Kultur

Die Krise der Musikindustrie auf Bayern2

Am Mittwoch abend gibt es eine Live-Diskussion im Bayerischen Rundfunk über die Krise der Musikindustrie. Mit von der Partie sind Dieter Gorny (Gründer von VIVA und der popkomm), Heinz Rudolf Kunze (Für die Jüngeren: Der war früher mal Rocksänger), Till Kreutzer von iRights und Andre Spiegel (Freier Programmierer und Buchautor).


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Verstohlen runterholen?

Aspirin wird bezahlt. Aerosmith, Abba nicht. Ladendiebstahl wird verfolgt. Der Diebstahl geistigen Eigentums erst ganz langsam. Musik-Downloads. Führt diese Technik in einer Gesellschaft, deren Zukunft in der individuellen Kreativität liegt, zum Kollaps? Müssen wir Besitzverhältnisse und Gesetze völlig neu denken?

Sendezeit ist 21 Uhr 30, Bayern2, live aus dem Studio. Es gibt zwei Streaming-Möglichkeiten (SMIL / ASX).

Die Sendung soll auch auf Video aufgezeichnet werden und später in aufbereiteter Form im Internet verfügbar sein. Kann das vielleicht jemand aufzeichnen?

Update: Hier gibts den ganzen Mitschnitt zu hören.

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9 Kommentare
  1. marcel: Schon richtig, das ist eine Radiosendung. Es wird aber gleichzeitig im Studio eine Video-Aufzeichnung gemacht, die dann später in aufbereiteter Form über die Seite der Neuen Musik-Zeitung verfügbar gemacht werden wird. Das wird dann unter media.nmz.de zu finden sein.

  2. andre: das war mir klar, steht ja auch so im artikel. ich habe nur die bitte um die aufzeichnung als bitte um die radioaufzeichnung aufgefasst. sonst macht das ganze ja keinen sinn ;-)

  3. Mir war die Sendung ja schon allein wegen des seltsamen Mottos „Verstohlen runterholen“ (soll wohl witzig sein?) suspekt.

    Und dann diese vollkommen falschen und/oder wirren Aussagen in der Programmankündigung:
    „Aspirin wird bezahlt. Aerosmith, Abba nicht. Ladendiebstahl wird verfolgt. Der Diebstahl geistigen Eigentums erst ganz langsam.“

    So, das illegale Downloaden wird nicht verfolgt? Oder „erst ganz langsam“? Ist es nicht so, dass ein Ladendieb im Vergleich zu einem erwischten illegalen Downloader vergleichsweise billig weg kommt? Er/sie muss keine horrenden Abmahngebühren zahlen und wird auch nicht mit völlig unrealistischen Schadensersatzforderungen konfrontiert.

    Ist es nicht so, dass die Medienindustrie seit zehn, fünfzehn Jahren all ihre Kreativität in die Lobbyarbeit steckt, um die Gesetze zu ihren Gunsten zu verändern? Und dabei – siehe DMCA in Amerika und diverse Richtlinien in Europa – auch sehr erfolgreich war?

    „Musik-Downloads. Führt diese Technik in einer Gesellschaft, deren Zukunft in der individuellen Kreativität liegt, zum Kollaps?“

    Was für ein wirres Geschwurbel!

    Ersten geht es um „illegale“ Downloads (von der legalen Variante erhofft sich die Medienindustrie ja noch immer die Erlösung). Zweitens, was haben Downloads mit „individueller Kreativität“ zu tun? Und falls es einen Zusammenhang gibt, muss der negativ sein, zum „Kollaps“ führen? Und wer soll überhaupt kollabieren? Die „Gesellschaft“? Die (gesamte) Musikindustrie? Oder nur die vier globalen Musikkonzerne? Und wäre es nicht zu begrüßen, wenn das Phono-Oligopol, das Kartell von EMI, Sony BMG, WMG und UMG, zerschlagen würden? Würde das nicht gerade der individuellen Kreativität von unzähligen Musikern, Labelmachern usw. zum Durchbruch verhelfen?

    Fragen über Fragen. Leider bleibt die Sendung alle Antworten schuldig:

    Schon in seiner Einleitung geht der Moderator davon aus, dass Kreativität gefördert wird, wenn die ökonomischen Interessen der Musikindustrie geschützt werden. Ist das tatsächlich der Fall?

    Dann folgen gleich zwei Songs (unplugged) von Heinz-Rudolf Kunze (Und wenn ich gemein wäre, dann würde ich jetzt schreiben, dass jeder der das gehört hat, weiß, warum die Musikindustrie in einer Krise steckt) Vorher und nachher wird ausführlich erwähnt, dass Kunze gerade gleich zwei Doppel-CDs veröffentlicht hat. Und die Tourdaten werden auch genannt. Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Nach 20 Uhr.

    21.45 Uhr Schon 25 Prozent der Sendezeit verschwendet.

    Es folgt ein Einspieler, der wohl auch witzig sein soll: Geklaut wird nur schlechte Musik, Jazz-Musiker und „ernste“ Komponisten beklagen sich nicht. Downloader sind blöd, weil sie „schlechte“ Musik klauen.

    Dann behauptet der Moderator, Raubkopien seinen verantwortlich für die Einbußen der Musikindustrie. Dafür gibt es keine Belege! Gorny verbreitet altbekannte Thesen und will NATÜRLICH „weg von der Industriekritik“. Schuld ist das Bildungssystem, es werden keine Werte vermittelt.
    Kreutzer und Spiegel verteidigen das Urheberrecht, neue Modelle wie CC, „nicht alles was runtergeladen wird, sind Raubkopien“, „freiwilliges Bezahlen“ wie bei Magnatune.

    Schon wieder Heinz-Rudolf Kunze.

    Es folgen „Taktlos-Nachrichten“. Jetzt ist endgültig klar: Das ganze soll eine Satire-Sendung sein. Fürchterlich!

    Der Moderator bezeichnet die Aussage von Spiegel, dass es keinen funktionierenden Kopierschutz geben kann als „düstere Vision“ und als „beängstigend“. Toll, wenn der Moderator neutral ist und Ahnung vom Thema hat.

    Gorny behauptet, dass es keine Musik mehr gibt, wenn Musik kostenlos runtergeladen werden kann. Spiegel kontert, dass es Musik schon lange vor Tonträgern und vor der Musikindustrie gab. Der Moderator kommt Gorny zur Hilfe: Gorny hat den „Königsweg“, „bessere Bildung für unsere Kinder“, „da muss man ansetzen“. Gorny wirft noch mal Schlagworte wie „Wagniskapital“ in die Runde, dann kommt schon wieder Kunze. Für den hat sich der Abend, der GEMA sei’s gedankt, wenigstens gelohnt.

  4. Der Einspieler ist übrigens nicht witzig gemeint. Die Reaktion hier bestätigt, dass der Autor richtig gelegen haben muss. Es wird keine inhaltliche Diskussion geführt, weil sie im Debakel enden würde. Differenzierende Argumente sind selten förderlich. Aber Stereotype wunderbar.

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