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  • : iRights: Juristen tagen über Rechtsfragen der Informationsgesellschaft
    iRights: Juristen tagen über Rechtsfragen der Informationsgesellschaft

    Till Kreutzer war für iRights auf der Jahrestagung zum 30. Geburtstag der Deutschen Gesellschaft für Recht und Informatik (DGRI) mit dem Titel „Von der Lochkarte zum globalen Netzwerk“ (PDF). Bei der Konferenz, die vom 5. bis zum 7. Oktober in Hamburg stattfand, diskutierten Juristen aus Wissenschaft und Praxis mit Unternehmensvertretern und Informatikern über aktuelle Fragen des Informationsrechts. Einen zusammenfassenden Bericht gibt es hier: Juristen tagen über Rechtsfragen der Informationsgesellschaft. Die Themen der Jubiläumstagung umfassten ein weites Spektrum. Von Identity Theft über den Schutz von und vor Inhalten bis zu Fragen der Netzneutralität, IT Governance, Embedded- oder Gebrauchtsoftware wurde eine Vielzahl informationsrechtlicher Themen in Fachreferaten, Workshops und Diskussionen behandelt.

    Stefan Bechtold, Mitarbeiter am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern widmete sich in seinem Referat eher unternehmensbezogenen Aspekten. Die neuere Entwicklung zeige, dass sich das Urheberrecht „in der Zange der Medienindustrie“ befinde (so der Titel des Vortrags). Es diene in erster Linie dem Schutz bestimmter Industriesektoren, deren Erzeugnisse besonders anfällig gegen die ungefragte und nicht-vergütete Aneignung durch Konkurrenten und Nutzer seien. Auf diesem Weg würden jedoch Marktschranken für neue Anbieter geschaffen, die innovative – und häufig sehr sinnvolle – Dienste und Produkte bereitstellen wollen. Als Beispiele nannte Bechtold Tauschbörsendienste und Peer-to-Peer-Software, die Auseinandersetzung um Google Print und den – nicht geduldeten – „Gebrauchthandel“ mit digitalem Content. Bechtold regte an, alternative Konzepte wie Creative Commons, die so genannte Kulturflatrate oder „peer based productions“ daraufhin zu untersuchen, ob sie geeignet seien als Mittel gegen zu weit reichende Urheberrechte zu dienen. Eine allgemeingültige Lösung sei derzeit nicht zu erkennen, vielleicht könnten jedoch Kombinationen vorhandener und zukünftig entstehender alternative Regelungsmodelle sich zu einem Gesamtkonzept entwickeln, meint der Wissenschaftler.

    10. Oktober 2006
  • : Berliner Datengarten: Retrocomputing – Wie waren Computer früher?
    Berliner Datengarten: Retrocomputing – Wie waren Computer früher?

    Am 12.10.06 gibt es um 20:00h im Berliner Chaos Computer Club wieder einen Datengarten. Thema diesmal ist „Retrocomputing – Wie waren Computer früher?

    Dexter berichtet, was man so alles mit alter Hardware machen kann. Es ist erwünscht, dass historische Hardware mitgebracht wird (soweit transportabel).

    Wir wollen einmal einen Blick in die Vergangenheit werfen und uns Computer aus einer Zeit vor Mulitasking und Internet ansehen. Interessierte die noch einen alten Computer zuhause haben sind eingeladen diesen mitzubringen.

    Überblick über die Schwerpunkte des Abends:

    * Was genau ist Retrocomputing?
    * Die Computerlandschaft damals
    * CP/M – das erste Plattformunabhängige Betriebsystem
    * Restauration von Computern und Datenkonvertierung
    * Hardwareneuentwicklung und Hacks
    * Szene: Zfest & Co, Berlin ohne Retroszene?
    * Hands on: Demonstration eines antiken Computersystems.

    Die Veranstaltung findet in der Marienstrasse 11 in Berlin-Mitte statt. Eintritt ist frei.

    9. Oktober 2006
  • : Diskussion zu Videoüberwachung in Berlin
    Diskussion zu Videoüberwachung in Berlin

    Und noch eine Veranstaltung am 23. Oktober in Berlin zum Thema Überwachung. „Treffpunkt WissensWerte: Kuck mal, wer da kuckt…!“ mit dem Schwepunkt auf Videoüberwachung – technisch Machbares, gesellschaftlich Akzeptiertes und zukünftig Wünschbares. Darüber reden Experten beim 29. Treffpunkt WissensWerte am Montag, den 23. Oktober 2006 um 18:00 Uhr.

    Kameras auf Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen, in Bussen und Gebäuden – längst hat das Thema Videoüberwachung in das Bewusstsein der Gesellschaft Einzug gehalten. „Big Brother is watching you!“ – für manch einen sind die Visionen George Orwells erschreckende Realität geworden. Nicht zuletzt die jüngsten Fahndungserfolge im Kampf gegen Kriminalität und Terrorismus (Kofferbomber) haben die öffentliche Meinung verändert: Videoüberwachung wird von Vielen akzeptiert, die Proteste der Datenschützer sind leiser geworden. Was aber ist technisch heute schon machbar? Was zukünftig? Bisher müssen Bilder von Menschen ausgewertet werden – erst dann sind im Nachhinein mögliche Täter und Straftaten zu identifizieren. Wie können das intelligente Bilderkennungsprogramme leisten? Wo bleiben die Daten? Und macht Videoüberwachung zur Verhinderung von Straftaten überall Sinn? Wo liegen die Grenzen der gesellschaftlichen Akzeptanz?

    Darüber reden Experten beim 29. Treffpunkt WissensWerte, zu dem wir Sie herzlich einladen.

    Der Treffpunkt WissensWerte ist eine Veranstaltung der TSB Technologiestiftung Berlin, rbb Inforadio und der Technologie Stiftung Brandenburg in Kooperation mit der TimeKontor AG. Sie wird mitgeschnitten und im Programm von rbb Inforadio 93,1 gesendet.

    Podium:

    Dr. Leon Hempel, Wissenschaftler am Zentrum für Technik und Gesellschaft, Technische Universität Berlin

    Dr. Ivo Keller, Geschäftsführer vis-à-pix GmbH, Potsdam

    Dr. Michael Weber, Geschäftsführer DResearch Digital Media Systems GmbH, Berlin

    Prof. Dr.-Ing. Thomas Sikora, Leiter Fachgebiet Nachrichtenübertragung, Technische Universität Berlin, Fakultät IV – Elektrotechnik und Informatik

    Moderation: Thomas Prinzler, Wissenschaftsredaktion rbb Inforadio

    Anmeldung bis zum 18. Oktober 2006 erbeten: kleffel@technologiestiftung-berlin.de.

    9. Oktober 2006 1
  • : Diskussion: Wie gefährdet ist die Pressefreiheit in Deutschland?
    Diskussion: Wie gefährdet ist die Pressefreiheit in Deutschland?

    BDZV und news aktuell laden zu einer Expertenrunde ein: „Abgehört, durchsucht, beschlagnahmt – Wie gefährdet ist die Pressefreiheit in Deutschland?“

    am 23.10.2006 um 18.00 Uhr im Haus der Presse, Markgrafenstraße 15, 10969 Berlin. Hier soll man sich anmelden.

    Auf dem Podium:

    * Dr. Heribert Prantl, Ressortchef für Innenpolitik bei der „Süddeutschen Zeitung“
    * Jürgen Offenbach, Chefredakteur der „Stuttgarter Nachrichten“
    * Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, stellvertretende Vorsitzende und Rechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion
    * Jerzy Montag, Rechtspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
    * Christoph Flügge, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Justiz
    * Moderation: Prof. Ernst Elitz, Intendant Deutschlandradio

    9. Oktober 2006 1
  • : Digital Rights Management
    Digital Rights Management

    Heute findet der erste internationale “Tag gegen Kopierschutz (Day against DRM)” statt. Organisiert wird er von der Defective by Design – Kampagne und bisher gibt es mehr als 200 Aktionen, die heute offline wie online in zahlreichen Städten, Ländern und Kontinenten durchgeführt werden.

    Unser Beitrag zu diesem Tag ist neben diesem Blog-Eintrag die internationale Plattform drm.info, die heute federführend von der Free Software Foundation Europe, und weiteren Organisationen gelauncht wurde.

    Worum gehts?

    Digital Restriction Management ist eine Technik, die alle Computer, Abspielgeräte, Mobiltelefone und andere Medien betrifft. Sie soll die Rechte urheberrechtlich geschützter Werke „managen“, also verwalten. Um jemanden Abspielrechte zu verwehren, muss ein DRM-System allerdings die Abspielgeräte kontrollieren. Dem Nutzern muss also die Macht über seine Geräte genommen werden, damit er verbotene Abspielvorgänge garnicht erst tätigen kann.

    DRM betrifft Dich. Du kennst es vielleicht als “Digital Rights Management” (DRM) oder als “Technological Protection Measures” (TPM). Diese Begriffe drücken aus, was DRM-Befürworter als Verwendung und Rechtfertigung für Digital Restriction Management sehen. Sie verstecken aber, was die Technik letztendlich erreichen muss: Sie beschränkt die Nutzer eines Computers oder anderen Geräte nach dem Willen Dritter – mit oder ohne Einwilligung des Nutzers.

    DRM ist eine Risikotechnologie, die massive Eingriffe in Gesetzgebung, Verbraucher- und Bürgerrechte und vor allem Infrastruktur erfordert. Und damit ist sie eine erhebliche Gefahr für den Zugang zu Wissen, Innovation, Demokratie sowie der freien und nachhaltigen Entfaltung eines offenen Internets.

    Werde aktiv!

    Wer eigene Grafiken, Bilder oder Banner zum Thema hat und Flickr nutzt: Bei Flickr gibt es eine Defective by Design Gruppe zum kollaborativen Sammeln. Das Tag dafür ist „Defective By Design“. Wer kein Flickr nutzt, kann diese auch in ein Blog stellen und in den Kommentaren verlinken.

    Wir brauchen mehr Designer und Multimedia-Produzenten, die uns helfen, das Thema und die Kritik populärer zu machen und die Hintergründe zu visualisieren. Ein tolles Beispiel ist die kurze Animation „Trusted Computing“ von Benjamin Stephan und Lutz Vogel. Diese studentische Arbeit wurde bereits von hundertausenden Menschen gesehen und gewann Preise auf Festivals.

    Warnhinweise vor Kopierschutz/DRM gibt es zum Ausdrucken und selber Aufkleben bei Defective by Design:

    * DRM Warning Label Color Sticker (Avery 5160) PDF
    * DRM Warning Label Black and White Sticker (Avery 5160) PDF

    Die Problematiken rund um DRM können auch in Weblogs, Podcasts oder anderem Medium thematisiert werden. Weiter unten finden sich viele nützliche Ressourcen dafür. Weitere interessante Links, Kampagnen und Zitate, die wir hier noch nicht haben, können gerne in den Kommentaren ergänzt werden.

    Aber am einfachsten ist, auf DRM/Kopierschutz-verseuchte Medien hinzuweisen und sie zu boykottieren und damit die eigene Macht als Verbraucher zu nutzen.

    Weitere Informationen zu DRM / Kopierschutz:

    Im Rahmen der IFA hatten wir schon eine kleine Aktion im Vorfeld dieses Aktions-Tages gemacht: Kopierschutz entmündigt! Hinter dem Link gibt es noch weitere Argumente gegen DRM / Kopierschutz, weitere Bilder und ein kleiner Film der Aktion.

    Zur Popkomm 2005 haben wir uns die tollen neuen Online-Stores genauer angeschaut, die Musik mit DRM verkaufen. Dieser Testbericht ist immer noch erschreckend aktuell: Ausgeschlossen und restriktiv: Music-Stores im Netz. Auf iRIghts.info gibt es eine geänderte Fassung des Artikels.

    Wer sich mehr für die Auswirkungen von DRM/Kopierschutz auf Wissenschaft und Forschung interessiert, findet viele Informationen beim Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft”.

    Warum DRM Schrott ist, zeigt dieser Film. Und dieses anschauliche Kinderbuch wurde auch schon ins deutsche übersetzt: The pig and the box.

    Die Verbraucherschutzzentralen in Deutschland führen im Moment eine Kampagne für mehr Verbraucherrechte im Urheberrecht durch. Wir waren beim Start dabei und haben ausführlich von der Pressekonferenz berichtet: Massive Kritik an Urheberrechtspolitik von den Verbraucherzentralen. Dabei entstanden auch zwei Video-Interviews, die sich auch hinter dem Link befinden.

    Am 26. Januar waren wir auf der nicht-öffentlichen Ahörung der Bundesregierung zum 2. Korb der Urheberrechstreform. Wir waren damals dabei und haben mit einem Live-Stream und Live-Bloggen für etwas Transparenz gesorgt.

    Viele Informationen bietet auch die Electronic Frontier Foundation: „Digital Rights Management and Copy Protection Schemes“. Dort findet sich auch ein „The Customer Is Always Wrong: A User’s Guide to DRM in Online Music“, der Vorbild für unseren Music-Store Test war. Sehr schön ist auch die kurze EFF-Animation “The Corruptibles“.

    In Grossbritanien ist die parlamentarische “All Party Internet Group” mit interessanten Vorschlägen an die Öffentlichkeit gegangen, wie man mit DRM umgehen sollte. Eine ihrer Kernforderungen ist die Kennzeichnungspflicht für DRM-Erzeugnisse. Eine sehr sinnvolle verbraucherpolitische Forderung, die für mehr Transparenz sorgen kann.

    Sehr viele deutsch-sprachige Informationen bietet iRights.info. Das Portal hat auch schon zu Recht den Grimme Online Award gewonnen. Im Artikel „Rechte oder Restriktionen?“ geht es um DRM.


    [via]

    Viele Informationen bietet auch Privatkopie.net.

    Die Consumer Digital Rights Kampagne von BEUC, dem Dachverband der europäischen Verbraucherschützer,gibt es auch in deutsch. Consumer Digital Rights klärt über Verbraucherrechte in der Urhebergesetzgebung auf und fordert mehr Verbraucherrechte und weniger DRM.

    Für einen Vortrag auf dem 22. Chaos Communication Congress zum Thema “Sonys digitaler Hausfriedensbruch” hatten wir uns mal die Entwicklungen rund um das Sony Rootkit angeschaut und eine Zeitleiste erstellt.

    Beim Chaos Computer Club findet sich eine etwas ältere Infoseite: Digitaler Maulkorb?

    Lesenswert ist die Disseration von Julius Mittenzwei zum Thema “Informationen zur Rechtewahrnehmung im Urheberrecht – Der Schutz von Digital Rights Management-Systemen und digitalen Wasserzeichen durch § 95c UrhG“. Das PDF hat 237 Seiten, ein interessantes Literaturverzeichnis und auch sonst sind viele wichtige Fragestellungen aus juristischer und technischer Sicht enthalten.

    DRM in der Wikipedia

    Das “Center for Democracy & Technology” aus den USA hat eine Studie zur Evaluierung von DRM veröffentlicht.

    Das PC Magazin hat eine Kampagne gegen DRM und Kopierschutz gestartet: “Kopierschutz – Nein Danke!“. Aktuell ist auch die „Wir haben bezahlt“-Kampagne.

    Das Bundeskabinett hat am 22. März den 2. Korb der Urheberrechtsform verabschiedet und an den Bundestag übergeben. Die „Reaktionen zum 2. Korb Kabinettsbeschluss“ hatten wir damals ausführlich zusammen gefasst.

    Der „DRM-Talk“ des Digital Rights Aktivisten Cory Doctorow auf einer Microsoft-Konferenz ist sehr unterhaltsam. Auf 14 Seiten gibt es eine Zusammenfassung, weshalb DRM technisch nicht funktioniert, weshalb die Verbraucher da nicht mitspielen und vieles mehr. Kernforderung ist, dass endlich mal Lösungen geschaffen werden müssen, die Verbraucher wollen. DRM gehört nicht dazu.

    Zitate zu DRM:

    Lawrence Lessig im schweizer Tagesanzeiger:

    Was halten Sie von Digital Rights Management, kurz DRM?

    Das ist eine Problemlösung, die selber eine Reihe grösserer Probleme schafft. Die Auswirkungen sind dieselben, wie wenn Sie das Gift DDT gegen Unkraut spritzen: Das Unkraut ist garantiert tot – aber zugleich haben Sie einen Haufen ekliger Umweltprobleme.

    Können Sie das konkreter formulieren?

    DRM löst einen winzigen Teil des ganzen Problemkreises: Es rettet das Geschäftsmodell der Industrie, welche kommerzielle Inhalte produziert. Aber DRM sperrt Kultur in technischen Geräten ein – und die Maschine gibt Ihnen nur Zugriff, wenn Sie den richtigen Schlüssel haben. Das bedeutet wahrscheinlich, dass wir in zehn Jahren überhaupt keinen Zugriff mehr darauf haben, weil sich die Software ändert. Die Bücher aus dem 16. Jahrhundert hingegen können wir heute noch lesen, wir müssen sie nur aufschlagen.

    Peter Lee, Manager bei Disney (aus dem Economist):

    “If consumers even know there’s a DRM, what it is, and how it works, we’ve already failed”.

    Technology Review hat den Sicherheitsexperten Bruce Schneier zum Sony-Rootkit und DRM befragt: Kopierschutz als Sicherheitsrisiko.

    TR: Sagen wir, Sie sind ein Kunde, der digitale Inhalte kaufen will, aber gleichzeitig die Kontrolle über seinen Rechner behalten möchte. Was würden Sie tun?

    Schneier: Ich würde meinem Kongressabgeordneten schreiben. Wenn die Kunden nur das kaufen können, was ihnen angeboten wird und all diese Angebote einen Kopierschutz enthalten, bekommen die Kunden letztlich nicht das, was sie wollen. Dem Kundenwunsch wird nur dann entsprochen, wenn die Gesellschaft seine Erfüllung einfordert oder die Firmen dazu gezwungen werden. Wir könnten die Medienfirmen boykottieren, aber das wird wohl kaum passieren. Auch die Boykottmaßnahmen gegen Sony BMG hielten sich nicht – und die Medienkonzerne wissen das.

    Der “Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten e.V.” (VUT), der Verband der Indie-Labels im Musikbereich, hat die Kampagne „Respect The Music – Copy Protection Free“ gestartet.

    Dort heisst es:

    1. DRM und Kopierschutz sind nicht die Lösung des Problems der Musikindustrie. So, wie diese Techniken bislang gestaltet werden, helfen sie eher, auch noch die letzten „ehrlichen“ Musikkäufer zu verprellen und in die Piraterie zu treiben.

    Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in einer Pressemitteilung zum Urheberrecht: “Schulen und Wissenschaft werden von digitalem Wissen abgeschnitten“.

    Der vzbv befürchtet durch die DRM-Systeme eine Einschränkung des Zugangs breiter Bevölkerungsschichten zu Informationen und Kultur. Wenn für jeden Informationsabruf, das Hören eines Musikstückes oder das Sehen eines Dokumentarfilms Geld verlangt werden kann, ohne dass eine Aufzeichnung gestattet wird, besteht die Gefahr einer Verknappung und Verteuerung von Informationen, Kulturwerken und Beiträgen der Wissenschaft. Dies kann nicht im Interesse des Allgemeinwohls liegen. DRM-Systeme können auch genutzt werden, um das Verhalten der Nutzer am PC oder anderen Endgeräten aufzuzeichnen und zu kontrollieren. Dies ermöglicht die Bildung von Nutzerprofilen und bedeutet einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre.

    Mathias Schindler hat das Prinzip der DRM-Nutzungslizenzen auf klassische Bücher übertragen .

    3. Es darf nur eine Person gleichzeitig in das Buch sehen.
    4. Das Buch schließt sich automatisch am 31. Dezember 2010. Vielleicht auch später.
    5. Meistens sollte das Buch aufklappbar sein.
    6. Vielleicht polieren wir das Buch manchmal auf.
    7. Wenn das Buch nicht aufklappt, dann kann man daran nichts ändern.
    8. Der Kunde hat ein halb geöffnetes Buch zu dulden.

    Volker Grassmuck in der FIfF-Kommunikation 4/2002:
    Das Ende des Allzweck-Computers steht bevor – Die Datenherren planen die Aufrüstung des Cyberspace zu einer Welt des totalen „Digital Restrictions Management“

    „DRM“ wird in der Presse, aber auch von der Branche selbst, gern mit „Kopierschutz“ übersetzt. Das ist eine Verniedlichung. Suggeriert es doch einen Mechanismus im jeweiligen digitalen Objekt und vielleicht noch ein Gegenstück in der Darstellungs-Software, also eine lokale, auf den urheberrechtlichen Schutzgegenstand beschränkte Lösung. Tatsächlich zielt DRM auf einen globalen Umbau der digitalen Infrastruktur. Hard- und Software von Rechner und Netz sollen, wenn es nach dem Großprojekt DRM geht, systemweit, flächendeckend und lückenlos auf die partikularen Interessen der Rechteindustrie ausgerichtet werden. In letzter Konsequenz zielt es auf das Verbot des Allzweck-Computers.

    Privates Kopieren und Tauschbörsen werden zum Buhmann aufgebaut, um drastische Maßnahmen zu rechtfertigen: immer neue Kontroll- und Überwachungstechnologien bis hin zu Viren und anderen Mitteln, PCs zu schädigen, das gesetzliche Verbot, sich dagegen zur Wehr zu setzen, und umgekehrt gar eine gesetzliche Erlaubnis, private PCs zu hacken. In der Presse ist bereits von einem „Cyberwar“ die Rede, von einem „Bürgerkrieg der Industrie gegen ihre Kunden.“

    Professor Dr. Rüdiger Weis:

    „Apple bildet leider die Speerspitze bei der Nutzerentmuendigung mittels DRM und „Trusted“ Computing Ueberwachungshardware. Mittelfristig werden Apple-Intel-PC Nutzer zu Podslaves(TM?).“

    Weitere News:

    25. September 2006 – Britische Nationalbibliothek warnt vor DRM
    23. September 2006 – Frankreich: Selbstanzeigen wegen DRM-Gesetzgebung
    5. September 2006 – Neuseeland reguliert staatlichen DRM-Einsatz

    Update:

    Hier ist die erste Lesereinreichung und zwar hat Mat die Warnhinweise ins deutsche übersetzt und ein PDF sowie ein PNG erstellt. „Man nehme Zweckform No. 4781.“

    3. Oktober 2006 49
  • : Blogtalk Reloaded
    Blogtalk Reloaded

    In Wien findet heute und morgen die Blogtalk-Reloaded statt. Ich wollte eigentlich dorthin fahren, aber aufgrund von zuviel Projekten und Arbeit hier hab ich den Wien-Trip dann lieber nicht angetreten. Letztendlich war mir das Programm auch fast wieder zu wissenschaftlich, um den Reiseaufwand jetzt auch mich zu nehmen, wenngleich einige sehr interessante Perlen darunter sind.

    Aber glücklicherweise gibt es Videos schon online zu sehen. So kann ich mir gleich mal die Keynote von Danah Boyd zum Thema „The significance of social software“ anschauen.

    2. Oktober 2006
  • : Das GIF ist frei
    Das GIF ist frei

    Das hat ja gedauert: GIF ist jetzt frei von Patentrechten.

    Das als lizenzfreie Alternative entwickelte PNG-Format (Portable Network Graphics) wurde zwar Anfang 2004 offiziell zum internationalen ISO-Standard erhoben (ISO/IEC 15948:2004), konnte sich aber dennoch nie vollständig gegen GIF durchsetzen.

    Was leider auch daran lag, dass der (ehemalige) Quasi-Monopolist Internet Explorer von Microsoft PNG-Grafiken nicht wirklich funktionierend darstellte. Danke Microsoft.

    2. Oktober 2006 5
  • : Weizenbaum warnt vor Sicherheitsgesellschaft
    Weizenbaum warnt vor Sicherheitsgesellschaft

    Weizenbaum ist im Moment in Höchstform: Weizenbaum bezeichnet „Sicherheitsgesellschaft“ als Katastrophe.

    Joseph Weizenbaum hat im Vorfeld der am morgigen Freitag in Berlin beginnenden Tagung „Informatik und Rüstung“ vor einer hauptsächlich vom Militär geförderten Forschung in den Bereichen Computertechnik, Biotechnologie und innere Sicherheit gewarnt. „Die Entwicklung der Informationsverarbeitung ruft die Frage der Verantwortung hervor“, forderte der Computerpionier eine strengere Ethik in diesen Wissenschaftsgebieten bei einem Pressegespräch ein. Während seiner Zeit als Professor am renommierten MIT in Boston habe er seine Studenten schon immer dazu angehalten, auf die mögliche Endnutzung ihrer Arbeiten zu achten. Abgeraten habe er etwa von Projekten, mit denen Computer gleichsam das Sehen beigebracht werden sollte. Dabei sei schließlich davon auszugehen, dass die entsprechenden Rechner in Raketen eingebaut und für den Abgleich von eingespeicherten Landkarten zur „Verbesserung“ der Zielgenauigkeit verwendet werden.

    Ich hatte eigentlich eingeplant, an der Tagung teilzunehmen. Aber wegen Erkältung, viel Arbeit und Barcamp am Wochenende fällt das leider flach.

    28. September 2006 2
  • : Right to Know – Tag
    Right to Know – Tag

    Heute ist wohl der „Right to Know“-Tag:

    International Right to Know Day was established to mark the founding on 28 September 2002 of the global Freedom of Information Advocates Network. In 2006 the 4th International Right to Know Day is being celebrated. The aim of Right to Know Day is to raise awareness of every individual’s right of access to government-held information: the right to know how elected officials are exercising power and how the tax-payers’ money is being spent.

    Der wird überall gefeiert, aber wohl nicht in Deutschland.

    28. September 2006
  • : Vortrag auf Berliner XML-Tage: User as contributor
    Vortrag auf Berliner XML-Tage: User as contributor

    Morgen werde ich auf dem Web 2.0 Infotag im Rahmen der Berliner XML-Tage einen Vortrag zum Thema „User as contributor“ halten. Darin wird es viel um Open Source Strategien in verschiedenen Bereichen gehen und weniger um Youtube, MySpace und den üblichen Buzzwörtern rund um den hippen „User generated content“. Spannender finde ich Sachen wie Howard Dean, SpreadFirefox, OpenWRT / Hardware Hacking, Creative Commons, Freifunk, Freie Software und Wikipedia.

    Der Infotag geht von 10 Uhr bis 16 Uhr, der Eintritt ist wohlkostenlos und mein Vortrag beginnt um 11:30 Uhr.

    27.09.2006
    Humboldt-Universität zu Berlin
    Unter den Linden
    10117 Berlin

    26. September 2006 1
  • : Rede von Eben Moglen auf OSCON 2006 als MP3
    Rede von Eben Moglen auf OSCON 2006 als MP3

    Die Keynote von Eben Moglen auf der letzten OSCON 2006 ist jetzt im O´ Reilly Podcast als MP3 veröffentlicht (30 Minuten / 16 MB) worden.

    This week the entire program is devoted to the closing plenary from OSCON 2006 delivered by Eben Moglen. Eben Moglen is a professor of law and legal history at Columbia University Law School and is general counsel of the Free Software Foundation.

    26. September 2006
  • : Popkomm ohne Popkomm
    Popkomm ohne Popkomm

    Eigentlich hätte Markus garnicht einfach so als Journalist über die popkomm berichten dürfen. Denn schließlich ist in der popkomm-Welt ein Onlinemedium nicht als Presse definiert. So wie die Musikindustrie es verpasste passable Angebote fürs Netz zu schaffen – ehe sie mit der Verteufelung von Filesharingusern begann, so verpasst sie es jetzt zu ihrer größten Messe uns Netz-Journalisten als solche anzuerkennen.

    Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit-Abteilung der Messe wusste am Telefon um unseren Stellenwert als Blog netzpolitik.org zwar deutlich bescheid. Und wenn es nach unserer, dem Menschen „am Counter unten“ vorgesetzten, Gesprächpartnerin ginge, würden wir auch sofort akkreditiert werden. Aber auf die popkomm käme man eben nur gemäß den Akkreditierungsrichtlinien – und diese schließen „Mitglieder von Internet-Redaktionen“ wegen der „allgemeinen Zugänglichkeit des Internets und der damit verbundenen mangelnden Überprüfbarkeit der eigenen journalistischen Leistung“ aus, wenn sie keinen anerkannten Presseausweis besitzen.

    Vielen Dank an die Mitarbeiterinnen der Tageszeitung aus Berlin, die uns Unterschlupf gewährte!

    Dass man aber auch ohne auf der popkomm anwesend zu sein gute Schlagzeilen generieren kann, zeigt eine Aktion des CCC Regensburg: Diese verteilten unter dem Titel „Pimp my Rights, Vol. I“ Audio-CDs mit Freier Musik an Passanten auf der Straße. Ganz ohne Popkomm.

    Pimp my Rights, Vol. I

    Das Statement von Tina aus dem Chaostreff Regensburg dazu:

    Dass sich die Musikindustrie seit längerem bei ihren Kunden unbeliebt macht, ist kein Geheimnis: da werden Gleichnisse herbeigezerrt, die CD-tauschende und ‑kopierende Jugendliche explizit mit Pädophilen und Nazis vergleichen; in Werbespots werden grade männliche Jugendliche, die Musik tauschen, kriminalisiert und herabgewürdigt und jetzt finanzieren unsere CD-Käufe seit Neuestem auch noch Razzien bei: genau, uns – den Endkunden.

    Ich finds mitlerweile doch ganz lustig, dass die popkomm nach Berlin gezogen ist. Aber in Regensburg wär sie bestimmt auch gut aufgehoben.

    21. September 2006 8
  • : Popkomm
    Popkomm

    Ich war heute auf der Popkomm, aber von dort gibt es nicht viel zu berichten. Ich hab mir die Keynote von Gilberto Gil angeschaut, aber er musste wohl als Kulturminister von Brasilien eine Arbeits-Rede vom Blatt ablesen, wo er die Musikwirtschaft nach Brasilien zu einer Musikmesse einlud und die eigene Musikwirtschaft lobte.

    Wer mehr über brasilianische Musik erfahren will, kann dies u.a. bei Wikipedia tun. Und hier ist nochmal ein kurzes Video, wo Gilberto Gil mit Stallman jammt. Die anderen Videos finden sich hier.

    21. September 2006 6
  • : SuMA-Veranstaltung zu Suchmaschinen in Berlin
    SuMA-Veranstaltung zu Suchmaschinen in Berlin

    Nächste Woche Donnerstag gibt es das 3. SuMa-eV Forum in Berlin zum Thema „Suchmaschinen: In Technik, Wirtschaft und Medienkunst“.

    Die zentrale Rolle der Suchmaschinen in der Informationsgesellschaft hat sich auf hohem Niveau etabliert. Gleichzeitig wächst von vielen Seiten die Kritik an den monopolartigen Strukturen des digitalen Wissenszugangs und der Ruf nach Alternativen wird (endlich) unüberhörbar lauter.

    Das 3. SuMa-eV Forum wird Trends, Richtungen, Probleme und Alternativen vorstellen und diskutieren. Dabei werden drei Richtungen genauer betrachtet: Entwicklungen in der Technik, in der Wirtschaft und deren Reflexionen in der Medienkunst. Die Veranstaltung findet statt am

    Donnerstag, den 28.9.2006, ab 13.00 Uhr

    in der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund, In den Ministergärten 10, 10117 Berlin

    20. September 2006 1
  • : Mitschnitt des 7. Berliner Webmontag
    Mitschnitt des 7. Berliner Webmontag

    Hier ist ein Audiomitschnitt (MP3) des 7. Berliner Webmontag, der diese Woche bei uns im newthinking store stattfand. Die Beiträge waren:

    * newsride.org – Web-Demokratie-Plattform: “Newsride is a social community aimed at news junkies and politically interested surfers.” (Relaunched, Arash Yalpani)
    * Netlabels: Geschichte, Entwicklung und Blick in die Zukunft! Vor- und Nachteile von digitalen Labels für Musiker auf dem Weg ins Web 2.0‑Zeitalter (Moritz “mo.” Sauer, Phlow)
    * eBay Webservices: APIs, Affiliate Programme, SDKs und mehr für Mashups und zum Geld verdienen (Björn Behrendt, http://entwickler.ebay.de)
    * “A new AJAX Approach”: TwoBirds – Frameworks sind die anderen? (Frank Thürigen, http://system.dlv.phpb002.de)

    Meinen Vortrag zum Thema „Social Software bei NonProfits“ hab ich auf den nächsten Webmontag verschoben, weil ich dieses Mal wieder moderieren musste.

    Dieses Mal hat Christian den Mitschnitt gemacht. Die ersten drei Minuten des Mitschnitts klingen nicht so gut wie der ganza Rest, da zuerst ein externes Mikro ausprobiert wurde und dann der Mitschnitt über die Anlage ging.

    20. September 2006
  • : WOS4-Recordings
    WOS4-Recordings

    Die ersten Mitschnitte der Wizards of OS 4 sind mittlerweile als MP4 oder OGG verfügbar.

    Hier mal ein paar Highlights:

    Keynotes: Information Freedom Rules (OGG | MP4)

    The Read-Write Society (Keynote Lawrence Lessig) (MP4 | OGG)

    Netlabels: Niche, Long Tail, Blueprint? (MP4 | OGG)

    Open Spectrum (MP4 | OGG)

    18. September 2006
  • : Am Dienstag in Berlin: Das Internet und die Zukunft der Musik
    Am Dienstag in Berlin: Das Internet und die Zukunft der Musik

    *iPod:youTube* – Das Internet und die Zukunft der Musik

    flyer der veranstaltung die zukunft der musik

    Podiumsdiskussion mit anschließender Lounge, veranstaltet von Heinrich-Böll-Stiftung und Netzwerk Neue Medien am Dienstag, den 19. September 2006 um 20:00 Uhr im Grüner Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Eintritt ist frei und anschliessend gibts Musik.

    Mit:

    * Peter Zombik * (*IFPI*, Verband der deutschen Phonoindustrie)
    * Stephan Benn * (*VUT*, Verband unabhängiger Tonträgerhersteller)
    * Johnny Haeusler * (Blogger von *spreeblick.com*)
    * Moritz Sauer * (Netlabel-Katalog *phlow.net*)

    Moderation: *Katja Husen* (Netzwerk Neue Medien)

    17. September 2006 3
  • : Die Show des freien Wissens im Offenen Kanal
    Die Show des freien Wissens im Offenen Kanal

    Einer der zahlreichen Höhepukte der Wizards of OS4 war die „Show des freien Wissens“. Ein Mitschnitt der sehenswerten Show wird am Mittwoch um 10:00 Uhr im Berliner Offenen Kanal übertragen. Die Show dauert mindestens zwei Stunden (Ich weiss nicht, ob der OK die Überlänge mitsendet) und wird nur im Kabelnetz übertragen.

    Ich würde mich über einen digitalen Mitschnitt freuen.

    17. September 2006
  • : Heute Nacht im ZDF: Big Google
    Heute Nacht im ZDF: Big Google

    Heute Nacht gibts im ZDF-nachtstudio eine kulturelle Gesprächsrunde mit Volker Panzer zum Thema: Big Google – die geheime Macht der Suchmaschinen

    Google ist in Deutschland sicherlich die bekannteste Suchmaschine. Jeder, der ein Mal „gegoogelt“ hat, wird es bei der nächsten Suche wieder tun. Aber was für Spuren hinterlassen wir dabei im World Wide Web? Und wem nutzen diese Daten wenn überhaupt?

    Gäste:

    Stefan Keuchel
    Sybille Krämer
    Kathrin Passig
    Wolfgang Sander-Beuermann
    Hendrik Speck

    Die Sendung läuft um 0:50 Uhr. Kann die vielleicht jemand mitschneiden?

    [via]

    17. September 2006 4
  • : Offene Netzwerke auch für Deutschland!
    Offene Netzwerke auch für Deutschland!

    Ins Internet von überall – und das umsonst? Seit der Freigabe des so genannten ISM-Bands zur öffentlichen, lizenz- und registrierungsfreien Nutzung gibt es überall in der Republik eine wachsende Anzahl offener WLAN-Accesspoints. Schon heute gelangt man in vielen Cafes und auf öffentlichen Plätzen kostenlos und ohne weitere Zugangshürden per wireless LAN (WLAN) ins Internet. Die WLAN-Technik bietet alle Chancen dazu, in naher Zukunft in den Städten und Dörfern flächendeckend ins Internet zu gelangen. Dazu müssten möglichst viele Privatpersonen ihre Internet-Zugänge für alle öffnen. Diese Idee wird unter anderen von der Initiative freifunk.net vorangetrieben.

    Auch heute schon ist die „digitale Nachbarschaftshilfe“ eine sinnvolle Maßnahme zum Abbau der „digitalen Spaltung“. So gibt es in einigen Stadtteilen Berlins und in vielen Regionen der neuen Bundesländer noch kein flächendeckendes DSL. Privatpersonen, die ihren WLAN-Zugang öffentlich machen, können so helfen, dass möglichst viele Menschen kostengünstig bzw. kostenlos ins Internet kommen. Die Anzahl derer, die dabei ihren eigenen Internetzugang anderen zur Verfügung stellen, steigt stetig.

    Sowohl die kurzfristige Sicherung der Internetversorgung durch digitale Nachbarschaftshilfe als auch die Vision eines allgegenwärtigen, frei verfügbaren Netzes sind jetzt allerdings hochgradig gefährdet. Während in anderen Ländern ganze Städte und Kommunen derzeit offene Netze aufbauen, besteht in Deutschland die Gefahr, auf lange Zeit an kommerzielle Anbieter gefesselt zu sein und damit den Anschluss an das Informationszeitalter zu verpassen. Besonders problematisch ist hier ein Urteil, dass das Landgericht Hamburg kürzlich gefällt hat (AZ 308 O 407 / 06): Einer Frau, die ihren Accesspoint für die öffentliche Nutzung freigegeben hat, wurde eine Mitschuld zugesprochen, da Dritte über ihren Zugang Musikdateien getauscht hatten. In der Konsequenz bringt dieses Urteil alle, die ihren WLAN-Zugang anderen öffentlich zur Verfügung, in eine rechtliche Grauzone. Wer seinen Zugang nicht zumacht, kann jederzeit zum „Mittäter“ werden – ohne Rücksicht darauf, dass eigentlich zwischen Infrastruktur und Inhaltsangebot unterschieden werden müsste. Wer seinen Zugang wie vom Gericht gefordert verschlüsselt – was auch keinen hundertprozentigen Schutz gegen einen eventuellen Missbrauch der im Handel befindlichen Geräte gibt – macht eine öffentliche Nutzung unmöglich. Und auch eine etwaige Registrierung der User ist weder wünschenswert, noch technisch zumutbar, noch wirklich sicher.

    Damit bewirkt dieses Urteil eine erhebliche Verunsicherung der hiesigen Bevölkerung. Wenn der Betrieb eines offenen Accesspoints dazu führen kann, dass der Besitzer mit einer Abmahnung oder Anzeige der Musikindustrie rechnen muss, dann ist das Projekt eines sozialen, frei verfügbaren Netzzugangs in Deutschland gescheitert. Digitale Nachbarschaftshilfe darf es dann nicht mehr geben.

    Freie Netzwerke müssen bleiben, wenn Deutschland nicht den Anschluss an das Informationszeitalter verpassen möchte. Insbesondere wenn es um die „digitale Spaltung“, um sozial schwächer gestellte Menschen und dünn besiedelte Regionen geht, reicht es nicht aus, diese Aufgabe kommerziellen Anbietern von Internetzugängen zu überlassen.

    Wir fordern deswegen:

    * Eine rechtssichere Klärung der Angelegenheit – notfalls auch durch eine Änderung des Gesetzesgrundlage –, die den besonderen Status nicht-kommerzieller Diensteanbieter berücksichtigt und es auch in Zukunft ermöglicht, den eigenen WLAN-Zugang öffentlich zugänglich zu machen,

    * die unbedingte Umsetzung der bereits in § 6 TDG und § 7 MDStV enthaltenen Gesetzestexte: „Diensteanbieter sind für fremde Informationen, die sie in einem Kommunikationsnetz übermitteln oder zu denen sie den Zugang zur Nutzung vermitteln, nicht verantwortlich [sofern sie die Übermittlung nicht selbst veranlasst haben usw.].“

    * die Öffnung zusätzlicher Frequenzbänder für die öffentliche und lizenzfreie Nutzung zur Erhöhung der Bandbreite, Vergrößerung der Reichweite und Entfaltung von mehr Innovation,

    * sowie die politische Unterstützung entsprechender Vernetzungsinitiativen wie freifunk.net.

    Oder kurz gesagt: offene Netzwerke auch für Deutschland!

    Erstunterstützer:

    * Jürgen Neumann, freifunk.net
    * Markus Beckedahl, netzpolitik.org
    * Volker Grassmuck, Wizards of OS
    * Bob Horvitz, Stichting Open Spectrum
    * Armin Medosch, Autor
    * Malcolm J. Matson, The OPLAN Foundation

    English translation.

    15. September 2006 13