Generell

Der Untergang des Abendlandes durch das Internet?

Frank Schirrmacher von der FAZ fürchtet den Untergang des Abendlandes durch das Internet: Wir brauchen eine Debatte

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Die erste Generation, die seit ihrer Geburt vom Internet geprägt wurde, macht demnächst Abitur. Gleichzeitig steigt der Anteil an jungen Menschen, die bekennen, gar nicht mehr zu lesen, dramatisch an. Und man wende nicht ein, dass der Mensch auf den Vorgang des Lesens nicht verzichten kann. Das Gegenteil ist der Fall. Das Netz ist auch ein Medium, das in steigendem Maße Nicht- oder Fastnichtmehrlesen ermöglicht, und wer das nicht glaubt, schaue sich die Verfilmung von Archiven bis zu Gebrauchsanweisungen auf Youtube an. Jetzt aber verändern sich die Gehirne. In welchem Ausmaß das geschieht, ist selbst der Forschung noch nicht klar: Fest steht, dass der ikonographische Extremismus, dem die Jungen und Jüngsten im Internet ausgesetzt sind, wie eine Körperverletzung wirkt.
[…]
Die Sprache dieser ersten Internetgeneration ist beängstigend roh, sie kommt aus den Bildern und handelt von den Praktiken, die diese Protagonisten in irgendwelchen Nischen gesehen haben. Bilder, die jeder, der sie gesehen hat, nie wieder vergessen kann, es sei denn um den Preis vollständiger Abstumpfung. Wir riskieren, die wenigen Kinder, die unsere Gesellschaft in Zeiten des demographischen Wandels hat, mit seelischem Extremismus zu programmieren – wenn wir nicht bald eine Debatte über pornographische und kriminelle Inhalte im Internet beginnen. Und wer die Infektionsausbreitung verfolgen will, braucht nur zu zählen, wie viele Tote neuerdings auch in Nachrichtensendungen oder Illustrierten gezeigt werden.

Hat der das eigentlich auch schon über die Einführung des Privatfernsehens behauptet? Irgendwie geht sein Plädoyer dahin, dass er und seine Zunft noch in der Zukunft gebraucht werden. Dumm nur, dass die junge Generation alle das Internet nutzen und seinen „Qualitätsjournalismus“ irgendwie veraltert finden. Bei der FAZ sogar im doppelten Sinne, was teilweise die Kulturansätze betrifft.

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15 Kommentare
  1. Christian Stöcker hat bei Spiegel Online schon recht treffend drauf geantwortet:

    (…) Schirrmacher beschwor in seiner Rede ein „Jahrzehnt des Qualitätsjournalismus“. Aber warum kann der nur auf Papier stattfinden? Tatsächlich ist es in einer Zeit des wachsenden Informations- und Unterhaltungsangebots wichtiger denn je, dass besonnene Menschen Nachrichten sortieren, auswählen, Entwicklungen mit Bedacht analysieren und kommentieren. Dass Verlage Geld in Redaktionen stecken, dass die Quote – früher sagte man: Auflage – nicht über die journalistische Auswahl regiert. Ob online oder gedruckt: Eine starke Medienmarke kann auf Dauer eben nur bestehen, wenn sie Qualitätsstandards setzt und hält. Die Vorstellung, dass Online-Journalisten zwangsläufig schlechter arbeiten, nur weil sie sehen können, was den Leser interessiert und was weniger, ist absurd. (…)

    Dass aber eine Generation verdummt, die Texte am Bildschirm statt auf Papier liest, dass Informationsvielfalt die Menschen abstumpft, dass die überwiegend schriftliche Netz-Kommunikation der Jungen, ob in Internet-Communities, über Instant Messenger oder E-Mail zu sprachlicher Verrohung führt, ist eine unbegründete Angst. Die erste Generation, die mit dem Netz aufgewachsen ist, schreibt, wenn überhaupt, mehr als die vorangegangene. Sprachlosigkeit jedenfalls droht nicht. Journalisten können sich freuen auf eine Generation von Lesern, die schon im Teenageralter daran gewöhnt ist, sich mit Texten aktiv auseinanderzusetzen – wenn die auch auf Bildschirmen stehen. Eine Generation, deren begeisterte Beteiligung im Netz guten Journalismus bereichern kann, anstatt ihn zu gefährden: Jeder Journalist tut gut daran, sich mit dem auseinanderzusetzen, worüber die neue Öffentlichkeit da draußen so redet. (…)

  2. na endlich!!

    LOYAL – LOYOLA!!!!!!!!

    die haben uns fest im Griff!
    seit Ewigkeiten.

    die Jesuiten werden jetzt ausgeknockt.

    das geht ratzfatz!!

    und danach wird alles anders!

    [ die Klammern stehen für Fäuste ]

    Die Welt wird aus einem [ 1! ] Scheiß-Büro regiert!!

    Die haben’s einfach übertrieben mit 9/11.

    [ spreeblick.com ]
    [ Y’know what time it is? ] [ Kommentare 25 – 38 ]
    [ wildes Kurdistan ] [ ab Kommentar 7 ]

  3. Der Herr Schirrmacher hätte wohl gerne den Untergang des Internets durch das Abendland ;-)

    Mich wundert, gerade beim „Qualitätsjournalismus“ der FAZ, dass er zu erwähnen vergisst, dass das Internet noch viel mehr ist als Tatort und Pornokino: Nämlich Schule und Treffpunkt von pösen Häckern sowie Terroristen!

    Was er auch zu erwähnen vergisst: Warum sich die junge Generation eher im Internet als mit Zeitungen und Fernsehen informiert. Es fällt zwar das Wort Qualitätsjournalis, aber was einem viele Zeitungen bieten ist davon meilenweit entfernt, denn der Leser möge angeblich leichte Kost. Bullshit! Und fürs Fernsehen gilt das Gleiche: Zeigt die guten Inhalte zu vernünftigen Zeiten, dann schaut auch wieder jemand zu. Um sich berieseln zu lassen, kann man auch nen Bildschirmschoner nehmen.

    Dann werde ich also doch lieber mein eigener Redakteur bzw. Programmdirektor. Das erfordert zwar mehr eigenen Aufwand, aber ich kann mir die Qualität selbst zusammenstellen.

    Was Schirrmacher schließlich zu erwähnen vergisst: Das Internet macht zum ersten Mal in der Geschichte aus jedem Menschen einen Autor, Komponisten oder Regisseur. Der „user-generated content“ spiegelt also nichts weiter als die Lebensrealität der Menschen wieder, ihre Ideen und Phantasien und ihre Probleme mit der deutschen Sprache.

    Es bleibt allerdings fraglich, wie er die These begründet, dass „das Internet“ Nichtlesen fördere. Wie sollen sich denn sonst die ganzen Blogs erschließen lassen? Auf welcher Ebene finden denn Chats statt? Und warum haben so viele Journalisten ein zu undifferenziertes und in groben Teilen falsches Bild „vom Internet“?

  4. Schirrmachers („Dirty Hary des Feuilletons“) Dissertation zum Dr. Phil lautete „Schrift als Tradition – die Dekonstruktion des literarischen Kanons bei Kafka und Harold Bloom“. Bei der Zeit übernahm als Nachfolger Reich-Ranickis das Ressort „Literatur und literarisches Leben“, später wurde er Nachfolger von Joachim Fest, der in seiner Autobiografie „Ich nicht“ auch immer wieder seine unbedingte Liebe zur klassischen Literatur betont.
    Was soll man von diesem Mann also anderes erwarten als eine reflexhafte Verteidigung der Pintmedien. Zudem ist er ein begeisterter, zur Polemik neigender Feuillteonist – man muss nur seine durchaus unterhaltsamen Bücher und Artikel lesen.

    Es erstaunt mich immer wieder, wie groß der blinde Fleck und die trotzige Verweigerungshaltung selbst brillianter und analytischer Köpfe (und das ist er auch) des „Qualitätsjournalimus sind, wenn es um moderne Kommunikations- und Publikations- aber auch (und hierin scheint ein nicht geringer Teil des Unmutes zu stecken) Lizensierungsmodelle geht.

    Leider wird auch so der Begriff des Qualitätsjournalismus, der als solcher ohnehin immer seltener zu Tage tritt, zusätzlich diskreditiert. Schade.

  5. Das ist wieder ein typischer Schirmacher. Und so einer wird auch noch ausgezeichnet (Jacob-Grimme-Preis). Naja, typisch. Unsere „Bildungselite“ was eben was gut (für uns) ist…

  6. Der wirkliche Name des Untergangs des Abendslandes lautet: World of Warcraft – ich sehe an meinen Kollegen, wie diese allmählich zu willenlosen Zombies mutieren. Gut, das Internet ist da auch irgendwie beteilgt…

  7. Es ist beängstigend wie sehr sich eine bestimmte Schicht an kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Führern/Führerinnen auf der analogen Seite des digital Divide einmauert. Seit Marshall McLuhan ist doch „bekannt“, dass uns 3000 Jahre Schrift und lineares Denken deformiert haben. Die Bilderwelt der neuen Medien (und damit meinte er noch das zappbare Kabelfernehen!) bringt uns wieder vom „visuellen“ in den „akkustischen Raum“ (Gleichzeitigkeit in mehreren Dimensinen satt eindimensionaler Tunnelblick des Vorher -> Nachher) und damit den Nomaden wieder näher.. oder besser den metropolitanen Laptop/WiFi-Nomaden.. so die These. Dass das Internet aber (noch) wesentlich auf Schrift basiert und selten eine Generation so textbasiert kommunizierte wie im Zeitalter von SMS, Chat und Blogs.. nun, das hat sich wohl bei Herrn Schirrmacher noch nicht herumGESPROCHEN.

    Wenn die „alten Medien“ etwas grundsätzlich verbockt haben, dann ist es für Ausgleich in der Gesellschaft zu sorgen bzw. darauf informativ hinzuwirken. Soziale Ungerechtigkeit, Unterprivilegierung, vertane Integration, Propagieren von Stereotypen.. schon seltsam, dass das neuentdeckte Prekariat sich hedonistisch nur um ficken, fressen, schalfen schert und die neuen Medien zum Austausch von so genannten „Happy Slapping“-Videos verwendet.

    „The media is the message“ (auch McLuhan).. information überall, sofort und für fast umsonst. Was sagt uns das über die Welt wenn nennenswerte Teile der Gesellschaft bestimmte Informationen bevorzugen? Ein Medium an sich vermittelt, wie sein Name schon sagt, deckt also einen Bedarf; es schafft ihn nicht.

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