ARD-Schleichwerbung für die GVU?

Na, wenn das mal nicht der ARD Probleme mit Schleichwerbung macht: Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsdelikten (GVU) weist laut Heise in ihrem aktuellen Newsletter (nicht auf deren Seite zu finden) daraufhin, dass sich eine ARD-Serie im nächsten Monat des Themas „Raubkopien“ annimmt.

In der besagten Folge stellt sich ein Toter als „ehemaliger Raubkopierer“ heraus, dessen Wohnung von einem Musiker „aus Zorn über Raubkopien“ verwüstet wurde.

In der Folge sollen auch GVU-Angestellte zu sehen sein. Ich gehe mal davon aus, dass die GVU kein Geld dafür gezahlt hat, dass die ARD sich des Themas annimmt. Zumindest wäre die ARD sehr dumm, dies gerade jetzt zu machen. Trotzdem hege ich den Verdacht, dass man juristisch gesehen das Bereitstellen von Arbeitszeit (der GVU-Angestellten) durchaus als geldwerte Leistung betrachten kann und damit evtl. durchaus als „Schleichwerbung“. Juristen mögen mich hier bitte korrigieren.

Abgesehen davon finde ich es bedenklich, dass ein Interessenverband mit sowas Einfluss auf die öffentliche Meinung in einem öffentlich-rechtlichen Sender nehmen darf.

Wird aber garantiert eine coole Show, der „Plot“ verheisst schon richtig viel Spass.

Heise bringt heute ein Update dazu:

Die zuständige NDR-Redakteurin Diana Schulte-Kellinghaus korrigiert die Darstellung der GVU. Wohl sei die Gesellschaft bei der Erstellung des Drehbuchs beratend tätig gewesen, es würden aber in der Folge der Fernsehserie keine Ermittler auftreten. Auch werde das Thema „Raubkopien“ nur am Rande behandelt.

Hat jemand vielleicht den nicht im Netz verfügbaren GVU-Newsletter und kann mir diesen weiterleiten?

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6 Ergänzungen

  1. Keine Frage, die Vorgehensweise der Musikindustrie ist peinlich und wir hoffen alle, dass sie sich damit selbst in den verdienten Ruin treiben.
    Aber diese Anschuldigungen halte ich doch für etwas übertrieben. Wenn man über ein bestimmtes Thema berichtet muss nun mal irgend jemand befragt werden. Objektive Meinung hin oder her, fast alle vertreten eine bestimmte Gruppe und verdienen damit Geld… für einen Reporter/Redakteur also schwierig, hier eine Alternative zu finden.
    Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass die GVU von sich aus auf diese Idee kam. Generell berichtet man sowohl privat als auch öffentlich-rechtlich gerne über böse Raubkopiere, mordende Gamer etc.

  2. Danke Torsten, ist mir gestern auf dem Heimweg auch durch den Kopf gegangen. :) Nun korrigiert

    @ Chris: In diesem Fall ist es weniger die „Musikindustrie“, sondern eher die „Filmindustrie“. Die abweichenden Statements von GVU (Leider nur von Heise rezitiert, ich habe keine Originalquelle) und das „Update“ durch den NDR weisen aber auf Widersprüchliches hin.

  3. Hey markus, danke für die Korrektur, ich hielt es wohl für nötig, das auch nochmal anzusprechen. Naja: Thema verfehlt *g*. Also bitte im Geiste den ersten Satz streichen. Vom restlichen Teil bin ich allerdings weiterhin überzeugt.

  4. @chris: wir haben ja meinungsfreiheit und das ist auch gut so. findet du es denn auch ok, wenn beispielsweise die initiative neue soziale marktwirtschaft die serie marienhof fördert? gab zuletzt deswegen proteste, nach deiner argumentation könnte man da auch sagen, klar, es geht um wirtschaft und das sind die experten dafür.

  5. Es gibt natürlich eine ganz klare Grenze: Beratung: ja / Finanzierung: nein. Ich sehe das als selbstverständlich und war deshalb auch ein klein wenig überrascht als ich die von dir hier angesprochenen Nachrichten vor einigen Tagen/Wochen las, mit welcher selbstverständlichkeit auf der anderen Seite regelmässig Geld fliesst. Ich war bisher so leichtgläubig dies nur den privaten zuzutrauen, was ja dort immerhin offensichtlich ist.

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