Generell

Inforadio: Sind Blogger Nihilisten?

Das Inforadio hat jetzt eine neue Sendung mit dem Titel „Druck & Blog“. Für diese wurde ich zu Blogs befragt, als Replik auf einen Artikel von Geert Lovink in „Lettre International“. Der scheint sich gerade als Blog-Kritiker profilieren zu wollen und hatte in dem Artikel einige Thesen aufgestellt, wie „Blogger sind Nihilisten“. (Auszug des Artikels findet man hier) Aber hört selbst: „Freies Wissen im Netz“

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Schwerpunkt dieser Sendung ist das Medium, dem ein Teil dieser Sendung jede Woche gewidmet ist: Das Weblog, kurz „Blog“ genannt. Es gibt auch einen aktuellem Anlass: Am Wochenende 16./17. September findet in Berlin ein großer Kongress zum Thema „Freies Wissen im Netz“ statt, und dieses freie, für jedermann zugängliche, von jedermann erweiterbare Wissen ist auch der bewegliche Inhalt jener Blog-Seiten im Internet, die von Menschen gemacht werden, die viel oder nur ein bisschen wissen, die mit ihrem Wissen aber vor allem das ergänzen wollen, was in den traditionellen Medien an Information geliefert wird, die ihr Wissen dem etablierten Wissen entgegensetzen wollen.

Und hier mal kurz mal ein Abschnitt zu Lovink:

Auch Lovink glaubt nicht an eine Umwertung aller journalistischen Werte durch die Weblog-Kultur, aber anders als sein amerikanischer Kollege sieht er sehr wohl Auswirkungen der neuen Praxis auf die traditionellen Medien – und zwar negative Auswirkungen: Sie werden durch die Blogosphäre unterminiert. Lovink kommt zu seinen Schlüssen mit Hilfe vieler philosophischer Zitate – die Grundlinie seines Arguments lautet – vereinfacht – etwa so: Blogging entsteht aus Überdruss, Unsicherheit und Zweifel an der Macht etablierter Medien, die Welt angemessen zu deuten. Dieser Zweifel ist Ausdruck der Komplexität der postmodernen Welt – die Blogger haben das Gefühl, dass Wesentliches nicht mehr gesagt wird, wissen aber auch nicht, wie es gesagt werden könnte, und legen deshalb nur noch das Versagen bloß:

„Es gibt tatsächlich ein Streben nach Wahrheit in der Welt der Blogs – einer Wahrheit, die mit einem Fragezeichen versehen ist. Wahrheit ist zu einem Projekt von Amateuren geworden und kein absoluter Wert mehr, der durch höhere Autoritäten sanktioniert wird.“

In dieser Situation gleichen die Blogger Parasiten, wenn sie sich an die traditionellen Medien heranmachen – Lovink spricht von einer „Strategie des Ausblutens“ – gleichzeitig werden diese Parasiten frustriert:

„Blogs sind jene Zeugen und Archivare der schwindenden Macht der Mainstream-Medien, die deren Ideologie ganz bewusst nicht durch eine Alternative ersetzt haben. Die Nutzer sind der Einwegkommunikation von oben nach unten überdrüssig geworden – und sie haben dennoch keinen anderen Ort, an den sie gehen können.“

Hier ist die MP3 der Sendung.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
3 Kommentare
  1. Dieses Weblog existiert nicht. Sagt Lovink, wenn ich ihn richtig verstehe, denn er sagt ja: „Die Nutzer sind der Einwegkommunikation von oben nach unten überdrüssig geworden – und sie haben dennoch keinen anderen Ort, an den sie gehen können.“

    Da ich Netzpolitik.org aber als genau solch einen anderen Ort empfinde und Lovink bestimmt Recht hat (er ist ja auch kein Amateur nehme ich an…), existiert Netzpolitik.org folgerichtig nicht.

    P.S.: Ihr Blogger sprecht doch auch immer vor jedem Blogeintrag ein kleines Gebet an den Mediengott, wo ihr ihn um Vergebung bittet, weil ihr wieder sündigt und euch parasitär an den Mainstream-Medien mittels eures Weblog-Eintrages labt, oder? Gehört sich schließlich so.

  2. Geert Lovinks Artikel beinhaltet zum Teil ganz schönen verallgemeinernden Mumpitz, der sich darin fusst, dass Lovink alle Blogs über einen Kamm scheren will. Was natürlich nicht geht.
    Zum Beispiel sagt er, ausgehend von Tips von Problogger.net, dass Bloggen im Grunde mit Werben gleichzusetzen sei. Unabhängig davon, dass diese Tips auf professionelles Bloggen mit Adwords und blah ausgelegt ist, was sich nicht auf das Bloggen als solches übertragen lässt.

    Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich eine asuführliche Kritik zu diesem Artikel geschrieben, hab ich aber leider nicht geschafft. soclhes Halbwissen wie in dem Artikel garniert mit dutzenden Philosphiezitaten, da muss man ja Ausschlag von bekommen..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.