Linkschleuder
Linktipps der Redaktion
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: Von Schildkröten, Schlössern und Badezimmern: Was verstehen wir unter Privatsphäre?
Privatsphäre als physischer Rückzugsraum? Ein wiederkehrendes Motiv. (Collage durch uns.) : Von Schildkröten, Schlössern und Badezimmern: Was verstehen wir unter Privatsphäre? Was verstehen wir eigentlich unter Privatsphäre? Unterscheidet sich die Vorstellung eines Laien von den vielen wissenschaftlich etablierten Definitionen und Konzepten? Diesen Fragen sind Maggie Oates und ihre Kolleg*innen von der Carnegie Mellon University nachgegangen. In ihrer Forschungsarbeit (pdf) analysierten sie 366 Zeichnungen von Kindern und Erwachsenen, Expert*innen und Laien aus den USA auf die zugrundeliegenden Metaphern und Konzeptionen von „Privacy“.
Die Zeichnenden reagierten alle auf die Frage „Was bedeutet Privatsphäre für dich?“. […] Wir haben festgestellt, dass viele Zeichnungen von Laien eine starke Trennung zwischen öffentlichen und privaten physischen Räumen aufzeigten, während Experten eher nuancierte Datenschutzräume zeichneten. Die Zeichnungen von jungen Kindern fokussierten sich vor allem auf Schlafzimmer, Badezimmer oder das Betrügen in der Schule und haben das Thema Datenschutz nur selten adressiert.
(Eigene Übersetzung)Maggie Oates und ihre Kolleg*innen glauben, dass ihre Ergebnisse genutzt werden können, um Entscheidungen zur Privatsphäre besonders Laien zugänglicher und besser verständlich zu machen. Die Konzeptionen von Expert*innen könnten dabei helfen: Zwar seien ihre Metaphern nicht grundsätzlich besser, aber sie könnten nützlicher sein, um über die Gefahren der gegenwärtig vorherrschenden Informationsverarbeitung nachzudenken.
Maggy Oates hat die Arbeit auch als Vortrag auf dem diesjährigen Privacy Enhancing Technologies Symposium vorgestellt (ab Minute 48).
https://youtu.be/QUe7AQDRGJ0?t=48m8s
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: Gesichtserkennung von Amazon verwechselte US-Abgeordnete mit Verdächtigen
Einfach verwechselt: Amazon-Software tut sich besonders bei nichtweißer Hautfarbe schwer : Gesichtserkennung von Amazon verwechselte US-Abgeordnete mit Verdächtigen Amazons umstrittene Gesichtserkennungssoftware Rekognition hat in 28 Fällen die Gesichter von Kongressabgeordneten versehentlich als Verdächtige aus einer Datenbank festgenommener Amerikaner erkannt. Der grobe Fehlgriff der Software kam bei einem Test der Bürgerrechtsorganisation ACLU zutage. Rekognition wird Polizeibehörden zur Identifikation von gesuchten Straftätern angeboten und kommt in der Metropole Orlando bereits zum Einsatz. Die Bürgerrechtler glichen Bildern der insgesamt 535 Abgeordneten in Senat und Repräsentantenhaus mit der Datenbank ab, dabei produzierte Rekognition Fehlerkennungen bei Politikern aller Ethnien und Altersgruppen.
Besonders viele Schnitzer leistete sich die Software allerdings bei bestimmten Gruppen, berichtet ACLU:
Die falschen Übereinstimmungen betrafen übermäßig oft Menschen nichtweißer Hautfarbe […] Die Resultate zeigen, warum der Kongress die ACLU dabei unterstützen sollte, ein Moratorium für den Einsatz von Gesichtserkennung durch die Strafverfolgungsbehörden zu fordern. […] Eine Identifikation [durch die Software] – ob sie nun stimmt oder nicht – kann Menschen ihr Leben oder ihre Freiheit kosten.
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: 3D-Druck: Semi-automatische Waffen für alle
: 3D-Druck: Semi-automatische Waffen für alle Der Download von 3D-Drucker-Bauplänen für einsatzbereite Schusswaffen wird ein großes Stück einfacher. Ab dem 1. August stellt die Plattform defcad.com fertige Vorlagen ins Internet, darunter auch das des semi-automatischen Gewehres AR-15, das sich bei Massenmördern in den USA großer Beliebtheit erfreut.
Hintergrund ist ein Umschwenken der Trump-Administration, die entschieden hat, ein noch von der Obama-Regierung begonnenes Gerichtsverfahren nicht mehr weiterzuverfolgen. Wired schreibt:
Vor zwei Monaten hat das US-Justizministerium [dem libertären Waffennarren Cody Wilson] eine Einigung angeboten, um einen Rechtsstreit zu beenden, den er und eine Gruppe von Mitklägern seit 2015 gegen die US-Regierung angestrengt hatte. Wilson und seine Anwälte haben ihre juristische Argumentation auf „freie Rede“ gestützt: Sie hoben hervor, dass das US-Außenministerium beim Verbot, die 3D-Modelle zum Download anzubieten, nicht nur sein in der US-Verfassung garantiertes Recht, Waffen zu besitzen, verletzt hat, sondern auch sein Recht, Information frei zu teilen.
Wie gut die selbst-gedruckten Waffen tatsächlich funktionieren, bleibt vorläufig unklar. Vor fünf Jahren hatte das Make Magazin mal eine solche Waffe hergestellt, mit durchwachsenem Erfolg. Seitdem sind allerdings einige Jahre ins Land gezogen. Wir werden es wohl bald herausfinden.
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: Erfolg für Informationsfreiheit: Außenamt muss Lagebericht zu Afghanistan veröffentlichen
Afghanistan ist von Normalität noch weit entfernt, urteilt das Auswärtige Amt. : Erfolg für Informationsfreiheit: Außenamt muss Lagebericht zu Afghanistan veröffentlichen Obwohl das deutsche Außenministerium die Sicherheitslage in Afghanistan als „weiterhin volatil“ einschätzt, staatlichen Institutionen eine nur eingeschränkte Wirkmächtigkeit attestiert und „die höchste Konzentration an bewaffneten Widerstands- und Terrororganisationen weltweit“ feststellt, steigt die Zahl der Abschiebungen in das kriegsgeschüttelte Land. Das geht aus dem Lagebericht des Auswärtigen Amtes hervor, dessen (teilweise geschwärzte) Veröffentlichung die Plattform fragdenstaat.de erwirkt hat.
Der Lagebericht dient unter anderem dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und den Verwaltungsgerichten als Entscheidungshilfe in Asylverfahren, die über das Schicksal von Menschen entscheiden. fragdenstaat.de schreibt:
Die Abschiebungspolitik der Bundesregierung gegenüber Afghanen wird härter. Wurden im Jahr 2015 noch 22,3 Prozent der Asylanträge von Schutzsuchenden aus Afghanistan abgelehnt, lag die Ablehnungsquote im Jahr 2017 schon bei 52,6 Prozent. Bundesinnenminister Horst Seehofer freute sich in einer Pressekonferenz vor zwei Wochen, an seinem 69. Geburtstag seien 69 Personen nach Afghanistan abgeschoben worden.
Offizielle Grundlage der verschärften Politik der Bundesregierung ist der „Bericht über die asyl- und abschiebungsrelevante Lage“ in Afghanistan, den wir hier erstmals mit Schwärzungen veröffentlichen. Darin bewertet das Auswärtige Amt die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Afghanistan. Der 31-seitige Bericht beschreibt die Umstände, die möglicherweise abgeschobene Afghanen bei ihrer Rückkehr vorfinden würden.
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: Die Milliardäre des Silicon Valley und ihr Ausweg aus der Apokalypse
Der Klimakatastrophe entkommen: Die Reichen des Silicon Valley planen bereits die Flucht : Die Milliardäre des Silicon Valley und ihr Ausweg aus der Apokalypse Der Autor und Technologie-Vordenker Douglas Rushkoff wird zu einem Vortrag in das stattliche Anwesen eines Silicon-Valley-Milliardärs eingeladen. Dort angekommen, findet er allerdings keinen Vortragssaal vor, sondern nur einen runden Tisch mit fünf sehr wohlhabenden Männern. Und statt Investmenttipps suchen sie nach Antworten der völlig anderen Art: Wie Technologie und ihr Reichtum sie auch nach dem Untergang der Zivilisation schützen kann.
Die Begegnung schildert Rushkoff in einem Beitrag, den nun der Guardian veröffentlichte:
Schlussendlich erklärte der Chef einer Investmentfirma, dass er mit dem Bau eines unterirdischen Bunkerkomplexes nahezu fertig sei. Er fragt: „Wie kann ich die Kontrolle über meine Sicherheitskräfte auch nach dem Ereignis behalten?“ Das Ereignis. Das ist ihre blumige Umschreibung für die Umweltkatastrophe, die Unruhe, Nuklearkatastrophe, der Virus oder die Mr-Robot-Hackerattacke, die zum Untergang führt. Diese einzige Frage beschäftigte uns für den Rest der Stunde.
Der Beitrag fragt, was aus der offenen und optimistischen Vision des Internets der frühen 1990er-Jahren geworden sei. Silicon-Valley-Milliardäre wie Peter Thiel und Elon Musk hätten diese durch vom Transhumanismus inspirierte Ideen wie die Kolonisierung des Mars ersetzt, die nur auf das Überleben einiger weniger abzielten. „Für sie geht es bei der Zukunft der Technologie wirklich nur um eine einzige Sache: Flucht“, schreibt Rushkoff. Sein Text lässt einen erschaudern.
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: Informationsfreiheit: Finale der IFG-Meisterschaften hat begonnen
Bildungsministerin Karliczek und Außenminister Maas treten im Transparenz-Finale gegeneinander an : Informationsfreiheit: Finale der IFG-Meisterschaften hat begonnen Bei FragDenStaat hat das Finale der IFG-Meisterschaften begonnen. Das Prinzip der Meisterschaften: FragDenStaat stellt in vier Runden Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz an Bundesministerien. Wer zuerst antwortet, kommt eine Runde weiter.
In den bisherigen drei Runden setzten sich das Bildungsministerium von Anja Karliczek und das Auswärtige Amt von Heiko Maas durch. Das Ministerium, das eine aktuelle Anfrage zu Website-Statistiken schneller zufriedenstellend beantwortet, wird Transparenzsieger 2018. In einem Trailer feiert FragDenStaat die Finalistinnen:
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: Das bayerische Polizeigesetz: Ein rechtsstaatlicher Paradigmenwechsel
: Das bayerische Polizeigesetz: Ein rechtsstaatlicher Paradigmenwechsel Für die August-Ausgabe der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ hat unsere Autorin Marie Bröckling die Kritik am neuen bayerischen Polizeigesetz und dem damit vollzogenen Paradigmenwechsel zusammengefasst. Das verschärfte Polizeigesetz wurde im Mai von der CSU im Alleingang verabschiedet, zuvor gab es vehementen Protest. Auf netzpolitik.org haben wir für drei Monate schwerpunktmäßig zu dem neuen Polizeigesetz berichtet.
Nach der Neuregelung dürfen bayerische Beamte nun bereits bei vagem Verdacht Maßnahmen einsetzen, die die Freiheit einschränken, etwa Gewahrsam von standardmäßig drei Monaten oder elektronische Fußfesseln. Als Verdachtsgrundlage gegen eine Person könnte eine Reise oder die Zugehörigkeit zu einer Szene ausreichen. Das gleicht einer Ökonomisierung der Sicherheitspolitik: Gefahren sollen bereits vor ihrer Entstehung verhindert werden.
In den Gesetzen wird das über das rhetorische Konstrukt des „Gefährders“ geregelt, also einer Person, die noch nichts strafbares getan hat, aber es tun könnte. Das Problem: Ein Gefährder in Haft kann niemals seine Unschuld beweisen.
Damit verschiebt das bayerische Polizeigesetz die Maßstäbe für polizeiliche Eingriffsbefugnisse nachhaltig: Es ist ein „gesetzgeberischer Exzess“, der erst am Anfang eines Gangs durch die Verfassungsgerichte steht. In den nächsten Monaten folgen weitere Polizeigesetze in NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Bremen und Sachsen.
Wir werden für Euch darüber berichten. -
: Zehntausende bei Großdemo: #Ausgehetzt – Gemeinsam gegen die Politik der Angst
Der Demoaufruf : Zehntausende bei Großdemo: #Ausgehetzt – Gemeinsam gegen die Politik der Angst Unter dem Motto „Ausgehetzt – Gemeinsam gegen die Politik der Angst“ gingen am Sonntag trotz strömenden Regens zehntausende Menschen in München auf die Straße. Die Veranstalter*innen zählten 50.000 Teilnehmende, die traditionell etwas niedriger schätzende Polizei immerhin mindestens 20.000. Mehr als 160 Organisationen hatten den Aufruf unterzeichnet, der vor allem den CSU-Politikern Seehofer, Söder, Dobrindt und Co. eine „verantwortungslose Politik der Spaltung“ vorwirft.
Neben der Kritik an der aktuellen Asyl- und Migrationspolitik der CSU wandte sich der Protest unter anderem gegen das vor kurzem massiv verschärfte bayerische Polizeiaufgabengesetz (PAG). Das noPAG-Bündnis stellte eine von vier Auftaktkundgebungen, die sich mit den Kundgebungen rund um Asyl und Migration, soziale Missstände und der Gleichbehandlung aller Geschlechter und sexuellen Orientierungen zu einer gemeinsamen Abschlusskundgebung auf dem Königsplatz vereinte.
Wir berichteten in den vergangenen Monaten über die geplante PAG-Verschärfung in Bayern, aber auch von neuen Polizeigesetzen in anderen Bundesländern. Gegen die bayerische Novelle allein gingen an Himmelfahrt 40.000 Menschen in München auf die Straße.
Spiegel Online über die Ausgehetzt-Demonstration:
Ein Sprecher der Organisatoren berichtete, Tausende Menschen seien zu Beginn der Kundgebung noch in den Nebenstraßen gewesen und nicht auf den überfüllten Königsplatz gelangt. […] Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter sagte der Münchner „Abendzeitung“: „Es ist ein Wahnsinn, dass bei diesem Wetter wieder so viele Leute auf die Straße gehen. Das zeigt, wie die Politik unserer Staatsregierung bei den Menschen ankommt!“ Der SPD-Politiker kritisierte demnach: „Der soziale Friede in unserer Stadt und in Bayern ist gefährdet. Durch Verrohung der Sprache und völlig falsche Prioritätensetzung. Wir stehen auf, immer wieder, wenn’s notwendig ist“.
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: Freitag in Berlin: Soliparty für systemli.org im about blank
: Freitag in Berlin: Soliparty für systemli.org im about blank Dance like nobody’s watching: An diesem Freitag, dem 27. Juli, findet im Berliner Club ://about blank eine Party zur Unterstützung von systemli.org statt. Das Technik-Kollektiv bietet unabhängige und verschlüsselte Kommunikationsinfrastrukturen für politische Aktivist*innen und Privatpersonen. Dazu gehören etwa E‑Mail, Jabber-Server, Pads und Cloud-Dienste. Zudem informiert systemli über Möglichkeiten der digitalen Selbstverteidigung. Zuletzt veröffentlichte die Truppe eine Anleitung, um Smartphones von Google zu befreien. Äußerst unterstützens- und tanzenswert!
Also: Raven gegen Überwachung am Freitag ab 23:59 Uhr im ://about blank. Der Gewinn der Party kommt systemli und einem Projekt für antifaschistische Kiez- und Solidaritätsarbeit mit und für Geflüchtete zugute.
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: Singapur: Angreifer erbeuten Gesundheitsdaten von 1,5 Millionen Menschen
In Krankenhäusern fallen viele intime Daten an. : Singapur: Angreifer erbeuten Gesundheitsdaten von 1,5 Millionen Menschen „Durchdacht, gezielt und gut geplant“ soll der Angriff gewesen sein. Die Regierung meldete heute, dass eine staatliche Gesundheitsdatenbank gehackt wurde. Die Angreiferinnen stahlen Daten von Patienten, die zwischen Mai 2015 und Juli diesen Jahres in einer der Kliniken waren. Ein Drittel der Bewohnerinnen des Stadtstaats, darunter Premierminister Lee Hsien Loong, sollen betroffen sein:
„Die Angreifer zielten wiederholt und genau auf die persönlichen Angaben von Premier Lee Hsien Loong sowie Informationen über die ihm ambulant verabreichten Medikamente ab“, sagte ein Pressesprecher. Regierungsbeamte gaben keine Informationen über die Identität der Hacker heraus und begründeten das mit „operationeller Sicherheit“.
Singapur versteht sich selbst als „smarter Staat“ und ist auf dem Weg, Regierungsdatenbanken sowie grundliegende Dienstleistungen zu digitalisieren. Dabei schreckt die Regierung nicht davor zurück, die Privatsphäre der Einwohnerinnen stark einzuschränken, etwa durch Gesichtserkennung an Straßenlaternen.
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: Wie die britische Labour-Partei ihren eigenen Parteichef mit Microtargeting linkte
Zu links für Labour: Parteichef Jeremy Corbyn wurde offenbar von den eigenen Funktionären getäuscht : Wie die britische Labour-Partei ihren eigenen Parteichef mit Microtargeting linkte Im britischen Parlaments-Wahlkampf 2017 wurde Oppositionsführer Jeremy Corbyn von der sozialdemokratischen Labour Party offenbar durch die eigene Parteizentrale manipuliert. Wie die Times berichtet, kauften führende Funktionäre in der Parteizentrale von Labour Werbeanzeigen auf Facebook im Wert von ein paar tausend Pfund, die ausschließlich Corbyn und seine engsten Vertrauten zu sehen bekamen. Dafür nutzten sie die Funktion bei Facebook, die zielgerichtete Werbung (sogenanntes Microtargeting) bei einzelnen Nutzern erlaubt. Der Rest der Wählerschaft hingegen bekam Botschaften mit anderen Inhalten zu sehen. Ziel war es, dem Team um Corbyn zu suggerieren, dass dessen Inhalte breit gestreut werden. Die Labour-Parteiführung wollte damit einen allzu linken Wahlkampf verhindern.
Die Enthüllung ist Tom Baldwin zu verdanken, der als Kommunikationsberater für den ehemaligen Labour-Chef Miliband gearbeitet hat. Der Sunday Times wurde das Täuschungsmanöver von zwei weiteren Labour-Funktionären bestätigt. In seinem gerade erschienen Buch „Ctrl Alt Delete: How Politics and the Media Crashed Our Democracy“ schreibt Baldwin:
Wenn es um die Themen ging, die Corbyn besonders wichtig waren, haben seine Mitarbeiter des Öfteren eingefordert, enorme Summen für Werbung auf Facebook auszugeben. Für die Parteizentrale war das nichts als Geldverschwendung. [Eigene Übersetzung]
Buchautor Baldwin plädiert für ein klares Verbot von politischer Werbung auf sogenannten sozialen Netzwerken:
Wenn selbst der Oppositionsführer von seiner eigenen Partei in diesem Maße ausgetrickst werden kann, welche Chance haben dann die Wählerinnen und Wähler überhaupt noch, eine wirkliche Entscheidung zu treffen? […] Die Lösung ist nicht etwa mehr Transparenz oder Kontrolle, sondern ein vollständiges Verbot politischer Werbung im Internet. [Eigene Übersetzung]
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: Die Macht von Match: Tinder-Konzern reißt Markt für Online-Dating an sich
: Die Macht von Match: Tinder-Konzern reißt Markt für Online-Dating an sich Viele der beliebtesten Dating-Seiten und Apps im Netz gehören ein und demselben Konzern, der Match Group. Die beliebten Dienste Tinder, OKCupid und Match.com gehören ihm ebenso wie zahlreiche andere Datingplattformen. Das mindert jedoch nicht den Appetit der Match Group auf weitere Ankäufe, zuletzt etwa die Plattform Hinge. Zwar versucht der Konzern, sich unter Verweis auf Privatsphäre-Bedenken von Facebook abzugrenzen. Dennoch entwickelt sich Match selbst zu einem großen Sammler persönlicher Daten von Nutzerinnen und Nutzern im Internet und wendet ähnliche Techniken an, um sie auf den eigenen Portalen zu halten.
Der Konzern nutzt intimste Informationen für immer präziser zugeschnittene Werbung. Match beute dabei die emotionalen Bedürfnisse von Millionen Menschen für kommerzielle Zwecke aus, berichtet das Open Markets Institute in seinem aktuellen Newsletter:
Für Cathy O’Neil, eine Datenwissenschaftlerin und Autorin von Weapons of Math Destruction, besteht ein Ziel von Match schlicht darin, die Menge an Zeit zu maximieren, die User mit seinen Produkten verbringen. „Ihr Ziel ist es nicht, dir einen Partner zu finden – ihr Ziel ist es, dass Du die App andauern nutzt.“ Jedes Mal, wenn jemand einen fixen, exklusiven Partner finde, verliere der Konzern einen Kunden, sagt O’Neil. […] „Das ist es, was mich an der Idee so gruselt, dass jemand kommerzielle Interessen an Dating hat. Wenn sie damit Erfolg haben, schaffen sie nicht nur loyale Nutzer, sondern sie ändern unsere Kultur.“
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: Abhörskandal um Fußballfans in Leipzig: 921 belauschte Telefone
Fans der BSG Chemie Leipzig bei einem Spiel gegen den FC International (2014). : Abhörskandal um Fußballfans in Leipzig: 921 belauschte Telefone Es geht um mehr als 900 abgehörte Telefonanschlüsse und hunderte Betroffene, darunter mehrere Berufsgeheimnisträger. Fans des Fußballklubs BSG Chemie Leipzig fühlen sich kriminalisiert. So lautet die Bilanz eines Ermittlungsverfahrens gegen die Ultra-Szene des Vereins, das nun mangels hinreichendem Tatverdacht eingestellt wurde. Bereits seit 2013 sucht die sächsische Justiz intensiv nach „kriminellen Strukturen“ im Umfeld des Fußballvereins. Die Exekutive belauschte in vorherigen Verfahren bereits hunderte Menschen, nur um die Ermittlungen am Ende einzustellen.
Die Leipziger Volkszeitung resümiert in einer Geschichte:
Bei 921 Telefonanschlüssen wurde zwischen August 2015 und Mai 2016 mitgehört. Von 484 Telefonierenden seien auch Identitäten ermittelt und aktenkundig geworden. 371 der Abgehörten waren nachweislich nur Drittbetroffene – also Menschen, gegen die nicht einmal ein Anfangsverdacht bestand. Sie waren lediglich Gesprächspartner der Fans. Und wie bereits beim ersten Verfahren sind neben Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen der Beschuldigten auch mindestens ein Journalist und drei Rechtsanwälte dabei, so Klein weiter.
Einige Fans von BSG Chemie Leipzig wehren sich seit kurzem mit der Kampagne „129 Freunde“ gegen die jahrelange Überwachung. „Wir wollen aufklären und zeigen, was hinter den Ermittlungen steckt, wer aus welchem Grund und wie überwacht wurde und warum die Vorwürfe falsch waren und sind“, heißt es im Aufruf. Der Kampagnenname ist eine Referenz an den von der Staatsanwaltschaft genutzten Paragrafen 129 des Strafgesetzbuches, der die Bildung von kriminellen Vereinigungen unter Strafe stellt.
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: Reporter ohne Grenzen solidarisiert sich mit Zwiebelfreunden
Die Zwiebelfreunde gerieten fadenscheinig begründet ins Visier der Behörden : Reporter ohne Grenzen solidarisiert sich mit Zwiebelfreunden Reporter ohne Grenzen hat sich nach einer schwer rechtfertigbaren Hausdurchsuchung mit dem Verein Zwiebelfreunde solidarisiert. Die Begründung der Polizei für ihr Vorgehen sei „konstruiert“, kritisiert die Journalistenorganisation in einer Pressemitteilung.
Zwiebelfreunde betreibe Tor-Knotenpunkte unter anderem für Reporter ohne Grenzen und sei damit ein wichtiger strategischer Partner der Organisation, betont Reporter ohne Grenzen (ROG):
„Das Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden ist absolut unverhältnismäßig und auch als Angriff gegen Anonymität im Internet anzusehen“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Das Vorgehen schüchtert Netzaktivisten, aber auch Journalisten ein, die sich für sichere Kommunikation im Internet einsetzen. Die Behörden müssen alle beschlagnahmten Geräte und Dokumente sofort zurückgeben und die Hintergründe ihres Vorgehens erklären.“
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: Arte-Dokumentation: Hysterie ums Netz (Besser als der Titel verspricht)
: Arte-Dokumentation: Hysterie ums Netz (Besser als der Titel verspricht) In der Arte-Mediathek gibt es bis Montag die 90 Minuten lange BR-Dokumentation Hysterie ums Netz zu sehen. Der Film von Katarina Schickling ist interessanter, als der Titel verspricht. Es kommen verschiedene (leider fast ausschließlich männliche) Stimmen zu Wort, die aktuelle netzpolitische Debatten und Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven beschreiben.
Das Internet hat seine Unschuld verloren: Filterblasen, Fake News, Bots – sie sollen in den sozialen Medien unsere Meinung beeinflussen. Zwar versprechen Smarthomes, Sprachassistenten und vernetzte Autos gleichzeitig unser Leben einfacher zu machen – doch welchen Preis bezahlen wir, wenn wir dafür unsere Daten preisgeben?
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: Google gibt externen Firmen Zugriff auf Gmail-Konten von Nutzern [Update]
Gmail ist fürs erste EU-rechtlich kein Telekommunikationsdienst : Google gibt externen Firmen Zugriff auf Gmail-Konten von Nutzern [Update] Google erlaubt externen Softwareentwicklern weiterhin den Zugriff auf E‑Mails von Millionen Gmail-Nutzern. Vor einem Jahr versprach der Internetgigant zwar, die Inhalte der Mails von Kunden nicht mehr für maßgeschneiderte Werbung zu analysieren. Doch das setzte der umstrittenen Datenpraxis des Konzerns offenbar kein Ende.
Hunderte Firmen haben Zugriff auf private Nachrichten von Gmail-Nutzern, berichtet nun das Wall Street Journal:
„[…] der Internetgigant erlaubt es hunderten externen Entwicklerfirmen, die Inboxen von Millionen von Gmail-Nutzern zu scannen, die sich für E‑Mail-basierte Dienstleistungen wie Onlineshopping-Preisvergleiche, automatisierte Reiseplaner und andere Tools angemeldet haben. Google tut wenig, um deren Vorgehen zu kontrollieren.
Meist werden die E‑Mails maschinell ausgewertet, um Werbung besser individualisiert ausliefern zu können. Doch in einigen Fällen haben auch die Mitarbeiter der Firmen selbst zu Schulungszwecken Zugriff auf die Daten, berichtet die US-Zeitung. Wer Gmail verwendet, sollte darauf gefasst sein.
Update: Zahlreiche Leser haben uns darauf hingewiesen, dass in den beschriebenen Fällen Gmail-Nutzer den externen Anbietern über den OAuth-Standard die Genehmigung zum Auslesen ihrer E‑Mails erteilt hätten. Für Leute mit IT-Verständnis ist die Bedeutung der Genehmigung sicher offenkundig, aber vielen Nutzern war wohl nicht klar, dass sie einem derartig weitgehenden Zugriff auf ihre privaten Mails durch externe Firmen und deren Mitarbeiter zugestimmt haben.
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: Wenn das Smart Home zum Werkzeug für häusliche Gewalt wird
Wer die vernetzten Geräte bedienen kann, kann Macht und Kontrolle ausüben. (Symbolbild) : Wenn das Smart Home zum Werkzeug für häusliche Gewalt wird Der Zahlencode vom digitalen Türschloss ändert sich jeden Tag. Elektronische Gerät schalten sich von alleine immer wieder aus. Immer mehr Betroffene häuslicher Gewalt erzählen von vernetzten Geräten, die sich scheinbar gegen sie verschworen haben, berichtet die New York Times. Die Zeitung hat mit mehr als 30 Überlebenden häuslicher Gewalt, ihren Anwältinnen und Anwälten sowie Mitarbeitenden von Schutz- und Hilfseinrichtungen über das neue Werkzeug für Missbrauch gesprochen.
Vernetzte Türschlösser, Kameras oder Lautsprecher würden für Kontrolle und Überwachung, aber auch zur Belästigung oder Rache genutzt:
Graciela Rodriguez leitet eine Notunterkunft mit 30 Betten am Center for Domestic Peace in San Rafeal, Kalifornien. Sie erzählt, einige Leute seien kürzlich mit Geschichten über „verrückt machende Dinge“ zu ihnen gekommen, etwa Thermostate, die plötzlich auf über 38 Grad Celsius springen oder smarte Lautsprecher, die unerwartet laute Musik abspielen. „Sie fühlen sich, als würden sie die Kontrolle über ihr Zuhause verlieren“, sagt sie. „Nachdem sie ein paar Tage hier verbracht haben, realisieren sie, dass sie missbraucht wurden.“
[…] Die Personen, die mit der New York Times über ihre Belästigung durch Smart-Home-Geräte sprachen, waren alle Frauen. Viele von ihnen leben in reichen Vororten, in denen diese Art von Technologie Einzug gehalten hat. […] Eine der Frauen, eine Doktorin aus dem Silicon Valley, erzählte, ihr Ehemann, ein Ingenieur, „kontrolliert das Thermostat. Er kontrolliert das Licht. Er kontrolliert die Musik.“ Sie sagt: „In von Missbrauch geprägte Beziehungen geht es um Macht und Kontrolle und er benutzt dafür Technologie.“ [Eigene Übersetzung]
Der Missbrauch technischer Geräte zu Kontrollzwecken ist nichts Neues. Die Möglichkeiten für Missbrauch sind jedoch in einem komplett vernetztem Zuhause weitaus größer. Genaue Fallzahlen sind den von der Times befragten Polizeibehörden nicht bekannt, dafür sei das Internet of Things eine noch zu neue Erfindung. Mit der rapide zunehmenden Anzahl der Geräte scheint eine Beschäftigung mit dem Missbrauchspotenzial der Geräte jedoch unumgänglich.
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: Bündnis an EU-Kommission: Schluss mit der Vorratsdatenspeicherung
Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis fordert von der EU-Kommission, den offenen Rechtsbruch "Vorratsdatenspeicherung" zu beenden. : Bündnis an EU-Kommission: Schluss mit der Vorratsdatenspeicherung Mit der Vorratsdatenspeicherung verstoßen einige EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, seit einigen Jahren gegen einschlägige Urteile des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Damit soll nun endlich Schluss sein, fordern über 60 zivilgesellschaftliche Organisationen in einem offenen Brief an die EU-Kommission und fordern Konsequenzen für diesen anhaltenden Rechtsbruch.
Die Digitale Gesellschaft, neben EDRi, epicenter.works oder Freifunk Teil des breiten Bündnisses, schreibt dazu:
Obwohl der Europäische Gerichtshof der anlasslosen Vorratsdatenspeicherung schon mehrfach eine klare Absage erteilt hat, sind in insgesamt 17 Mitgliedstaaten der EU, darunter auch Deutschland, nach wie vor Gesetze über die pauschale Protokollierung der elektronischen Kommunikation in Kraft. Diese zur Schau getragene Gleichgültigkeit ist nicht nur ein Affront gegen die Autorität des Gerichtshofes, sondern vor allem gegen die Grundrechte der Bürger*innen. Die Kommission darf diesen offenen Bruch mit Werten und Kerngedanken der EU nicht länger tolerieren. Wir verlangen daher, dass der hartnäckigen Verweigerungshaltung der Mitgliedstaaten endlich mit Vertragsverletzungsverfahren begegnet wird“, erklärt Elke Steven, Geschäftsführerin des Vereins Digitale Gesellschaft.
Auf der Webseite der Initiative steht zudem eine Vorlage im odt-Format bereit. Mit der lässt sich einfach und schnell eine eigene Beschwerde an die EU-Kommission verschicken.
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: Deutsche Behörden lieferten Daten von 30 Fußball-Fans an Russland aus
Schweizer Fans feiern Sieg gegen Serbien : Deutsche Behörden lieferten Daten von 30 Fußball-Fans an Russland aus Die deutschen Behörden haben im Vorfeld der Fußball-WM der Männer personenbezogene Daten von dreißig tatsächlichen und angeblichen Hooligans aus Deutschland an Russland weitergegeben. Die Betroffenen waren in der polizeilichen Datenbank „Gewalttäter Sport“ erfasst, die das Bundesinnenministerium nun nach Moskau geschickt hat. Die grüne Abgeordnete Monika Lazar spricht in dem Fall von einer rechtswidrigen Datenweitergabe an ein autoritäres Regime und nennt sie einen „Skandal“. Die Abgeordnete, die zu dem Thema immer wieder Anfragen an die Bundesregierung stellt und auch diesmal Antwort (pdf) erhielt, fordert die Bundesbeauftragte für den Datenschutz auf, zu dem Fall Stellung zu nehmen.
Der Deutschlandfunk berichtet dazu:
Demnach hat laut Bundesinnenministerium die deutsche Bundespolizei nach Einzelfallprüfungen personenbezogene Daten von bisher 30 Personen nach Russland weitergegeben. Es handelt sich nach Aussage des BMI um Personen, die in der sogenannten Datei „Gewalttäter Sport“ erfasst sind. Die Personen seien nicht an der Einreise gehindert worden, sollen aber jetzt in Russland genau beobachtet werden.
Die sogenannte Hooligan-Datei ist dazu da, um gewaltbereite, bereits auffällig gewordene Sportfans zu erfassen. Sie umfasst mehr als 10.000 Personen. In die Liste aufgenommen werden dabei nicht nur verurteilte Straftäter und Personen, gegen die ein Ermittlungsverfahren läuft. Zuweilen landen darin auch Menschen, bei denen die Polizei bloß am Rande von Sportereignissen die Personalien aufnahm. In der Datei sind bis zu 50 verschiedene Details und Merkmale einer Person eingetragen, von Kontaktdaten und Geburtsdatum bis zu Tattoos, dem gesprochenen Dialekt und der Schuhgröße. Wer auf der Liste landet, muss mit Intensivkontrollen an Flughäfen rechnen und wird aus Sicht von Fananwälten zu Unrecht stigmatisiert.
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: Transparenz-Meisterschaft: Finale steht bevor
Die IFG-Meisterschaften von FragDenStaat : Transparenz-Meisterschaft: Finale steht bevor Bei FragDenStaat finden derzeit die erste deutsche Transparenz-Meisterschaft statt: Parallel zu der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer treten alle Bundesministerien in Duellen gegeneinander an. Dabei stellt FragDenStaat in vier Runden Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz an die Behörden. Wer zuerst antwortet, kommt eine Runde weiter.
Im Achtel- und Viertelfinale setzten sich bisher die Ministerien für Ernährung, Bildung, Inneres und Auswärtiges durch. Sie treten derzeit im Halbfinale gegeneinander an und müssen eine Anfrage nach den Kunstbeständen der Ressorts beantworten. Im Juli wird voraussichtlich das Finale ausgetragen.