Vergleich zu anderen wird umso mehr werden sich die Konsumenten ganz ohne Kartellgesetze, Gerichtsurteile und Marktregulierung nach Alternativen umschauen (die es ja durchaus gibt). In einigen Bereichen geschieht das bereits – Bsp. Internet Explorer vs. Firefox. Anderes Beispiel Dell. Auf Wunsch der Kunden werden jetzt die ersten Modelle mit vorinstalliertem Linux verkauft. Der Markt hat hier nicht versagt, man muss ihm einfach Zeit zum reagieren geben.

  6. Leider wenig Erhellendes in dem Kommentar, wie Microsoft es geschafft hat, eine derartige Marktmacht zu erlangen:
    1. Die Bündelverträge mit den OEM-Herstellern.
    2. Das Profitieren von Raubkopien von MS Office bei Privatanwendern/Anfixen der Anwender, die nur noch MS Office verwenden wollen (können)
    3. Das Entstehen eines Software-Ökosystems rund um Windows mit VIEL Drittanbietersoftware (anstatt nur MS-Software).
    4. Kein Lizenzieren der eigenen Dateiformate an Drittanbieter von Bürosoftware.
    Gibt sicher noch mehr. Außerdem ist es auch etwas übertrieben, den Vergleich mit einem Automonopolisten zu ziehen. Es gibt und gab immer Konkurrenten bei Betriebssystemen, z. B. Apple, auch wenn dies von den meisten nicht wahrgenommen wird. Der 90%-Marktanteil von MS ist allerdings für funktionierenden Wettbewerb und damit für Innovationen zu hoch.

  7. Und Microsoft macht sich sorgen um die Monopolstellung von Google und gründet eine Allianz um die Übernahme von Doubleclick (das M$ auch kaufen wollte aber Google unterlegen war) zu verhindern. O_o

  8. Ich kann Bisamratte nur beipflichten. Bisher bin ich der Meinung, dass Vista eine große Chance für Open Source-Betriebssysteme darstellt. Die Tendenz: Nichts neues, nur was buntes. Das kann doch nur nach hinten losgehen.

  9. @Hivemind
    Die 500 Mio stecken die doch so weg. Ueberleg mal, wieviel Geld die haben. Das macht sich doch – wenn ueberhaupt – in einem Quartal in der Geschaeftsbilanz nur als kleiner Einbruch bemerkbar, sonst gar nicht…

  10. Aus der Sicht eines Technikhistorikers kann ich sagen, dass dieser Kommentar Quark ist. Was hindert ein Unternehmen, grade wegen der Dominanz Microsofts, ein neues, besseres Produkt zu entwickeln? Ich denke niemand. Natürlich ist das mit anfänglichen Schwierigkeiten verbunden und ich bin mir auch sicher das MS da einige Steine in den Weg schmeißen würde, aber man soll doch bitte nicht so tun als wäre MS der Fortschrittsfeindliche Satan, mal ganz abgesehen davon, dass uns der Autor des Kommentars einer Definition von „Fortschritt“ schuldig bleibt.

    Cheers!

    Der Commodore

  11. @Bisamratte: „Bill Gates hatte vor Jahren ein revolutionäre Idee für ein Betriebssystem. Dieser Idee hat Microsoft seine derzeit nahezu unangefochtene Marktstellung zu verdanken (Leistungsmonopol).“
    Welche Idee meinst du? Die damalige herausragende Stellung bekam MS durch einen Exklusiv-Vertrag mit IBM, nicht durch irgendwelche besonderen Funktionen. Alles, was MS damals angeboten hat, gab es in der oder ähnlicher Form auch schon woanders.

    @Commodora: Das ist nicht korrekt. Das Entwickeln eines „neuen, besseren“ Produktes erfordert, dass es aktuelle MS-Produkte in allen notwendigen Bereichen überflügeln kann. Da aber gerade diese notwendigen Bereiche (ADS-Server, Office-Format, WMA/WMV, etc.) mangels Spezifikationen nicht erschlossen werden *können*, kann dort auch kein besseres Produkt entstehen.
    Bei einem Leistungsmonopol wäre es möglich, mit besseren Produkten die Marktmacht zu brechen. Bei einem technisch abgesicherten und geschützten Monopol ist dies in der Realität auf dem Weg nicht möglich. Da müssen andere Reize greifen (Offenheit, Standardisierung, Angst vor Monopolen, etc.).

  12. Die Marktmacht kommt nur davon, daß M$ Software nicht von Fachleuten (den EDV Spezialisten) eingekauft wurde, sondern von Teilnutzersn, welche glücklich darüber waren, nicht von der EDV Abteilung abhängig zu sein und eigene Entscheidungen zu treffen. Welche absolute Krücke war denn M$ im Netzwerkbereich und schließlich ist auch AD nur ein Abklatsch von StreetTalk mit dem Banyan VINES Lichtjahre voraus war. Anstatt etwas besseres zu bieten, hat man Jim Alchin von Banyan gekauft und VINES über den Preis in den Ruin getrieben. Nun müssen die Benutzer mit der schlechten und vor allem nicht dem Standard entsprechenden, d. h. mit dem Rest der Welt m. E. inkompatiblen Vernetzung eben leben.
    Schließlich wurden die Fachleute dann durch eine unsachverständige Nutzergemeinde gezwungen M$ zu unterstützen, was sie aus eigenen Überlegungen heraus nicht getan hätten. So kann der Markt leider nie funktionieren. Um das bessere Produkt nach „CommodoreSchmidtlepp“ zu würdigen muß der Entscheider auch über genügend Fachwissen verfügen. Das ist bei 99% der ‚Kleinstweich‘ Nutzer und Käufer definitiv nicht der Fall.

  13. Microsoft bremmst den Fortschritt schon durch die Zersetzung der kognitiven Fähigkeiten seiner User:

    „Dass es Ubuntu in mehreren Versionen gibt, erfährt man spätestens in der Mitte der Download-Seite, wo man sich den gewünschten Typ aussuchen soll. Ich entscheide mich für das herkömmliche Ubuntu und die Version „desktop, alternate, server“ für die PC-Architektur „i386, amd64″. Hat man vorher die Einleitung auf der Download-Seite studiert, ist das weniger kompliziert als es klingt.“

    http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,507485,00.html

  14. Bill Gates hatte die Idee des Betriebsystems nicht, sondern Apple hatte die Idee eine graphischen Oberfläche mit Maus.
    Gates bewzeifelte damals das diese jemand haben wollte und fand die graphische Oberfläche lächerlich.
    Alles was imersten Windows zu finden war, gabe es längst und viel ausgereiftert bei Apple.
    Und immmer ist es die Ideenschmiede für „Kleinweich“, siehe Vista.
    Die Tendenz zur Monopolisierung steht schon in “ Das Kapital“ von Karl Marx.
    Aber egal wo Monokultur herrscht ist Stillstand vorprogrammiert.

  15. sondern Apple hatte die Idee einer graphischen Oberflaeche mit Maus

    Sorry, das ist ein Mythos den Apple Fans gerne verbreiten, der aber so nicht stimmt. Apple hat die Idee auch nur von Xerox PARC „geklaut“.

    Die haben das GUI erfunden, die Maus, WYSIWYG Text Editoren, Laserdrucker und vieles mehr. Leider waren sie nicht clever genug all das in kommerzielle Produkte umzusetzen, das hat Apple dann als erstes gemacht.

    Und wer ueber Monokultur und Tendenzen zur Monopolisierung redet sollte vorsichtig bei der Erwaehnung von Apple sein, wenn man sich die diversen Spielchen und Tricks von Apple rund um iPhone/iPod/iTunes mal so ansieht.

  16. Nun, die Alternative wäre, die Konkurrenz einzuladen, auf dem Markt mitzumachen. Aber das ist eben nicht das Denken eines Marktwirtschaftlers.

    Und Apple trägt meiner Meinung nicht wirklich zum Wettbewerb auf dem Weltmarkt bei. Die haben sich irgendwo in einer Designer/Yuppie/Alternative/Technikfreaks/-Nische eingerichtet. Da gehört man entweder dazu oder man kann damit relativ wenig anfangen.

  17. Neuerdings scheint ja wieder Bewegung in diese Sache zu kommen, nachdem jetzt Google (!) angekündigt hat, sein eigenes Chrome-OS auf den Markt zu bringen – da wird Sir Microsoft ganz schön ins Schwitzen kommen :-)
    …und Google zeigt auch in diesem Bereich, wohin der Weg geht: proprietär und monopolistisch war gestern – offen soll die Welt werden.

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