Netzpolitischer Wochenrückblick
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 25: Bundesregierung auf Überwachungskurs
Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/7914989@N06/11603535444/">Klaus</a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en">[CC BY-SA 2.0]</a> : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 25: Bundesregierung auf Überwachungskurs Die netzpolitische Woche zusammengefasst: Die Bundesregierung winkt das Anti-Terror-Paket durch den Bundestag und ist auch in anderen Bereichen auf einem Überwachungskurs. In Berlin kamen polizeiliche Videoüberwachung und auf EU-Ebene Netzsperren ins Gespräch. Fadenscheinige Abmahnanwälte gibt es nun auch für Creative-Commons-lizenzierte Werke.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 24: Überwachungsausbau, Stärkung der Netzneutralität und Neues zur Störerhaftung
Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/rachelhobday/8072240586/"> Rachel Hobday</a> [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>] : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 24: Überwachungsausbau, Stärkung der Netzneutralität und Neues zur Störerhaftung Die netzpolitische Woche zusammengefasst: Polen verabschiedet Anti-Terror-Paket, US-Gericht stärkt Netzneutralität, Bundesrat winkt Störerhaftung durch.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 23: Drei Jahre Snowden-Leaks
: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 23: Drei Jahre Snowden-Leaks Die wichtigsten netzpolitischen Ereignisse der Woche zusammengefasst: Von Einschränkung der Überwachung ist in der BND-Reform keine Rede mehr, Verfassungsschutzpräsident Maaßen diskreditiert Snowden und die Leitlinien zur Netzneutralität sind veröffentlicht.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 22: Vom Recht auf Hip-Hop, halbherziger GroKo und Internetausdruckern
Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/jar0d/4601502733/">Sander van der Wel</a> [<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY-SA 2.0</a>] : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 22: Vom Recht auf Hip-Hop, halbherziger GroKo und Internetausdruckern Die netzpolitische Woche zusammengefasst: Bundesverfassungsgericht erlaubt Sampling, zweifach durchwachsener Einsatz für freies WLAN und dem Sommer der Netzneutralität.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 21: BND-Interna, Anti-Terror-Maßnahmen und ahnungslose Ministerien
CC BY-SA 3.0 : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 21: BND-Interna, Anti-Terror-Maßnahmen und ahnungslose Ministerien In Bad Aibling hört der Bundesnachrichtendienst Satellitenverkehr ab und teilt Erkenntnisse daraus mit der NSA. Da sich die entsprechenden Satelliten im Weltall befinden, müsse man sich dabei nicht an deutsches Recht halten, argumentierte die Behörde 2013 kurz nach den Snowden-Enthüllungen. Zu Beginn der Woche berichteten wir unter Berufung auf interne Dokumente, wie sich der BND vor einer „kaum zu bestehenden intensiven öffentlichen Diskussion“ über seine waghalsige Weltraumtheorie fürchtete – zu Recht.
Jeden Freitag fassen wir in unserem Netzpolitischen Wochenrückblick die wichtigsten Themen der Woche zusammen. Ihr könnt ihn auch als Newsletter abonnieren.Schon bevor der Spiegel über die massenhafte Weitergabe von Metadaten an die NSA berichtete, hatten BND-Verantwortliche damit begonnen, in einem Kurzgutachten die „Datenweitergabe-Theorie“ zu entwickeln. Darin argumentierte man folgendermaßen: „Die Erhebung findet […] an ausländischen Satelliten statt, also ebenfalls außerhalb des Geltungsbereichs des BNDG.“ Das Bundeskanzleramt entgegnete, dass die „Auswertung, Speicherung, Übermittlung im Sinne datenschutzrechtlicher Verarbeitung“ in Bad Aibling, also im Inland geschehe. Zudem sei die Auffassung, Metadaten seien keine personenbezogenen Daten, „rechtlich nicht vertretbar“.
Terrorismus-Richtlinie der EU: Netzsperren und mehr Überwachung befürchtet
Die geplante Terrorismus-Richtlinie der EU könnte das offene Internet nachhaltig gefährden. Ein Beitrag von European Digital Rights (EDRi) mahnt vor Einschränkungen wie Netzsperren und dem Ausbau von Überwachung. Richtlinien müssen von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden und geben somit Handlungsspielraum bei der inhaltlichen Ausrichtung. Willkürliche Maßnahmen, deren Nutzen und Rechtsmäßigkeit nicht eindeutig ist, könnten zukünftig unter Berufung auf die unklare EU-Richtlinie beschlossen werden.
Ausweitung der Befugnisse staatlicher Spähsoftware gefordert
Der Einsatz von Staatstrojanern ist rechtlich umstritten. Die Spähsoftware darf momentan auf Bundesebene ausschließlich zur Gefahrenabwehr und bei internationalem Terrorismus zum Einsatz kommen. Die Landes-Justizminister fordern nun eine Ausweitung der Befugnisse und wollen in ihrer Frühjahrskonferenz die „Schaffung einer rechtlichen Grundlage für die Quellen-TKÜ“ erreichen. Ziel ist es, den Einsatz von Staatstrojanern auch bei einfachen Straftaten zu legalisieren. In dem Beschlussvorschlag fordern die Landes-Minister unter anderem „erhebliche finanzielle Mittel“, um die Pläne zu verwirklichen.
Ahnungslosigkeit beim Verkehrsministerium
Intelligente Software und elektronische Assistenzsysteme gehören zunehmend zur Standardausstattung moderner Automobile und beeinflussen die Sicherheit im Straßenverkehr. Wir haben staatliche Behörden und Ministerien gefragt, inwiefern sich Unfallhäufigkeiten durch den Einsatz dieser Technologien verändert haben und ob sich die Sicherheitslage messbar verbessert hat. Auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes haben wir entsprechende Fragen unter anderem an mehrere Landespolizeien, Bundesbehörden und Landesministerien sowie das Bundesministerium für Verkehr gestellt. Die Antworten zeigten eine dürftige Informationslage bei den staatlichen Stellen auf.
Verkehrsminister Alexander Dobrindt forderte in einem Strategiepapier jüngst die Einrichtung einer Kommission, die „klare Leitlinien für Algorithmen entwickelt, welche die Fahrzeugreaktionen in Risikosituationen bestimmen“. Dass sein Ministerium allerdings keine Informationen zum jetzigen Stand beziehungsweise den Auswirkungen von Computersystemen in Fahrzeugen benennen konnte, lässt seinen Plan nicht sehr seriös erscheinen.
Bundesregierung will Zensur privatisieren
Laut dem geplanten Anti-Terror-Paket der Bundesregierung sollen Betreiber von Online-Plattformen zukünftig selbständig gegen „terroristische Propaganda“ vorgehen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde zwar nicht beschlossen, in einem Maßnahmenkatalog heißt es allerdings: „Wir wollen eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen der Internetwirtschaft, zum selbstständigen und aktiven Vorgehen gegen terroristische Propaganda auf ihren Netzwerken.“ Der Staat zieht sich so aus der Affäre und lässt private Unternehmen bestimmen, wo legale Meinungsäußerung aufhört und terroristische Propaganda anfängt, anstatt selbst für eine entsprechende Rechtsgrundlage zu sorgen.
Der Verband der Internetwirtschaft eco hat die Pläne kritisiert. Man befürchtet, das Paket führe „die Verpflichtung einer Inhaltskontrolle für die Provider durch die Hintertür“ ein.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 20: Gottes WLAN
Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/jasonscottmeans/2591238873/">Jason Means</a> [CC BY-NC-ND 2.0] : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 20: Gottes WLAN Die netzpolitische Woche bot Mausrutscher der CIA, das Anti-Terror-Paket der Bundesregierung, Erfolge und Chancen für Netzneutralität und Verbraucherschutz. Außerdem: Unterhaltungstipps fürs Wochenende.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 18: re:publica, TTIP, EURODAC
Brian Costelloe/CC BY-NC 2.0 : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 18: re:publica, TTIP, EURODAC Diese Woche stand netzpolitisch im Zeichen der zehnten re:publica. Auf der dreitägigen Konferenz rund um die digitale Gesellschaft gab es zahlreiche interessante Vorträge, von denen viele (bald) zum Download verfügbar sein werden.
Markus Beckedahl sprach in seiner Keynote „Fight for Your Digital Rights“ rückblickend über die wichtigsten netzpolitischen Debatten der letzten zehn Jahre und gab einen Ausblick zu den zukünftigen Herausforderungen der digitalen Zivilgesellschaft. Dazu gehört sicher auch Geoblocking. Piraten-Politikerin Julia Rede sprach über die umstrittene Praxis und beantwortete in einem anschließenden Interview weitergehende Fragen.
Unser Netzpolitischer Wochenrückblick erscheint jeden Freitag und fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen. Ihr könnt ihn auch als Newsletter abonnieren.
TTIP-Dokumente veröffentlicht
Auf ttip-leaks.org sind am Montag die Verhandlungsdokumente des umstrittenen Freihandelsabkommens TTIP mit Stand vom April veröffentlicht worden. Das „Transatlantic Trade and Investment Partnership“ soll unterschiedliche Rechtslagen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union vereinheitlichen. Neben der fehlenden Transparenz im Entstehungsprozess kritisieren Gegner des Freihandelsabkommens die geplanten Liberalisierung und Privatisierung der Wirtschaft. In einer Übersicht können die Geschichte des Abkommens und die wichtigsten Aspekte der großen Politikfelder nachvollzogen werden.
In einer Kurzanalyse haben wir uns den netzpolitisch relevanten Punkte zugewandt. Dabei geht es um Netzneutralität, Datenschutz sowie Privatsphäre und allgemein um Passagen, die elektronische Kommunikation und Internet betreffen.
EU-Kommission will Datenbank mit Gesichtserkennung ausbauen
Laut einem Vorschlag zur Reform der EURODAC-Verordnung will die EU-Kommission die Speicherfristen und Datenkategorien der Biometrie-Datenbank erhöhen. Zudem ist ein Zwang zur erkennungsdienstlichen Behandlung und ein Ausbau der Abgleichsfähigkeiten geplant.
Die Datenbank, die ursprünglich zum Abgleich von Fingerabdrücken genutzt wurde, soll zukünftig auch Bilder von Gesichtern speichern und mit einer entsprechenden Erkennungssoftware ausgestattet werden.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 17: Cyber-Aufrüstung und digitale Müllabfuhr
3268zauber/CC BY-SA 3.0 : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 17: Cyber-Aufrüstung und digitale Müllabfuhr Nächste Woche findet mit der re:publica eine der weltweit größten Konferenzen rund um die digitale Gesellschaft statt. Der zehnte Geburtstag wird mit über 750 internationalen Sprecherinnen und Sprechern auf 17 Bühnen gefeiert. Wir haben uns das Programm genauer angeschaut und eine netzpolitische Empfehlung für Tag 1, Tag 2 und Tag 3 veröffentlicht. Die Beiträge von Bühne 1 können per Live-Stream verfolgt werden. Viele andere Vorträge werden einige Tage später auf YouTube hochgeladen. Wir sind auch mit einem kleinen Stand vertreten und freuen uns über Besuch.
Der Netzpolitische Wochenrückblick erscheint an jedem Freitagnachmittag. Er gibt einen Überblick über die wichtigsten Themen der Woche und ist auch als Newsletter verfügbar.
Bundeswehr will digital aufrüsten
Seit Mitte März wirbt die Bundeswehr mit dem „Projekt Digitale Kräfte“ um Nachwuchs. Diese Woche wurde die Abteilung „Cyber- und Informationsraum“ (CIR) von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vorgestellt, die den Herausforderungen im „Cyberraum“ begegnen soll. Ein entsprechender Bericht (PDF) beschreibt Schritte zur Neuorganisation von Verantwortlichkeiten, Kompetenzen und Aufgaben. Die Anleitung zur Umsetzung der „Strategischen Leitlinie Cyber-Verteidigung“ betrifft verschiedene Bereiche wie Aufklärung, Schutz, Erkennung und Abwehr von Cyberstörungen gleichermaßen.
Bei den Maßnahmen zur Rekrutierung von IT-Personal zielt die Bundeswehr explizit auch auf Menschen „ohne formalen Bildungsabschluss“ oder solche mit „informell oder nicht-formell“ erworbenen Kenntnissen. Wir haben eine Übersicht zur neuen Cyber-Strategie der Bundeswehr und einige Reaktionen dazu aus dem Bundestag zusammengetragen.
Neue Hintergründe zur Landesverrats-Affäre
Das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv hat die These aufgestellt, dass es bei den Ermittlungen gegen uns wegen Landesverrats nicht primär um Einschüchterung gegenüber Journalisten und der Vermeidung negativer Berichterstattung ging. Vor kurzem veröffentlichte Recherchen legen nahe, dass die Aushebelung der parlamentarischen Kontrolle von Geheimdiensten das eigentliche Ziel der Anklage war.
EU-Kommission: Plattformen sollen Verantwortung für Nutzerinhalte übernehmen
Laut einem internen Papier (PDF) will die EU-Kommission die Verantwortung über Zensur und Überwachung von Nutzerinhalten auf Online-Portalen den Betreibern übergeben. Dieses Vorhaben richtet sich gegen das Providerprivileg, welches in der E‑Commerce-Richtlinie passiv gehostete Inhalte von der Haftung ausnimmt.
Die Betreiber von Plattformen wie Google, Facebook oder auch Wikipedia müssten demnach in Zukunft alle Uploads vor dem Hosten filtern und überprüfen. Dadurch würde eine gewisse Vorzensur durch private Anbieter eintreten. Außerdem wären Plattformen wie Wikipedia, die ihre Inhalte komplett auf den Input von Nutzern stützen, damit akut gefährdet.
Bundesrat: Vorratsdatenspeicherung auch bei Messengerdiensten
Der Bundesrat hat in einem Beschluss (PDF) ein „gleiches Schutzniveau“ für Messengerdienste wie Skype oder Whatsapp gefordert, indem „die Anwendung der im Telekommunikationsgesetz geregelten Vorschriften zum Kundenschutz, zur Marktregulierung, zum Fernmeldegeheimnis und zum Datenschutz für Dienste gleicher Funktionalität“ sichergestellt werde.
Bislang fielen diese Messengerdienste unter das Telemediengesetz, welches die Speicherung und Nutzung von Kundendaten sowie das Erstellen von Nutzungsprofilen anhand von Verkehrsdaten erlaubt. Auf Grund der immer ähnlicher werdenden Funktionalität von entsprechenden Diensten im Vergleich zu traditioneller Telekommunikation plädiert der Bundesrat dafür, diese auch nach dem Telekommunikationsgesetz zu behandeln. Das würde allerdings bedeuten, dass die dort geregelte Vorratsdatenspeicherung auch auf entsprechende Messengerdienste Anwendung fände.
Nach BKA-Gesetz-Urteil: De Maizière plädiert für Ausnutzung der gesetzen Grenzen
Letzte Woche befand ein Urteil zum BKA-Gesetz dieses als teilweise verfassungswidrig. Wir haben einige Reaktionen zum Urteil zusammengefasst, wobei insbesondere die Äußerungen Thomas de Maizières Grund zur Sorge machen.
Der Minister meinte beispielsweise, das Gericht würde dem Berliner Gesetzgeber in Sachen Sicherheit ständig in den Arm fallen. Er ließ verlautbaren, zukünftig solle man hart am Rande des verfassungsrechtlich gerade noch Erlaubten handeln und zeigte sich insgesamt wenig beeindruckt von der Verfassungswidrigkeit des Gesetzes.
Merkel fordert mehr Geld, Personal und Befugnisse für „Terrorabwehr“
Bei einem Treffen mit Spitzen von Polizeien und Geheimdiensten im neuen gemeinsamen Terrorabwehrzentrum hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine weitere Stärkung des Sicherheitsapparats ausgesprochen. Einige Tage nach dem überwachungskritischen Urteil des Verfassungsgerichts zum BKA-Gesetz behauptete sie: „Wir haben immer wieder das Verhältnis von Datenschutz und Sicherheit der Menschen in eine Balance zu bringen.“
„Ich kann jetzt mit Überzeugungskraft gemeinsam mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière dafür werben, dass wir im politischen Raum unseren Sicherheitsbehörden den notwendigen Rückhalt verschaffen“, versprach sie weiter. Das neue „Anti-Terror-Paket“ der Bundesregierung wirft zahlreiche Fragen hinsichtlich Verhältnismäßigkeit, Datenschutz, Bund-Länder-Kompetenzen sowie Grund- und Bürgerrechten auf.
Einblicke in die digitale Inhaltsmoderation
Anlässlich einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung mit dem Titel „Die Müllabfuhr im Internet“ berichteten wir über die nebulöse Situation von „Commercial Content Moderation“-Dienstleistern auf den Philippinen. Bis zu 150.000 Menschen arbeiten dort für Unternehmen wie Facebook, um die Inhalte der Nutzer zu filtern und zu löschen.
Der Sektor ist von massiver Intransparenz gekennzeichnet. Theaterregisseur Moritz Riesewieck hat mit Moderatoren, Gewerkschaftern und Psychologen vor Ort gesprochen und so versucht, Licht ins Dunkle der Branche zu bringen. Viele der Moderatoren klagen demnach über Beziehungs- und Alkoholprobleme und über die teilweise schweren psychologischen Folgen auf Grund der alltäglichen Konfrontation mit anstößigen beziehungsweise abartigen Inhalten.
Europol fordert Filter für „Hassreden“
Eine Mitteilung der EU-Kommission gibt Einblicke zu einer bei Europol eingerichteten „EU-Meldestelle für Internetinhalte“. Demnach hat die Behörde in mehr als 3.200 Fällen bei Internetprovidern die Entfernung von Inhalten verlangt, was zu 91 Prozent erfolgreich verlief. Informationen zum sogenannten „EU-Internet Forum“, in dem sich die Strafverfolgungsbehörden mit „der Internetbranche“ organisieren, offenbaren eine Forderung von Europol. Internetplattformen sollen zukünftig einen Filter einführen, um abermaliges Hochladen von bereits gelöschten Material zu verhindern.
Erfolgreiche IFG-Anfrage
Zu guter Letzt noch eine Meldung in eigener Sache. Als Ergebnis einer erfolgreichen Informationsfreiheitsgesetz-Anfrage haben wir 2.630 Seiten Akten erhalten. Diese werden wir zur ausgiebigen Recherche nutzen, allesamt einscannen und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Leider ist der Bezug von solchen Informationen nicht gerade preisgünstig. In diesem Fall waren 763,10 Euro fällig. Um entsprechende Recherchen auch in Zukunft zu ermöglichen, sind wir auf die Unterstützung durch unsere Leserinnen und Leser angewiesen. Mit einer Spende oder einem Dauerauftrag könnt ihr uns unterstützen.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 15: EU-Richtlinien zu Datenschutz, Geschäftsgeheimnis und Fluggastdaten
(Foto: van Dyk/CC BY 3.0) : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 15: EU-Richtlinien zu Datenschutz, Geschäftsgeheimnis und Fluggastdaten Vergangene Woche dominierten Berichte rund um die Panama Papers die Medienwelt. Eine gestern gebilligte EU-Richtlinie zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen könnte derartige Leaks zukünftig gefährden. Hintergrund sind die Verhandlungen um TTIP. Die US-Regierung sieht eine Stärkung des Schutzes von Geschäftsgeheimnissen als wichtige Voraussetzung für das Abkommen. Die Richtlinie legt fest, dass Unternehmen definieren können, wann für sie das Geschäftsgeheimnis verletzt wurde. Wenden Arbeitnehmer Wissen an, welches sie bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber erworben haben, können sie verklagt werden. Auch Whistleblowing und Pressefreiheit sind betroffen. Die mediale Berichterstattung zu dieser Richtlinie fiel angesichts der weitreichenden Folgen recht schwach aus.
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EU beschließt Vorratsdatenspeicherung für Fluggastdaten
Gestern hat das EU-Parlament mit der Vorratsdatenspeicherung von Fluggastdaten eine weitere umstrittene Richtlinie gebilligt. Demnach sind alle Fluggesellschaften der 28 EU-Länder verpflichtet, Passagierdaten weiterzugeben. Die entsprechenden Behörden dürfen dann pro Flug und Passagier etwa sechzig Einzeldaten, wie Essenswünsche, Kreditkartennummer, Mitreisende, Wohnort oder E‑Mailadresse, für fünf Jahre speichern.
Der Sinn dieser Richtlinie, die laut EU-Kommission 500 Millionen Euro kostet, ist höchst umstritten. Kritiker sprechen von einem Placebo-Sicherheitsgefühl und Sicherheitsesoterik im Zusammenhang mit der Fluggastdatenspeicherung und halten sie schlicht für nutzlos.
Neue EU-Datenschutzgrundverordnung
Das europäische Parlament hat diesen Donnerstag eine neue Datenschutzgrundverordnung beschlossen. Diese soll bis 2018 in nationales Recht umgesetzt werden und die als überholt geltende Richtlinie von 1995 ersetzen. Nach der neuen Verordnung gilt das Datenschutzrecht nun für alle Unternehmen auf dem europäischen Markt, unabhängig vom Standort des Hauptsitzes oder Ort der Datenverarbeitung. Unternehmen sind verpflichtet, Zustimmung für die Verarbeitung von persönlichen Daten einzuholen und Auskunft über diese zu geben. Zudem müssen alle Unternehmen zukünftig persönliche Daten auf Wunsch löschen.
Bei Verstoß gegen die neue Verordnung drohen Strafzahlungen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. Über das Mindestalter, ab dem Kinder oder Jugendliche rechtswirksam Internetdienste nutzen dürfen, bestimmen die Mitgliedsstaaten selbst. Außerdem können Beschwerden zukünftig bei der Datenschutzbehörde des jeweiligen Landes des Betroffenen eingereicht werden und nicht mehr im Land der Niederlassung des angeklagten Unternehmens.
Im Ausschuss nichts Neues
Zum NSA-Untersuchungsauschuss gab es wieder ein Live-Blog unsererseits. Inhalt war diese Woche der Einsatz der Software XKeyscore beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Die beiden Zeugen wurden befragt, wofür der Verfassungsschutz das von der NSA entwickelte System nutzt und welchen Gegenwert die NSA dafür haben wollte und will. Außerdem sollte geklärt werden, warum die Software seit knapp drei Jahren im Probebetrieb läuft und was für Gründe und Bedenken den Wirkbetrieb bis jetzt verhindern. Die Zeugen antworteten oft ausweichend, und der Erkenntnisgewinn blieb überschaubar. Die Befragung kann detailliert in unserem Artikel nachvollzogen werden.
Oettingers Mini-Davos
Vom 13.–15. April veranstaltet Digitalkommissar Oettinger zum sechsten Mal ein Treffen mit hochrangigen Gästen in den österreichischen Alpen. Teilnehmer sind Geschäftsführer und CEOs verschiedener europäischer Telekommunikationsunternehmen, (ehemalige) Politiker, Banker und Wissenschaftler. Von den einhundert Gästen sind lediglich acht Frauen. Diese Art von Treffen sind nicht verboten, werfen allerdings Fragen bezüglich Lobbytransparenz auf.
Fahrlässige Serverkonfiguration bei Mediengruppe
Die Mediengruppe DuMont, der viele bekannte Zeitungen angehören, ist Opfer eines Hackangriffs geworden. So las sich zumindest die entsprechende Pressemitteilung des Unternehmens. Der wahre Grund für die Komplikationen war allerdings eine falsche Konfiguration der internen Server, so dass Internetauftritte nicht verfügbar waren und ein Link auf Twitter auf einen offenen Server verwies. Das räumte das Unternehmen auch in einer aktualisierten Pressemitteilung verhalten ein. Pikant an dem Vorfall war, dass für mehrere Stunden unter anderem die Logdateien der Zugriffe von Abo-Kunden und deren im Klartext gespeicherten Passwörter, Namen, E‑Mail-Adressen und Zugriffsdaten verfügbar waren.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 14: Der letzte große Leak?
Bild: <a href="https://flic.kr/p/6ddr8V">Richard Clark (Digimist)</a> unter <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/">CC BY-NC 2.0</a>Lizenz : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 14: Der letzte große Leak? An den Panama Papers kam in dieser Woche kein Medium vorbei. Auch wir nahmen uns in zwei Artikeln den Veröffentlichungen über Briefkastenfirmen in der Steueroase Panama an. Welche Themen sonst noch in dieser Woche wichtig waren, erläutern wir im Folgenden.
Der Netzpolitische Wochenrückblick erscheint an jedem Freitagnachmittag. Er fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen und ist auch als Newsletter verfügbar.
Geplante EU-Richtlinie bedroht Pressefreiheit
Während tagtäglich neue Verwicklungen von Politiker*innen mit Briefkastenfirmen heraus kommen, geht im Europäischen Parlament (EP) eine Richtlinie in die Zielgerade, welche genau solche Leaks in Zukunft verhindern könnte.
Die geplante Richtlinie zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen könnte Leaks, Recherchen und Veröffentlichungen mindestens erschweren, wenn nicht sogar strafbar machen. Beworben als Schutz vor Wirtschaftsspionage erlaubt die Richtlinie Unternehmen, selber zu definieren, was ein Geschäftsgeheimnis ist. Seit 2013 wird am genauen Wortlaut getüftelt – am nächsten Donnerstag steht sie zur Abstimmung im Europaparlament.
Journalistenverbände und Gewerkschaften sehen durch die Richtlinie die Presse- und Meinungsfreiheit akut bedroht. Andere sind sich ihrer Meinung anscheinend noch nicht so sicher: So fordert die SPD einerseits den stärkeren Schutz von Whistleblowern, während sie im EP die Richtlinie unterstützt. Und das EP selbst hat erst im vergangenen Jahr den Whistleblower Antoine Deltour mit dem Europäischen „Citizen’s Award“ ausgezeichnet, wie Erich Möchel beim ORF schreibt.
Urheberrecht: Reform oder Nicht-Reform?
Die EU-Kommission lässt sich bei ihrer geplanten Urheberrechtsreform auch vom deutschen Leistungsschutzrecht inspirieren. Daher hat sich die Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (IGEL) einiger Mythen angenommen, die über das Lieblingsgesetz der Presseverleger verkehren. Widerstand kommt auch von anderer Seite: Elf EU-Mitgliedsländer haben sich gegen eine Reform des digitalen Urheberrechts ausgesprochen.
Der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof sieht – zumindest in einem Fall in den Niederlanden – die Verlinkung von rechtswidrig veröffentlichten urheberrechtlich geschützten Werken als unproblematisch an.
Neues von der Verschlüsselungs-Front
Die Nutzung von Verschlüsselung hat durch eine Aktualisierung von WhatsApp wahrscheinlich rasant zugenommen. Der Messenger aus dem Hause Facebook bietet jetzt standardmäßig Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. Ungarn dürfte das gar nicht gefallen – das Land möchte Verschlüsselung verbieten. WhatsApp nutzt übrigens die gleiche Technologie wie die Open-Source-Alternative Signal, welche jetzt auch als Desktopversion verfügbar ist.
Der Hick-Hack zwischen FBI und Apple um den Zugang zu einem iPhone hat Constanze dazu gebracht, sich einmal mit der Lage in Deutschland zu beschäftigen: „Daten auf Mobiltelefonen: Was dürfen deutsche Ermittler?“
Grundrechte? Fehlanzeige.
Im „Gefahrengebiet“ in Berlin-Friedrichshain hat die Polizei in etwas mehr als einem Monat 1.883 Personen kontrolliert. Anna hat mit Anwohner*innen gesprochen und nachgeforscht, wo und wie die erhobenen Daten gespeichert werden. Ihr Fazit: Unschuldsvermutung? Grundrechte? Fehlanzeige.
Die Wahrung von Grundrechten, wie dem Datenschutz, vermissen auch die deutschen Datenschutzbehörden – beim EU-US-Abkommen Privacy Shield. Sie wollen notfalls gegen den Nachfolger des Safe-Harbor-Abkommens vor dem Europäischen Gerichtshof klagen. Die Bundesregierung sieht keine Probleme und spricht den US-Behörden ihr vollstes Vertrauen aus. Es bleibt weiter spannend!
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 13: BKA, FBI & SAP
Die Elster (Foto:Diginatur /CC BY-SA 3.0) : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 13: BKA, FBI & SAP Das massenhafte Sammeln von Daten durch deutsche Behörden war auch diese Woche wieder zentrales Thema. In immer mehr Bundesländern wurde bekannt, dass die Polizei weitläufig Informationen über Fußballfans sammelt und dabei datenschutzrechtliche Bestimmungen ignoriert. Die geheimgehaltenen Dateien wurden zusätzlich zu einer bestehenden bundesweiten Datenbank geführt und kamen nun durch kleine Anfragen an die Landesregierungen zu Tage.
Das brisante daran: Es werden auch Personen gespeichert, gegen die keine Verfahren eingeleitet wurden, sondern auch „Kontakt- und Begleitpersonen“ sowie „Umfeldpersonen“. Somit steht auch der Otto-Normal-Fan unter Generalverdacht. Journalist Thorsten Poppe berichtet auf seiner Webseite ausführlich über die skandalösen Datensammlungen.
Der Netzpolitische Wochenrückblick fasst die wichtigsten Meldungen der letzten sieben Tage zusammen und kann auch als E‑Mail-Newsletter abonniert werden.
EU weite „Anti-Terror“-Datenbanken
„Datenschutz ist schön, aber in Krisenzeiten wie diesen hat Sicherheit Vorrang“ – Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte nach den Anschlägen in Brüssel, die „Datentöpfe“ europäischer Sicherheitsbehörden sollten besser miteinander „verknüpft“ werden. Einen entsprechenden Vorschlag habe er bereits vor den blutigen Attentaten letzter Woche bei der Europäischen Kommission eingereicht. Wie diese Verknüpfung im Detail aussehen soll, wurde nicht bekannt. Grundsätzlich geht es dabei um eine Kompetenzerweiterung von Europol.
Passend dazu berichteten wir über die verschiedenen Europol-Dateien zu „islamistischem Terrorismus“ und „ausländischen Kämpfern“. Zu 90 Prozent werden diese durch die Polizeiarbeit aus fünf Mitgliedsstaaten gefüllt, aber auch US-Behörden sind beteiligt. Die detaillierten Informationen zu den einzelnen Datenbanken basieren hauptsächlich auf dem jüngsten Bericht des „Anti-Terrorismus-Koordinators“ der Europäischen Union sowie auf mehreren Kleinen Anfragen.
FBI entsperrt iPhone selbstständig
Im Streit Apple vs. FBI kam es diese Woche zu einer Wende. Die amerikanische Ermittlungsbehörde bat das kalifornische Bundesgericht darum, die Entsperrungs-Anordnung gegenüber dem iPhone-Hersteller zurückzuziehen, da man nicht mehr auf Hilfe durch den US-Konzern angewiesen sei. Das FBI ist demnach eigenständig in der Lage, die verschlüsselten Inhalte des iPhone 5C des Attentäters von San Bernardino auszulesen. Methodik und beteiligte Personen des Einsatzes blieben unbekannt, laut US-Regierung seien „Parteien außerhalb der Regierung“ mit Entschlüsselungsmethoden an das FBI herangetreten. Die Aktion hat eine signalisierende Wirkung an Regime, Kriminelle und Verbraucher weltweit: Ganze iPhone-Modellreihen sind unsicher.
BKA-Liste zu vereitelten Terroranschlägen
Laut Aussagen des Präsidenten des Bundeskriminalamtes (BKA) diese Woche haben deutsche Sicherheitsbehörden elf Terroranschläge seit dem Jahr 2000 verhindert. Auf Anfrage bekamen wir eine Liste der vereitelten Anschläge. Angaben, wie die Anschläge verhindert wurden und welche Behörden beteiligt waren darin nicht enthalten. Wir haben die BKA-Angaben mit entsprechenden Presseberichten ergänzt und so ausführliche Informationen zu den einzelnen Anschlagsversuchen zusammengestellt. So wurde ersichtlich, dass bei mindestens vier Fällen Hinweise von ausländischen Geheimdiensten und oft auch glückliche Umstände ausschlaggebend waren.
Weitere Neuigkeiten zum BKA erwarten wir am 20. April. Dann will das Bundesverfassungsgericht nämlich seine Entscheidung zum BKA-Gesetz und zum Staatstrojaner verkünden. Mit diesem werden die informationstechnischen Geräte von Verdächtigen direkt angegriffen. Die umstrittene Methode installiert eine Spionage-Software auf den entsprechenden Geräten und soll bei verschiedenen Delikten angewendet werden. Wir werden live berichten.
Die Transformation des Journalismus durch Social Media
Unter dem Titel „Facebook, Google & Co. fördern und kolonisieren den Journalismus“ analyisiert Gastautor Prof. Dr. Volker Lilienthal die Veränderung der medialen Welt, insbesondere der Journalismus-Branche durch die Einflüsse von Social Media. Durch Initiativen, wie die „Instant Articles“-Funktion von Facebook oder die „Digital News Initiative“ von Google, bemühen sich die beiden Internet-Riesen zunehmend um die Integration und Förderung von journalistischen Tools. Dabei geht es auch um Datenschutz, die algorithmische Mechanik von Newsfeed und Suchergebnissen sowie Netzneutralität.
Neues zu Netzneutralität in der EU
Das EU-Parlament hat letzten Oktober einem Kompromiss zur Netzneutralität zugestimmt, bei dem vieles unklar blieb und der zu Gunsten der Telekommunikationsunternehmen ausfiel. Nun ist allerdings die Zivilgesellschaft gefragt, denn es wird unter SaveTheInternet.eu eine Online-Konsultation geben. Positive Beispiele gab es in den USA und Indien, dort hatten Millionen Stimmen aus der Bevölkerung die Beschließung der Netzneutralität erwirkt. Jetzt sind die Europäer an der Reihe, die Regulierungsbehörde von den Argumenten für Netzneutralität zu überzeugen!
Telekom Deutschland will künftig auch bei der Spotify-Flatrate die Geschwindigkeit drosseln. Schuld gibt der deutsche Konzern der EU-Verordnung zur Netzneutralität, die die weitgehende Gleichbehandlung des Datenverkehrs festschreibt (jedoch mit unklaren Ausnahmen). So sollen „vergleichbare Situationen nicht unterschiedlich und unterschiedliche Situationen nicht gleich behandelt werden“.
Auch bei der Überarbeitung des Rechtsrahmens auf dem europäischen Telekommunikationsmarkt will die Telekom mit halb-lauteren Methoden mitspielen und diktiert der deutschen Bundesregierung ihre Wünsche, die diese nur allzugerne übernimmt und eins-zu-eins an die EU-Kommission übergibt.
BND: Geburtstag ohne Reform
Das Bundeskanzleramt hat die Reform des Auslandsgeheimdienstes BND auf Eis gelegt. Dabei wäre doch der sechzigste Geburtstag der Schlapphüte ein schöner Anlass gewesen, den Laden etwas besser zu kontrollieren. Wir haben uns mal umgehört, wie Abgeordnete das „auf Eis legen“ der Reform auf Schäubles Intervention finden: Und siehe da, sowohl die SPD wie Grüne sind gar nicht amused über die Verzögerung. Nur – war die SPD nicht auch Teil der Regierung?
Beunruhigendes aus Uganda und Vietnam
Ausgehend von einer Länderstudie durch Privacy International (PI) berichteten wir von der exemplarisch über die Überwachungspraxis in Uganda. Im Gegensatz zu Aussagen der Regierung ist der Ausmaß an Überwachung im korrupten Uganda relativ gering, was an mangelnder Technik(kompetenz) sowie der hohen Bestechlichkeit der Beamten liegt.
Die Basisstudie „State of Surveillance“ untersucht verschiedene Länder weltweit entlang der Kategorien Kommunikationsstatistiken, Zivilgesellschaft, internationaler und nationaler Rechtsrahmen, Datenschutzmaßnahmen, wichtige staatliche und wirtschaftliche Akteure, vorhandene Überwachungstechnologien und bekannte Fälle von Überwachung.
Außerdem thematisierten wir die Verurteilung des vietnamesischen Bloggers Nguyen Huu Vinh und seiner Assistentin Nguyen Thi Minh Thuy. Die Beiden berichteten über soziale und wirtschaftliche Themen sowie Demokratie und kritisierten auch die Politik der vietnamesischen Regierung. Sie wurden zu fünf Jahren Haft verurteilt, rund 100 Demonstrierende solidarisierten sich vor dem Gerichtsgebäude.
Wissenschaftliche Gutachten und Zahlen gegen die Massenüberwachung
Laut einem Report von onlinecensorship.org löscht Facebook weit mehr Inhalte als die eigenen Richtlinien vorschreiben. Die Webseite sammelte seit November 2015 entsprechende Fälle verschiedener Social-Media Plattformen, um so mehr über die gängige Löschungspraktiken zu erfahren.
Wie wir berichteten, sind auf der Seite sehrgutachten.de die veröffentlichten Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages einsehbar. Wir haben die gut 2000 Dokumente ein bisschen durchgesehen und eine netzpolitische Leseempfehlung erstellt.
Für Aufsehen sorgte diese Woche das Bekanntwerden von Sicherheitsproblemen bei SAP. Der viertgrößte Softwarehersteller der Welt ließ im Update-Prozess seiner Programme dem Kunden die Wahl, eine unverschlüsselte oder verschlüsselte Verbindung zu nutzen. Bei letzterer ließen sich Datenpakete abfangen und manipulierte Pakete einschleusen.
Mit öffentlich verfügbaren Daten zu Terroranschlägen zeigte Kolummnist Sascha Lobo die Unsinnigkeit von Massenüberwachung auf. Demnach seien sämtliche identifizierte Täter der letzten fünf islamistischen Attentate auf europäischem Boden den Behörden bekannt gewesen.
An der Universität Arizona diskutieren die drei Kritiker von staatlicher Überwachung Snowden, Chomsky und Greenwald über Privatsphäre. Das interessante Gespräch wurde auf Video aufgezeichnet.
Die Stadt New York führt 10.000 kostenlose W‑LAN Hotspots ein. Diese erfreuliche Nachricht wurde allerdings von datenschutzrechtlichen Bedenken überschattet, denn die Säulen sind mit einer Kamera, Temperatursensoren und Mikrofonen ausgestattet. Außerdem werden die Mailadressen sowie die besuchten Seiten der Nutzer gespeichert. Auch in Berlin ist ein entsprechendes, wenn auch weitaus kleineres Projekt geplant, das hoffentlich ohne derart invasive Begleitmaßnahmen auskommen wird.
Besorgnis bereitete außerdem die zunehmende Intransparenz der US-Behörden. 4 von 5 Antworten auf Anfragen wurden entweder abgelehnt oder geschwärzt.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 12: Trauerstimmung und Geburtstagsfeier
(Foto: Wikipedia unter CC BY-SA 3.0) : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 12: Trauerstimmung und Geburtstagsfeier Die abscheulichen terroristischen Anschläge von Brüssel dominierten diese Woche die Medienlandschaft. In einem Kommentar diskutierten wir die möglichen netzpolitischen Folgen dieser feigen Attentate und rieten zu Besonnenheit, Rechtsstaatlichkeit sowie zu mehr Freiheit und Demokratie als Antwort auf den Terror, an Stelle populistischer Forderungen nach mehr Überwachung. Denn wenn wir die demokratischen Säulen umstoßen und unsere Grundrechte aushöhlen, zu denen auch Privatsphäre und Datenschutz gehören, spielen wir den Terroristen in die Hände.
Der Netzpolitische Wochenrückblick fasst die wichtigsten Meldungen der letzten sieben Tage zusammen und kann auch als E‑Mail-Newsletter abonniert werden.
In ihrem Bericht aus Brüssel stellte Kirsten Fiedler klar, dass die Stadtteile, aus denen die Attentäter stammten, relativ zentral in Brüssel liegen. Die Täter stammten somit aus der Mitte der Gesellschaft, sind Bürger europäischer Staaten und lebten nicht am Rande der Gesellschaft, wie viele Medienberichte implizierten. Sie kritisierte die Forderungen nach einer Fluggastdatenüberwachung, denn schließlich seien die Terroristen von Brüssel wie auch Paris nicht zum Tatort geflogen. Auch die massenhafte Vorratsdatenspeicherung ließe sich durch Wegwerf-Handys einfach umgehen und scheine deswegen wenig effektiv. Stattdessen plädierte sie für eine evidenzbasierte Sicherheitspolitik mit gezielten Ermittlungen und präventiven Maßnahmen. Nur so ließe sich eine Radikalisierung aus der Mitte unserer Gesellschaft nachhaltig bekämpfen.
Happy Birthday Twitter
Anlässlich des zehnten Geburtstags von Twitter zog Markus Beckedahl ein Resümee über seine persönlichen Erfahrungen mit der Plattform und dankte für zehn Jahre Informationen durch 140 Zeichen. Darin betonte er die berufliche Nutzung des Dienstes als Informationsquelle. Gerade in den Branchen Politik und Journalismus sei das Medium nicht mehr wegzudenken. Außerdem lobte er die noch Algorithmus-freie chronologische Anzeige der Tweets und plädierte für eine zensurfreie Zukunft von Twitter.
Zudem berichteten wir über das Phänomen der Fake-Accounts, das den Kurznachrichtendienst seit jeher begleitet. So haben wir die besten, originellsten und witzigsten Fake-Tweets der letzten Jahre zusammengestellt und aufklärend kommentiert.
Nicht auf Twitter, sondern auf Facebook spielte sich die Farce ab, die der CDU-Frau Vera Lengsfeld neben der „Mausrede des Tages“ die genauso zweifelhafte Auszeichnung „Goldener Storch“ einbrachte. Die Politikerin und Publizistin veröffentlichte einen fragwürdigen Beitrag auf der Plattform, versuchte sich dann aber herauszureden und meinte, sich lediglich verklickt zu haben.
Drohnenkrieg, Whistleblower und Journalisten
Auf einer Podiumsdiskussion in Berlin schilderte der ehemalige Drohnen-Operator Brandon Bryant den Alltag eines Drohnen-Piloten und erzählte etwa, wie er und seine Familie bedroht und beschimpft wurden, als er mit seinen Berichten an die Öffentlichkeit ging. Der Whistleblower sprach sich für einen breiteren Protest der deutschen Bevölkerung gegen Drohnenkriege aus. Diskutiert wurde auch die Rolle Deutschlands und des BNDs hinsichtlich der Unterstützung der US-Drohneneinsätze. Die komplette Diskussion gibt es hier als mp3 zum Nachhören.
Auf dem Logan CIJ-Symposium trafen Investigativjournalisten und IT-Sicherheitsexperten auf die Realität von Whistleblowern. In einer Brandrede brachte etwa Jacob Appelbaum das Kernproblem auf den Punkt, unter dem Whistleblower und investigative Journalisten leiden: Nicht jeder, der an einer journalistischen Veröffentlichung mitwirkt, ist in seiner Arbeit automatisch durch Journalistenprivilegien geschützt.
Wende im Streitfall FBI vs. Apple
Interessante Neuigkeiten gab es diese Woche zum Streit zwischen Apple und der US-Regierung. In einem Antrag der Regierung hieß es, das FBI sei zum Umgehen der Sicherheitsmaßnahmen des iPhones eines der Attentäter von San Bernardino nicht mehr auf die Mithilfe von Apple angewiesen. Zuvor hatte ein Gericht das kalifornische IT-Unternehmen dazu zwingen wollen, der Ermittlungsbehörde eine iOS-Version mit eingebauter Hintertür zur Verfügung zu stellen. Apple hatte dagegen Berufung eingelegt und, flankiert von einem offenen Brief des CEOs Tim Cook, eine öffentliche Debatte über staatlich verordnete Hintertüren entfacht.
DYI-Geheimdienst
Bei einer Ausstellungseröffnung legte BND-Chef Gerhard Schindler offen, was den Geheimdienst zu einem attraktiven Arbeitgeber für IT-Fachkräfte macht: „Bei den ITlern ist es oft so, dass sie deshalb gerne zu uns kommen, weil sie das machen dürfen, was sonst gesetzlich verboten ist.“ Das erklärt natürlich all die Rechtsverstöße, die im NSA-Untersuchungsausschuss schon in mehreren Fällen aufgedeckt wurden.
Für obsolet hält Innenminister Thomas de Maizière offenbar Sicherungsmechanismen wie das Trennungsgebot und forderte in den Medien eine Verknüpfung der nationalen Datenbanken europäischer Polizeibehörden und Geheimdienste. Vom Parlament dazu befragt fallen die Antworten jedoch sichtlich zurückhaltender aus.
Mit der NSA als Vorbild sammeln niederländische Netzaktivisten öffentlich verfügbare Datenschnipsel ihrer Mitbürger, um sie in einer Datenbank unter dem Titel „National Birthday Calendar“ zu veröffentlichen. Das Kollektiv „Setup“ will so das Bewusstsein für das alltägliche und massenhafte Speichern von persönlichen Informationen fördern.
Passend dazu fand eine Studie heraus, dass staatliche Überwachung das Online-Verhalten von Internetnutzern beeinflusst und die Bereitschaft sinken lässt, sich öffentlich zu eigenen Ansichten zu bekennen.
Input zu EU-Konsultationen und Störerhaftungs-Petition gebraucht
Die EU-Kommission will Meinungen zum Thema „Geistiges Eigentum“ mit einer Online-Konsultation einholen und damit eine Gesetzesänderung im Bereich des Urheberrechtes vorbereiten. Die noch geltende EU-Richtlinie von 2004 soll von Bürgern, Rechteinhabern oder Anwälten hinsichtlich ihrer Effektivität und Angemessenheit eingeschätzt werden. Parallel dazu hat die Kommission Online-Konsultationen zu einem möglichen Leistungsschutzrecht auf europäischer Ebene sowie zur Panoramafreiheit gestartet.
Rege Beteiligung kann auch eine deutsche Online-Petition gut gebrauchen, die der Störerhaftung endgültig den Garaus machen will. Diese findet mittlerweile nicht einmal mehr bei Verkehrsminister Dobrindt oder dem Wirtschaftsrat der CDU Unterstützung.
(Nicht-)Zugang zu Wissen
Aus der IFG-Ablehnung des Tages ging hervor, dass die Bundestagsverwaltung über keine Dokumente verfügt, die auf eine Täterschaft eines russischen Geheimdienstes beim Bundestagshack hinweisen würden. Zudem könnten auch sonst keine Informationen herausgegeben werden, da dies nachteilige Auswirkungen auf die innere und äußere Sicherheit Deutschlands hätte. Das Informationsfreiheitsgesetz hilft auch in Fällen nicht weiter, wenn es zu Rechtsverstößen in der Privatwirtschaft kommt. So blockiert das Bundesverkehrsministerium weiterhin die Aufklärung des Abgasbetrugs bei Volkswagen und weiteren Autoherstellern („Diesel-Gate“) und verweigert die Auskunft über Details der Abgasmanipulationen.
Schon lange setzen sich alle maßgeblichen öffentlichen Wissenschaftsorganisationen für „Open Access“ ein, also für einen möglichst offenen Zugang zu öffentlich finanzierter Forschung. Unter Federführung der Max-Planck-Gesellschaft will die neue Initiative „Open Access 2020“ diesen Ansatz auf breiter Front zum Standard machen. So sollen alle bereits etablierten Zeitschriften „befreit“ und den Steuerzahlern zugänglich gemacht werden.
Findige Wikipedia-Nutzer in Angola haben es geschafft, eines der fragwürdigen Zero-Rating-Angebote auf den Kopf zu stellen, das Zugriffe auf das Onlinelexikon vom monatlichen Transfervolumen ausnimmt. So gelang es ihnen, mitunter urheberrechtlich geschützte Dateien in Wikipedia-Artikeln zu verstecken und die Plattform so zur kostenlosen Tauschbörse zu machen.
Aus „Gründen der nationalen Sicherheit“ wurden während der Präsidentschaftswahlen in der Republik Kongo für zwei Tage sämtliche Telefon‑, Internet- und SMS-Dienste abgeschaltet. Wenig überraschend gelang dem Präsidenten Denis Sassou-Nguesso die Wiederwahl, die erst durch eine Verfassungsänderung im vergangenen Oktober möglich gemacht wurde. Proteste dagegen hatte die Regierung damals schon mit ähnlichen Maßnahmen erwidert.
Außerdem schrieben wir über die Digitalisierung der Verwaltung und den damit verbundenen Risiken und Chancen. Thematisiert wurden auch die Praxis der Weitergabe von Meldedaten an die Bundeswehr sowie der zugehörige Protestaufruf der Internationalen Liga der Menschenrechte e. V. Zudem befassten wir uns mit den zwei Seiten und den Potentialen der „Sharing Economy“, die längst nicht alle Versprechen einlösen kann, und stellten uns die Frage: Was ist eigentlich ein Roboter?
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 11: Netzgemeinde, NSAUA und Netzsperren
Der Zeuge wies jede Verantwortung von sich (Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/51034459@N03/">Laura R/flickr</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/">CC BY-NC 2.0</a>) : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 11: Netzgemeinde, NSAUA und Netzsperren Vom Leistungsschutzrecht ist schon seit längerem nichts mehr zu hören gewesen. Wir haben Akten gewälzt und herausgearbeitet, wie die „Netzgemeinde“ beim Gesetzgebungsverfahren ignoriert worden ist. Dieses und mehr Themen in unserem Netzpolitischen Wochenrückblick.
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Die Netzgemeinde & das Leistungsschutzrecht
Das Leistungsschutzrecht stand von Anfang an unter keinem guten Stern: Entstanden unter Druck der Verlegerlobby, wird es bislang kaum genutzt und beschäftigt vor allem die Gerichte. Durch eine IFG-Anfrage haben wir Dokumente zum Entstehungsprozess des Gesetzes erhalten, die zeigen, dass die Bundesregierung sich vor allem um die Beziehungen zu den Verlegern Sorgen machte und wenig um die Bedenken der Zivilgesellschaft und Bürgerrechtsorganisationen.
Auch ein weiteres Gesetzesvorhaben der Bundesregierung hat einen Dämpfer bekommen: Der Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof hat sich im Verfahren zur Störerhaftung gegen die Pläne der Bundesregierung ausgesprochen. Es könne Anbietern von offenen WLANs nicht zugemutet werden, diese mit Passwörtern zu versehen und die Kommunikation zu verfolgen.
Steinmeier vorm NSA-Untersuchungsausschuss
Am Donnerstag war Frank-Walter Steinmeier als Zeuge vor dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss geladen. Er rechtfertigte die in seiner Zeit als Kanzleramtsminister vertraglich festgehaltene Zusammenarbeit zwischen BND und NSA mit den Anschlägen des 11. September 2001 und zeigte sich erstaunt vom Ausmaß der Überwachung der US-Amerikaner. Er habe davon nichts gewusst und auch von problematischen Selektoren will er erst später gehört haben. Nachzulesen sind Steinmeiers Aussagen in unserem Liveblog und der Zusammenfassung.
Den Stein ins Rollen gebracht hatten ja 2013 die Leaks von NSA-Dokumenten durch Edward Snowden. Auf ihrer Jagd nach ihm wollte das FBI an sein E‑Mail-Postfach bei Lavabit, wie jetzt durch schlecht geschwärzte Gerichtsakten erstmals zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Lavabit wurde damals als Reaktion auf die Ermittlungen von seinem Gründer eingestellt.
Netzsperren wieder auf dem Tisch?
Wenn es nach der CSU-Politikerin Monika Hohlmeier geht, dann gibt es schon bald Netzsperren in der EU. Sie sollen den Zugang zu „Internetseiten, die öffentlich zur Begehung einer terroristischen Straftat anstiften“ verhindern. Hohlmeier hat den Passus in Form eines Änderungsantrags für den Vorschlag der Kommission zur Terrorismusbekämpfung eingebracht.
Netzpolitik weltweit: Südafrika, Tibet, Nigeria
Über die netzpolitischen Diskussionen in Südafrika hat Constanze geschrieben, die gerade eben dort war. Sie berichtet von einem drohenden Internet-Zensur-Gesetz, der Überwachung von Journalisten und Plänen für eine Vorratsdatenspeicherung. Weiter nördlich, in Nigeria, plant die Regierung die Einschränkung der Meinungsfreiheit im Netz. Dieser geht es auch in Tibet an den Kragen: Zum wiederholten Mal wurden dort Oppositionelle zum Ziel von Hackerangriffen.
Wochenendlektüre
Denjenigen, die in der Woche nicht zum Lesen etwas längerer Artikel kommen, seien zwei interessante Beiträge zur Wochenendlektüre empfohlen: Leonhard Dobusch schreibt über die Expertenschwemme als Antwort auf die Informationsflut im digitalen Zeitalter.
Gegen das zuletzt im Handelsblatt vorgetragene Argument, dass Open Source ein Sicherheitsproblem darstellt, hat Björn Schießle von der Free Software Foundation Europe eine Replik geschrieben: „Die Freiheit der Software – also die Möglichkeit diese für jeden Zweck zu verwenden, zu untersuchen, weiterzugeben und abzuändern – stellt aber eine notwendige Bedingung für Sicherheit dar.“
Last but not least: Es ist anscheinend immer noch kinderleicht, an sensible Patientendaten zu kommen. Die bei mindestens vier Krankenkassen festgestellte Sicherheitslücke besteht weiterhin bei dreien von ihnen.
Wir wünschen trotzdem ein schönes Wochenende!
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 10: Piraten, Plugins, Protokolle
(Foto: Sara&Joachim unter CC BY-SA 2.0) : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 10: Piraten, Plugins, Protokolle Diese Woche haben wir ausführliche Informationen zum Bundestagshack veröffentlicht und die Wahlprogramme von Parteien dreier Bundesländer einem netzpolitischen Check unterzogen. Außerdem ging es um US- und EU- Drohnen, Datentracking und vieles mehr.
In unserem Netzpolitischen Wochenrückblick erhaltet ihr einen Überblick über die wichtigsten Meldungen der letzten 7 Tage. Um auch in Zukunft über alles Wesentliche rund um Internet, Politik und Gesellschaft informiert zu bleiben, abonniert einfach unseren Newsletter.
Informationen und Hintergründe zum Bundestagshack
Letztes Jahr wurde der deutsche Bundestag Opfer eines Hackangriffs. Allerdings waren seriöse Informationen zu dem Vorfall Mangelware. Das änderte sich Anfang dieser Woche. Mit der Veröffentlichung der Protokolle der IuK-Kommission des Bundestages durch netzpolitik.org in Kooperation mit dem Linux-Magazin erhält man nundetaillierte Einblicke zu dem Vorfall. In einer Chronologie der Ereignisse lässt sich die Abfolge der Geschehnisse übersichtlich nachvollziehen.
Die Protokolle zeigen unter Anderem die Überforderung der IT-Abteilung des Bundestages und die schlechte Kommunikation zwischen IuK-Kommission und Abgeordneten. Erkenntnisse zu den Verantwortlichen und den Motiven des Angriffs sind weiterhin unklar. Gerüchte, Russland stecke hinter dem Hack, konnten nicht bestätigt werden.
Mittlerweile geht man stark davon aus, dass die Angreifer einen Geheimdienst-Hintergrund haben. Daher hat im Januar 2016 – acht Monate nach Bekanntwerden des Angriffs – der Generalbundesanwalt Ermittlungen aufgenommen.
Wir werden über den weiteren Vorgang berichten und sind gespannt auf die Ermittlungsergebnisse des Generalbundesanwalts. Am Ende des entsprechenden Artikels könnt ihr zudem alle Statements nachlesen, die wir bisher einholen konnten.
Wahlprogramm-Check anlässlich der Landtagswahlen 2016
Kommenden Sonntag stehen gleich in drei Bundesländern die Wahlen zum Landtag an. Das war Anlass für uns, die netzpolitischen Vorhaben der Parteien einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Deswegen haben wir uns die Wahlprogramme von CDU, FDP, Grüne, SPD, AfD und Linke in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt angeschaut. Untersucht wurden Standpunkte rund um Transparenz und Informationsfreiheit, Infrastruktur und Breitbandausbau, digitale Zukunft und freie Software, Sicherheitspolitik und Datenschutz sowie Bürgerrechte und Geheimdienste.
Die Ergebnisse der Analyse haben wir in übersichtlichen Grafiken veranschaulicht, sowie Auszüge der jeweiligen Wahlprogramme zu den entsprechenden Themen zitiert. Auf Bitte einiger unserer Leser haben wir die Übersicht noch um die Positionen der Piratenpartei ergänzt.
Wenn ihr also aus einem der Bundesländer kommt, solltet ihr am Sonntag euer demokratisches Grundrecht wahr nehmen und wählen gehen.
Was sonst noch wichtig war
Das Düsseldorfer Landesgericht hat in einem Urteil am Mittwoch die Datenerhebung durch sogenannte „Social-Plugins“ ohne Zustimmung der Nutzer für unrechtmäßig erklärt. Hintergrund war eine Klage der Verbraucherschutzzentrale NRW gegen ein Bekleidungsunternehmen. Das Urteil könnte weitreichende Folgen für sämtliche Formen des Datentracking haben. Es ist allerdings nocht nicht rechtskräftig.
Passend dazu berichteten wir über eine Studie, die Tracking durch Drittanbieter auf einer Million Webseiten untersuchte. Das Ergebnis war unter Anderem, dass Google auf 78 Prozent der Seiten vertreten sei, dahinter liegen Facebook mit 32, Akamai mit 23 und mit Twitter 18 Prozent.
Auf Drängen der Kampagne FragDenBundestag hatte dieser vergangenen Januar etliche Gutachten in einer Linksammlung veröffentlicht. Die Plattform sehrgutachten hat die 1500 Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages nun in einer Datenbank auf ihrer Webseite aufgenommen.
Zwei unserer Artikel hatten diese Woche Drohneneinsätze zum Thema. Medienberichten zufolge hat das US-Verteidigungsministerium in mehreren Fällen seit 2006 Drohnen zum Ausspähen über dem eigenen Land benutzt. Auch die EU will in Zukunft vermehrt Drohnen einsetzen. Aus Umweltschutzgründen und zur besseren Grenzüberwachung seien Einsätze der unbemannten Flugkörper über dem Mittelmeer geplant.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 9: Der Cyberzähler läuft heiß
Der Ailurus Fulgens, gemeinhin bekannt als Roter Panda (Foto: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Brunswyk">brunswyk</a> unter <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>) : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 9: Der Cyberzähler läuft heiß In dieser Woche haben uns nicht nur die Morddrohungen gegen einen Sahnetorten-werfenden Clown beschäftigt, sondern auch die Pläne für ein gemeinsames polizeiliches Überwachungszentrum und die Cyberaktivitäten der Bundeswehr.
Im Folgenden der Überblick über die wichtigsten Themen und Artikel der letzten sieben Tage, der auch als Newsletter abonniert werden kann.
Staatsvertrag zum Geheimen Überwachungszentrum
Regelmäßig werden durch anonyme Quellen Dokumente aus öffentlichen Behörden und Unternehmen geleakt. Auch die Berichterstattung von netzpolitik.org basiert auf solchen Informationen. Eines unserer Grundprinzipien ist es, uns zugespielte Dokumente wenn möglich auch zu veröffentlichen und durch einen Artikel einzuordnen. Unsere Redakteurin Anna Biselli hat in einem Beitrag für das Magazin prager frühling über die Bedeutung von Leaks für die öffentliche Debatte geschrieben:
Leaking ist Transparenz von unten, wo der Staat verfehlt, von sich aus genügend Informationen bereitzustellen, um eine gesellschaftliche Diskussion über Grundrechtsgefährdungen zuzulassen.
In dieser Woche haben wir gleich mehrere Dokumente veröffentlicht. Unter ihnen den Entwurf für den Staatsvertrag zum Geheimen Überwachungszentrum. Die Bundesländer Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen planen die Telekommunikationsüberwachung ihrer Polizeibehörden in einer zentralen Behörde zu bündeln. Über die Aufgaben, Befugnisse und Kosten dieser Behörde gibt es im Staatsvertrag nun endlich etwas genauere Informationen. Bisher waren nicht einmal die Landtags-Abgeordneten der betroffenen Bundesländer über den aktuellen Planungsstand informiert. Wir hoffen mit dieser Veröffentlichung, wie auch mit jeder anderen, eine öffentliche Debatte anzustoßen.
Der Cyberzähler läuft heiß
Die „Cyberaktivitäten“ der Bundeswehr waren in dieser Woche mehrmals Thema bei uns: Aus dem Verteidungsausschuss berichtet Fabian Warislohner über die vierstündige Sachverständigenanhörung zum Einsatz der Bundeswehr im Internet. Es ging neben den verfassungsrechtlichen Grundlagen und der notwendigen Mandatierung auch um die Frage der Attribution, also Zuordnung von Cyberattacken. Am Ende hatte unser Cyberzähler übrigens 128 Mal das etwas überstrapazierte Wörtchen erfasst.
Dass die Bundeswehr aber nicht nur eigene Systeme schützt, sondern auch ihre offensiven Fähigkeiten ausbaut, geht aus einem von uns veröffentlichten Sachstandsbericht des Bundesverteidigungsministerium hervor. Für diejenigen Leser*innen, deren Cyber-Toleranzgrenze noch nicht überschritten ist, empfiehlt sich das öffentliche Fachgespräch der Linksfraktion im Bundestag zur Militarisierung der Netze am Mittwoch nächster Woche.
Kritik an Privacy Shield & EU-Datenschutzverordnung
Begonnen hatte unsere Woche mit der Veröffentlichung der Vorhabendokumentation der Bundesregierung. Sie gibt Auskunft über geplante Gesetze und andere Vorhaben der einzelnen Ministerien. Im Bundestag war die EU-Datenschutzgrundverordnung Thema: Grundsätzlich sei sie zu begrüßen, aber es gebe großen Verbesserungsbedarf, monierten die geladenen Sachverständigen in einer Anhörung. Kritik ist auch am neuen EU-US-Datenabkommen Privacy Shield angebracht, zu dem die EU-Kommission am Montag weitere Dokumente veröffentlichte. Wir haben mal hinein geschaut und urteilen: „Safe Harbor in neuem Anstrich.“
Internationale Erfolgsmeldungen
Konstruktiver und lösungsorientierter Journalismus ist neuerdings ja in aller Munde, daher hier nun ein paar Erfolgsmeldungen aus aller Welt: In Indien hat das Parlament erfreulicherweise eine Richtlinie verabschiedet, nach der zukünftig kein Patentanspruch mehr genehmigt wird, der nur im Bereich der Software liegt. Ein positiver Schritt um den Softwarepatente-Wahnsinn zu beenden.
In Großbritannien hat eine Kampagne von 140 Nichtregierungsorganisationen dazu geführt, dass eine durchweg mit Transparenzgegnern besetze Kommission nun wider Erwarten für Informationsfreiheit eintritt. Aus den USA kommt die Meldung, dass ein New Yorker Gericht Apple in seiner juristischen Auseinandersetzung um die Entsperrung von verschlüsselten iPhones den Rücken stärkt.
Es soll ja noch Leute geben, die die Oscar-prämierte Dokumentation „Citizenfour“ über die Enthüllungen von Edward Snowden immer noch nicht gesehen haben. Für jene dieser Hinweis: Sie ist aktuell mal wieder in der NDR-Mediathek zum Streamen verfügbar.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 8: Legal, illegal, ganz egal
Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/sheila_sund/13842546295/">sheila_sund</a> : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 8: Legal, illegal, ganz egal Ein großes Hallo zum Netzpolitischen Wochenrückblick! In dieser Woche hat uns in der Redaktion vor allem die Genehmigung des Staatstrojaners beschäftigt, dessen fehlende Rechtsgrundlage für viel Kritik sorgt.
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Für Belustigung in der Redaktion sorgten unterdessen die Twitter-Pöbeleien eines CDU-Politikers, der uns vorwarf unseriösen Journalismus zu betreiben. Und das einen Tag, nachdem wir vom Bundestag, in dem der gute Mann ja auch selbst sitzt, den zweiten Platz beim Medienpreis Politik 2015 verliehen bekommen haben.
Legal, illegal, ganz egal: Staatstrojaner genehmigt
Anfang dieser Woche wurde durch Medienberichte bekannt, dass der Einsatz des Staatstrojaners durch das Bundesinnenministerium genehmigt wurde. Mit ihm können laufende Telekommunikationsvorgänge auf Computern und Smartphones, wie zum Beispiel Skypegespräche, abgehört werden. Den letzten funktionsfähigen Staatstrojaner musste das Bundeskriminalamt übrigens
20082011 aufgrund einer vernichtenden Analyse des Chaos Computer Clubs aus dem Verkehr ziehen. Mal sehen, wie lange es diesmal dauert.Der Einsatz von Staatstrojanern entbehrt aus unserer Sicht jeglicher rechtlichen Grundlage, wir halten ihn sogar für verfassungswidrig. Und wir stehen mit dieser Kritik nicht alleine da: Auch die Bundesdatenschutzbeauftragte, SPD-Politiker, Abgeordnete der Opposition und der Vizevorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter sind der Ansicht, dass die Strafprozessordnung bisher keine ausreichende Grundlage für einen Trojaner-Einsatz enthält. Die dürftige Rechtsgrundlage gibt das zuständige Bundesinnenministerium auch selbst zu, ignoriert diese aber geflissentlich und schiebt die Verantwortung lieber auf die Richter ab, welche über einen Einsatz entscheiden sollen.
NSAUA: „Entzieht sich meiner Kenntnis“
Im Geheimdienst-Untersuchungsausschuss wurden am gestrigen Donnerstag gleich drei ZeugInnen hintereinander vernommen. Ot gehörter Satz war zum erneuten Mal: „Entzieht sich meiner Kenntnis.“ Thema dieser Sitzung waren unter anderem der Test der Überwachungssoftware XKeyscore durch den Verfassungsschutz, die Rolle des US-Drohnenstützpunktes Ramstein im Drohnenkrieg und die Weltraumtheorie. Über die Entstehungsgeschichte dieser waghalsigen juristischen Konstruktion gibt es neue Informationen, welche nahelegen, dass sie nur zu Täuschung erfunden wurde.
Der ebenso kruden Funktionsträgertheorie hat sich derweil die Bundesdatenschutzbeauftragte angenommen und das Abhören von für ausländische Firmen und Behörden arbeitenden Deutschen als „nicht verfassungskonform“ bewertet. Und wo wir schon einmal beim Abhören sind: Die NSA hat wohl neben Merkel noch eine Reihe weiterer SpitzenpolitikerInnen abgehört. Ja, so ist das halt „unter Freunden“.
Weitere Meldungen in Kürze
Im Alltag war bislang nichts von den Auswirkungen des Stopps der Safe-Harbor-Regelung zu spüren, doch das hat sich diese Woche geändert: Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hat erste Bußgelder für Unternehmen angekündigt, die weiterhin unter Bezugnahme auf das gerichtlich gekippte Abkommen Daten von EU-BürgerInnen in den USA speichern.
Die britische NGO Privacy International hat Dokumente veröffentlicht, die nahelegen, dass der ägyptische Geheimdienst TRD in großem Stil Überwachungstechnik in Europa eingekauft hat. In Folge der Drei-tägigen Social-Media-Sperre in Uganda während der dortigen Präsidentschaftswahl ist die Nutzung von VPNs und dem Tor-Browser rapide gestiegen, wie Andrea bei uns geschrieben hat.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 7: Niemand traut der NSA
<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/legalcode">CC BY-ND 2.0</a> via Flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/tambako/9262371425/"> Tambako The Jaguar</a> : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 7: Niemand traut der NSA Diese Woche gab es endlich wieder eine Sitzung des Geheimdienst-Untersuchungsausschusses. Nach ungewöhnlich langer, zweiwöchiger Pause gab es dann aber auch direkt einen Zeugen, der für das Mittippen eine echte Herausforderung war. Der Zeuge konnte nicht nur wahnsinnig schnell reden, sondern auch gänzlich ohne unnötige Pausen, Satzzeichen oder „Äh„s und „Ähm„s. Inhaltlich war der Zeuge dann leider trotzdem etwas mau, die Koalition scheint wohl wieder mit belanglosen Zeugen auf Zeit spielen zu wollen.
Ordentlich feiern konnten diese Woche dafür hunderte Antragsteller der Wissenschaftlichen Gutachten des Bundestages. Sie haben es geschafft, dass der Bundestag die Gutachten proaktiv veröffentlichen möchte. Eine gute Idee, wie wir finden, besser spät als nie.
Wir wünschen euch ein schönes Wochenende und viel Spaß mit den Gutachten, wir gehen mal unseren Preis aufhängen.
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Team des Jahres
Wir sind bei den Verleihungen der „Journalisten des Jahres“ vom Medium Magazin zum „Team des Jahres 2015“ gekürt worden. Die Begründung und ein Video der Preisverleihung gibt es hier. Wer bei einem preisgekrönten Team mitarbeiten möchte, ist übrigens herzlich eingeladen, sich bei uns zu bewerben: Wir suchen eine Büroleitung.
Erfolg bei Bundestagsgutachten
Die Helden der Woche sind aber nicht wir, sondern eindeutig die Leute bei FragDenStaat und Abgeordnetenwatch. Sie sind verantwortlich für die Internetseite FragDenBundestag, mit der es möglich war, tausende Anfragen an den Bundestag zu dessen Wissenschaftlichen Gutachten zu stellen. Der Bundestag hat sich nun entschlossen, die Gutachten nach und nach direkt auf bundestag.de zur Verfügung zu stellen. Wir werden natürlich genau darauf achten, dass das auch so passiert, es sieht bisher aber ganz gut aus, die ersten Gutachten sind schon online. Gratulationen gehen selbstverständlich auch an die vielen fleißigen Antragsteller_innen!
Live-Blog, BfV, XKeyscore und die Selektoren
Viel Neues gibt es auch zu dem Überwachungsprogramm XKeyscore im Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Im Geheimdienst-Untersuchungsausschuss kam heraus, dass der Verfassungsschutz von BND und NSA regelrecht gedrängt wurde, das Programm einzusetzen. Über die erwarteten Gegenleistungen oder die erhofften Effekte seitens des BND und der NSA ist leider noch nichts bekannt.
XKeyscore ist ein Programm, entwickelt von der NSA, mit dem Daten aus Massenüberwachungen analysiert werden können. Der Verfassungsschutz darf allerdings keine Massenüberwachungen durchführen. Eingerichtet wurde es im BfV von A. Sch., einem Mitarbeiter des BND, der bereits Zeuge im Untersuchungsausschuss war. Interessant ist aber nicht nur, was das BfV unerlaubterweise macht, sondern auch, dass das BfV der NSA nicht so richtig über den Weg zu trauen scheint, denn das Programm befindet sich seit drei Jahren im „Testbetrieb“ auf einem Server ohne Netzanbindung. Im Geheimdienst-Untersuchungsausschuss kam heraus, dass der Verfassungsschutz nicht an den Quellcode der Software herankommt und sich offensichtlich nicht traut, das Programm in ihrem Netzwerk zu betreiben, unter Umständen wegen der Angst, die NSA könnte über Hintertüren an die Daten gelangen.
Während die Koalition den Geheimdienst-Untersuchungsausschuss am Donnerstag mit zwei eher weniger relevanten Zeugen aus dem Verteidigungsministerium aufhielt, stellte die Opposition einen Antrag auf Erweiterung des Untersuchungsgegenstandes des Ausschusses. Nachdem herauskam, dass sich der BND offenbar auch mit eigenen Selektoren mächtig ins Zeug gelegt hatte, deutsche und europäische Interessen zu verletzen, sollen nun auch diese Selektoren Bestandteil der Untersuchung werden.
Bevor sich der Verdacht über die BND-eigenen Machenschaften erhärtete, war die NSA-Selektorenliste immer wieder ein großes Thema. Die Opposition und das Parlamentarische Kontrollgremium hatten auf Herausgabe der Liste geklagt, da die Bundesregierung sich bisher standhaft weigert, die Liste herauszugeben. Nun wurde bekannt, dass das zuständige Bundesverfassungsgericht noch dieses Jahr darüber entscheiden möchte.
Zusammenfassung der Netzneutralität
Wer die Netzneutralität in den letzten Wochen in unserer Berichterstattung vermisst hat, sollte mal einen Blick in den Artikel von unserem Autor Thomas Lohninger werfen. Der Artikel bietet eine ausführliche Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse und einen Ausblick darauf, wie es weitergeht.
Cryptowars – Hintertüren für das iPhone
Diese Woche ist auch die Debatte über Verschlüsselung wieder heftig entbrannt. Ein US-Bundesgericht hatte Apple aufgefordert, Hintertüren für iPhones zu entwickeln, um ein iPhone von einem der Attentäter von San Bernardino knacken zu können. Apple weigert sich bisher, der Aufforderung nachzukommen, da mit der geforderten Technik nicht nur das eine, sondern jedes iPhone unsicher wäre.
Cyber, Cyber – Schönbohm und der Cyber-Raum der Bundeswehr
Die Bundesregierung hat einmal mehr ihre netzpolitische Inkompetenz bewiesen, indem sie Arne Schönbohm, einen unter Lobbyismusverdacht stehenden und rüstungsnahen Betriebswirt, zum neuen Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik ernannt hat. Schönbohm, der unter dem Pseudonym Cyberclown bekannt geworden ist, steht nun in einer Reihe mit den anderen Cyberprofis der Personalpolitik der Bundesregierung: Cyber-Kommissar Oettinger und Andrea Voßhoff, der Bundesdatenschutzbeauftragten.
Cybermäßig ging es aber auch in der Bundeswehr zu. Die Bundeswehr möchte sich für den Krieg im „Cyber-Raum“ wappnen, die rechtlichen und ethischen Fragen sind aber noch ungeklärt. Am Montag gibt es deshalb eine Anhörung Sachverständiger im Verteidigungsausschuss. Die offenen Fragen sind unter Anderem, ob und wie Inland und Ausland im Cyber-Raum definiert werden könnten, wo die Grenze zwischen Cyber-Verteidigung und Cyber-Angriff verläuft und wann es zu einem Cyber-Bündnisfall der NATO kommen könnte. Wir werden natürlich in der öffentlich stattfindenden Anhörung sitzen und für euch Cyber-berichten.
Too much is not enough
Der öffentliche Raum in Berlin wird zur Zeit von über 14.000 Kameras überwacht, zukünftig sollen es noch mehr werden – in einem „Modellversuch“. Die letzte Ausweitung der Kameraüberwachung in Berlin war die Verdopplung der Speicherdauer von 24 auf 48 Stunden. Danach sollte ursprünglich die Wirksamkeit überprüft werden, bei der Einführung des Gesetzes wurde das jedoch wieder gestrichen. Es gibt also immer noch keine Erkenntnisse zur Wirksamkeit, den Senat scheint das bei der neuen Erweiterung der Überwachung aber wenig zu stören.
Neues in der Bargelddebatte
In der Bargelddebatte über die Pläne der Bundesregierung, eine Bargeld-Obergrenze einzuführen, ist eines der Gegenargumente die Überwachungsmöglichkeit von Konten und Transaktionen, während mit Bargeld anonym bezahlt werden kann. Die Zahlen der Kontodatenabfragen durch Sozialämter und Steuerfahnder sind dabei von 230.000 im Jahr 2014 auf über 300.000 Abfragen 2015 deutlich gestiegen. Die Abfragen durch Strafverfolgungsbehörden haben wir ebenfalls angefragt. Die Anzahl der Abfragen zeigt sehr deutlich, welche Rolle Bargeld beim Schutz der Privatsphäre spielt.
Stuxnet und der Cyberplan der USA
Auf der Berlinale wurde ein Film über „NITRO ZEUS“ vorgestellt. NITRO ZEUS ist vermutlich einer der größten Computerangriffe, der je geplant wurde. Entwickelt von den USA und Israel war das Ziel die Infrastruktur des Iran. Teil des Angriffs war auch Stuxnet, ein Computervirus der USA gegen das iranische Atomprogramm, welcher 2010 bekannt geworden ist.
Vorratsdatenspeicherung in Dänemark
In Dänemark soll die bereits bestehende Vorratsdatenspeicherung ausgeweitet werden. Mit dem sogenannten „Session Logging“ sollen bald auch Skype, iMessage und andere Messenger-Apps Überwacht werden. „Session Logging“ gab es in Dänemark schon mal, 2014 wurde dieser Teil der Vorratsdatenspeicherung aus Kostengründen aber wieder abgeschafft. Gegen die neuen Pläne des „Session Logging“ regt sich bereits Widerstand, ein Brief an das verantwortliche Justizministerium wurde von 25 unterschiedlichen Organisationen, Verbänden und Firmen unterzeichnet.
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: Netzpolitischer Wochenrückblick KW 5: Safe-Harbor-Schilde, endlich Obergrenzen und Drohnen über Deutschland
Ein Glück: Sie hat ihr "Privacy Shield" immer dabei. (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en/">CC BY 2.0</a> by <a href="https://www.flickr.com/photos/rogersmith/148506340/in/photostream/">FotoDawg</a> via Wikimedia Commons) : Netzpolitischer Wochenrückblick KW 5: Safe-Harbor-Schilde, endlich Obergrenzen und Drohnen über Deutschland „Privacy Shield“ klingt wie eine schlechte Microsoft-Sicherheitstechnologie, ist aber der Name des noch nicht ausgearbeiteten Safe-Harbor-Nachfolgers. Klingt dann doch wieder wie ein Witz. Die Bundesregierung will noch eine Obergrenze einführen und immer mehr Drohnen fliegen über Deutschland.
In diesem Sinne: Ein frohes Wochenende, liebe parteiverdrossene Nerds!
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Safe-Harbor-Nachfoler: Treffer versenkt?
Die USA hätten schriftlich zugesichert, den Datenschutz für aus der EU übertragene Daten zu gewährleisten. Daher gibt die EU-Kommission einen Nachfolger für das stillgelegte Safe-Harbor-Abkommen bekannt. Es gibt zwar noch keinen Text und Details werden noch geklärt, aber hey: Name und Logo stehen schon. Momentan ist die Stimmung für eine solche Nichtlösung nicht so gut, Gegenwind kommt von allen Seiten. Da werden noch einige Schiffe kentern.
Zahlen zur Überwachung nach G‑10-Gesetz
Nur 0,26 Prozent der offiziell 25.000 abgehorchten Telekommunikationsverkehren waren für den BND 2014 „nachrichtendienstlich relevant“. Waffenschieber setzen eher auf E‑Mails, Terroristen auf SMS, und 218 Verdächtige wurden gezielt überwacht. Das haben wir dem Jahresbericht des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) entnommen. Nicht dabei sind Statistiken über die inoffizielle Massenüberwachung durch BND & Co. Ein weiterer PKGr-Bericht verweist auf 17 IMSI-Catcher-Einsätze im Jahr 2014. Inzwischen werden die Stimmen gegen die Vorratsdatenspeicherung immer lauter: Wir veröffentlichen die Erklärung von Burkhard Hirsch, Gerhart Baum und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zur Verfassungsbeschwerde.
Klar, als Terrorist zahl’ ich bar.
Ganz ohne Forderungen aus der CSU will die Bundesregierung eine Obergrenze einführen. Für Bargeldzahlungen, nach Forderungen aus der SPD, gegen den internationalen Terrorismus. Die Wirksamkeit eines solchen Schrittes ist nicht bewiesen – Frankreich und Belgien haben bereits entsprechende Obergrenzen –, aber das stört die Bundesregierung bekanntlich nicht. Der Anfang vom Ende des Bargeldes? Auf jeden Fall ist es eine Einschränkung der Anonymität beim Bezahlen.
Zu einem anderen Mittel gegen „extremistische Bestrebungen“ greift der Berliner Verfassungsschutz: Bei Schulbesuchen informieren die Geheimdienstler nicht darüber, was man beim Geheimdienst alles darf, doch verletzen sie die Standards politischer Bildungsarbeit.
Störerhaftungs-Desaster
Das Bundesverkehrsministerium betreibt in Bonn und Berlin ein offenes WLAN. Das wäre nicht mehr möglich, wenn die Bundesregierung ihre Pläne zur Störerhaftung durchsetzt. Der Kabinettsbeschluss würde zu weniger Rechtssicherheit führen – und das Ministerium redet sich die Situation schön, kommentiert unser Chefredakteur Markus. Wenn das mal nicht zu „Politikverdrossenheit“ führt – ein Wort, das Snowden in dieser Woche neu gelernt hat!
IFG: Mein Rechtsgutachten!
Im „Gemeinsamen Kompetenz- und Dienstleistungszentrum“ wollen fünf Bundesländer gemeinsam überwachen (Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt). Der Staatsvertrag dazu ist geheim, auch ein dazugehöriges Rechtsgutachten soll weiter geheim bleiben. Begründung: Das Gutachten „gehöre“ Sachsen und dort existiere kein Informationsfreiheitsgesetz. Pech gehabt?
Drohnen über Deutschland
Eine „Global Hawk“-Drohne flog über die Ostsee. Mit zwei dieser Riesendrohnen will die USA mehr Truppenpräsenz gegenüber Russland demonstrieren. Es kommen fünf Drohnen des gleichen Typs unter NATO-Kommando hinzu. Deren Flug-Korridor liegt auch über Deutschland, dabei soll aber die Aufklärungstechnik an Bord nicht eingesetzt werden – ohne Gewähr. No Spy, Cyber, cyber und so.
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat übrigens ein lesenswertes Buch über Drohnen neu aufgelegt – und über Medien in Deutschland – und Europas Sicherheitsbehörden bauen an einer neuen „Datenautobahn“.
Schöne, smarte Welt
Entwarnung für Spione: GPS im Turnschuh, Kameras am Kühlschrank und Fernseher mit Sprachsteuerung. Sie verwandeln das Schlachtfeld der „Crypto Wars“ in einen Nebenschauplatz. Das „Internet of Things“ und werbefinanzierte Geschäftsmodelle liefern Sicherheitsbehörden neue Möglichkeiten – beruhigt können die also ihre Kampagne gegen Verschlüsselung verlieren, so eine Harvard-Studie. Die Polizei am Kölner und Düsseldorfer Hauptbahnhof trägt jetzt übrigens auch Kameras (und Warnschilder) am Körper.
Gerade rechtzeitig hat die NGO „Open Effect“ acht beliebte Fitness-Tracker untersucht. Das Ergebnis: einige Sicherheitslücken, Garmin überträgt unverschlüsselt, Manipulationsmöglichkeiten und nur das Apple-Gerät ändert regelmäßig die MAC-Adresse.
Neue Folge des Netzpolitik-Podcasts
Markus Beckedahl hat Leonhard Dobusch zum Podcasten (NPP133) geladen, bevor der nach Innsbruck geht. Was ist mit den Urheberrechtsreformen in Deutschland? Die Wikipedia feiert Geburtstag – und Leonhard spricht über die Situation in seiner alten und neuen Heimat Österreich. Außerdem gibt es eine interessante Analyse zum BGH-Netzsperren-Urteil und die Tiroler Tageszeitung wollte mit dem Urheberrecht gegen ein Kündigungsportal vorgehen, hat die Klage aber inzwischen zurückgezogen.
Lesenswerte Interviews
Cory Doctorow hat mit Chelsea Manning gesprochen: Wochenlang wurde diese nicht darüber informiert, welche Anklagepunkte gegen sie vorgebracht werden. Im vergangenen halben Jahrhundert sei das Rechtssystem immer weiter in die Geheimhaltung verschoben worden, so Manning. Zahlen helfen bei der Risikoeinschätzung nicht, sagt der Soziologie Ortwin Renn gegenüber ZEIT ONLINE und verweist auf Glückspiele. Menschen hätten mehr Angst vor Unsicherheit als vor Schaden, das habe Thomas de Maizière nicht erkannt.
Linkhinweise
Facebook-Lobbyisten stottern, Donald Trump war schon über 19 Millionen mal beim Friseur, Simpsons-Memes generieren und (nur noch heute:) die Ai Weiwei-Doku. Der Hinweis auf Katja Kippings Bericht aus dem TTIP-Leseraum darf hier auch nicht fehlen.
Sicherheitshinweis: Am Montag war „change your password day“: Wir haben zu Pass-Sätzen statt komplizierten paS5w0erTErN geraten, damit der folgende Tag nicht zum „I forgot my password day“ wird.