Generell

Allgemeine Berichte aus der Welt, in der wir leben, der Politik und der Kultur Deutschlands und des Internets.

  • : Wir sind Deutschlands Nummer 1 für Freiheit und Gerechtigkeit
    Wir sind Deutschlands Nummer 1 für Freiheit und Gerechtigkeit

    Die Junge Union hat auch ein eigenes Lied und ein dazu gehöriges Musik-Video auf Youtube. Und jetzt alle mal gemeinsam: „Wir sind Deutschlands Nummer 1 für Freiheit und Gerechtigkeit“.

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    Und nein: Das ist keine Satire.

    1. September 2009 76
  • : Von Redenschreibern, Beratern und Denkfabriken
    Von Redenschreibern, Beratern und Denkfabriken

    Der Deutschlandfunk hat in der Sendung „Hintergrund“ über „Ghostwriter der Politik – Von Redenschreibern, Beratern und Denkfabriken“ berichtet:

    Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ließ einen Gesetzentwurf von einer Anwaltskanzlei fertigen. Die Kritik kam prompt und stieß eine Debatte darüber an, wie sehr externe Berater und Redenschreiber die deutsche Politik beeinflussen. Dabei sind die Fremddenker normaler Bestandteil des Politbetriebs.

    Hier ist die MP3.

    31. August 2009 6
  • : Fragen an die Parteien zur Netzpolitik
    Fragen an die Parteien zur Netzpolitik

    Ich habe lange überlegt, ob wir Wahlprüfsteine an die Parteien zur Bundestagswahl schicken sollen. Aber andere planen dies schon ausführlich und somit beschränken wir uns auf vier konkrete Fragen. Diese Fragen habe ich heute an die fünf mit Fraktionen im Bundestag vertretenen Parteien geschickt und die Piratenpartei kann das auch gerne beantworten. (Die CSU haben wir ausgelassen)

    1. Wird es mit Ihrer Partei in der Regierung Massnahmen wie Graduate Response / 3 Strikes bei wiederholten Urheberrechtsverstössen geben?

    2. Werden Sie sich in der Regierung dafür einsetzen, den Schutz der Netzneutralität gesetzlich zu verankern um damit Benachteiligung einzelner Anwendungen zu verhindern?

    3. Wird Ihre Partei in der Regierung die Ausweitung der Netzsperren auf andere Bereiche als Kinderpornographie mit beschließen oder lehnen Sie dies kategorisch ab?

    4. Unterstützen Sie die Forderung, Freie Software und Open-Source-Projekte wie Wikipedia oder OpenStreetMap zu fördern und wenn ja, wie?

    Mal schauen, ob alle auch konkret antworten oder nur nebulöse Textbausteine schicken.

    27. August 2009 48
  • : CDU wählen „für ein besseres Leben“?
    CDU wählen „für ein besseres Leben“?

    Die letzten Tage begegneten mir verschiedentlich Plakate der CDU, die mich stutzig machten: keine Oberweiten, sondern Sicheln und Sonnenblumen. Und das vollmundige Versprechen: „Lösungen für ein besseres Leben“. Dazu unbekannte Gesichter. Träumte ich? So sieht das aus:

    Alas, die CDU (cdu.pt) die ich gesehen habe ist die Coligação Democrática Unitária, die portugiesische Kommunistische Partei im Dauerverbund mit den Grünen.

    Hierzulande ist schwarz-grün im Bund ja kaum auszudenken, funktioniert aber dort recht gut. Da haben sich eher monothematische Parteien zu einem Verbund zusammengeschlossen – vielleicht lässt sich mit so einem Zweckverbund die jüngste Prognose der absoluten Mehrheit für schwarz-gelb brechen!

    26. August 2009 10
  • : Ursula von der Leyen und die Pressefreiheit
    Ursula von der Leyen und die Pressefreiheit

    Die CDU hat ein merkwürdiges Verständnis von Pressefreiheit, wie ein Kamera-Team von SpiegelTV live mitschneiden konnte. Schaut selbst:

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    21. August 2009 182
  • : „Freedom against Censorship“ gegründet
    „Freedom against Censorship“ gegründet

    Franziska Heine vom AK Zensur berichtet in einem Gastbeitrag bei ZEIT Online vom Hacker-Camp HAR in den Niederlanden:

    Jedes Land, das per Gesetz bürgerliche Freiheiten zugunsten von Überwachung und Kontrolle vernichtet, ist Vorbild und Signal, dem andere Staaten folgen. Dem sind wir nur gewachsen, wenn wir unsere Kräfte bündeln, wenn wir schnell und flexibel reagieren und einmal Gelerntes verbreiten und anwenden.

    Die HAR 09 war dafür so etwas wie eine Keimzelle. European Digital Rights (Edri) (…), Bits of Freedom aus den Niederlanden, Wikileaks – das sind nur einige der großen Organisationen, die in die Nähe von Vierhouten gekommen waren. Und die dabei halfen, am 14. August im Anschluss an die Diskussion beim Wikileaks-Panel die internationale Organisation Freedom against Censorship zu gründen.

    Bits of Freedom , die zu den Gründungsmitgliedern von EDRi gehören und 2004–2005 eine zentrale Rolle bei der Kampagne gegen die Vorratsdatenspeicherungsrichtlinie der EU gespielt haben, sind übrigens nach einer Auszeit seit kurzem wieder voll aktiv. Mit Hilfe von Stiftungsgeldern konnten sie sogar wieder einen hauptamtlichen Aktivisten einstellen. Welcome back!

    19. August 2009 4
  • : Wahlwerbung remixen sollte legal sein
    Wahlwerbung remixen sollte legal sein

    Vorgestern haben wir unseren Schäuble-Wahlplakat-Remix-Wettbewerb gestartet und gestern gab es eine Mail der Fotografin, die mit Hinweis auf ihr Urheberrecht eine weitere Nutzung untersagte. Einige Fotos der CDU-Werbekampagne stammen von Frau Laurence Chaperon. Sie macht schöne Politiker-Portraits, wie man auf ihrer Seite sehen kann und verdient ihr Geld damit, professionell Fotos zu machen und diese zu verkaufen. Ich habe zweimal mit ihr telefoniert, und dabei haben wir unsere Standpunkte ausgetauscht. Ihre legitime Meinung ist, dass sie als Urheberin ihre Bilder als Kunstwerk begreift und unerlaubte Nutzung unterbinden will. Das respektiere ich und kann ihren Standpunkt verstehen. Ich finde es auch lobenswert, dass sie mir vorab eine Mail mit der Aufforderung geschickt hat, die Bilder zu entfernen. Andere schicken sofort die Abmahnung. Aber das Urheberrecht ist nicht schrankenlos.

    Ich habe lange überlegt, wie ich mich verhalte. Eine Möglichkeit ist, der Aufforderung nachzukommen und alle Bilder in diesem Blog zu löschen. Die sind eh schon überall im Netz verteilt und können dort nicht mehr so einfach mit vielen Anwälten rausgeklagt werden. Diese Option würde mir möglicherweise eine Menge Stress ersparen, der mit einem Rechtsstreit einher geht. Die Alternative ist, zu meiner Meinung und Rechtsauffassung zu stehen, dass das Remixen und damit das kreative Auseinandersetzen mit Parteien-Werbung in einer demokratischen Gesellschaft vor allem im Wahlkampf möglich sein sollte. Und abzuwarten, was da rechtlich auf mich zurollen könnte.

    Nach einigen Telefonaten mit Rechtsanwälten wie Thorsten Feldmann von JBB (der mir schon in der Auseinandersetzung mit der Deutschen Bahn geholfen hat), Henning Krieg und Udo Vetter, sowie einigen Gesprächen mit Freunden bin ich aber zu dem Entschluß gekommen, das notfalls rechtlich durchzuziehen. Ich halte die ganze Aktion und die Remixe für legitim, sonst hätte ich sie auch nicht gestartet. Und ich glaube, der schwarze Peter liegt bei der CDU. Auf ihrer Webseite steht ganz klar bei den Plakat-Motiven:

    Die Bilder dürfen ausschließlich zur redaktionellen Berichterstattung über die CDU-Bundestagswahlkampagne 2009 genutzt werden. Die Nutzung ist bis zum 31.12.2009 honorarfrei. Danach tritt die Honorarpflicht zugunsten der jeweiligen Agentur/des jeweiligen Fotografen gemäß deren AGBs in Kraft. Eine Weitergabe an Dritte ist untersagt. Die Weitergabe an und Nutzung durch weiterverbreitende Agenturen und Pressedienste ist nicht gestattet.

    Es sollte vollkommen offensichtlich sein, dass der Remix-Wettbewerb im Rahmen einer redaktionellen Berichterstattung im Bundestagswahlkampf 2009 stattgefunden hat. Insofern gehe ich weiter davon aus, dass die Aktionen im Rahmen der von der CDU eingeräumten Nutzungsbedingungen stattgefunden haben. Dazu sind auch verschiedene Freiheiten im Spiel: Die Sache berührt sowohl das Zitatrecht, als auch die Kunst- und Satirefreiheit. Und durch die eingeräumten Nutzungsfreiheiten durch die CDU dürfte es auch die Pressefreiheit berühren.

    Der Fall hat noch eine andere Dimension: Der Rechtsfall kann jedem passieren, der oder die ein Blog betreibt und Remixe von Wahlwerbung darüber verbreitet (wenn auch nicht jeder einen Remix-Wettbewerb startet). Sollte es in unserer Demokratie möglich sein, unliebsame politische Satire durch das Urheberrecht wegklagen zu können oder ist das von der Meinungsfreiheit gedeckt, wenn man ein Remix-Bild in sein Blog einbindet und damit eine Meinung äussert? Meine Meinung ist ganz klar: Das muss eine demokratische Gesellschaft aushalten können.

    Danke für die viele Unterstützung, die mir seit gestern kommuniziert wurde. Danke auch für die vielen Angebote, mich im Falle eines Rechtsstreits durch Spenden zu unterstützen. Darauf werde ich zurück kommen müssen, wenn es hart auf hart kommt, was ich aber nicht hoffe.

    Ich hab die Auswahl der geremixten Werke stark eingeschränkt und bin damit der Aufforderung zur Löschung zum Teil nachgekommen. Die schönsten Motive lasse ich aber drauf. Den Rest findet man durch den Hash-Tag #cduremix09 im Netz und es soll auch schon einen praktischen Remix-Generator zum selber basteln geben.

    Man hört ja immer von Seiten der CDU, das Internet sei ein rechtsfreier Raum. Das wäre in dieser Frage mal zu klären.

    Absolut inakzeptabel und kontraproduktiv sind übrigens beleidigende Mails an die Fotografin. Benehmt Euch, bitte. Es geht hier um eine sehr sachliche Frage: wo beginnt die Kunstfreiheit und endet das Urheberrecht?

    Update: Die Sache ist erledigt. Frau Chaperon verzichtet freundlicherweise auf ein Verfahren, was ihr und mir eine Menge Stress erspart. Viel Spass beim Remixen. Besonders praktisch ist der Remix-Generator. Von Seiten der CDU wird wohl nichts kommen.

    12. August 2009 223
  • : Erste Ergebnisse: Die Schäuble Plakat-Remixe
    Erste Ergebnisse: Die Schäuble Plakat-Remixe

    Ich hab mir mal die ersten (gefühlten) 120 Einreichungen beim Schäuble Plakat Remix-Wettbewerb angeschaut und in mühevoller Kleinarbeit hier eine Auswahl zusammengestellt. Erstmal danke für die vielen Vorschläge. Da wird sich die CDU über den kreativen Input wahrscheinlich sehr freuen. Einige davon gefallen mir schon ausgesprochen gut. Bis zur Wahl ist es ja noch ein wenig Zeit. Da ist noch viel Raum für weitere Kreativität. Und ja: Ihr dürfte gerne weitere Vorschläge machen und am Besten im Originalartikel verlinken. dort finden sich auch alle anderen Vorschläge. Ich musste leider eine Auswahl treffen, weil das ganze bearbeiten ganz schön viel Zeit nimmt. Also nicht traurig sein, wenn Eure vorschläge hier nicht sind.

    (Update: Ich hab wegen der Androhung eines Rechtsstreits einige Bilder gelöscht. Die sollten woanders im Internet mit dem Has-Tag cduremix09 aber weiter zu finden sein. Mehr dazu gibts am Mittwoch Mittag)

    ajo:

    @ruffson:

    Rene:

    10. August 2009 179
  • : Der Schäuble Plakat – Remix-Wettbewerb
    Der Schäuble Plakat – Remix-Wettbewerb

    Die CDU hat ihre Bundestagswahlplakate veröffentlicht. Mit dabei ist auch ein schönes Motiv featuring unserem Überwachungsminister Wolfgang Schäuble und dem Slogan „Wir haben die Kraft für Sicherheit und Freiheit“.

    Das Motiv ist doch geradezu eine Einladung, etwas schönere Slogans abseits der Partei-PR zu bauen. Und daher eröffnen wir den Remix-Wettbewerb. Zu gewinnen gibt wie immer Ruhm und Ehre. Werdet kreativ. Eigene Vorschläge sollten am Besten in den Kommentaren verlinkt werden. Das kann man besser dokumentieren. Wer nicht mit Designprogrammen arbeiten will oder kann, kann auch gerne nur Slogans beisteuern.

    10. August 2009 945
  • : SPIEGEL: Netz ohne Gesetz
    SPIEGEL: Netz ohne Gesetz

    Nachdem letzte Woche schon der SPIEGEL in seiner Ausgabe drei Seiten über Netzpolitik und die Netzöffentlichkeiten geschrieben hat, ist nun daraus eine Titelstory geworden. Der Titel „Netz ohne Gesetz – Warum das Internet neue Regeln braucht“ ist wieder gewohnt reisserisch und spielt mit dem beliebten Vorurteil, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist. Schade, das hätte man auch besser machen können, wie Heiko Hebig zeigt. Auf 13 Seiten widmet sich die Redaktion der Debatte um Netzregulierung und Netzpolitik.

    Als Spiegel-Abo-Besitzer konnte ich mir praktischerweise gerade schon die Story durchlesen. Die Kurz-Kritik nach dem lesen von 57680 Zeichen: Die Story ist besser als der Titel verspricht. Es werden viele richtige Fragen gestellt und Probleme beschrieben, auch wenn ich nicht alle Schlußfolgerungen teile.

    Übrigens heisst der Tital im Heft anderes:

    freiheit@unendlich.welt

    Längst ist das Internet ein Paralleluniversum. Die Refugien der Diebe, Rufmörder, Kinderschänder entziehen sich weitgehend der Kontrolle des Rechtsstaats. Nur einer transnationalen Instanz kann es gelingen, Ordnung zu schaffen. Das Ziel: die globale Netzdemokratie.

    8. August 2009 22
  • : Berlin TV tower – lift off
    Berlin TV tower – lift off

    Schönes Video: Berlin TV tower – lift off.

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    Berlin TV tower – lift off from Fabian Tischer on Vimeo.

    4. August 2009 7
  • : Matthias Güldner antwortet seinen Kritikern
    Matthias Güldner antwortet seinen Kritikern

    Der folgende Text Gastbeitrag ist eine Reaktion von Matthias Güldner auf die Kritik , die sein Kommentar „Zur unerträglichen Leichtigkeit des Internet“ vor einer Woche ausgelöst hat. Wir bringen seinen Beitrag hier unter anderem auch, weil wir die Grundiee teilen, dass über den digitalen Graben hinweg viel mehr Diskussion stattfinden muss.

    An alle diejenigen, die sich zum meinem Welt-Artikel „Zur unerträglichen Leichtigkeit des Internet“ geäußert haben.

    Ich bin denjenigen, die sich mit dem Thema Internet befassen, auf die Füße getreten. Viele haben sich provoziert und beleidigt gefühlt. Das mit der Provokation, das hat jedeR gemerkt, war beabsichtigt. Die Beleidigung nicht. Das entspricht nicht meinem eigenen Anspruch, tut mir leid und hat die Diskussion in eine völlig falsche Richtung gelenkt.

    Viele haben geglaubt, es handele sich um eine spontane und unüberlegte Äußerung. Dem war nicht so. Ich war und bin Teil der Bürgerrechtsbewegung, habe mich u.a. gegen die Volkszählung 1984, gegen die Verschärfung der Polizeigesetze in Bund und Land nach dem 11. September, für die Aufklärung der Verwicklung der deutschen Geheimdienste in die Haft des Bremers Murat Kurnaz in Guantanámo eingesetzt. Bei der Frage der Internetsperren kam ich nach Abwägung aller Argumente zu einem anderen Schluss als vor allem der netz-affine Teil dieser Bewegung. Der Umgang mit denjenigen, die diese abweichende Meinung auch geäußert haben, hat mich erschreckt und zu meiner Provokation motiviert. Ich war immer der Überzeugung, dass (Meinungs-)Freiheit nicht nur gegen „die da oben“ verteidigt, sondern auch in den eigenen Reihen einer Bewegung praktiziert werden muss. Kampf für Bürgerrechte ist meines Erachtens auch Kampf gegen jegliche Vermachtung von politischen Prozessen.

    Mit meiner Bemerkung, dass es im Kern um Definitionsmacht in Zeiten der Digitalisierung geht, habe ich versucht, mein weit über diese Einzelfrage hinaus gehendes Unbehagen zu beschreiben. Obwohl das Internet unverzichtbarer Teil meines Lebens geworden ist, bin ich Teil der so genannten digitalen Spaltung der Gesellschaft. In Aufsätzen wird über Bewohner des Web2.0 und der so genannten Realität 1.0 geschrieben. Die einen (wie ich) nutzen das Netz oberflächlich für ihre (politische) Arbeit. Die anderen sind viel tiefer in die Materie eingestiegen, machen das Netz selbst zum Teil ihres politischen Engagements. Bisher sind diese Sphären – rühmliche Ausnahmen von einzelnen BrückenbauerInnen zwischen den beiden Welten ausgenommen – sehr getrennt. Diese Kluft führt deutlich zu Unverständnis, Misstrauen, Abschottung und Rückzug in die eigene peer group. Beide Seiten können also gewinnen, wenn sie sich aus der jeweiligen Ecke heraus bewegen, Kontakt und Auseinandersetzung suchen.

    Netzpolitik ist meines Erachtens nicht nur Einsatz für eine bestimmte Kommunikationsebene. Als Metaebene betrifft und beeinflusst sie unglaublich viele andere Bereiche der Politik und des Alltags. Netzpolitik.org hat das Ziel, „über politische, gesellschaftliche, technische und kulturelle Fragestellungen auf dem Weg in eine Digitale Gesellschaft zu schreiben“. Im Kern geht es also auch um eine kritische Verständigung über soziale, ökologische, rechtliche, ökonomische, gender Aspekte in der Folge der Digitalisierung. Werden bestimmte Gruppen von Menschen in diesem Prozess besser und andere schlechter gestellt? Hat die große Chance der Verbreiterung und Vertiefung von Demokratie auch Verlierer, zum Beispiel bei Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht im Netz bewegen (können), und die sich in Zukunft (noch) weniger als bisher in Meinungsbildungsprozesse einklinken können? Diese und viele andere Fragen können nur gemeinsam beantwortet werden.

    In diesem Sinne geht es zunächst vor allem um die Überwindung der Sprachlosigkeit. Die laufende intensive Diskussion der ExpertInnen in Wissenschaft, Netzgemeinde und Politik bietet da viele Anknüpfungspunkte. Allerdings scheint eine Verbreiterung der Diskussion dringend nötig zu sein. Viele Leute müssen an vielen Orten, online und offline, besser und ernsthafter ins Gespräch kommen über den digitalen Graben hinweg. Seit dem Erscheinen des Artikels gab es auf lokaler Ebene gute, sehr intensive Gespräche mit digital kundigen Leuten. Wir versuchten zunächst uns gegenseitig unsere Positionen zu erklären und besser zu verstehen. Das hat erstaunlich gut geklappt.

    Wenn wir das Gewicht des Themas ernst nehmen, wird dabei kein schneller Konsens heraus kommen. Ich finde das nicht schlimm.

    2. August 2009 163
  • : Zensursula wünscht Ausweitung der Sperren?
    Zensursula wünscht Ausweitung der Sperren?

    Kaum sind die Sperren gegen Kinderpornographie durch den Bundestag scheint es so zu sein, dass Ursula von der Leyen eine Ausweitung fordert. Zumindest zwischen den Zeilen klingt das so bei einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt an: Kampf gegen Schmutz im Internet wird verschärft.

    abendblatt.de: Sie argumentieren, Grundregeln unserer Gesellschaft müssten online wie offline gelten. Warum sperren Sie dann nicht auch Internetseiten, die Nazipropaganda verbreiten oder Gewalt gegen Frauen verherrlichen?

    Von der Leyen: Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder. Der Straftatbestand Kinderpornografie ist klar abgrenzbar.20Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großartige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann. Wo die Würde eines anderen verletzt wird, endet die eigene Freiheit. Welche Schritte für den Schutz dieser Grenzen notwendig sind, ist Teil einer unverzichtbaren Debatte, um die die Gesellschaft nicht herumkommt.

    Weiter Diskussionen führen klingt danach, dass man auf dem bewährten Weg der Demagogie und die gewohnte öffentliche Meinung der Ahnungslosen eine Ausweitung der Sperren auf alles Böse im Netz ausbauen möchte.

    2. August 2009 78
  • : Buch oder Kindle; das ist hier die Frage:
    Buch oder Kindle; das ist hier die Frage:

    Buch oder Kindle; das ist hier die Frage:
    Obs edler im Gemüt, das Gewicht und die Schlepperei
    Der riesigen Bücherkisten erdulden oder,
    Sich waffnend gegen den nächsten Umzug,
    Viele Freunde anrufen? Datenträger – E‑Book -

    Nichts weiter! Und zu wissen, das ein Kindle
    Das Volumen und die hunderte Gramm endet,
    Die unseres Buches Erbteil, ’s ist ein Ziel,
    Aufs innigste zu wünschen. Datenträger – E‑Book -
    E‑Book! Vielleicht auch Datenträger! Ja, da liegts:

    Was mit dem E‑Book für Rechte kommen mögen,
    Wenn wir die irdischen Verstrickung lösten,
    Das zwingt uns stillzustehn. Das ist die Rücksicht,
    Die Nichtkauf läßt zu hohen Jahren kommen.
    Denn welch Kunde ertrüg der Zeiten Lizenzen und DRM,

    Der Verlage Druck, des Kunden Mißhandlungen,
    Verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub,
    Den Übermut der Ämter und die Schmach,
    Die den Verwertungsrechtsinhabern schweigenden Verdienst erweist,
    Wenn Kunde sich selbst ein Kindl kaufen könnte

    Mit Paypal bloß? Wer trüge Lasten
    Und stöhnt’ und schwitzte unter Lebensmüh?
    Nur das die Furcht vor etwas mit dem Datenträger,
    Das virtuelle Land, von des Sektoren
    kein „1984“ wiederkehrt, den Kauf irrt,

    Daß wir die Bücher, die wir haben, lieber
    Tragen als zu Lizenzen zu fliehen.
    So macht Bewußtsein Feige aus uns allen;
    Der angeborenen Farbe der Kaufabsicht
    wird des Gedankens Blässe angekränkelt;

    Und Shoppingtouren, hochgezielt und wertvoll,
    Durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt,
    Verlieren so der Handlung Namen. – Still!
    Das reizende Youtube! – Community Portal, schließ
    In deine Playlist all meine Urheberrechtsverletzungen ein!

    31. Juli 2009 12
  • : Schmutzkampagne der Jungen Union bei Wikileaks
    Schmutzkampagne der Jungen Union bei Wikileaks

    Bei Wikileaks ist ein Strategiepapier aufgetaucht, was den Briefkopf der Jungen Union Thüringen enthält und von deren Landesvorsitzenden, Mario Voigt, an Kreisvorsitzende und Landesvorstand verschickt worden sein soll. In dem Papier geht es um eine Negativkampagne gegen Bodo Ramelow, den Kandidaten der Linken im Landtagswahlkampf in Thüringen. Interessant ist das Papier auch deshalb:

    Voigt beschreibt die Aktion „Stoppt-Ramelow.de“ (registriert auf Mandy Frieske, Junge Union Thueringen), sowie den Versuch mit „gezielter kontrastierender Werbung Bodo Ramelow zu verhindern“. So sind auch Besuche bei Wahlkampfveranstaltungen Ramelows geplant, allerdings „in zivil“, und ohne das „primaer die CDU oder das Team Thueringen“ damit „in Verbindung“ gebracht werden soll. Um die Wirksamkeit in der Oeffentlichkeit zu erhoehen, sollen die „kontrastierenden“ Aktionen von der JU ausgehen, um damit nicht dem Ansehen von CDU und Team Thueringen zu schaden.

    Update: Ich hab mal bei der Jungen Union Thüringen angerufen und deren Landesgeschäftsführer hat das Papier bestätigt.

    30. Juli 2009 83
  • : Heute Abend: Live im Medienradio
    Heute Abend: Live im Medienradio

    Heute Abend bin ich zu Gast im Medienradio. Das wird (theoretisch) ab 21 Uhr live im Netz gestreamt und ist später als Podcast verfügbar. Ich nehme mal an, es geht um Netzpolitik und so. Während der Sendung gibt es auch einen IRC-Chat.

    Den genauen Sendestart gibt es sicherlich im Medienradio-Twitterfeed und/oder in meinem.

    30. Juli 2009 4
  • : „Qualitätsjournalismus“ klaut Beiträge aus dem Netz
    „Qualitätsjournalismus“ klaut Beiträge aus dem Netz

    Diesmal wurde Spiegel TV auf frischer Tat erwischt :

    Spiegel TV sucht sich im Internet fremde Inhalte, um u. a. damit Sendungen zu gestalten, mit denen Werbeeinnahmen generiert werden. Die Urheber der fremden Inhalte werden vorher nicht gefragt, und man bietet ihnen auch kein Honorar an.

    28. Juli 2009 30
  • : EU will weiter Finanzdaten an die US-Geheimdienste geben
    EU will weiter Finanzdaten an die US-Geheimdienste geben

    Der Ministerrat der Europäischen Union hat gestern beschlossen , den USA auch dann noch Zugriff auf Überweisungsdaten in der EU zu geben, wenn der Finanzdienstleister SWIFT im September sein neues Rechenzentrum in der Schweiz in Betrieb nimmt. Ein entsprechendes Abkommen mit der US-Regierung soll die EU-Kommission nun schnell verhandeln. Gegen dieses Vorhaben wendet sich momentan eine große Koalition die von Datenschützern, Linkspartei und Grünen über die FDP bis zu Sozialdemokraten, Konservativen und der Wirtschaftspresse reicht. Mehrere Europa-Abgeordnete haben deswegen bereits die Wiederwahl von Kommissionspräsident Manuel Barroso in Frage gestellt. Das Vorhaben steht auch im Kontext des geplanten Stockholm-Programms der EU, das die Innen- und Justizpolitik für den Zeitraum 2010–2014 vorgibt und vor allem aus Überwachung und Grenzabschottung besteht.

    Hintergrund des Abhörskandals

    Die belgische Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (SWIFT) ist Infrastrukturdienstleister u.a. für den internationalen Überweisungsverkehr. Sie betreibt bislang zwei Rechenzentren in den Niederlanden und im US-Bundesstaat Virginia, deren Daten identisch sind. Nach dem 11. September 2001 hatten US-Geheimdienste die Daten in Virginia abgegriffen und im Rahmen ihres „Terrorist Finance Tracking Programme“ (TFTP) ausgewertet. Als die Sache 2006 herauskam, gab eine große öffentliche Aufregung, die unter anderem zu scharfen Resolutionen des Europäischen Parlamentes führte. SWIFT unterliegt nämlich den EU-Datenschutzgesetzen, die so etwas verbieten.

    Die EU-Kommission versuchte damals, die Kritik zu entschärfen, indem eine Untersuchung eingeleitet wurde. Der französischen Richter Jean-Louis Bruguière, den der damalige EU-Innenkommissar und Überwachungsfreund Franco Frattini im Frühjahr 2008 dafür eingesetzt hatte, sollte prüfen, ob die USA wirklich wie versprochen die Daten nur für den Antiterror-Kampf verwenden. Sein erster Bericht wurde dem EU-Parlament am 17.2.2009 vorgelegt. Die Pressemitteilung der Kommission dazu war nur lobend – alles ist gut und so :

    Anlässlich der Vorstellung des Zwischenberichts vor dem Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres des Europäischen Parlaments zeigte sich der für Justiz, Freiheit und Sicherheit zuständige Kommissions-Vizepräsident Barrot „erfreut, dass das US-Finanzministerium von Anfang an sehr auf die Wahrung der Datenschutz-Vorkehrungen geachtet hat, die die Vereinigten Staaten uns in unseren Verhandlungen 2007 zugesichert hatten, insbesondere die ausschließliche Verwendung der Daten für die Terrorismusbekämpfung. Das TFTP hat gerade in Europa viel zur Terrorbekämpfung beigetragen.“

    Diese „Überprüfung“ war allerdings ein Witz. Bruguière ist der oberste französische Ermittlungsrichter und Vizepräsident des Tribunal de Grande Instance in Paris, einem Tribunal für schwere Staatsverbrechen. Er hat sich seit 25 Jahren einen Ruf als Frankreichs „führender Terroristenjäger“ verschafft. So jemand wird natürlich nicht viel an dieser Überwachungsmaßnahme auszusetzen haben.

    Nach viel hin und her willigte SWIFT damals ein, ein neues Rechenzentrum in der Schweiz aufzubauen, wo die inner-europäischen Überweisungen verarbeitet werden sollen. Die USA hätten darauf dann keinen Zugriff mehr gehabt.

    Neues Abkommen mit den USA: Ausverkauf von EU-Daten

    Gestern hat nun der Ministerrat der EU beschlossen, dass dieser Schutz des Bürgerrechts auf informationelle Selbstbestimmung doch nicht nötig ist. Die Vertreter der Mitgliedsstaaten haben einstimmig der EU-Kommission das Mandat erteilt, ein neues Abkommen mit den USA zu verhandeln. Dieser Plan war erst vor zehn Tagen ans Licht gekommen, als Eric Bonse bei ZEIT Online darüber schrieb . Das Europäische Parlament ist nicht einbezogen, weil es im Bereich der Innen- und Sicherheitspolitik erst nach dem Inkrafttreten des Lissabonner Vertrages mitreden darf.

    Bereits im Vorfeld gab es Kritik an dem gesamten Vorhaben:

    Europas Datenschutzbeauftragter Hustinx sieht die geplante Weitergabe der Daten äußerst kritisch. Bisher habe Brüssel die Notwendigkeit eines Abkommens mit Washington nicht nachgewiesen, schreibt er in [einem] Brief an [EU-Kommissionspräsident] Barroso. Die EU verfüge selbst über ein Instrumentarium zur Terrorabwehr. Zudem sei die Rechtsgrundlage fragwürdig. Es sei nicht einzusehen, warum die Kommission nicht auf den Reformvertrag von Lissabon warte, der die Rechte der EU in der Innen- und Justizpolitik stärkt.

    Viele EU-Abgeordnete fühlen sich übergangen und äußerten letzte Woche massive Kritik an dem da noch geplanten Beschluss des Ministerrates. Der Leiter der österreichischen Sozialdemokraten im EP, Jörg Leichtfried, sagte gegenüber Futurezone:

    „Es war ein Fehler, der Kommission das Mandat zu erteilen. Ich finde die Tendenz, die Bürger grundsätzlich als Verbrecher zu behandeln, fatal. Die EU ist keine Kolonie der USA. Sie sollte ihre Bürger vor den USA schützen. Das können die einzelnen Mitgliedsstaaten nicht leisten.“

    Aus Deutschland meldeten sich unter anderem die EU-Abgeordneten Markus Ferber (CSU), Jan Philipp Albrecht (Grüne) und Helmut Scholz (LINKE) mit deutlicher Kritik an dem geplanten Abkommen.

    Mittlerweile haben sich auch prominente Politiker aus der ersten Reihe gegen das neue Abkommen eingeschossen. Die Süddeutsche berichtet :

    CSU-Chef Horst Seehofer zum Beispiel wettert heftig gegen die EU-Kommission: Deren Pläne seien ein „absolutes Unding“, sagte er nach einer Sitzung des CSU-Vorstands: „Ein Stoppschild muss her!“. Der Grünen-Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit wurde noch deutlicher. Er bezeichnete EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sogar als „Handlanger der USA“.

    Auch FDP-Chef Guido Westerwelle sagte : „Dieses Vorhaben muss gestoppt werden“.

    Als Reaktion auf die Kritik soll das Abkommen nun auf ein Jahr befristet werden. Es sollen auch nur einzelne Datensätze auf konkrete Anfrage herausgegeben werden, die US-Dienste bekommen also keinen Vollzugriff auf das System wie bisher. Wenn man sich die Entwicklungen der letzten Jahre im transatlantischen und europäischen Austausch von Geheimdienst- und Polizeidaten ansieht, ist aber nicht abzusehen, dass hier irgendwer der CIA mal sagen würde „nö, diese Daten bekommt ihr nicht“. Es gibt auch weiterhin keine richterliche Kontrolle.

    Eigene Auswertung durch EU-Behörden?

    Laut Eric Bonses Recherchen wollten die Minister zunächst, dass die EU diese sensiblen Informationen „zu Fahndungszwecken“ selbst auswertet. Letzte Woche hieß es noch , man wolle selber ein „Terrorist Finance Tracking Programme“ aufbauen:

    Die EU will (…) prüfen, selbst ein Kontrollsystem für Finanzdaten nach US-Vorbild aufzubauen. Als „Follow-up“ zu einem Abkommen mit den USA müsse man die „Möglichkeit für ein EU-TFTP erwägen“, schreibt die Kommission. Damit würde auch der europäische Zahlungsraum (Sepa) ins Visier der Terrorfahnder geraten. Bisher hatte die EU stets beteuert, dieser sei von der Terrorfahndung nicht betroffen.

    Eine Ausweitung auf die Daten des SEPA-Systems („Single Euro Payment Area“) würde noch viel mehr Überweisungen ausspähen. SEPA-Überweisungen werden nicht über das das SWIFT-Netz abgewickelt, sondern über TARGET II. Target ist das seit 1999 existierende Echtzeit-Überweisungssystem der nationalen Zentralbanken der EU-Staaten. SEPA-Überweisungen sind standardisierter auswertbar, denn SWIFT-Überweisungen bestehen im Gegensatz zu SEPA aus viel Freitext.

    Das wurde nun dementiert. Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute in der Printausgabe:

    Allerdings denkt nach Angaben eines Sprechers der EU-Kommission niemand daran, von den Amerikanern im Gegenzug Einblick in deren Finanzströme zu bekommen. Es gebe auch keine Pläne, ein eigenes System der Analyse der Bankdaten aufzubauen.

    Das ist vermutlich nicht mal gelogen, denn einen offiziellen Beschluss gibt es dazu noch nicht. Im Entwurf für das oben erwähnte Stockholm-Programm ist es aber vorgesehen:

    Die Instrumente zur Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung müssen bei neuen potenziellen Schwachstellen des Finanzsystems und neuen Zahlungsmethoden, die sich Terroristen zunutze machen, ansetzen. Diese Instrumente müssen gewährleisten, dass die Finanzströme in geeigneter Weise überwacht werden (…).

    Hier wird auch deutlich, dass die EU-Sicherheitspolitiker solche Finanzströme nicht nur zur Terrorbekämpfung auswerten wollen, sondern auch zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität. Eine zentrale Idee dabei ist mal wieder, EUROPOL zur europaweiten Datensammel- und Überwachungsbehörde auszubauen:

    Im Bereich der Geldwäsche ist eine bessere Abstimmung zwischen den zentralen Meldestellen (Financial Intelligence Units) erforderlich. Ihre Analysen könnten auf der Grundlage des europäischen Informationsmodells in eine beispielsweise bei Europol angesiedelte Datenbank über verdächtige Transaktionen einfließen. Zur Feststellung verdächtiger Bargeldbewegungen müssen alle verfügbaren Informationsquellen herangezogen und miteinander abgestimmt werden.

    Das genannte „europäischen Informationsmodell“ ist ein ebenfalls im Stockholm-Programm geplanter Standard für Datenformate, der den Austausch zwischen den Sicherheitsbehörden erleichtern und den Abgleich von verschiedenen Datenbanken möglich machen soll.

    Einschätzung

    Die Kritik an dem geplanten neuen Abkommen mit den USA hat zwei Dimensionen: Die eine ist inhaltlich, denn diese Überwachung von Finanzströmen ohne Anfangsverdacht bricht mit allen Grundsätzen von Datenschutz und Rechtsstaatlichkeit. Sie steht daher in einer Reihe mit der Speicherung und Weitergabe von Flugpassagierdaten und (zumindest was die anlasslose Speicherung angeht) mit der Vorratsdatenspeicherung. Es gibt bereits weitergehende Pläne, z.B. in Großbritannien, auch Bahn- und Schiffsreisende flächendeckend zu überwachen . Hier muss dringend grundsätzlich geklärt werden, dass so eine pauschale Überwachung verfassungswidrig und mit EU-Menschenrechtsstandards nicht vereinbar ist. Das für den Herbst erwartete Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung dürfte hier eine wichtige Vorentscheidung bringen.

    Die zweite Dimension betrifft die europäische Demokratie. Die EU-Abgeordneten regen sich auch so über das geplante neue SWIFT-Abkommen auf, weil sie bei der inneren Sicherheit anders als bei der Binnenmarkt-Regulierung überhaupt noch nicht mitreden können. Falls nach der erneuten Volksabstimmung in Irland der Lissabonner Vertrag im nächsten Jahr in Kraft tritt, wird sich das ändern. Die schnellen Verhandlungen zwischen Kommission und US-Regierung, die bis September abgeschlossen werden sollen, sind daher ein Affront gegen die immer selbstbewussteren EU-Abgeordneten. Ob sich allerdings mit dem Lissabon-Vertrag inhaltlich etwas ändern würde, ist nicht so sicher, denn das neue Europaparlament ist von konservativen Parteien dominiert.

    Es kommt also wieder einmal darauf an, dass sich der Widerstand gegen eine Europäische Überwachungsunion außerparlamentarisch organisiert, eine europaweite öffentliche Debatte anzettelt, und so Druck auf Ministerrat, Kommission und Parlament aufbaut. Eine Zusammenarbeit zwischen den Gruppen, die gegen das Stockholm-Programm protestieren und es verhindern oder massiv verbessern wollen, besteht zwar schon teilweise. Sie ist aber noch massiv ausbaufähig.

    28. Juli 2009 20
  • : Schäuble will mehr Verständnis und Vertrauen
    Schäuble will mehr Verständnis und Vertrauen

    Bundesminister Wolfgang Schäuble hat auf dem zweiten Deutschland Online-Kongress am 10. Juli in Berlin eine Rede zur Rolle des Staates im Netz und vor allem zu den Plänen für e‑Government gehalten. Es geht viel um die Datennetze der staatlichen Behörden, um den digitalen Ausweis, um Sicherheit und so weiter. Eine Passage ist aber dann doch ganz lustig:

    E‑Government ist in der Politik angekommen: Wir sehen die Vorzüge; wir richten unsere Strukturen daran neu aus; wir investieren. Aber es sieht so aus, als ob wir bei der Nutzerakzeptanz auf einen kritischen Punkt zusteuern: Der Widerstand aus der Netzgemeinschaft gegen Projekte wie das BSI-Gesetz oder De-Mail ist erheblich und könnte am Ende bewirken, dass vernünftig ausgeführtes, für mehr Sicherheit bürgendes E‑Government nicht die Akzeptanz findet, die es verdient.

    Hier sind viele Spekulationen und haltlose Unterstellungen im Spiel von Menschen, die sich in Debatten mit der Politik gerne auf ihre fachliche Überlegenheit berufen. Wer aber mit Verweis auf seine Sachkunde Gehör beansprucht, sollte nach meinem Verständnis auch in der Lage, sachlich zu argumentieren statt unbegründete Ängste zu schüren.

    Herr Schäuble, nochmal: Wir wollen endlich, dass Sie mit ihrer Politik der Angst und des Sicherheitswahns aufhören.

    Schäuble weiter:

    Es ist ein grobes Missverständnis und eine Fehlwahrnehmung, dem Staat im Internet Zensur- und Überwachungsabsichten zu unterstellen.

    Oh – großer Lauschangriff, Vorratsdatenspeicherung, Zugangserschwerungsgesetz, Bundestrojaner, Flugpassagierdatenweitergabe an die USA, Überwachung von Konten und Überweisungen, verfassungswidrige Rasterfahndungen und und und, das haben wir uns nur ausgedacht?

    Und er hört nicht auf:

    Das ist unredlich und schädlich: Es unterminiert das Vertrauen in staatliches Handeln, wenn der Staat in der Wahrnehmung seiner Schutzfunktion nicht als Quelle der Freiheit, sondern als deren Feind wahrgenommen wird.

    Herr Schäuble, nochmal: Demokratie basiert fundamental auf einem Misstrauen der Bürger gegenüber dem Staat, autoritäre Regierungsformen basieren auf einem Misstrauen des Staates gegenüber den Bürgern.

    Es geht daher bei diesen Sachen eben auch um die Frage: Wie können wir unsere technischen Infrastrukturen so aufbauen, dass auch unfähige und unredliche Machthaber damit keinen großen Schaden anrichten können?

    Schäuble scheint sogar schon ein wenig verzweifelt zu sein:

    Es wäre hilfreich, wenn Unternehmen und Verbände uns dabei noch sichtbarer unterstützen und für unsere gemeinsamen Anliegen werben.

    Viele Unternehmen sind mit ihren Datenskandalen der letzten zwei Jahre oder der Zustimmung zur Internet-Zensur dafür wohl eher nicht geeignet. Und die Verbände sammeln sich immer mehr gegen die Überwachungs- und Zensur-Vorhaben der Bundesregierung. Wer das nicht zur Kenntnis nimmt, hat wohl mehr als ein politisches Problem.

    Noch ein Detail am Rande: www.deutschland-online.de spuckt mir gerade nur einen „Proxy Error“ aus. Tja, so entsteht wirklich kein Vertrauen in die Kompetenzen des Staates.

    23. Juli 2009 58
  • : Sonderzüge zur Demo „Freiheit statt Angst“ am 12. September
    Sonderzüge zur Demo „Freiheit statt Angst“ am 12. September

    Zur Großdemonstration „Freiheit statt Angst – Stoppt den Überwachungswahn!“ am 12. September in Berlin wird es diesmal Sonderzüge geben – unter der Voraussetzung, dass vorher genügend Bahntickets verkauft werden.

    Die Tickets können ab sofort auf dem Buchungsportal beim Bündnispartner AK Daten e.V. vorbestellt werden. Anhand der Vorbestellungen bis 15. August wird entschieden, ob eine Strecke tatsächlich befahren wird und wie der Streckenverlauf genau ist. Nach dem 15.8. sind Tickets nur noch verfügbar wenn in den bestätigten Zügen freie Plätze vorhanden sind.

    Achtung: Die Zahlung wird mit der Zugbestätigung am 15.8. direkt fällig. Alle im Voraus bestätigten Tickets müssen dann bis 18.8. bezahlt werden. Also sofort nach der Bestätigung bezahlen und nicht verpeilen!

    Die derzeitigen Preise sind die Maximalpreise. Günstigere Preise gibt es dann, wenn Züge in den Startregionen stärker als geplant ausgelastet sind. Es können auch Teilhabe-Tickets (zur Unterstüzung einkommensschwacher Anreisender) und Mitwirkenden-Tickets (zur Unterstützung der anreisenden Mitwirkenden) steuerlich abzugsfähig erworben werden.

    Tickets für Brandenburg und Teile Mecklenburg-Vorpommerns können voraussichtlich erst ab dem 24.8. gebucht werden (Auffüllplätze zu Sonderkonditionen) da in diesen Ländern die Nahverkehrsregelungen i.d.R. günstiger kommen. Es soll ab dem Wochenende auch die Möglichkeit geben, Tickets per Post / Fax und in einzelnen Regionen anonym über die Ortsgruppen/Gliederungen der Bündnispartner zu buchen.

    Alle Details findet ihr unter http://foerderdaten.de/fsa . Lest unbedingt vor der Buchung die Hinweis-Seiten !

    Die Züge fahren übrigens morgens los und abends wieder zurück. Es ist wohl geplant, dass man am Abend möglichst lange nach der Demo noch in Berlin bleiben kann, aber die genauen Zeiten hängen vom Streckenverlauf und damit von den vorbestellten Tickets ab. Also los!

    Alternativen: Wer nicht mit der Bahn fahren will, kann auch mit dem Bus (aus NRW) oder dem Rad anreisen.

    23. Juli 2009 7