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SZ: Trusted Computing und die Folgen

Ein Thema, welches die Debatte um Musik im Netz, DRM und Broadcast-Flag immer weiter begleitet und kaum Beachtung findet, ist Trusted Computing. Die Süddeutsche Zeitung hat vergangenen Freitag dazu einen lesenswerten Artikel veröffentlicht: Trusted Computing und die Folgen

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Wir müssen draußen bleiben

Die Musik- und Filmindustrie muss wegen illegaler Downloads nicht mehr verzagen: Bald stoppen die Computer missliebige Dateien von ganz alleine. Bitte wenden Sie sich dann an den Zensor Ihres Vertrauens!

Spannend ist dabei folgender Absatz:

Der einleuchtende, positive Aspekt von TC ist – und so wird es vermutlich auch beworben werden: Viren, Spam und so ziemlich alles andere Schlimme aus dem Cyberspace, von der Kinderpornographie bis zu extremistischen Inhalten, könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Rechner ferngehalten werden. Der negative Aspekt: Alle Anbieter von Nicht-TC-Programmen und -Betriebssystemen wären dann draußen. Denn wenn PCs nur noch ausführen lassen, was sie ausdrücklich anerkennen, dann sind Open-Source-Alternativen wie Linux und seine Anwendungen wegen dieser Hardware-Schleuse vom Betrieb ausgeschlossen. Seitdem Apple-Chef Steve Jobs angekündigt hat, dass auch die Macintosh-Rechner künftig mit Chips von Intel bestückt werden, scheint indes auch auf der Insel der seligen Macs ein Einschwenken auf das TC-Konzept möglich.

Die Linux-Frage ist tatsächlich nicht gelöst. Auf DRM-Konferenzen sieht man immer nur zuckende Schultern von Wissenschaftlern, wenn man mal fragt, wie sich das Ganze mit Freier Software verträgt. Das ist noch alles unklar und gerne wird dann erwähnt, dass man doch das Linux von HP oder IBM nutzen könnte, die sicherlich ein eigenes Linux zertifizieren lassen. Aber wer nutzt denn schon HP Linux? Gibts das überhaupt und was ist mit freien Projekten wie Debian oder Ubuntu? Alles noch unklar und sicherlich einer der Gründe, weshalb ich sehr kritisch bei diesem Thema eingestellt bin.

Eine andere Aussage findet sich auch in dem SZ-Text. Natürlich kann man mit TCPA rechtsradikale Inhalte ausblenden, genauso wie die Chinesische Regierung sich auf TCPA udn DRM freut, weil sie dann alle Berichterstattung über den Dalai Lama oder Menschenrechte einfach mal ausblenden kann. Schöne neue Trusted Welt!

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4 Kommentare
  1. Mal ne blöde Frage: Das mit dem zertifizierten HP bzw. IBM-Linux ist eigentlich mit der GPL nicht vereinbar. Denn diese besagt, dass man das Recht hat, den Quellcode zu verändern und veränderte Programme zu nutzen. Das ist ja mit einem zertifizierten Linux nicht mehr gegeben.
    Oder seh ich das irgendwie falsch?

  2. Naja, soweit ich mich daran erinnern kann, denken die, dass IBM z.B. seine eigene Distribution aus Freier Software zusammenstellt, diese „einfriert“ und zertifizieren lässt. Das muss halt jedesmal neu gemacht werden, wenn eine neue „Version“, bzw. Update auf den Markt kommt. Das würde allerdings den schnellen Innovationszyklus Freier Software ziemlich bremsen. Die GPL betrifft das eigentlich weniger, da man wohl die „eingefrorene“ Version zur Weiterentwicklung nehmen könnte. Allerdings würde die dann nicht mehr ohne Zertifizierung in einer TC-Umgebung laufen…
    Ob TC mit der GPL vereinbar ist, ist eine andere Frage. Da gibt es ja schon lange Überlegungen und Diskussionen zur Version 3.0.

  3. Also wenn du deutschen Rechtsradikalismus mit chinesischer Opposition vergleichen willst, haben wir unterschiedliche Wertevorstellungen. Oder ich bin – alternativ – einfach zu müde für soviel Relativismus.

  4. Es wäre sinnvoll, sich bei solchen hochtechnischen Themen nicht unbedingt auf einen Redakteur der SZ zu verlassen, der sich ansonsten als Spezialist für Computerspiele versteht. Der Inhalt ist aus Netz-Artikeln zusammenkopiert, die mindestens schon zwei Jahre alt sind und damals schon mangelndes Wissen durch Vermutungen ersetzt haben (Es gibt dazu die webseite der TCG http://www.trustedcomputinggroup.org die dazu etwa 1000 seiten spezifikation enthält, was natürlich keiner liest, sondern lieber darüber phantasiert, siehe als beispiel der vorhergehende beitrag von markus).
    Es gibt ein von der EU gesponsertes Forschungsprojekt Open Trusted Computing (TC) (www.openTC.net) mit 23 Teilnehmern das genau dieses sichere Linux mit TC als open source entwickelt!
    Vielleicht wäre auch hier vorheriges Informieren statt Phantasieren besser gewesen!
    hans

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