Deutschland

  • : Inforadio: Sind Blogger Nihilisten?
    Inforadio: Sind Blogger Nihilisten?

    Das Inforadio hat jetzt eine neue Sendung mit dem Titel „Druck & Blog“. Für diese wurde ich zu Blogs befragt, als Replik auf einen Artikel von Geert Lovink in „Lettre International“. Der scheint sich gerade als Blog-Kritiker profilieren zu wollen und hatte in dem Artikel einige Thesen aufgestellt, wie „Blogger sind Nihilisten“. (Auszug des Artikels findet man hier) Aber hört selbst: „Freies Wissen im Netz“

    Schwerpunkt dieser Sendung ist das Medium, dem ein Teil dieser Sendung jede Woche gewidmet ist: Das Weblog, kurz „Blog“ genannt. Es gibt auch einen aktuellem Anlass: Am Wochenende 16./17. September findet in Berlin ein großer Kongress zum Thema „Freies Wissen im Netz“ statt, und dieses freie, für jedermann zugängliche, von jedermann erweiterbare Wissen ist auch der bewegliche Inhalt jener Blog-Seiten im Internet, die von Menschen gemacht werden, die viel oder nur ein bisschen wissen, die mit ihrem Wissen aber vor allem das ergänzen wollen, was in den traditionellen Medien an Information geliefert wird, die ihr Wissen dem etablierten Wissen entgegensetzen wollen.

    Und hier mal kurz mal ein Abschnitt zu Lovink:

    Auch Lovink glaubt nicht an eine Umwertung aller journalistischen Werte durch die Weblog-Kultur, aber anders als sein amerikanischer Kollege sieht er sehr wohl Auswirkungen der neuen Praxis auf die traditionellen Medien – und zwar negative Auswirkungen: Sie werden durch die Blogosphäre unterminiert. Lovink kommt zu seinen Schlüssen mit Hilfe vieler philosophischer Zitate – die Grundlinie seines Arguments lautet – vereinfacht – etwa so: Blogging entsteht aus Überdruss, Unsicherheit und Zweifel an der Macht etablierter Medien, die Welt angemessen zu deuten. Dieser Zweifel ist Ausdruck der Komplexität der postmodernen Welt – die Blogger haben das Gefühl, dass Wesentliches nicht mehr gesagt wird, wissen aber auch nicht, wie es gesagt werden könnte, und legen deshalb nur noch das Versagen bloß:

    „Es gibt tatsächlich ein Streben nach Wahrheit in der Welt der Blogs – einer Wahrheit, die mit einem Fragezeichen versehen ist. Wahrheit ist zu einem Projekt von Amateuren geworden und kein absoluter Wert mehr, der durch höhere Autoritäten sanktioniert wird.“

    In dieser Situation gleichen die Blogger Parasiten, wenn sie sich an die traditionellen Medien heranmachen – Lovink spricht von einer „Strategie des Ausblutens“ – gleichzeitig werden diese Parasiten frustriert:

    „Blogs sind jene Zeugen und Archivare der schwindenden Macht der Mainstream-Medien, die deren Ideologie ganz bewusst nicht durch eine Alternative ersetzt haben. Die Nutzer sind der Einwegkommunikation von oben nach unten überdrüssig geworden – und sie haben dennoch keinen anderen Ort, an den sie gehen können.“

    Hier ist die MP3 der Sendung.

    17. September 2006 3
  • : Offene Netzwerke auch für Deutschland!
    Offene Netzwerke auch für Deutschland!

    Ins Internet von überall – und das umsonst? Seit der Freigabe des so genannten ISM-Bands zur öffentlichen, lizenz- und registrierungsfreien Nutzung gibt es überall in der Republik eine wachsende Anzahl offener WLAN-Accesspoints. Schon heute gelangt man in vielen Cafes und auf öffentlichen Plätzen kostenlos und ohne weitere Zugangshürden per wireless LAN (WLAN) ins Internet. Die WLAN-Technik bietet alle Chancen dazu, in naher Zukunft in den Städten und Dörfern flächendeckend ins Internet zu gelangen. Dazu müssten möglichst viele Privatpersonen ihre Internet-Zugänge für alle öffnen. Diese Idee wird unter anderen von der Initiative freifunk.net vorangetrieben.

    Auch heute schon ist die „digitale Nachbarschaftshilfe“ eine sinnvolle Maßnahme zum Abbau der „digitalen Spaltung“. So gibt es in einigen Stadtteilen Berlins und in vielen Regionen der neuen Bundesländer noch kein flächendeckendes DSL. Privatpersonen, die ihren WLAN-Zugang öffentlich machen, können so helfen, dass möglichst viele Menschen kostengünstig bzw. kostenlos ins Internet kommen. Die Anzahl derer, die dabei ihren eigenen Internetzugang anderen zur Verfügung stellen, steigt stetig.

    Sowohl die kurzfristige Sicherung der Internetversorgung durch digitale Nachbarschaftshilfe als auch die Vision eines allgegenwärtigen, frei verfügbaren Netzes sind jetzt allerdings hochgradig gefährdet. Während in anderen Ländern ganze Städte und Kommunen derzeit offene Netze aufbauen, besteht in Deutschland die Gefahr, auf lange Zeit an kommerzielle Anbieter gefesselt zu sein und damit den Anschluss an das Informationszeitalter zu verpassen. Besonders problematisch ist hier ein Urteil, dass das Landgericht Hamburg kürzlich gefällt hat (AZ 308 O 407 / 06): Einer Frau, die ihren Accesspoint für die öffentliche Nutzung freigegeben hat, wurde eine Mitschuld zugesprochen, da Dritte über ihren Zugang Musikdateien getauscht hatten. In der Konsequenz bringt dieses Urteil alle, die ihren WLAN-Zugang anderen öffentlich zur Verfügung, in eine rechtliche Grauzone. Wer seinen Zugang nicht zumacht, kann jederzeit zum „Mittäter“ werden – ohne Rücksicht darauf, dass eigentlich zwischen Infrastruktur und Inhaltsangebot unterschieden werden müsste. Wer seinen Zugang wie vom Gericht gefordert verschlüsselt – was auch keinen hundertprozentigen Schutz gegen einen eventuellen Missbrauch der im Handel befindlichen Geräte gibt – macht eine öffentliche Nutzung unmöglich. Und auch eine etwaige Registrierung der User ist weder wünschenswert, noch technisch zumutbar, noch wirklich sicher.

    Damit bewirkt dieses Urteil eine erhebliche Verunsicherung der hiesigen Bevölkerung. Wenn der Betrieb eines offenen Accesspoints dazu führen kann, dass der Besitzer mit einer Abmahnung oder Anzeige der Musikindustrie rechnen muss, dann ist das Projekt eines sozialen, frei verfügbaren Netzzugangs in Deutschland gescheitert. Digitale Nachbarschaftshilfe darf es dann nicht mehr geben.

    Freie Netzwerke müssen bleiben, wenn Deutschland nicht den Anschluss an das Informationszeitalter verpassen möchte. Insbesondere wenn es um die „digitale Spaltung“, um sozial schwächer gestellte Menschen und dünn besiedelte Regionen geht, reicht es nicht aus, diese Aufgabe kommerziellen Anbietern von Internetzugängen zu überlassen.

    Wir fordern deswegen:

    * Eine rechtssichere Klärung der Angelegenheit – notfalls auch durch eine Änderung des Gesetzesgrundlage –, die den besonderen Status nicht-kommerzieller Diensteanbieter berücksichtigt und es auch in Zukunft ermöglicht, den eigenen WLAN-Zugang öffentlich zugänglich zu machen,

    * die unbedingte Umsetzung der bereits in § 6 TDG und § 7 MDStV enthaltenen Gesetzestexte: „Diensteanbieter sind für fremde Informationen, die sie in einem Kommunikationsnetz übermitteln oder zu denen sie den Zugang zur Nutzung vermitteln, nicht verantwortlich [sofern sie die Übermittlung nicht selbst veranlasst haben usw.].“

    * die Öffnung zusätzlicher Frequenzbänder für die öffentliche und lizenzfreie Nutzung zur Erhöhung der Bandbreite, Vergrößerung der Reichweite und Entfaltung von mehr Innovation,

    * sowie die politische Unterstützung entsprechender Vernetzungsinitiativen wie freifunk.net.

    Oder kurz gesagt: offene Netzwerke auch für Deutschland!

    Erstunterstützer:

    * Jürgen Neumann, freifunk.net
    * Markus Beckedahl, netzpolitik.org
    * Volker Grassmuck, Wizards of OS
    * Bob Horvitz, Stichting Open Spectrum
    * Armin Medosch, Autor
    * Malcolm J. Matson, The OPLAN Foundation

    English translation.

    15. September 2006 13
  • : Anonymer Internet-Zugang wird kriminalisiert
    Anonymer Internet-Zugang wird kriminalisiert

    Wie anderswo schon berichtet, wurden vor einer Woche die Festplatten mehrerer Anonymisierungs-Server in Deutschland von der Polizei beschlagnahmt, der Hintergrund waren Ermittlungen wegen Terrorismus Kinderpornografie. Kai Raven hat schon ausführlich erläutert, warum das den Staatsanwaltschaften im Zweifelsfall keine Informationen bringt.

    Bislang war nur die Rede von drei TOR-Nodes. Jetzt wurde bekannt, dass auch der AN.ON-Server des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz in Schleswig-Holstein am 6. September beschlagnahmt wurde, der Teil des JAP-Anonymisierungsnetzes ist. Das ULD hat diese Beschlagnahme aber erst aufgrund eigener „aufwändiger Recherchen“ am 11. September herausgefunden und den Beschluss nach mehrfachem Nachhaken bei den Behörden am 13. September erhalten, wie es heute bekannt gab.
    Nach der geplanten Vorratsdatenspeicherung, der jüngsten Kampagne der CDU-Landesregierung gegen den AN.ON-Server der Kieler, der Ankündigung der Bundesregierung, die Internet-Überwachung durch den Verfassungsschutz auszubauen, der Kriminalisierung von offenen WLAN-Hotspots, die einen anonymen Netzzugang erlauben, ist diese Maßnahme ein weiterer Mosaikstein, der den allgemeinen Druck auf die anonyme Nutzung des Netzes erhöht und einen Diskurs etabliert, der „Kinderpornografie“, „Terrorismus“ und „Internet“ zusammenbringt und mit dem „wer was zu verbergen hat, ist schon verdächtig“-Theorem verknüpft. Wann werden wohl die Betreiber von Cybercafes gesetzlich verpflichtet, die Daten ihrer Kunden zu speichern, wie in Polizeistaaten wie China oder Tunesien schon lange üblich? Wer ein Prepaid-Handy kauft, muss ja auch schon seinen Ausweis vorzeigen.

    Noch vor weniger als einem Jahr hatten Frank Rieger und Rob Gonggrijp auf dem CCC-Kongress Aufsehen erregt mit ihrer These, dass wir den Krieg gegen den Überwachungsstaat verloren haben. Ihre zentrale Schlussfolgerung:

    Anonymity will become the most precious thing.

    Anscheinend haben da einige Leute in den Sicherheitskreisen dieses Landes aufmerksam zugehört und versuchen nun gezielt, diesen Punkt zu treffen. Das zeigt für mich aber gerade, dass man es entgegen der Einschätzung von Frank und Rop nicht dabei belassen kann, noch bessere Krypto-Spielzeuge zu entwickeln. TOR und JAP könnte heute bereits jeder benutzen, der zuhause ins Netz geht oder in der Firma nicht hinter einer paranoiden Firewall sitzt. Das Problem ist nicht die Technik, sondern ihr öffentliches Image. Es ist nicht cool, hip oder selbstverständlich, auf seiner Anonymität im Netz zu beharren und etwas dafür zu tun, sondern gilt entweder als geekig, paranoid oder eben der Kinderpornografie verdächtig. Was fehlt, sind schlagende Argumente bzw. ihre weitere Verbreitung auf zwei Ebenen:

    1) Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass man in einer freien Gesellschaft anonym tun und lassen kann, was man will, solange man sich nicht irgendeiner Straftat o.ä. verdächtig gemacht hat. Das geht weder den Staat noch irgendwelche Provider etwas an. Punkt.

    2) Die Beschränkung von Anonymität und Verschlüsselung stellt selber ein Risiko dar. Dies haben die Leute vom ULD sehr schön in ihrer Pressemitteilung herausgestellt:

    Der beschlagnahmte Rechner ist Teil eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit geförderten Projektes AN.ON – Anonymität Online. AN.ON ermöglicht Nutzern des World Wide Web, mit Hilfe der Software JAP kostenlos unbeobachtet zu surfen. Es dient – wie vom deutschen Telediensterecht gefordert – der Gewährleistung des Datenschutzes im unsicheren weltweiten Netz und wird auch von vielen Unternehmen zum Schutz vor Wirtschaftsspionage genutzt.

    Hier gibt es also einen Zielkonflikt zwischen dem Überwachungswahn der Polizei- und Geheimdienstfraktion auf der einen Seite und dem Interesse der Wirtschaft an Schutz ihrer Firmengeheimnisse auf der anderen Seite. Diese Argumentation hat bei der Echelon-Debatte wunderbar funktioniert, sie könnte aktuell mal wieder ausgebaut werden. Quintessenz hat das kürzlich sehr schön in bezug auf die Übermittlung der Passagierdaten in die USA gemacht:

    Ein paar Wochen im Voraus zu wissen, dass z.B. ein ungewöhnlich großer Trupp Siemens-Manager nach Seattle fliegt, kann doch allemal von Interesse sein.

    Also: Kommentare und Ideen erbeten. Denkt euch mal ein paar entsprechende Szenarien zum Thema nicht-anonymer Internetzugang aus.

    15. September 2006 19
  • : Deutschlandradio-Kultur zur WOS4
    Deutschlandradio-Kultur zur WOS4

    In der Deutschlandradio-Kultur – Sendung „Elektronische Welten“ gab es heute einen Bericht zur Wizards of OS 4: Von Bits und Bytes, Künstlern und Piraten (MP3).

    Doch die Freiheit des Wissens ist nach Auffassung der Kongress-Macher in Gefahr. Der Feind der Info-Freiheit hat einen Namen: Copyright. Das Urheberrecht wird heute international sehr restriktiv gehandhabt und sorgt dafür, dass Informationen nur auf eine bestimmte Weise genutzt werden dürfen. Wer ein Musikstück, einen Film oder ein Buch kauft, darf damit längst nicht machen, was er möchte ohne um Erlaubnis zu fragen. Gefordert wird auf dem Kongress nicht, das Copyright abzuschaffen. Beklagt wird jedoch ein Copyright-Extremismus, der Kreativität behindert und kulturellen Fortschritt verhindert.

    15. September 2006
  • : Die Wizards of OS 4
    Die Wizards of OS 4

    Entgegen anderslautender Gerüchte und Erwartungen werde ich nicht soviel von der Wizards of OS 4 bloggen. Die Konferenz ist wie erwartet richtig gut, aber von den Panels habe ich bisher kaum was mitbekommen und ich werde sie mir hinterher als Videos anschauen. Theoretisch gibts auch einen Stream der WOS4. Dafür sind soviele interessante Menschen auf der WOS4, dass die Gespräche viel interessanter sind.

    Morgen spiele ich um 13 Uhr noch Host für einen Workshop zum Thema „Free Culture Activism“.

    Coming soon: Einige sehr interessante Interviews als Podcasts für das Netzpolitik-Bildungsprogramm.

    15. September 2006
  • : Netzpolitik-Podcast mit Bernhard Reiter zu Freier Software
    Netzpolitik-Podcast mit Bernhard Reiter zu Freier Software

    HIer ist das erste von einigen Interviews, die ich bisher für den Netzpolitik-Podcast auf den WIzards of OS 4 gemacht habe: Bernhard Reiter ist Geschäftsführer der Intevation GmbH und Deutschland-Koordinator der Free Software Foundation Europe. In dem Interview geht es um Freie Software im Allgemeinen, welche Chancen sie für Bildung, Wirtschaft und Verwaltungen bietet, um Softwarepatente und Digital Restrictions Management, sowie die Arbeit der Free Software Foundation Europe. Das Interview ist ca. 20 Minuten lang, liegt erstmal nur im MP3 Format vor und wird nach der WOS4 noch als OGG befreit.

    15. September 2006
  • : E‑Government 2.0: Elektronischer Personalausweis
    E‑Government 2.0: Elektronischer Personalausweis

    Die Bundesregierung hat heute das „Zukunftsorientierte Verwaltung durch Innovationen“-Programm mit dem Unterprogramm „E‑Government 2.0“ verabschiedet. Der zentrale Punkt ist die Einführung eines elektronischen Personalausweises. Dieser soll wie der Reisepass mit einem Chip versehen werden.

    Wolfgang Schäuble verkündete die Ziele des Regierungsprogrammes:

    Mit dem Programm hat das Kabinett folgende Ziele beschlossen:

    Überflüssige Bürokratie und vermeidbare Verwaltungsprozesse sollen abgebaut werden. Die Verwaltung soll sich auf ihre Kernaufgaben beschränken und neue Kooperationsformen auch mit der Wirtschaft etablieren. Eine strategische Steuerung soll zu einer besseren Zusammenarbeit auch behördenübergreifend und damit zu ergebnisorientierten und wirtschaftlichen Prozessen beitragen. Das Potential moderner Technologie soll besser genutzt werden, um staatliche Aufgaben effektiver, transparenter und wirtschaftlicher umsetzen zu können. Gleichzeitig soll der Staat Vorreiter beim Einsatz neuer Technologien sein. Deshalb kommt dem E‑Government bei der Modernisierung der Verwaltung eine besondere Rolle zu. Mit E‑Government 2.0 geht der Bund in eine neue Phase und wird sein Internet- Angebot qualitativ und quantitativ ausbauen. Gleichzeitig wird der Bund Vorreiter für eine sichere und verlässliche Internetkommunikation sein. Hierfür soll unter anderem ein neuer Personalausweis dienen, der einen Chip zur elektronischen Identifizierung enthalten wird. Stärker als in der Vergangenheit soll bei allen Modernisierungsmaßnahmen dem Zusammenwirken von Personal, Organisation, Steuerung und Einsatz neuer Technologien größere Beachtung geschenkt werden.

    Die neue Webseite „verwaltung-innovativ“ verkündet die Ziele von „E‑Government 2.0“:

    Die Bundesregierung hat vier Handlungsfelder identi­fiziert, die in den kommen­den Jahren bis 2010 gezielt ausgebaut werden, um den Moder­nisierungsprozess in der Verwaltung und den Standort Deutschland durch E‑Government zu fördern:

    A. Portfolio: Bedarfsorientierter qualitativer und quantitativer Ausbau des E‑Government Angebots des Bundes

    B. Prozessketten: Elektronische Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Verwaltung durch gemeinsame Prozessketten

    C. Identifizierung: Einführung eines elektronischen Personalausweises und Erarbeitung von E‑Identity Konzepten

    D. Kommunikation: Sichere Kommunikationsinfrastruktur für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Verwaltungen

    Hier ist der Kabinettsbeschluss als PDF.

    13. September 2006 6
  • : Blog-Stipendium
    Blog-Stipendium

    Ich hatte noch nie ein Stipendium. Das hat sich gestern geändert, da ich noch unter 35 bin und der Redaktion von jetzt.de (dem Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung) wohl meine Art zu schreiben gefällt. Deshalb wollen sie dieses Blog jetzt mit einem der ersten „Blog-Stipendien“ fördern.

    jetzt.de fördert ab sofort fünf junge Blogger
    Im Juni startete jetzt.de ein in Deutschland bislang einmaliges Experiment: das so genannte jetzt.de-Blogstipendium fördert erstmals in diesem Land junge Blogger in ihrem Schreiber. Über 400 Autorinnen und Autoren haben sich bislang unter blogstipendium.de beworben (die Bewerbung läuft dort weiter). Aus diesen wählte eine Jury aus der jetzt.de-Redaktion die vier interessantesten jungen Blogger aus. Hinzu kam ein per Publikumsabstimmung ermitteltes Blog.

    Finde ich prima, mit den 300 Euro im Monat kann ich jetzt den Hardware-Pool mit Digitaltechnik aufrüsten.

    13. September 2006 11
  • : Volker Grassmuck im Küchenradio
    Volker Grassmuck im Küchenradio

    Volker Grassmuck ist nicht nur auf diesem Kanal zur WOS4 befragt worden, sondern war auch Gast im Küchenradio. Hier ist das MP3-File dazu.

    Ende der Woche beginnt der vierte Wizards of OS in Berlin. Wir haben Organisator Volker Grassmuck geladen, um schon mal zu hören, was denn so Thema sein wird. Vom digitalen Sozialismus und dem Klassenprimus Brasilien.

    13. September 2006
  • : 25 Jahre Chaos Computer Club
    25 Jahre Chaos Computer Club

    Peter Glaser hat im Feuilleton der Berliner Zeitung über 25 Jahre Chaos Computer Club geschrieben: Ungebremster Datendrang.

    Karl Kraus schreibt: „Es gibt nur eine Möglichkeit, sich vor der Maschine zu retten. Das ist, sie zu benützen.“ Je länger wir mit der Technologie umgehen, desto mehr entdecken wir, was sie nicht kann. Und aus der Fehlerhaftigkeit und den Schwächen der Computerwelt vermittelt der CCC der Nichtmaschine Mensch ein lebendiges Gefühl von Souveränität.

    Auch Heise berichtet: 25 Jahre CCC: Nach dem verlorenen Krieg.

    Hier ist ein Interview (MP3) mit Andy Müller-Maguhn im Deutschlandradio Kultur: Datenschutz „quasi aus dem Fenster geworfen“.

    Der Chaos Computer Club – kurz CCC – fordert das „Menschenrecht auf Kommunikation“ und kämpft gegen die Entwicklung zum „gläsernen Menschen“. Dieser Kampf sei nicht verloren, so der Sprecher des Clubs Andy Müller-Maguhn anlässlich des 25-jährigen Jubiläums – auch wenn nach 2001 der Datenschutz „quasi aus dem Fenster geworfen“ worden sei.

    12. September 2006 5
  • : Neues von SWIFT
    Neues von SWIFT

    Bei Heute im Bundestag findet sich eine kleine Anfrage der Grünen zu SWIFT: Datenabfrage durch US-Geheimdienste bei „Swift“ auf dem Prüfstand.

    Berlin: (hib/VOM) Die Datenabfrage von US-Geheimdiensten bei der „Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunications“ (Swift), einem Netzwerkdienstleister für internationale Finanztransaktionen, interessiert Bündnis 90/Die Grünen in einer Kleine Anfrage (16/2558). Seit mehreren Jahren hätten diese Geheimdienste vertrauliche Daten bei „Swift“ eingesehen, um die Finanzaktivitäten des internationalen Terrorismus aufzuspüren. Die Abgeordneten erkundigen sich nach der Rechtsgrundlage für die Datenabfrage und wollen wissen, ob auch deutsche Privat- und Geschäftsbanken von US-Stellen „ausspioniert“ wurden. Gefragt wird ferner, inwieweit für deutsche Unternehmen die „Gefahr“ besteht, dass durch die Abfrage der Swift-Daten durch ausländische Stellen Industriespionage gefördert werden könnte. Schließlich will die Fraktion wissen, was die Regierung unternehmen will, damit die Kontrollmechanismen in der EU durch die Europäische Zentralbank und andere Stellen im Hinblick auf die Weitergabe sensibler Daten effektiv angewandt werden.

    Hier ist die kleine Anfrage als PDF

    Um SWIFT geht es auch bei der Futurezone und die schreibt heute über „Wie die CIA SWIFT-Daten durchsucht“:

    Wie passen die Beteuerungen der SWIFT-Führung, die CIA habe nur bestimmte Anteile der in SWIFT gespeicherten Datensätze erhalten, mit den Aussagen des scheidenden US-Finanzministers John Snow zusammen, der behauptete hatte, SWIFT habe alle angeforderten Daten zur Durchsuchung übergeben?

    Das stimme beides, sagt ein mit der Angelegenheit Vertrauter zu ORF.at, die Datensätze seien nicht auf einmal, sondern nacheinander „portioniert“ von SWIFT in eine Datenbank kopiert worden, die dann durchsucht wurde. Die große Zahl der schließlich ausgewählten Datensätze resultiere daraus, dass „breit angelegte Scorings“ über den jeweiligen Datenbestand gefahren wurden.

    Auch gestern schon behandelte die Futurezone das Thema: CIA-Spionage soll gestoppt werden.

    Laut Oesterreichischer Nationalbank [OeNB] wird in der Europäischen Zentralbank nach Wegen gesucht, die CIA-Spionage in Europas Auslandsüberweisungen zu stoppen. Anders als in Deutschland wurde die OeNB nicht 2002, sondern erst im Juni 2006 darüber informiert, das österreichische Finanzministerium schweigt.

    12. September 2006 1
  • : Heise-Bericht zur WOS4-Pressekonferenz
    Heise-Bericht zur WOS4-Pressekonferenz

    Stefan Krempl war heute praktischerweise für Heise auf der „Wizards of OS 4“-Pressekonferenz und hat einen Artikel dazu verfasst: WOS 4: Die große Schau des freien Wissens.

    Ronaldo Lemos, Projektleiter Creative Commons Brazil, ergänzte Prados Bericht mit Einblicken in die „Krise in der Art und Weise, wie traditionelle Medienhäuser den Zugang zum Wissen handhaben“. SonyBMG, die größte in Brasilien tätige Plattenfirma, bringe etwa im Jahr nur 15 CDs mit brasilianischer Musik heraus. Buchläden gebe es nur wenig, große Zeitungen würden im Jahr 30 Prozent ihrer Leser verlieren. Das „Creative Commons“-Modell werde dagegen in hohem Maße angenommen. So seien gerade erstmals ein Kartenspiel und ein Kinofilm mit den noch vergleichsweise jungen Lizenzformen veröffentlicht worden.

    So konnte ich mal meinen Rechner auslassen und entspannt zu hören.

    12. September 2006 1
  • : Netzpolitik-Podcast: Volker Grassmuck über die Wizards of OS 4
    Netzpolitik-Podcast: Volker Grassmuck über die Wizards of OS 4

    Und hier ist noch ein anderes und längeres Interview (MP3) zur Wizards of OS 4, diesmal mit Volker Grassmuck. In dem ca. 20 Minuten langen Interview geht es um die Themen der WOS4, den kulturellen Wandel auf dem Weg in die Wissensgesellschaft und um das vielfältige Rahmenprogramm, was die Besucher in den nächsten Tagen in Berlin erwartet.

    12. September 2006 1
  • : Netzpolitik-Podcast: Die Show des freien Wissens
    Netzpolitik-Podcast: Die Show des freien Wissens

    Am kommenden Samstag wird es im Rahmen der Wizards of OS 4 die „Show des freien Wissens“ geben. Ich habe dazu heute nach der WOS4-Pressekonferenz den Organisator der Show, Matthias Spielkamp dazu befragt. Hier ist das kurze Interview als MP3.

    „Freies Wissen“ – was soll das sein? Kann man es denn jemandem verbieten, etwas zu wissen? Man kann, und es wird auch getan: es wird Programmierern verboten, den Code anderer zu lesen, Musikern, Samples ihrer Idole zu verwenden, Wissenschaftlern, ihre eigenen Artikel online zu stellen. Doch es gibt Menschen, die sich dagegen wehren, dass das getan wird – und es sind inzwischen so viele, dass man von einer Bewegung sprechen kann. Ob das gut ist oder schlecht, ob die Ideen dieser Bewegung Sinn ergeben oder nicht, soll jeder selbst entscheiden. Spannend sind sie in jedem Fall, und das Thema hat mehr Konsequenzen für unseren Alltag, als viele bislang bemerkt haben. Damit das nicht so bleibt, gibt es diese Show. Sie wird das ganze weite Feld freien Wissens vorstellen: Musik, Filme, Infrastruktur, Games, Software. Aber nicht in Diskussionsrunden und Panels, sondern so, dass man sich auch dann nicht langweilt, wenn man sich noch nie mit dem Thema beschäftigt hat.

    Der Eintritt zur Show ist übrigens frei. Samstag, 15 Uhr in der Columbiahalle in Berlin. Das Interview steht unter der Creative Commons Namensnennungs-Lizenz und kann bei Namensnennung der Quelle (netzpolitik.org) gerne in anderen Medien geremixt werden.

    12. September 2006 2
  • : Überwachungswahn: Bei Flugangst nicht auf die Toilette gehen und beten
    Überwachungswahn: Bei Flugangst nicht auf die Toilette gehen und beten

    Zum fünften Jahrestag der Anschläge vom 11. September scheinen gerade alle durchzudrehen. Überwachungsminister Schäuble phantasiert davon, dass man Sprengstoff vom Hubschrauber aus erkennen kann. Was hat der denn geraucht?

    Forscher von British Aerospace Systems (BAE) verbraten derweil 24 Millionen Euro unserer Steuergelder, um im Auftrag der EU per Computer künftig Flugzeugpassagiere zu belauschen.

    Um ein terrorsicheres Flugzeug zu schaffen, sollen in Zukunft die Gespräche und Bewegungen von Flugpassagieren von Computern überwacht werden. Europäische Wissenschaftler arbeiten an einer Technologie, die Mikrophon- und Kameraaufnahmen aus dem Flugzeug an einen Computer übermittelt. Der Rechner ist darauf spezialisiert, verdächtiges Verhalten zu entdecken. (…) „Auffällig ist jemand, der nervös wirkt oder unerlaubt aufsteht. Sollte jemand aussehen, als ob er betet, können die Mikrophone bestimmte Schlüsselworte erkennen.“

    Aber es kommt noch besser:
    In jedem Fall würden die Kameras und Mikrophone auf den Toiletten installiert, denn dort würden Terroristen im Ernstfall ihre Bomben zusammenbauen.

    Die Realität überholt die Satire.
    Abgesehen davon, dass ic mich langsam frage, wie weit die es treiben können mit ihrem Sicherheits-Wahnsinn: Diese Versuche der Terrorabwehr setzen am falschen Ende an. Wenn Flugzeuge und Bahnen totalüberwacht werden, nehmen die Terroristen eben das nächste Mal eine Einkaufspassage oder eine Universität als Ziel oder stellen statt eines Koffers einfach ein Auto mit Sprengstoff irgendwo ab. Wer auf solche Szenarien setzt, wird in 99% der Fälle daneben liegen und unnötig Geld verbrennen, Fahrgäste durch Kontrollen und Schikanen nerven und eine Überwachungsgesellschaft bauen. Bruce Schneier sagt es mal wieder am besten:

    Rather than spending money on airline security, or sports stadium security – measures that require us to guess the plot correctly in order to be effective – we’re better off spending money on measures that are effective regardless of the plot.

    Schäuble via | BAE via

    12. September 2006 7
  • : Phishing: Nachlässige Unternehmen und dumme Nutzer
    Phishing: Nachlässige Unternehmen und dumme Nutzer

    Die Deutsche Welle berichtet über Phishing: Die wundersame Welt der Internetbetrüger

    Basare, Bewertungssysteme und Betrug: Internetkriminelle betreiben eine florierende Untergrundwirtschaft und scheuen die Öffentlichkeit nicht. Nachlässige Unternehmen und dumme Nutzer helfen ihnen dabei.

    [via]

    12. September 2006 1
  • : Liebe Abgeordnete aus dem Kulturausschuss
    Liebe Abgeordnete aus dem Kulturausschuss

    Sehr geehrter Herr Tauss, (+ Jochimsen, Göring-Eckardt, Otto, Grütters)

    ich wende mich an Sie, da Sie zu den Autorinnen und Autoren des Berichts im Kulturausschuss zu dem Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) gehören. Ich möchte Sie auf ein mögliches Problem bei der Anwendung des §15 hinweisen:

    “§ 15 Ablieferungspflichtige
    Ablieferungspflichtig ist, wer berechtigt ist, das Medienwerk zu verbreiten oder öffentlich zugänglich zu machen und den Sitz, eine Betriebsstätte oder den Hauptwohnsitz in Deutschland hat.”

    Seit einigen Jahren existieren eine Vielzahl von Projekten, die die Idee von Open-Source-Software (z.B. das Betriebssystem Linux) auf Medienwerke anwenden. Dazu gehört auch das Enzyklopädieprojekt Wikipedia. Die Texte stehen unter einer Lizenz, die jeder Person die öffentliche Verbreitung, das Kopieren und Verändern der Inhalte auch zu kommerziellen Zwecken ausdrücklich erlauben, sofern einige Bedingungen (Nennung der Urheber, Zugang zu den Texten in einem maschinenlesbaren Format) erfüllt sind. Die Wikipedia in deutscher Sprache enthält derzeit knapp 450.000 Artikel mit ungefähr 180 Millionen Wörtern (zum Größenvergleich: Die aktuelle 30-bändige Brockhaus Enzyklopädie kommt auf 33 Millionen Wörter). Die Bestimmungen der Lizenz, unter der Wikipedia und viele andere Werke stehen, finden Sie unter http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html im Original, unter http://www.giese-online.de/gnufdl-de.html in einer Übersetzung und http://de.wikipedia.org/wiki/GFDL mit einer kurzen Erläuterung.

    Darüber hinaus gibt es in Deutschland eine wachsende Zahl von Verlagen, die klassische gedruckte Bücher vertreiben, die ebenfalls unter freien Lizenzen stehen (den Käufern der Bücher also das Kopieren, Verbreiten und auch das Modifizieren erlauben).

    Wikipedia findet sich im Volltext unter http://www.wikipedia.org (deutsch: http://de.wikipedia.org). Darüber hinaus geben einige Verlage Distributionen der deutschsprachigen Wikipedia heraus, die im Buchhandel erworben und im Internet heruntergeladen werden können.

    Dem Wortlaut von § 15 (und der Definition von §3 DNBG) folgend ist somit jeder Deutsche ablieferungspflichtig, da er dank der Lizenz der Wikipedia berechtigt ist, das Medienwerk zu verbreiten oder öffentlich zugänglich zu machen.

    Habe ich etwas in der gesetzlichen Bestimmung übersehen, das diesem Wortlaut entgegenläuft?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Mathias Schindler

    [Dies ist ein (offener) Brief, der an einzelne Vertreter aller Bundestagsfraktionen verschickt wurde]

    11. September 2006 6
  • : Creative Commons für GEMA eine Spielwiese?
    Creative Commons für GEMA eine Spielwiese?

    Vor zwei Wochen wurde für einen Wettbewerbsbeitrag des „music media campus @ popkomm 2006″ von Jan Rähm ein Radiobeitrag zu Creative Commons erstellt, zu dem neben Peter Zombik von der IFPI noch der GEMA Pressesprecher und auch ich befragt wurde. Der Beitrag wurde oder wird noch u.a. auf MotorFM gesendet.

    Dabei äusserte sich mal wieder der Hans-Herwig Geyer, GEMA-Pressesprecher zu Creative Commons:

    Es wird nach wie vor wahrscheinlich eine bunte Spielwiese sein für den Hobby- und Amateurbereich, aber es ist keine Antwort für den Musikmarkt und für den Schutz der Musikkultur in Europa.

    Interessant wiederum ist, dass Peter Zombik vor einer „professionellen“ Nutzung von Creative Commons Lizenzen warnt, weil man ja keine Vergütung bekommt:

    Der ganz grosse Nachteil ist, gibt man eine Nutzung frei und macht das auch ohne Vergütung, kann man niemals eine solche Lizenz zurückholen.

    Und die GEMA wiederum gibt keine Vergütung, weil es ja nur Hobby- und Musikbereich ist. Hier beisst sich irgendwie der Hund in den Schwanz, oder?

    Hier ist der Beitrag als MP3.

    11. September 2006 4
  • : Nächster Berliner Webmontag
    Nächster Berliner Webmontag

    Nächste Woche Montag, den 18. September, wollen wir wieder einen Berliner Webmontag veranstalten. Bisher gibt es die folgenden Themen:

    # webride.org – Web-Demokratie-Plattform (Relaunched, Arash Yalpani)
    # Social Software im Einsatz bei NonProfits (Markus Beckedahl, newthinking communications GmbH)
    # Netlabels: Geschichte, Entwicklung und Blick in die Zukunft! Vor- und Nachteile von digitalen Labels für Musiker auf dem Weg ins Web 2.0‑Zeitalter (Moritz “mo.” Sauer, Phlow)

    Einlass ist wieder 19 Uhr, Beginn 20 Uhr und anschliessend nach den Vorträgen gibts Bier und Club-Mate. Und Ort ist wie immer der newthinking store in der Tucholskystr. 48 in Berlin-Mitte.

    11. September 2006
  • : TAZ-Interview zum Thema Überwachung mit Leon Hempel
    TAZ-Interview zum Thema Überwachung mit Leon Hempel

    In der Taz ist ein langes Interview von Dietmar Kammerer mit Leon Hempel vom Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin und dem Forschungsprojekt Urbaneye zum Thema Überwachung: „Transparenz wäre angemessener“.

    Als die Polizei vor Jahren begonnen hat, Videokameras im öffentlichen Raum aufzustellen, hat man sie als Mittel zur Bekämpfung von Straßenkriminalität verkauft. Davon ist inzwischen keine Rede mehr. Jetzt heißt es, man kann damit vielleicht Terroristen fangen – wenn auch nicht die Anschläge verhindern, wie meist zugegeben wird.

    Wenn man feststellt, dass ein Instrument nicht so wirkt, wie man sich das erhofft hat, braucht man eben eine andere Legitimation. In der Tat war es anfänglich so, dass die kriminalpräventive Wirkung durch Abschreckung im Vordergrund stand.

    Die Abschreckung von Straftätern hat nicht funktioniert?

    Evaluationen haben ergeben, dass sich ein solcher Effekt unterm Strich nicht nachweisen lässt. Das kann man konkret in Zahlen ausdrücken: Wenn zuerst von mal 60, mal 80 Prozent Kriminalitätsrückgang die Rede war, dann liegt der Kriminalitätsrückgang in Wirklichkeit alles in allem bei etwa bei 4 Prozent. Das kann bei bestimmten Deliktarten wie Autodiebstählen oder in bestimmten Räumen wie etwa auf Parkplätzen, die recht übersichtlich sind, im Einzelfall ganz anders aussehen. Ein allgemeiner Kriminalitätsrückgang ist aber nicht zu verzeichnen. Im Gegenteil, in einzelnen Bezirken von London wie Tower Hamlets steigt die Kriminalität, trotz Dauerüberwachung.

    Sie haben sich auch mit dem Thema Medien und Überwachung auseinandergesetzt. Wie bewerten Sie die Rolle der Medien in der aktuellen Sicherheitsdebatte?

    Medien haben ihr eigenes Format. In vielen Fällen gerät man als Wissenschaftler dazu in Widerspruch, weil man sich ungern zu endgültigen Aussagen hinreißen lässt. Pauschale Fragen wie: Ist Videoüberwachung gut oder schlecht?, kann man wissenschaftlich so nicht beantworten. Die Kontexte sind viel zu komplex, sodass man sehr weit ausholen müsste. Das ist natürlich nicht im Interesse der meisten Medienformate. Außerdem machen es sich die Medien in der Darstellung von Technologie häufig zu einfach. In erster Linie wird das Funktionieren von Technik gezeigt, egal um welche es sich dabei handelt. Für Techniksoziologen spannender ist aber die Frage: Wo funktioniert sie nicht oder nicht ihren Erwartungen entsprechend?

    11. September 2006 3