ARM präsentiert Anti-Piraterie Videochip für Smartphones

„Digital Rights Management“ (DRM) scheint in den Augen der Unterhaltungsindustrie immer noch der richtige Weg zu sein, die Piraterie an ihrer Inhalte zu bekämpfen. Auch wenn DRM bereits im Bereich der digitalen Musik gescheitert ist, werden DRM-Techniken weiterhin eingesetzt wie beispielsweise bei E-Books oder der möglichen Einführung von DRM in HTML5 (wir berichteten). Und nun scheint sich ein weiteres Einsatzfeld von DRM entwickelt zu haben: die direkte Implementierung von DRM in Prozessoren. Die britische Firma ARM hat auf der diesjährigen IT-Messe Computex seinen Video-Prozessor Mali-V500 für Smartphones mit Hardware-DRM vorgestellt.

Der Video-Prozessor ist damit der erste für Smartphones, welcher das Abspielen von Videos sichern und so illegalen Kopien vorbeugen soll. Cris Porthouse von ARM sagt dazu in seinem Blog:

In order to protect their multi-billion dollar investments, studios and content owners are demanding hardware-backed security across all devices that play their premium content […]. This means that in order to support premium content mobile and other consumer embedded devices must support hardware-backed protection of content from download to display.


Das der Chip eigentlich nur auf Zuruf der Unterhaltungsindustrie aus Hollywood entwickelt wurde, macht Porthouse in einem Interview für die Financial Times deutlich (der Artikel liegt leider hinter einer Paywall):

Hollywood movie studios and major content distributors like Netflix and others are demanding for premium or early window content – their highest-value content – to be protected not just by digital rights management but by the hardware, all the way from download through to display.

Eine Implementierung von Hardware-DRM ist mindestens so kritisch zu sehen, wie die Einführung von DRM in HTML5. Es stellt ebenso einen Eingriff in das Nutzerverhalten dar, indem alleine ein Videoprozessor entscheidet, welche Inhalte vom Nutzer angeschaut werden dürfen oder nicht. Derm Nutzer wird die Kontrolle über die Inhalte auf seinem Smartphone entzogen. Ob ein solcher Chip aber tatsächlich helfen kann die Verbreitung von illegalen Filmkopien einzudämmen ist dabei mehr als ungewiss.

Doch sicherlich wird es Nachahmer geben. ARM ist schließlich nicht irgendeine kleine Firma, die nun versucht ihre Nische im Markt zu finden. ARM ist im Bereich mobiler Prozessoren unangefochtener Marktführer. Wer heutzutage ein Smartphone besitzt hat dort mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Chip der Firma ARM eingebaut. Ob die Smartphonehersteller diesen neuen Chip nun in neue Geräte einbauen ist erst einmal ihnen überlassen. Doch die Unterhaltungsindustrie hat es bisher immer noch geschafft, dass ihre Anliegen umgesetzt werden.

3 Kommentare
  1. Philip Engstrand 4. Jun 2013 @ 13:24
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