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Zu sexy: Aus Piraten werden Diebe

Die Rechteinhaber haben ein Problem: Der im letzten Jahrzehnt gerne verwendete Kampfbegriff „Piraterie / Piraten / Piracy“ wird leider nicht so negativ gesehen, wie man sich das vorgestellt hatte. Schuld ist auf der einen Seite das positive Bild von Piraten in Kinofilmen wie „Fluch der Karibik“, andererseits haben es die Piratenparteien in verschiedenen Ländern geschafft, das Wort positiv zu besetzen. Und auch The Pirate Bay ist etwas Schuld daran.

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Wird also wohl Zeit für einen Strategiewechsel. Zumindest im Ausland, bei uns hat sich ja der Begriff „Raubkopierer“ schon mehr oder weniger eingebürgert. Ars technica berichtet über diesen Strategiewechsel, statt „Piraten/Piracy“ nun zu klassichen Begriffen wie „Diebe“ über zu gehen.

Von einer Pressekonferenz der Chamber of Commerce (Die mal wieder den Verlust von 1,2 Mio europäischen Jobs angekündigt haben) wurde das Zitat festgehalten:

„We should change the word piracy,“ she said at a press conference. „To me, piracy is something adventurous, it makes you think about Johnny Depp. We all want to be a bit like Johnny Depp. But we’re talking about a criminal act. We’re talking about making it impossible to make a living from what you do.“

Und auch der Sohn von Medienunternehmer Rupert Murdoch wird nicht leise, das Bildnis vom Ladendiebstahl zu bringen:

Speaking at a very different event in Abu Dhabi last week, Rupert Murdoch’s son James did his part to redefine the sexy „pirates“ as common thieves and nothing more. „There is no difference with going into a store and stealing Pringles or a handbag and taking this stuff,“ he said. „It’s a basic condition for investment and economic growth and there should be the same level of property rights whether it’s a house or a movie. The idea that there’s a new consumer class and you have to be consumer-friendly when they’re stealing stuff. No. There should be the same level of sanctity as there is around property. Content is no different. They’re not crazy kids. No. Punish them.“

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23 Kommentare
  1. Wann sagt eigentlich mal jemand zu Rupert Murdoch: „Haha! Wenn du deine Kunden ignorierst lebt dein Medium nicht mehr lange!“

    Vielleicht sollte man ihm mal klar machen, dass bei 6 Milliarden Menschen auf der Welt, von denen mindestens 1 Milliarde täglich Content produzieren, der Herr Rupert nun ein einziges kleines Licht ist.

    Wenn er keine Lust mehr auf uns als Kunden hat soll er doch gehen! Wir haben ihn nicht darum gebeten Filme zu produzieren. Wir brauchen ihn nicht – draußen warten 1 Milliarde andere.

    Die Industrie soll gefälligst aufhören zu jammern! Bei uns im Büro arbeiten die Kollegen 50-60 Stunden pro Woche. Das sind 40-80 Überstunden im Monat pro Mitarbeiter: unbezahlt.

    Die Contentindustrie führt stets ins Feld: „ihr würdet doch auch nicht umsonst arbeiten“ – ach, wirklich? Und ob wir das tun: jeden Tag und oft genug sogar am Wochenende!

    Hört man uns etwa auf Symposien herum heulen, dass unsere Chefs Raubritter und Diebe sind? Dass soll mal einer versuchen und lange genug in der Firma überleben um davon zu berichten!

    Wenn wir es bei der Contentindustrie mit ehrlichen Handwerkerle (auch die soll es noch geben) zu tun hätten, könnte man aus Nachsicht als Kunde freiwillig etwas drauflegen. Aber das Gejammer über „Diebe“ und das Geschrei nach mehr Profit, von Personen, welche im beruflichen Alltag oft genug selbst die größten Halsabschneider und Raubritter sind, hängt mir zum Hals heraus.

    Es geht ja nicht darum, dass die armen kleinen Mittelständler der „bösen Welt“ schutzlos ausgeliefert sind.
    Diese Großunternehmen könnten sehr wohl das Problem selbst beheben: durch neuartige Produkte, für die es einen Markt gibt – so wie man es umgekehrt vom kleinen Handwerkerle auch verlangt. Stattdessen wollen sie den veränderten Markt an die alten Produkte anpassen, beschweren sich beim Kunden, dass es nicht funktioniert und schreien nach dem Gesetzgeber!

  2. Fraglich bleibt ob der Begriff: “Raubkopierer” noch durch die freie Meinungsäußerung gedeckt ist. Wahrheitswidrig ist er auf jedem Fall.

  3. Im zitierten Guardian-Artikel wird beschrieben, dass in den USA start für 3 Stikes gelobbied wird:

    Emanuel, the brother of US presidential adviser Rahm, said the industry was talking to the US government in a bid to introduce a „three strikes and you’re out“ law to govern illegal downloading.

    „We are in the midst of talking to the president and some attorney generals and [we are] trying to implement a three strikes and you’re out rule,“ he added.

  4. da braucht man ja nur zu warten bis einer von denen Ocean’s 11 bis 13 sieht und bemerkt, dass diebe ja auch viel zu cool sind. was werden raubkopierer dann? entfuehrer? teroristen?

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