Piraterie
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: Vorsicht, Piraten: Japans Kampf gegen illegale Downloads geht weiter
Besonders gegen Seiten mit raubkopierten Mangas und Animes soll vorgegangen werden. (Montage: netzpolitik.org) : Vorsicht, Piraten: Japans Kampf gegen illegale Downloads geht weiter Zwei Jahre Haft für das Herunterladen raubkopierter Inhalte: Das wollte die japanische Regierung und ist damit Anfang des Jahres gescheitert. Doch ihren Kampf gegen Piraterie gibt sie nicht auf. Der neueste Vorstoß: Piratenseiten sollen mit Pop-Up-Warnungen versehen werden. Ein massiver Verstoß gegen den Datenschutz von Internetnutzern, warnen Fachleute.
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: EU-Kommission versteckte unbequeme Piraterie-Studie zwei Jahre vor der Öffentlichkeit
Studie unter Verschluss : EU-Kommission versteckte unbequeme Piraterie-Studie zwei Jahre vor der Öffentlichkeit Eine von der EU-Kommission im Jahr 2013 ausgeschriebene Piraterie-Studie brachte offenbar nicht das gewünschte Ergebnis und wurde deshalb nie veröffentlicht. Erst nach einer Informationsfreiheitsanfrage der EU-Abgeordneten Julia Reda ist die Studie jetzt zugänglich.
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: Oettinger im Twitterview: Geoblocking in EU „völlig sinnlos“, Urheberrechtsreform notwendig
Oettinger nach dem "Twitterview" (Foto: ohne Rechteklärung aus <a href="https://twitter.com/GOettingerEU/status/570970216542429184">Tweet übernommen</a>) : Oettinger im Twitterview: Geoblocking in EU „völlig sinnlos“, Urheberrechtsreform notwendig Unter dem Hashtag #AskOettinger stellte sich heute EU-Digitalkommissar Günther Oettinger für eine Stunde zahllosen Fragen auf Twitter. Beliebteste Floskel in Oettingers Antworten war dabei „balanced“, das Versprechen eines fairen Interessensausgleichs zwischen den verschiedenen Interessensgruppen. Dass aber gerade die Herstellung von Balance mehr Freiräume und Rechte für Nutzer erfordert, hat nicht nur die Konsultation der EU-Kommission zum Urheberrecht gezeigt, sondern wurde gerade gestern erst im Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation der deutschen Bundesregierung betont.
Zu einer derart klarer Positionierung ließ sich Oettinger auf Twitter nicht hinreissen. Allerdings ist Oettingers überdeutliches Bekenntnis zum Reformbedarf im Urheberrecht schon als Schritt in die richtige Richtung zu werten:
We are in the midsts of digital revolution. We need a #copyright reform. #AskOettinger
— Günther Oettinger (@GOettingerEU) 26. Februar 2015.@thesfreader Our existing legislation dates from 2001. We need a reform because of the digital revolution.#AskOettinger
— Günther Oettinger (@GOettingerEU) 26. Februar 2015
Das alleine ist nämlich schon ein Unterschied zur überwiegenden Position der Rechteinhaber in der EU-Konsultation, die praktisch keinen Handlungsbedarf sehen. Deutlich wurde Oettinger aber auch noch in einem anderen Punkt, der für Internetnutzer in Europa von großer Bedeutung ist: Geoblocking innerhalb der EU. Oettinger dazu auf die Frage, ob Geoblocking irgendeinen Sinn ergibt:
@pappasadrian No sense at all. #AskOettinger — Günther Oettinger (@GOettingerEU) 26. Februar 2015
@burnoutberni I hope geoblocking can become something of the past #AskOettinger — Günther Oettinger (@GOettingerEU) 26. Februar 2015
Erneuert hat Oettinger auch in mehreren Tweets seine Forderung nach einer stärkeren Vereinheitlichung des europäischen Urheberrechts:
Auf #SES15 haben Gruender mir gesagt, 1 EU-Gesetz zum #Urheberrecht waere Ihnen lieber als 28 nationale #AskOettinger
— Günther Oettinger (@GOettingerEU) 26. Februar 2015
We have 28 copyright regimes in the EU. It simply does not fit to the reality any more. #AskOettinger
— Günther Oettinger (@GOettingerEU) 26. Februar 2015
Befragt nach dem jüngsten Report der deutschen Piratenabgeordneten Julia Reda zum Urheberrecht lobte er diesen zwar als „reliable input“, versprach aber im Unterschied zu Reda sich auch gegen Piraterie einzusetzen:
@gillestinayre Our proposal will have wider scope than the Reda report. Acting against piracy is part of our agenda. #AskOettinger
— Günther Oettinger (@GOettingerEU) 26. Februar 2015
Fazit
Bei aller erwartbaren Vagheit in seinen Antworten, machen Oettingers diese doch etwas Hoffnung auf eine Verbesserung der urheberrechtlichen Situation in Europa. Selbst wenn Oettinger nur seine zwei zentralen Vorschläge umsetzt – ein einheitliches Urheberrecht für Europa und ein Ende von Geoblocking -, dann wäre schon einiges gewonnen.
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Buchpirat Spiegelbest nach Razzien im Interview: „Es gibt erheblich wichtigeres als 50.000 ungelesene E‑Books!“
Buchpirat Spiegelbest nach Razzien im Interview: „Es gibt erheblich wichtigeres als 50.000 ungelesene E‑Books!“ Spiegelbest ist der wohl bekannteste E‑Book-Pirat Deutschlands und letzte Woche wohl nur knapp einer Durchsuchung entgangen. Im Interview mit netzpolitik.org spricht er über den Wandel von Idealismus zu Geldgier, Streitigkeiten in der Buchpiraten-Szene und dass die Razzien letzte Woche angeblich nur kleine Fische getroffen haben.
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: Zerstören raubkopierte Häuser Europas Kreativindustrie?
: Zerstören raubkopierte Häuser Europas Kreativindustrie? Heute präsentierte die Anti-Piraterie-Organisation BASCAP der Internationalen Handelskammer eine bei Tera Consultants beauftragte Studie über den Beitrag der Creative Industries zu BIP und Beschäftigung in der EU (PDF der Studie / PDF der Executive Summary, ES). Die Studie vergleicht die Entwicklung der Kreativwirtschaft zu den Zeitpunkten 2008 (also vor der Wirtschaftskrise) und 2011. Und die Ergebnisse der Studie haben es in sich.
Ganz allgemein lässt sich ein Rückgang der Wirtschaftsleistung im von den Studienautoren definierten Kernbereich der Creative Industries beobachten:
The overall tendency has been the destruction of jobs within most sub-groups, particularly for the traditional core activities, for which job destruction has been particularly significant. (S. 4 ES)
Zwar wird kurz erwähnt, dass dieser Rückgang wohl mehrere Ursachen haben müsse. Das hindert die Studienautoren aber nicht daran, eine statistisch kreative Schätzung der wirtschaftlichen Schäden durch Piraterie vorzunehmen. Zu diesem Zweck wird die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung der Kreativwirtschaft mit einer fiktiven („counterfactual“) wirtschaftlichen Entwicklung verglichen, wenn diese sich (a) wie die Gesamtwirtschaft oder (b) wie der Dienstleistungssektor entwickelt hätte. Die dahinterstehende These im Wortlaut:
However, in order to measure the impact piracy has had on value added and job destruction, it is necessary to estimate how economic contribution and employment would have evolved in the creative industries, absent all piracy (“counterfactual” scenario). (S. 6, ES)
Im Ergebnis führt diese Vorgehensweise zu eindrucksvollen Zahlen: Alleine in den fünf größten EU-Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und UK sei zwischen 2008 und 2011 durch Piraterie Wertschöpfung zwischen 27,1 und 39,7 Milliarden Euro vernichtet („value added desctruction“) worden. Hinzu kämen errechnete Arbeitsplatzverluste zwischen 64.089 und 955.125 Jobs in diesen Ländern. (In der Studie finden sich sogar noch höhere Zahlen, indem ähnlich kalkulierte Verluste vor 2008 hinzuaddiert werden). Im Fazit der Executive Summary ist deshalb auch von „offensichtlich negativen Effekten von Piraterie“ (S. 7, ES) die Rede.
Ein Blick in die Langfassung der Studie verrät dann auch die Ursache für diese schreckliche Entwicklung: raubkopierte Häuser, vor allem in Spanien. Klingt verrückt? Anders lassen sich die Ergebnisse beim besten Willen nicht mit Piraterie in Verbindung bringen. Besonders aufschlussreich ist folgende Abbildung (S. 22):
Die drei Bereiche mit den mit Abstand größten Wertschöpfungsverlusten zwischen 2008 und 2011 sind (1) architekturbezogene Aktivitäten, (2) (Bau-)Technik und diesbezügliche Beratungsleistungen sowie (3) leitungsbezogene Telekommunikation. Keiner dieser Bereiche ist auch nur am Rande von Piraterie betroffen. Ursache für den Rückgang sind vielmehr die geplatzte Immobilienblase in Spanien sowie Strukturwandel in der Telekommunkationsindustrie. Die einzigen zwei Bereiche mit substantiellen Zuwächsen trotz Wirtschaftskrise sind hingegen (1) Fernsehen und Rundfunk sowie (2) Film, Video und Fernsehproduktion – also jene Bereiche, wo sich noch am ehesten Verluste wegen Piraterie vermuten ließen.
Angesichts dieser Daten die vergleichsweise schwache Entwicklung der ausgewählten und als „Core Creative Industries“ bezeichneten Sektoren mit Piraterie zu erklären ist nicht einmal mehr Propaganda, sondern einfach nur noch peinlich.
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: ARM präsentiert Anti-Piraterie Videochip für Smartphones
: ARM präsentiert Anti-Piraterie Videochip für Smartphones „Digital Rights Management“ (DRM) scheint in den Augen der Unterhaltungsindustrie immer noch der richtige Weg zu sein, die Piraterie an ihrer Inhalte zu bekämpfen. Auch wenn DRM bereits im Bereich der digitalen Musik gescheitert ist, werden DRM-Techniken weiterhin eingesetzt wie beispielsweise bei E‑Books oder der möglichen Einführung von DRM in HTML5 (wir berichteten). Und nun scheint sich ein weiteres Einsatzfeld von DRM entwickelt zu haben: die direkte Implementierung von DRM in Prozessoren. Die britische Firma ARM hat auf der diesjährigen IT-Messe Computex seinen Video-Prozessor Mali-V500 für Smartphones mit Hardware-DRM vorgestellt.
Der Video-Prozessor ist damit der erste für Smartphones, welcher das Abspielen von Videos sichern und so illegalen Kopien vorbeugen soll. Cris Porthouse von ARM sagt dazu in seinem Blog:
In order to protect their multi-billion dollar investments, studios and content owners are demanding hardware-backed security across all devices that play their premium content […]. This means that in order to support premium content mobile and other consumer embedded devices must support hardware-backed protection of content from download to display.
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: Bundeszentrale für politische Bildung zur „Piraterie“
: Bundeszentrale für politische Bildung zur „Piraterie“ Ein neues Dossier mit Aufsätzen zur „Piraterie“ gibt es von der Bundeszentrale für politische Bildung in ihrer Reihe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (APuZ 48/2012):
„Piraten“ finden sich nicht nur auf hoher See, sondern unter anderem auch in verschlossenen Forschungslabors, in internationalen Wirtschaftsbeziehungen oder auf Tauschbörsen im Internet. Gemeinsam haben diese „Piraten“, dass ihnen – wie ihren frühneuzeitlichen Namensgebern – Diebstahl, ja Raub vorgeworfen wird: an geistigem Eigentum, an traditionellem Wissen oder an noch geheimen Produktinformationen.
In ihre Gesamtbetrachtung packt die Bundeszentrale u.a. Analysen über somalische Piraten, Verletzer von immateriellen Rechten und Flüssige Demokratie-Werkzeuge:
Der Begriff [Piraterie] birgt hohe Suggestionskraft und Emotionalität. Die Frage nach der Rechtfertigung dieser Bezeichnung steht häufig im Vordergrund.
Das Heft kann der/die Interessierte online anschauen oder findet das Heft als Beilage zur Zeitung „Das Parlament“.
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: InPoSec – neues Forschungsprojekt will mit Nacktscanner-Technologie Pakete nach „illegalen Produkten“ durchleuchten
: InPoSec – neues Forschungsprojekt will mit Nacktscanner-Technologie Pakete nach „illegalen Produkten“ durchleuchten Während sich das EU-Forschungsprojekt INDECT in seinem vierten Jahr kurz vor dem Abschluss befindet, läuft in Frankreich und Deutschland jetzt ein neues Projekt an, das viele Fragen aufwirft.
Mit dem sogenannten “Integrated Postal Supply Chain Security”-Projekt, kurz InPoSec, soll die Integrität der Postlogistikkette geschützt und die Sicherheit der beteiligten Menschen garantiert werden. Zunächst werden Briefbomben und terroristische Anschläge als Bedrohung für die wirtschaftliche Stabilität Europas ins Feld geführt, nur um dann in einem Nebensatz auch “illegale Produkte” als Ziel des Projekts zu benennen.
Schaut man sich in Europa um, liegt der Schluss nahe, dass uns mit den im Rahmen des InPoSec-Forschungsprojekts betrachteten Technologien auch eine Totalüberwachung der Brief- und Paketkommunikation ins Haus stehen könnte.
Gepaart mit einer restriktiven Kommunikationspolitik lässt das Projekt nichts gutes ahnen.
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: Globale Piraterie-Studie: Zahlen und Schlussfolgerungen der Software-Industrie leider nicht ernst zu nehmen
: Globale Piraterie-Studie: Zahlen und Schlussfolgerungen der Software-Industrie leider nicht ernst zu nehmen Der Interessenverband Business Software Alliance hat eine neue Ausgabe seiner jährlichen globale Piraterie-Studie veröffentlicht. Die Ergebnisse sollen begründen, dass das Urheberrecht verschärft und strenger durchgesetzt werden muss. Doch die Methodik ist zweifelhaft und hält wissenschaftlichen Kriterien nicht stand.
Seit 2003 gibt die Business Software Alliance (BSA), ein Lobby-Verband der Software-Anbieter, die Global Software Piracy Study heraus. Mit im Boot sind das „Marktforschungs- und Beratungsunternehmen“ International Data Corporation (IDC) sowie das Marktforschungsunternehmen Ipsos. Letzte Woche wurde die diesjährige Ausgabe veröffentlicht.
Keine wissenschaftlichen Kriterien
Dazu haben wir einige Rückfragen gestellt. Als erstes wollten wir natürlich die Studie selbst haben. Auf der Webseite ist zwar neben einer vier-seitigen Kurzversion auch ein Dokument verlinkt, dass sich Studie nennt. Das sind aber auch nur 20 Seiten, und wenn man Klappentext, Inhaltsverzeichnis, Executive Summary und Co. abzieht, bleiben nur sieben Seiten Inhalt übrig. Die globale Studie, die 182 Datentypen in 116 Staaten untersucht, kann das nicht sein. Leider hat man uns auf wiederholte Nachfragen keine weiteren Daten liefern können, lediglich einen Fragebogen haben wir erhalten. -
: Studie: Verzögerte Kino-Releases führen zu Filesharing
: Studie: Verzögerte Kino-Releases führen zu Filesharing Eine heute veröffentlichten Studie der US-Wissenschaftler Brett Danaher und Joel Waldfogel bringt Erkentnisse zutage, die der Verwertungsindustrie nicht schmecken dürften:
So wird in der statistischen Erhebung, die sich auf US-Produktionen im Zeitraum von 2003 bis 2006 bezieht, belegt, dass illegale Filmdownloads kaum Einfluss auf die Einspielergebnisse in den USA hat. Die Ergebnisse an europäischen Kinokassen gingen allerdings um bis zu 7% zurück, und zwar umso mehr, je mehr Zeit zwischen der US- und europäischen Kinopremiere lag. Besonders von diesem Effekt betroffen sind vor allem das Action- und SciFi-Genre. Diese beiden Genres gelten traditionell als besonders Piraterie-anfällig.Statt allerdings zu verstärkten Anstrengungen im Kampf gegen Online-Piraterie aufzurufen, fordern die Autoren der Studie ein schnelleres Release von US-Filmen im Ausland, um der Verbreitung in BitTorrent- und anderen Filesharing-Plattformen zuvorzukommen.
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: Paulo Coelho: Kultur wird nicht „konsumiert“
: Paulo Coelho: Kultur wird nicht „konsumiert“ Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho hat in einem Posting auf seiner Website deutlich gemacht, was er davon hält, wenn Kultur wie ein normales Konsumgut behandelt wird: nichts.
„Wenn man eine Orange kauft und sie isst, dann müsste man eine neue kaufen und so ergibt es Sinn, dass Orangen nicht umsonst vergeben werden, da der Verbraucher das Produkt verbraucht. Kunst dreht sich um Schönheit, Musik dreht sich um Schönheit. Wenn ich eine Seite besuche und die Musik mag, dann bin ich mir sicher dass ich mir die CD kaufe, weil ich mehr über das Werk des Künstlers erfahren will.“
Coelho betreibt seit 1999 eine Fan-Seite unter dem Namen „Pirate Coelho“, auf der seine Werke verfügbar sind. Für ihn ist klar, dass die „Raubkopierer“ seine kaufenden Leser sind: um seine eigenen Werke in Russland bekannter zu machen, stellte er selbst eine Kopie der russischen Ausgabe eines seiner Bücher ins Netz. Seine Popularität zwischen Petersburg und Wladiwostok nahm daraufhin sprunghaft zu, von 1.000 auf über 1.000.000 verkaufte Bücher in einem Jahr.
Für Coelho ist eindeutig, dass das Teilen von Kultur eine gesellschaftliche Normalität ist: „Wir müssen die Musik, das Buch oder den Film teilen, den wir mögen. Als es kein Gesetz dagegen gab, wurden diese Informationen frei ausgetauscht. Erst als die Entertainment-Industrie sich durchsetzte fing die Repression an.“ Coelho ist einer der erfolgreichsten Autoren der Geschichte. Sein bekanntestes Werk, „Der Alchimist“, verkaufte sich weltweit zwischen 1988 und 2008 65 Millionen mal.
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: Zu sexy: Aus Piraten werden Diebe
: Zu sexy: Aus Piraten werden Diebe Die Rechteinhaber haben ein Problem: Der im letzten Jahrzehnt gerne verwendete Kampfbegriff „Piraterie / Piraten / Piracy“ wird leider nicht so negativ gesehen, wie man sich das vorgestellt hatte. Schuld ist auf der einen Seite das positive Bild von Piraten in Kinofilmen wie „Fluch der Karibik“, andererseits haben es die Piratenparteien in verschiedenen Ländern geschafft, das Wort positiv zu besetzen. Und auch The Pirate Bay ist etwas Schuld daran.
Wird also wohl Zeit für einen Strategiewechsel. Zumindest im Ausland, bei uns hat sich ja der Begriff „Raubkopierer“ schon mehr oder weniger eingebürgert. Ars technica berichtet über diesen Strategiewechsel, statt „Piraten/Piracy“ nun zu klassichen Begriffen wie „Diebe“ über zu gehen.
Von einer Pressekonferenz der Chamber of Commerce (Die mal wieder den Verlust von 1,2 Mio europäischen Jobs angekündigt haben) wurde das Zitat festgehalten:
„We should change the word piracy,“ she said at a press conference. „To me, piracy is something adventurous, it makes you think about Johnny Depp. We all want to be a bit like Johnny Depp. But we’re talking about a criminal act. We’re talking about making it impossible to make a living from what you do.“
Und auch der Sohn von Medienunternehmer Rupert Murdoch wird nicht leise, das Bildnis vom Ladendiebstahl zu bringen:
Speaking at a very different event in Abu Dhabi last week, Rupert Murdoch’s son James did his part to redefine the sexy „pirates“ as common thieves and nothing more. „There is no difference with going into a store and stealing Pringles or a handbag and taking this stuff,“ he said. „It’s a basic condition for investment and economic growth and there should be the same level of property rights whether it’s a house or a movie. The idea that there’s a new consumer class and you have to be consumer-friendly when they’re stealing stuff. No. There should be the same level of sanctity as there is around property. Content is no different. They’re not crazy kids. No. Punish them.“
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: „Wir haben kein Piraterie-Problem“
: „Wir haben kein Piraterie-Problem“ Mit dieser provokanten These stieg Tim Renner, Ex-Universal-Chef und Gründer von Motor FM, in die Diskussion über das „Urheberrecht in der digitalen Welt“ ein, die am Montag in der Heinrich-Böll-Stiftung stattfand. Die grüne Europapolitikerin Helga Trüpel hatte zum „Kulturpolitischen Salon“ geladen.
Das Podium, moderiert von Oliver Passek, wies schnell eine klare Frontenbildung auf. Den Praktikern Renner und Trüpel – in Musikbusiness und Politik – standen auf der anderen Seite die Juristen Gerd Hansen und Till Kreutzer entgegen, die eine Revolution des Urheberrechts forderten.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Kulturflatrate. Helga Trüpel zeigte sich entgegen der grünen Parteilinie nicht vollends überzeugt von dem Konzept. Es könne keine Kulturflatrate für alle Branchen geben, weil der Preis so hoch sein müsse, dass sich nie eine politische Akzeptanz dafür herstellen ließe. Eine Vorstellung, die Volker Grassmuck in seiner Erwiderung an die Musikindustrie widerlegt hat.
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: Horrorshow: 8 lustige Anti-Piraterie-Videos
: Horrorshow: 8 lustige Anti-Piraterie-Videos Phlow.net hat acht lustige Anti-Piraterie-Videos zusammengestellt:
This is a Warning, Warning, Warning! | Wie absurd die Denkweise der Film- und Musikindustrie ist, beweisen die acht Video-Warnungen, die ich auf der Website des Guardians gefunden habe. Wer illegale Kopien kauft, befindet sich sofort in der Nachbarschaft von Waffenschmuggel und Sklavenhandel. Eine großartige Lachsalve für den Abend.
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: Anti-„Piraterie“-Vertrag jetzt Staatsgeheimnis
: Anti-„Piraterie“-Vertrag jetzt Staatsgeheimnis Ein umstrittener Vertragsentwurf ist in den USA gerade zu einer Art Staatsgeheimnis erklärt worden.
Seit Oktober 2007 verhandeln die EU, die USA, die Schweiz und Japan zusammen mit diversen anderen Ländern am „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“ (ACTA), einem Abkommen, das allem Anschein nach einen Generalangriff auf all die vielen die Dinge ergeben soll, die unter dem Sammelbegriff „Piraterie“ laufen.
(Als ich klein war, waren Piraten noch mörderische Typen mit Messern zwischen den Zähnen. Erinnert sich noch jemand?)
Die Entwürfe zu diesem Vertrag werden strikt unter Verschluß gehalten. Wie strikt genau, das hat jetzt die US-Organisation Knowledge Ecology International (KEI) erfahren.
Die hatte eine Anfrage unter dem Freedom of Information Act gestellt und um Herausgabe der Vertragsentwürfe gebeten. Das Ergebnis (pdf):
Please be advised that the documents you seek are being withheld in full pursuant to 5.U.S.C. §552(b)(1), which pertains to information that is properly classified in the interest of national security pursuant to Executive Order 12958.
Die Vertragsentwürfe sind also geheim, weil sie die nationale Sicherheit der USA betreffen. Allerdings teilt die US-Regierung solche brisanten Informationen in der Regel nicht mit knapp zwei Dutzend Ländern – genau das ist aber bei ACTA der Fall.
Auch das Europäische Parlament hat die EU-Kommission zur Herausgabe der Vertragsentwürfe aufgefordert, und dort ebenfalls auf Granit gebissen.
KEI-Direktor Jamie Love fasst das Ganze in einem Artikel zusammen. Heise berichtet auf Deutsch.
Das Ziel der Geheimnistuerei ist es, sich lästige Kritiker vom Hals zu halten, die die Verhandlungen unnötig komplizieren könnten. Da die WIPO durch die Development Agenda-Debatte langsam zu Verstand zu kommen scheint, treiben die Industrieländer und ‑lobbies ihre Interessen eben anderswo voran. Der englische Begriff für diese unschöne Taktik lautet übrigens „forum shifting“.
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: Piraten, Pizza und Prozess
: Piraten, Pizza und Prozess Am dritten Tag der Verhandlung gegen das Tracker-Informationsportal The Pirate Bay (TPB) wurden grundlegende Fragen aufgeworfen, die seit langem einer Klärung durch Gerichte bedürfen. Gerade deswegen wurde der Prozess auch unter anderem von der englischen Times als Internet Piraten Prozess des Jahrzehnts bezeichnet.
Die Anklage versuchte heute den Schaden, der durch TPB entstand, zu beziffern. Nach Ansicht der Verteidigung ist ihnen das nicht gelungen. Die Kläger berechneten den Schaden so, als hätte TPB für jeden „angeboten“ Titel eine weltweite Lizenz erworben. Für Titel, welche noch nicht auf dem Markt wahren, bzw. nicht auf dem digitalen Markt sind, wie „Let it be“ der Beatles wurde das zehnfache berechnet. Die Anklage berechnete den Schaden ungeachtet der Frage, ob jeder Download mit einem Verzicht auf einem ansonsten unabwendbaren Kauf gleichzusetzen sei.
Die Verteidigung konnte keinen Zusammenhang zwischen den Zahlen des Schades und den Zahlen der Torrent-Datei-Downloads sehen, da zu einer Torrent-Datei immer auch erst einmal ein Seeder nötig sei, wären die Schadens-Zahlen in diesem Punkt schon mal falsch und zudem würde die TPB mit den Torrents keine geschützten Inhalte „anbieten“. Hier täte man dasselbe wie Google. Dort ließen sich die Tracker auch finden. Zudem seien die Tracker-Download-Zahlen der Anklage nicht korrekt und könnten deshalb nicht als Beweis verwendet werden.
Weiterhin verwies die Verteidigung auf eine EU-Richtlinie nach der die Anbieter von Informationsdienstleistungen nicht für die Informationen, die übermittelt werden, verantwortlich gemacht werden können. Damit eine Beihilfe zustande komme, müssten die Angeklagten schon eng mit Rechtsbrechern zusammenarbeiten. Das täten die sie aber so wenig wie mit King Kong aus Kambodscha.
Es bleibt also spannend. Ist TPB ein Informationsdienst ohne Verantwortung? Kann ein Schaden und ein Zusammenhang zu diesem konstruiert werden?
Auf jeden Fall immer ein großer Faktor im Phänomen TPB: Ihr Humor, ihre Respektlosigkeit und ihr Mut: Nach der Verhandlung gingen die Angeklagten Pizza essen. Dort trafen Sie auf die Vertreter der Anklage. Peter Sunde fragte die Anklage, ob Sie die Rechnung übernehmen möchten. Die Anklage verneinte.
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: Wirtschaftlicher Schaden durch „Musikpiraterie“?
: Wirtschaftlicher Schaden durch „Musikpiraterie“? Golem berichtet über eine aktuelle Studie des US-amerikanischen Institute for Policy Innovation (IPI), die einen Schaden von 12,5 Milliarden durch „Musikpiraterie“ anprangern. Dabei berufen sie sich auf „unabhängige“ Zahlen der IFPI. Wenn man sich die Zahlen aber genauer anschaut und mit alten Daten vergleicht kommt man auf das folgende Ergebnis:
Man kann zwar geringfügige Schwankungen im einstelligen Prozentbereich erkennen, aber durch „Piraterie“ ausgelöste Verluste in einer ernsthaften Größenordnung, wie von der IPI „errechnet“, lassen sich in den amtlichen Zahlen nicht finden. Die angeblich in der Musikindustrie verloren gehenden 26.860 Arbeitsplätze würden in etwa der (geschätzten) Gesamtzahl der Arbeitsplätze in der US-Musikindustrie in den 90er Jahren entsprechen. Anders gesagt: Ausgehend von den IPI-Zahlen hätte sich die US-Musikbranche in rund zehn Jahren der Größe nach verdoppeln müssen und nur die „Piraterie“ hat das verhindert. Noch anders gesagt, hätten die US-Bürger ihren CD-Konsum binnen zehn Jahren vervielfachen müssen, denn um ein paar mehr CDs zu pressen benötigt man ja nicht gleich fast 27.000 neue Arbeitsplätze. Und Ausgaben für Live-Konzerte und Merchandising-Artikel sind dabei in den Zensus-Zahlen überhaupt nicht berücksichtigt.
Richtet also die „Musikpiraterie“ den immer wieder behaupteten Milliardenschaden für die US-Wirtschaft an? Mit den amtlichen Zahlen ist das jedenfalls nicht zu belegen. Im Gegenteil, der Vergleich der US-Zensus-Zahlen von 2002 mit denen von 1997 könnte sogar den Schluss nahe legen, dass MP3, Napster & Co. der Musikindustrie zu Beginn der 2000er Jahren zu einem Aufschwung verholfen haben.
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: Netzpolitik-Podcast: Lawrence Liang über Piraterie
: Netzpolitik-Podcast: Lawrence Liang über Piraterie
Lawrence Liang ist Piraterie-Forscher beim Alternative Law Forum in Bangalore / Indien. Er findet Piraterie ökonomisch gar nicht schlimm, wie man das immer von den Rehteinhabern hört. Sie sei sogar hilfreich, nicht nur auf lokalen Märkten und in Entwicklungsländern. Dieses Interview habe ich mit ihm am Strand von Dubrovnik während des iSummit gemacht. (Daher gibt es manchmal strandspezifische Hintergrundgeräusche). Er beschreibt den ökonomischen Effekt von Piraterie im Allgemeinen und besonders beim Geistigen Eigentum, wie Microsoft mit Piraterie eine Monopolstellung erreichen konnte, warum starke Geistige Eigentumsrechte schlecht für Innovation ist und wie Hollywood und Bollywood auf Piraterie aufgebaut wurden. Etwas geht es auch noch um Indien. Insgesamt ist das Interview ein bunter Strauss an Themen. Hört es Euch an.Das Interview ist 25 Minuten lang und auf englisch. Es liegt als MP3 (22MB) und als OGG (18MB) vor.
Weitere Texte von Lawrence Liang:
A Guide To Open Content Licences (PDF)
Copyright/Copyleft: Myths About Copyright.
The Black and White (and Grey) of Copyright