USA

  • : Massachusetts bleibt standhaft
    Massachusetts bleibt standhaft

    Letzten September hatte die Regierung des amerikanischen Bundesstaats Massachusetts als erste überhaupt erklärt, bis Januar 2007 gänzlich mit Dokumenten im OpenDocument-Standard zu arbeiten. Dieser Standard basiert auf dem XML-Format und wurde von der Organization for the Advancement of Structured Information Standards (OASIS) entwickelt, die ihn bereits zur Absegnung der der International Organization for Standardisation (ISO) vorgelegt hat. Der bisher Verantwortliche in Massachusetts, Chief Information Officer Peter Quinn von der Information Technology Division (ITD), musste jedoch wegen dubioser Vorwürfe zweifelhaften Ursprungs zurücktreten. Dennoch hat der Wechsel innerhalb der Führung dem Beschluss in Massachusetts keinen Abbruch getan: Zur Erleichterung der Open Source-Gemeinde bleibt der neu ernannte Louis Gutierrez, Absolvent in Harvard und des MIT, der Entscheidung seines Vorgängers treu und bekräftigte jetzt wiederholt die geplante Umstellung in einer Mitteilung.

    31. Januar 2006
  • : Kongress-Debatte um Zensur in China
    Kongress-Debatte um Zensur in China

    Spiegel Online berichtet über eine geplante Anhörung des „Human Rights Caucus“ des US-Kongresses zum Thema „Zensur in China“. Vertreter von Industrie und Menschenrechtsorganisationen waren zum Meinungsaustausch und zur Information des Kongresses eingeladen. Nur kommt von den betroffenen Technologiefirmen wohl niemand. Von Cisco und Microsoft gab es „offene Absagen“, Yahoo und Google antworteten bisher gar nicht: Internet-Zensurdebatte – Bill Gates deckt Google.

    Eindeutig zeichnet sich dagegen ab, dass Bill Gates mit seiner Einschätzung, allein die Anwesenheit der US-Firmen in China leiste „Beiträge zum nationalen Dialog“ wohl richtig liegt – nur findet der halt nicht in China statt, sondern in den Vereinigten Staaten. Im US-Kongress könnten schon in den nächsten Tagen Gesetzesinitiativen diskutiert werden, die US-Firmen verpflichten würden, E‑Mail-Server nur außerhalb „repressiver Staaten“ unterhalten zu dürfen, und die den Export von Internettechnik in solche Staaten limitieren würden. Zur Diskussion steht außerdem die Einrichtung einer Behörde, deren Aufgabe in der Entwicklung von Gegenmaßnahmen zur Zensur des Informationsflusses sein könnte. Spätestens dann säßen die Internet-Firmen vollends zwischen den Stühlen.

    Die Gesetzesinitiativen gehen wohl in dieselbe Richtung, wie Reporter ohne Grenzen sie unlängst mit einer Petition gefordert hatte. Ich bin mal gespannt, was dabei heraus kommt.

    Die Anhörung ist eine Initiative des Kongressabgeordneten Chris Smith und soll am 16. Februar stattfinden. Mehr zum Thema gibts auch bei News.com: „Firms snub congressional briefing on China“.

    Mehr Informationen zum Themenkomplex bietet auch ein Podcasting-Interview mit Sharon Hom, der Executive Director von “Human Rights in China”, die ich im vergangenen November interviewed habe.

    30. Januar 2006
  • : Das Pentagon und die Bekämpfung des Netzes
    Das Pentagon und die Bekämpfung des Netzes

    Telepolis berichtet über eine „Information Operations Roadmap“ des US-Pentagon: „Das Netz muss wie ein feindliches Waffensystem bekämpft werden“.

    Von besonderer Bedeutung seien drei Punkte. An erster Stelle steht dabei: „We Must Fight the Net“. Das Pentagon baue, so heißt es weiter, eine informationsbasierte Streitkraft auf. Netzwerke seien immer entscheidender, daher müsse das Militär auch darauf vorbereitet sein, „das Netz zu bekämpfen“. Hier sind Teile ausgeschwärzt, stehen geblieben ist nur, dass die Netzwerkfunktionalität, die für die Kriegsführung notwendig ist, sichergestellt werden müsse. Netzwerke würden allerdings immer verwundbarer werden. Ein Grund sei, weil sie schneller wachsen, als sie verteidigt werden können, und weil Hacker und Staaten zunehmend besser Angriffe ausführen können. Wie ein BBC-Artikel hervorhebt, könnte die Formulierung „Bekämpfung des Netzes“ darauf hindeuten, dass das Internet in Konflikten insgesamt als Bedrohung gesehen wird. So heißt es im Kontext der langfristigen und globalen Strategie der „Tiefenverteidigung“, dass dies auf der Grundlage geschehen müsse, das Netz so zu bekämpfen „wie ein feindliches Waffensystem“.

    30. Januar 2006
  • : Google 2.0
    Google 2.0
    26. Januar 2006 1
  • : Google: Wir sind auch böse!
    Google: Wir sind auch böse!

    Das wars dann wohl mit dem guten Image und dem Slogan „We are not evil“. Um auf dem chinesischen Markt Fuss zu fassen, hat Google seine Seele verkauft und ausgiebig die von der Regierung gewünschte Zensur in google.cn eingebaut. Die Konkurrenten sind nicht besser, Yahoo und MSN haben dies schon längst vollzogen.

    Reporter ohne Grenzen kritisieren die Zensur scharf:

    “The launch of Google.cn is a black day for freedom of expression in China,” the worldwide press freedom organisation said. “The firm defends the rights of US Internet users before the US government but fails to defend its Chinese users against theirs.

    “Google’s statements about respecting online privacy are the height of hypocrisy in view of its strategy in China. Like its competitors, the company says it has no choice and must obey Chinese laws, but this is a tired argument. Freedom of expression isn’t a minor principle that can be pushed aside when dealing with a dictatorship. It’s a principle recognised by the Universal Declaration of Human Rights and features in the Chinese national constitution itself.

    Mehr gibts auch bei Heise: Google zensiert seine neue chinesische Suchmaschine.

    Kommentar von Google: „Um in China operieren zu können, haben wir einige Inhalte von den Suchergebnissen entfernt, die www.google.cn zur Verfügung stellt.“ Frage mich nur, was die genaue Definition von „einige Inhalte“ ist. Alles, wo die STichwörter „Demokratie“ oder „Dalai Lama“ vorkommen?

    25. Januar 2006 13
  • : Groklaw-Interview mit Peter Quinn
    Groklaw-Interview mit Peter Quinn

    Groklaw hat ein Interview mit Peter Quinn veröffentlicht, dem ehemaligen CIO von Massachusetts. Peter Quinn war in die Schusslinie geraten, als er gefordert hatte, im E‑Government für alle nutzbare Standards zu verwenden.

    24. Januar 2006
  • : Neues Image für Microsoft
    Neues Image für Microsoft

    Microsoft will dieses Jahr 120 Millionen Dollar in eine globale Imagekampagne investieren. Dabei sind 32 Länder ausgewählt worden, in den Genuss der Werbebotschaften zu kommen. Ziel der Kampagne ist ein anderes Bild von Microsoft, damit sie nicht mehr als „die riesige amerikansiche Firma“ dastehen. Der Werbe-Manager von Microsoft erklärt die Ziele nochmal genauer:

    „We wanted to be very specific about what we are doing in each country in education, innovation, economic opportunity and security,“

    Explizit werden in dem Zeitungsartikel Frankreich und Taiwan genannt. Dies zeigt, dass sich die Kampagne vermutlich gezielt auf die Länder richtet, die mit Linux und Freier Software sympathisieren. Und wenn ich mir die Ziele anschaue, ist Deutschland sicherlich mit dabei. Die Argumentation ist ja hier nicht neu.

    23. Januar 2006 1
  • : Podcast: Dan Gillmor über Citizen Media
    Podcast: Dan Gillmor über Citizen Media

    Heute ist wohl Audio-Tag. Blog-Age verweist auf ein Interview mit Dan Gillmor über „Citizen Media“. Sein Buch „We the media“ ist lesenswert, allerdings hab ich ihn auf einer Podiumsdiskussion rund um das Thema „Citizen Journalism“ auf dem WSIS in Tunesien live gesehen und war danach enttäuscht. Ausser einigen belanglosen Thesen, die mittlerweile jeder Blogger aufzählen konnte, hatte er nicht viel zu sagen. Das Interview ist aber trotzdem hörenswert.

    22. Januar 2006
  • : Radiosendung: Internet Censorship and Surveillance
    Radiosendung: Internet Censorship and Surveillance

    Am Freitag lief im Bostoner Radio „On Point“ eine sehr interessante Sendung zum Thema „Internet Censorship and Surveillance“.

    You remember the wide open promise of the World Wide Web, right? This was to be the untrammeled, free range domain of digital liberation, a new world of freedom. Well, yes and no.

    You can search for whatever you like, but type in „democracy“ in China’s blogosphere, or „human rights“ or „women“ in Iran, and you’re getting nothing. E‑mail trails are sending dissidents to jail. Whole realms of thought are being filtered right off the web – and American companies are helping.

    Now, the US government has subpoenaed search records by the millions. And the National Security Agency is reading e‑mail – maybe yours. Hear about Big Brother, American companies, and the web.

    Gäste im Studio waren:

    * Timothy Wu, Professor at Columbia Law School
    * Ronald Deibert, Professor of Political Science and Director of the Citizen Lab at the University of Toronto
    * Julien Pain, Reporters Without Borders
    * Declan McCullagh, Chief Political Correspondent for CNET News.com

    Die Sendung gibts noch im Real- oder WMA-Format als Stream. Ich würde mich freuen, wenn jemand die Sendung mitschneiden könnte, und mir einen Link zum Download schicken könnte.

    [via RConversation]

    Update: Die Sendung gibts jetzt auch im verbraucherfreundlichem MP3-Format.

    22. Januar 2006
  • : Bundesdatenschutzbeauftragter kritisiert Herausgabe der Suchmaschinendaten
    Bundesdatenschutzbeauftragter kritisiert Herausgabe der Suchmaschinendaten

    Über das Begehren der US-Regierung, von den grossen Suchmaschinenanbietern die Suchanfragen einer ganzen Woche zu erhalten, hatte Ralf am Samstag schon berichtet. Ich persönlich empfinde es schon als etwas schockierend, dass die Anfrage erst herauskam, als Google sich weigerte, die Daten heraus zu geben. Yahoo, MSN und andere sollen die Daten ohne Kritik ausgeliefert haben. Aber das kennen wir ja schon aus China und anderen Ländern.

    CT’ Aktuell hat jetzt ein sehr interessantes Interview mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar zu dem Thema: Datenschutzbeauftragter in Sorge über Begehrlichkeiten nach Suchanfragen.

    c’t: Von der Geburt des Überwachungsstaates aus der digitalen Technik ist seit langem die Rede. Fügt der Fall mit den Suchmaschinendaten den Befürchtungen der Datenschützer eine neue plastische Dimension hinzu?

    Schaar: Ich hoffe, dass den Bürgern damit klar wird, wie wichtig der Datenschutz in der digitalen Welt ist. Aus meiner Sicht handelt es sich um ein alarmierendes Signal, dass die umfangreichen Nutzungsstatistiken, die geführt werden, gerade bei einem Weltmarktführer wie Google, Gegenstand von solchen doch sehr allgemeinen Auskunftsersuchen werden. Ich denke, da müssen sich die Internetgemeinde und die Gesellschaft insgesamt darüber klar werden, inwieweit eine solche Nachvollziehbarkeit des elektronischen Verhaltens, das ja auch immer weitere Lebensvorgänge umfasst, erstrebenswert ist und wie weit die Überwachung gehen soll.

    22. Januar 2006 2
  • : US-Regierung will Zugriff auf Google-Anfragen
    US-Regierung will Zugriff auf Google-Anfragen

    Die US-Regierung verlangt von Google und anderen Suchmaschinenbetreibern Zugriff auf die Suchanfragen der Nutzer. Der Anlass ist ein Gerichtsverfahren wegen – na klar – Online-Pornografie. DIe Regierung will Kinder vor dem Zugriff darauf schützen und fordert dazu die Herausgabe der kompletten Suchanbegriffe einer ganzen Woche, darüber hinaus eine Million zufällig ausgewählte URLs. Ich weiss ja nicht, was die sich bei solcher Beweisführung denken, aber Googles Anwälte weigern sich noch. Yahoo, MSN und AOL sollen bereits nachgegeben haben.
    Hintergrund: Der Child Online Protection Act [COPA] von 1998, der 2004 vom obersten Gericht wegen eines übermäßig breiten Ansatzes per einstweiliger Verfügung ausgesetzt worden war. Die Regierung will nun anhand der Statistiken der Suchmaschinen genauer wissen, wonach die Leute suchen und wie oft Pornografie dabei vorkommt.
    Mehr dazu bei Futurezone und Heise.

    21. Januar 2006 4
  • : Martin Luther King: History repeating
    Martin Luther King: History repeating

    Zum Gedenktag an Martin Luther King am vergangenem Sonntag verglich Al Gore in einer Rede die derzeit öffentlich werdenen Abhörmaßnahme der Bush-Administration mit denen des FBI gegenüber King. Heise berichtet:

    In der mehrfach von stürmischen Beifall unterbrochenen Rede beschuldigte Gore den Präsidenten, den 1978 verabschiedeten „Foreign Intelligence Surveillance Act“ gebrochen zu haben, der das Abhören von US-Bürgern ohne richterliche Erlaubnis verbietet.

    Dass nun einige Politiker ein Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten erwägen, sollte nicht verwundern. Denn auch Gore stellte fest:

    „Aber was wir jetzt über dieses allgegenwärtige Abhören wissen, zwingt geradezu zu der Schlussfolgerung, dass der Präsident der Vereinigten Staaten das Gesetz wiederholt und beharrlich gebrochen hat.“

    Zwei BürgerInnenrechtsorganisationen reichten nun auch Klagen gegen den amerikanischen Geheimdienst NSA ein, da dieser unrechtsmäßig die Überwachungsmaßnahmen ausgeführt habe. Dazu gehören das Center for Constitutional Rights (CCR – PDF der Klage) und die American Civil Liberties Union (ACLU – PDF der Klage). Letztere wird unterstützt durch Journalisten und NGOs, wie Greenpeace. Die CCR ist von den Maßnahmen möglicherweise besonders betroffen, das sie mit Anghörigen der in Guantanamo inhaftierten Menschen in Kontakt steht.

    18. Januar 2006
  • : Neues aus der DLL-Hölle
    Neues aus der DLL-Hölle

    Heise berichtet über einen Pastor der Antioch Bible Church (was bitte ist eine non-bible church?), der zu einem Boykott (lies: Aufgabe des Versuchs, Argumente zu finden) von Microsoft aufruft. Grund ist die Unterstützung Microsofts für eine Aufnahme von „sexueller Orientierung“ in die Liste der Gründe, die nicht Teil eines Einstellungsverfahrens sein dürfen. Wikipedia hat zu Ken Hutcherson einen Artikel, der Herr scheint ja recht monothematisch zu sein. Im April 2005 sah das übrigens laut des Blattes „The Stranger“ noch anders aus.

    Holy Jesux, Amen.

    18. Januar 2006
  • : Pro-Irakkrieg bloggen?
    Pro-Irakkrieg bloggen?

    Die US-Regierung scheint wohl eine PR-Firma engagiert zu haben, welche die Dienstleistung erbringen soll, in der „Blogosphäre“ mehr Beiträge für den Irak-Krieg zu organisieren und somit das Stimmungsbild zu verbessern. Mehr Informationen gibts bei Source-Watch.

    16. Januar 2006 3
  • : Klaue aus Wikipedia, verliere deinen Job
    Klaue aus Wikipedia, verliere deinen Job

    Urheberrecht ist ein zweischneidiges Schwert für Wikipedia. Zum einen muss auf illegal eingestellte Texte geachtet werden, zum anderen gibt es Zeitgenossen, die es so eilig haben, daß sie Texte aus der Wikipedia nicht mehr als solches deklarieren.

    15. Januar 2006 4
  • : Gesetzgebung (auch) gegen digitale Kreativität
    Gesetzgebung (auch) gegen digitale Kreativität

    Etwas außerhalb der europäischen Aufmerksamkeit liegt die derzeit heiß diskutierte (und absurde) Sensenbrenner Bill H.R. 4569, auch „Digital Transition Content Security Act of 2005“ genannt (PDF, 35 Seiten). Was einstmals ein Slogan für die Broadcast Flag war, „plugging the analog hole“, bei dem einem das Lachen in Hals steckblieb, würde damit technische wie rechtliche Wirklichkeit, plus Kreativitätsverhinderung. Die Broadcast Flag ist gescheitert, und auch diese Initiative im Dreierpack wird verhindert werden.

    Über Importverbote für hardwareseitig kopierschutztechnologie-freie Geräte (siehe heise) und qualitätsbeschränkte analoge Ausgänge hinaus würde ein feuchter Traum der Rechteinhaber wahr. Bizarr und realitätsfern wie nur was, und bereits überholt.

    Auch die EFF berichtete über die Sache, teils schon im Dezember. Immer betrifft es auch die ganz gewöhnlichen Möglichkeiten von Technik ‚von der Stange’, die für alle zugänglich ist und großartige Möglichkeiten eröffnet. Techdirt berichtet so:

    We’ve talked, repeatedly, about how the power of internet has often been in how it has enabled anyone to become a content creator. It’s no longer about „professionals“ or „amateurs“ because that distinction no longer matters. Unfortunately, this bill tries to bring back that distinction in a major way – and then put up huge barriers for the amateurs.

    Die geplanten Verhinderungsmaßnahmen im Klartext: digitale Wasserzeichen (als Platzhalter-Technologie mit Patent: VEIL, bisher u.a. für Spielzeug eingesetzt) und andere Kopierschutztechnologien (broadcast flag-ähnlich: CGMS‑A) müssen von allen Geräten respektiert und die eingebauten Restriktionen eingehalten werden. Analoge Videorekorder können dann keinen geschützen Film mehr abspielen oder aufnehmen. Wenn sie es können sind sie illegal.
    Die Ausnahme bilden „professionelle Geräte“. Nur solche dürfen in der Herstellungskette für Inhalte eingesetzt werden. Es müssen ebenfalls alle professionellen Geräte so gekennzeichnet, beworben, verkauft, und ausschließlich mit ihnen professionelle Inhalte hergestellt, bearbeitet und übertragen werden. Und dieses Schema wird auch auf die Nutzer angewendet: „professionelle Geräte“ dürfen nur von authorisierten Personen bedient und verwendet werden.

    Mindestens einen Haken hat die Sache: die technischen Spezifikationen für die verwendete Kopierschutztechnologie, durch die Patent and Trademark Office (PTO) zu erstellen und einzufordern, gelten nicht für professionelle Geräte. Mit anderen Worten, mit diesen werden immer die betreffenden Inhalte vervielfältigt werden können. Wenn Amateure solche durchaus bezahlbaren Maschinen zu Hauf kaufen, ist dieselbe Technik laut Definition plötzlich nicht mehr durch die Definition gedeckt. Dann darf dieselbe Hardware nicht mehr das tun, wofür sie gebaut und eingesetzt wurde.

    Ed Felten von Freedom to Tinker führt weiter aus:

    The really interesting thing about the professional device hole is that it makes one provision of the bill utterly impossible to put into practice. For those reading along at home, I’m referring to the robustness rulemaking of section 202(1), which requires the Patent and Trademark Office (PTO) to establish technical requirements that (among other things) “can only with difficulty be defeated or circumvented by use of professional tools or equipment”. But there’s a small problem: professional tools are exempt from the technical requirements.

    The robustness requirements, in other words, have to stop professional tools from copying content — and they have to do that, somehow, without regulating what professional tools can do. That, as they say, is a tall order.

    Next to impossible, aber mindestens ein Schlag ins Gesicht der Kreativen, die dieser Tage bezahlbares Equipment kaufen können, um ordentliche Qualität herzustellen, mit freien Lizenzen weiterverwerten dürfen was nur irgend geht, und ihre Werke frei verbreiten. Nur professionelle Auftragsarbeiter dürften das dann noch. Mike von Techdirt:

    In other words, perhaps the point of this bill isn’t so much to „plug the analog hole“ when it comes to copying unauthorized content (not that it would work anyway), but to try to slow down the somewhat rapid growth of amateur content successfully competing with professional broadcast content.

    15. Januar 2006 1
  • : Nicht ortbare Mobiltelefone (fast)
    Nicht ortbare Mobiltelefone (fast)

    Wie der Inquirer heute feixend berichtet, werden in den USA Mobiltelfone verkauft, die sich nicht orten lassen. So zumindest lautet die Überschrift einer Meldung, die ABC News zu nächtlicher Zeit verbreitet (und was über BBC auch hier zu empfangen ist).

    Natürlich ist das ein Fake, wenn auch unabsichtlich. Kein Mobiltelefon im ordentlichen Handel kann sich unsichtbar machen (außer man schaltet es „hart“ ab). GSM ist ortbar, mindestens bis zur Funkzelle, mit Tricks auch wesentlich genauer. Die Berliner Zeitung Tagesspiegel hatte vor Jahren mal arglos darüber berichtet, als ein Schüler mittels (uralten) Prinzipien der Dreieckspeilung aktive GSM-endgeräte zentimetergenau ortsbestimmen konnte. Webseiten einiger Netzbetreiber bieten eine m.E. harmlose Version davon an: in welcher Funkzelle steckt mein (gestohlenes) Handy? Auch die IMEI dient der eineindeutigen Identifikation. So weit, so einfach. Paul Hayes kommentiert so:

    Mostly the phenomenon is informative – in a back-handed sort of way. And we can giggle and squirm at the false sincerity of it all, as Bob hands over to ‚Libby’ who introduces ‚Brad’ and they all seem to indulge in some aural mutual masturbation.

    Bob ist der Moderator der Sendung, Libby seine Gesprächspartnerin. Es geht um Handys, die mit Bargeld und wie es scheint ohne weitere Registrierung gekauft werden können. Von bösen Terroristen, die nur übles im Sinn führen.

    Of course, this is scary because those buying up these phones in bulk were almost certainly terrorists. You can buy these phones with cash and just disappear with them, warned our on-the-spot reporter from outside a Wal-Mart, or something like it – it was late, so forgive my recall. Then on-the-spot Brad (let’s call him) hands back to gleaming (w)anchorman Bob, who utters something to the effect of: „Wow Brad, that sure is scary.“

    Das, was an so einer Meldung Angst macht, ist nicht, dass es tatsächlich nicht ortbare GSM-Endgeräte gäbe (man zeige mir eines). Sondern dass es nachts ausgestrahlt wird, wo doch hierzulande die bizarre Logik eines Kampfes gegen den Terror nicht oft genug entlarvt werden kann.

    Herr, wirf Hirn vom Himmel.

    13. Januar 2006 1
  • : Stehen Kochrezepte unter dem Copyright?
    Stehen Kochrezepte unter dem Copyright?

    In der Washington Post war letzte Woche ein Artikel, welcher der Frage nachging, ob und inwiefern Kochrezepte unter dem Copyright stehen: Can a Recipe Be Stolen?

    „We all know about plagiarism, copyright and intellectual property rights issues, but we hadn’t given them a thought when it came to the cookbook,“ said Simms, a junior at Walter Johnson High School in Bethesda. When a potential contributor fretted about handing over a recipe for Toll House cookies that appears online, in many cookbooks – and on bags of semisweet chocolate chips – „we did begin to worry a little,“ she said.

    The girls knew the legal concepts from high school, and copyright and intellectual property issues were being drummed into them because of lawsuits on downloading music into MP3 players and iPods. But here were similar issues in the kitchen.

    10. Januar 2006 3
  • : Übersetzung der RSF-Petition
    Übersetzung der RSF-Petition

    Über die aktuelle Petition von Reporter ohne Grenzen habe ich heute Mittag schon geschrieben. Eine deutsche Übersetzung des Textes wäre noch sinnvoll, leider fehlt mir heute die Zeit dazu. Aber vielleicht hat ja jemand Lust und Zeit, den Text zu übersetzen?

    Update:

    Klasse Sache: Stefan T Saffert hat eine Übersetzung gemacht und sie mir geschickt.

    Unternehmerische Verantwortung
    ==============================
    Reporter Ohne Grenzen bittet Internet-Nutzer und Blogger, ihre Empfehlungen bezüglich freier Meinungsäußerung zu unterstützen.

    Am 6. Januar veröffentlichte Reporter Ohne Grenzen sechs konkrete Vorschläge mit dem Ziel der Gewährleistung, daß Internet-Unternehmen das Recht auf freie Meinungsäußerung respektieren, wenn sie in repressiven Staaten Geschäfte tätigen.

    Diese Empfehlungen richten sich an die Regierung und Gesetzgeber der USA, da alle Unternehmen, die in diesem Dokument genannt werden, ihren Sitz in den Vereinigten Staaten von Amerika haben. Gleichwohl betreffen sie alle demokratischen Länder und wurden deshalb auch an Amtspersonen der Europäischen Union sowie an den Generalsekretär des OECD geschickt.

    10. Januar 2006