Demokratie

Digitale Demokratie, politische Kommunikation, e‑Government, Wahlen & Wahlkampf, Lobbyismus, Campaigning, soziale Bewegungen & Protest.

  • : Transparente gegen die Vorratsdatenspeicherung
    Transparente gegen die Vorratsdatenspeicherung

    Die Ortsgruppe Rhein-Main des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat am Wochenende im Rahmen eines Workshops viele Transparente für die „Freiheit statt Angst“ Demonstration am 11. Oktober gemalt. Einen Überblick bietet dieses Foto:

    Mehr Fotos gibts hier. Schöne Aktion! Vielleicht nehmen sich ja andere die Aktion zum Vorbild und basteln eigene Transparente.

    29. September 2008 1
  • : Wahlcomputerpannen in Brandenburg
    Wahlcomputerpannen in Brandenburg

    Nicht nur in Bayern und in Österreich wurde heute gewählt, sondern auch in den brandenburgischen Kommunen. Der CCC war mal wieder mit Wahlcomputerbeobachtern dabei. Frank Rieger hat sehr schön lakonisch begründet, warum die Leute da mitgemacht haben:

    Da ja in den ländlichen Gegenden die Nachrichten immer etwas länger brauchen, haben 10 Gemeinden noch nicht mitbekommen, daß Wahlcomputer mitlerweile out sind. Vielleicht die letzte Gelegenheit, sich NEDAPs nochmal in der freien Wildbahn anzusehen. Die Wahlbeobachtung läuft und dieses mal volle Kanne 2.0: kurze Updates gibt es auf Twitter und ausführlichere Berichte als Suppe .

    Ein paar kurze Eindrücke aus den Berichten:

    Die Siegel an der Elektronikeinheit sind die alten Papierfetzchen, angebracht 2004. Es gibt kein PTB-Siegel.

    Der Klassiker: Waehler kurz vor der Stimmabgabe mit Blick auf die Bedieneinheit des Wahlcomputers: „Koennen Sie da sehen, was ich waehle?“

    Seriennummernabweichung auf der Baugleichheitserklärung ist ein schwerer Wahlfehler.

    Die beiden Schlüssel für den Wahlcomputer waren mind. einmal in der Hand nur einer Person.

    Und so weiter.

    Für die Wahl in Hessen Anfang des Jahres hat der CCC wegen diverser schwerer Mängel mit den Wahlcomputern vor ein paar Tagen eine Wahlprüfungsbeschwerde eingereicht. Als Lesetipp sei hier auch nochmal das Gutachten des CCC für das Bundesverfassungsgericht erwähnt.

    28. September 2008
  • : Bundestags-Abstimmungen visualisieren mit dem Parlameter
    Bundestags-Abstimmungen visualisieren mit dem Parlameter

    Das ZDF hat in seiner Mediathek eine interessante Flash-Animation, das Parlameter. Die Anwendung visualisiert das Abstimmungsverhalten im Deutschen Bundestag. Zur Auswahl stehen verschiedene Abstimmungen, wie z.B. die diversen Bundeswehreinsätze. Es wird angezeigt, welche Abgeordneten wie abgestimmt haben, oder gar nicht anwesend waren. Weitere Funktionen sind die Visualisierung des Abstimmungsverhaltens nach Bundesland, Geschlecht, Familienstand, Nebentätigkeiten und Alter. Dies kann auch beliebig kombiniert werden: Welche weiblichen hessischen Abgeordnete über 40 mit Kindern haben wie bei einem bestimmten Auslandseinsatz abgestimmt.

    Insgesamt eine sehr schöne und nützliche Transparenz-Anwendung. Leider hab ich keine Internet-relevante Abstimmung gefunden. Danke für den Hinweis, die Stimmung über die Vorratsdatenspeicherung ist dort auch zu finden. Toll wäre es jetzt noch, wenn das ZDF auch sein Datenmaterial als XML-Dateien zur Verfügung stellen würde.

    [Danke an Björn]

    23. September 2008 16
  • : Lesetipp: „The Privacy Advocates“
    Lesetipp: „The Privacy Advocates“

    „In Germany, there have been high levels of activism against new laws mandating the retention of communications data by telecommunications companies and Internet service providers, including a rally in Berlin in September 2007 in which fifteen thousand people participated.“

    Das schreibt der Politikwissenschaftler Colin Bennett von der University of Victoria in Kanada in der Einleitung zu seinem neuen Buch „The Privacy Advocates“, das gerade bei MIT Press erschienen ist.

    Das Buch ist die erste Studie, die sich mit der entstehenden weltweiten vernetzten Datenschutz-Bewegung befasst. Colin hat dazu viele Interviews geführt (in Deutschland unter anderem mit mir und ein paar anderen von AK Vorrat, FIfF und CCC in Berlin sowie mit den Leuten vom FoeBuD in Bielefeld). Die ganzen Aktionen des AK Vorrat im letzten Jahr haben ihn auch ziemlich beeindruckt. Immer, wenn ich ihn in den letzten Monaten gesprochen habe, war seine scherzhafte Reaktion etwa so: „Can’t you guys just pause your activities in Germany for a moment? Every time you do another big action, I have to re-write this chapter of my book again!“ Nach seiner Einschätzung hat das internationale Netzwerk der Datenschutz-Aktivisten das Potenzial, zu einer breiten sozialen Bewegung zu werden, so wie es die Umweltbewegung vorgemacht hat. Dafür ist eine solche Studie sicherlich hilfreich, denn sie hält einem den Spiegel vor und regt zum nachdenken über die eigene Arbeit an.

    Colin und ich haben im Februar bei der Privacy&Security-Konferenz in Victoria gemeinsam einen Vortrag gehalten unter dem Titel „Surveillance Societies and the emerging Anti-Surveillance Movement“. Die Folien gibt es hier, im zweiten Teil sind einige Ergebnisse des Buches zusammengefasst.

    21. September 2008 1
  • : Telekom-Paket: Unsere Wahlempfehlungen!
    Telekom-Paket: Unsere Wahlempfehlungen!

    Für die Abstimmungen zum Telekom-Paket am kommenden Mittwoch sind jetzt unsere Wahlempfehlungen online zu finden. In einer europäischen Kooperation haben wir im La Quadrature du Net – Wiki alle zur Wahl stehenden Änderungsanträge analysiert und bewertet. Bisher sind die Bewertungen für den Trautmann-Report (Rahmenrichtlinie) und dem Harbour-Report (Universaldiensterichtlinie) online. (Die Analyse und Empfehlungen für die Datenschutzrichtlinie / Alvaro-Report kommen noch, sobald online zu finden)

    In unsere Bewertung der Änderungsanträge (Ammendments) haben wir den Einfluss der einzelnen Passagen auf ein freies und offenes Internet, und damit auf Bürger- Und Verbraucherrechte bewertet. Mit Hilfe dieser Wahlempfehlungen kann man nun optimaler die eigenen Europa-Abgeordneten kontaktieren und sich von ihnen wünschen, im Sinne von Freiheit im digitalen Raum abzustimmen.

    Die Wahlempfehlungsliste im Wiki ist folgendermassen aufgebaut:

    Amendig“ und „Amended“ definiert den jeweiligen Report (Richtlinie) und die Passage.
    Topic“ sagt, worum es dabei geht und welche Themen die Änderung betrifft. (Themenbereiche sind: Netzneutralität / 3‑Strikes / Richtervorbehalt / Internet-Filtering / DRM / Datenschutz)
    Am. #’ “ ist die jeweilige Nummer des Änderungsantrages.
    „Source“ ist der Antragsteller, dies können Fraktionen (z.B. Verts/ALE = Grüne) oder Ausschüsse (z.B. ITRE = Industrieausschuss) oder Abgeordnete (z.B. Bono, Cohn-Bendit, Roithová and al.) sein.
    Advice“ ist unsere Empfehlung. Das reicht von „–“ (für ganz schlechte Idee und schädlich) bis hin zu „+++“ (Unbedingt empfehlenswert).
    Comment“ beschreibt meist kurz, worum es geht.

    Mit Hilfe dieser Wahlempfehlungen kann man nun optimaler bis kommenden Mittwoch EU-Abgeordnete kontaktieren und diese bitten, sich einzelnen Änderungsanträgen anzuschliessen. Und wir können nach Mittwoch überprüfen, welche EU-Abgeordneten Internet-feindlich abstimmen.

    Spread the word und werdet aktiv!

    Im La Quadrature Wiki haben wir auch eine aktuelle Mobilisierungsseite. Die englische ist immer die aktuellste und es wird regelmässige Hiilfe bei der Übersetzung der Änderungen nach deutsch benötigt. Hierbei hilft der RSS-Feed.

    Aktueller Stand von Samstag, 18:30h ist: Telekom-Paket Abstimmung (1. Lesung) am 24. September.

    Wir mobilisieren gegen mehr Überwachung im europäischen Internet

    Executive Summary der aktuellen Situation

    * Das „Telekom-Paket“ wird am 24. September in der Plenarsitzung des Europaparlaments um 11:30 abgestimmt.
    * Einige Änderungsanträge enthalten gefährliche Inhalte für ein offenes Internet.
    o Einige Änderungsanträge können Nationalstaaten erlauben, eine sogenannte „Graduate Response“ Regelung gegen unautorisiertes Filesharing durchzusetzen (Internetsperrungen), was massiv Bürgerrechte beeinträchtigt.
    o Die Verwendung des Wortes „lawful content /rechtmässiger Inhalt“ ist eine Gefahr für Bürgerrechte und einer nachhaltigen sowie offenen Entwicklung des Internets.
    * Fortschritte wurden bei der Neubearbeitung der LIBE-Änderungsanträge (LIBE = Ausschuss für bürgerliche Freiheiten) auf Basis der Analyse des Europäischen Datenschutzbeauftragten gemacht.
    * Einige sehr sinnvolle und gute Ändeurngsanträge wurden eingebracht, z.B. das „Bono amendment“ beim Trautmann-Report, sowie verschiedene andere.
    * Es ist nur noch wenig Zeit, um EU-Abgeordnete über diese Fragen und Konflikte aufzuklären, und ihnen Lesehilfe bei den umfangreichen Änderungsanträgen zu geben. Die wenigsten Abgeordneten hatten bisher mit den Diskussionen zu tun und wissen weitgehend nicht, worüber sie am Mittwoch abstimmen. Hier ist Hilfe notwendig, ihnen die Änderungsanträge zu erklären, und ihre Bedeutung für Bürger- und Verbraucherrechte herauszustellen.

    Detailliertere Argumentation:

    „Graduated Response“

    Einige Änderungsanträge können Nationalstaaten erlauben, eine sogenannte „Graduate Response“ Regelung gegen unautorisiertes Filesharing durchzusetzen (Internetsperrungen), was massiv Bürgerrechte beeinträchtigt.

    * Die Erwähnung von „cooperation“ zwischen Internet-Servcie-Providern und der Kulturindustrie über die „Promotion of lawful content“ ist sehr vage und unzureichend.
    o Generelle Information der ISP-Kunden über bestehende Gesetze (z.B. in Form von Newsletters) ist akzeptabel
    o Zielgerichtete Mitteilungen an einzelne Kunden und auf Basis der Überwachung des Nutzerverhaltens ist inakzeptabel.
    o Es gibt keine klare Definition, dass individuelle Benachrichtigungen ausgeschlossen werden bei dieser „cooperation“

    * LIBE-Änderungsanträge sind neue bearbeitet worden nach der Kritik des Europäischen Datenschutzbeauftragten (EPDS)
    o Der Europäische Datenschutzbeauftragte hatte vorgeschlagen, problematische Änderungsanträge neu zu schriben. Diesen Hinweisen wurde nachgegangen und die Sprache ist wneiger gefährlich. Aber es ist immer noch eine Gefahr.

    „Lawful content“

    Die Verwendung des Wortes „lawful content /rechtmässiger Inhalt“ ist eine Gefahr für Bürgerrechte und einer nachhaltigen sowie offenen Entwicklung des Internets.

    * Wer soll entscheiden, ob Inhalt rechtmässig ist und ob nicht. Wo ist die richterliche Kontrolle darüber?
    * Dürfen Behörden ohne Gewaltenkontrolle darüber entscheiden, was rechtmässiger Content ist und was nicht?
    * Was ist mit Regelungen wie der Privatkopie oder das Zitatrecht, bzw. freien Inhalten wie die Creative Commons lizenzierten Inhalten, bzw. Bottum-Up Innovationen, die die Basis für die Entwicklung einer digitalen Umwelt darstellen?

    Bono amendment

    * Today, the judicial judge is the guardian of civil liberties and freedom of citizens. This amendment guarantees that this will continue, that no administrative authority can order justice rulings impacting on internet users’ ability to access and distribute content.
    * The exceptions for „force majeure“ and „national provisions of criminal law imposed for reasons of public policy, public security, or public morality“ are already in Member State’s criminal laws. Nothing will be changed here.
    * The exceptions for „preserving network integrity and security“ are legitimate, technically demonstrable, and described in ( some other part of the texts )
    * The reference to the Charter of Fundamental Rights of the European Union … (?)

    Alle sollten ihre EU-Abgeordneten kontaktieren!

    * Bittet sie, für den Bono-Ändeurngsantrag 138 zu stimmen, der Bürgerrechte wie die Meinungsfreiheit schützt, indem ein Richtervorbehalt zwingend notwendig wird.
    o Wenn es Zweifel gibt, ob die „Graduate Response“-Regelungen immer noch im Telekom-Paket zu finden sind oder nicht ist es besser zu garantieren, dass sie nicht drin sind. Das ermöglicht Änderungsantrag 138.
    o Eine richterliche Ontrolle ist absolut notwendig und zwingend. Dieser Änderunganstrag ändert nichts daran, dass Nationalstaaten Gesetze haben.

    * Bittet Eure Abgeordneten, den Änderungsantrag 34 abzulehnen, der den Datenschutz abbaut im Namen der Urheberrechtsbekämpfung.
    * Empfiehlt Euren Abgeordneten, den Wahlempfehlungen von La Quadrature zu folgen.

    20. September 2008 7
  • : Politische Kommunikation und Web 2.0
    Politische Kommunikation und Web 2.0

    Heute hab ich im Rahmen der Medienwoche in Berlin an einer Diskussion über „Politische Kommunikation und Web 2.0″ teilgenommen. Heise berichtet über die Diskussion: Wahlkampf 2.0: Von Obama lernen?

    2. September 2008 2
  • : Bericht vom Telekom-Paket Lobbying in Brüssel
    Bericht vom Telekom-Paket Lobbying in Brüssel

    Gestern Abend bin ich von unserer Lobby-Aktion zum Telekom-Paket in Brüssel zurück gekommen. Die vier Tagen waren intensiv, etwas anstrengend, haben aber auch Spass gemacht. Die Gespräche mit Europa-Abgeordneten und/oder ihren Mitarbeitern waren aber sinnvoll und auch gut. Wir konnten unsere Bedenken artikulieren und unsere Hilfe anbieten. Mal schauen, wie erfolgreich das war. Die nächsten drei Wochen werden darüber entscheiden. Es war aber offensichtlich, dass der vielfältige Druck aus dem Netz in den letzten Wochen das Bewusstsein für einige schlechte Passagen in den Direktiven erfolgreich war.

    Ich kann allen nur empfehlen, bei Sorgen und Bedenken zu laufenden politischen Debatten, diese direkt bei den Entscheidern zu artikulieren. Dies wurde uns auch von allen Abgeordneten bestätigt: Demokratie bedeutet mitmachen. Das kann durch Aktionen vor Ort geschehen, wie in diesem Fall. Ein Anruf, ein persönlicher Brief, Fax oder eine Mail reicht aber auch schon aus, wenn dies viele tun. Dabei sollte man immer darauf achten, dass am anderen Ende auch nur Menschen sitzen: Das heisst, eine höfliche und persönliche Ansprache mit einer Argumentation bringt etwas. Massenmails, Beschimpfungen und Vorurteile sind kontraproduktiv. In unserem Fall hatten wir den Vorteil, dass wir aus der Kampagne gegen Softwarepatente schon einige Kontakte im Europaparlament hatten, die wir in diesem Fall nutzen konnten.

    Wie kommt man in ein Parlament?

    Ein Problem ist ja immer, wie man ins Europaparlament reinkommt. Über ein Abgeordneten-Büro bekamen wir einen Wochenpass und wurden morgens immer freundlicherweise am Eingang abgeholt und konnten uns dann im Parlament frei bewegen. Dies ist zwar nicht legal, weil immer ein Mitarbeiter auf einen aufpassen muss. Aber wenn man sich unauffällig verhält und den Sicherheitsmenschen aus dem Weg geht, fragt niemand nach. Man kann auch direkt ein Treffen mit einem unbekannten Abgeordneten ausmachen und nur für das Treffen ins Parlament rein und dann wieder raus. Der Weg nach Brüssel lohnt sich dann aber nicht immer. Aber man kann ja auch gleich mehrere Treffen an einem Tag machen. Wichtig ist auch, dass man Bedenken klar artikuliert und im Optimalfall auch Alternativvorschläge gleich dabei hat.

    Wie nimmt man Kontakt zu Abgeordneten auf?

    Das war in unserem Fall auch recht einfach. Einerseits kannten wir einige Abgeordnete schon aus anderen Zusammenhängen. Andererseits haben wir einfach Mails geschrieben und um einen Termin gebeten. Das hat in den meisten Fällen problemlos geklappt. Eine Handvoll Abgeordnete hat leider überhaupt nicht reagiert, die meisten aber schon. Auch wenn davon einige noch unterwegs waren und teilweise dann nur die Mitarbeiter zur Verfügung standen. Bei drei Abgeordneten haben wir dann auch die Chance genutzt und direkt ein Interview für NetzpolitikTV gemacht. Die liegen teilweise noch auf DV-Tapes, weil eine Kamera anfing zu spinnen und nicht mehr über Firewire konnekten wollte. Muss ich mir nochmal genauer anschauen, ich hoffe, die Kamera ist bei der Aktion nicht zu Schaden gekommen. Da sind auch noch mehr Video-Berichte vom Lobbying drauf.

    Wie bekommt man Netz im Europaparlament?

    Im Europaparlament gibt es ein geschlossenes WLAN in einigen Bereichen. Hier hat man zwei Möglichkeiten, einen Zugang zu bekommen: Man beantragt einen formell und mit etwas Glück bekommt man nach einigen bürokratie-Schritten auch den Zugang. Wir haben den einfacheren Weg gewählt und uns einen Zugang von einer Person geliehen, die uns vertraute. Das sparte Bürokratie und über den Zugang kamen auch mehrere Notebooks gleichzeitig ins Netz. So konnten wir von dem „Seminar on Internet-Filtering and the telecom-package“ einen Live-Stream senden, twittern, aber auch Videos online stellen. Der Live-Stream war vermutlich nicht legal, die Videos auch nicht, da man einen Antrag auf eine Drehgenehmigung stellen muss. Das war uns aber auch zu kompliziert, zumal wir keinen Presseausweis haben und daher haben wir es gar nicht versucht, sondern einfach gemacht. Die grosse Herausforderung war beim Live-Stream eher, Strom zu bekommen. Man mag ja annehmen, dass in einem Fraktionssitzungssaal ausreichend Steckdosen vorhanden sind. Das ist aber nicht so. Wir haben, abgesehen vom Podium, in einem Raum mit über 100 Plätzen nur zwei Steckdosen ganz hinten gefunden. Zum Glück hat der Stream fast die ganze Zeit geklappt. Nur hat Mogulus.com als Streaming-Plattform leider nur den zweiten Teil gespeichert, der jetzt online zu finden ist. Aber die Aktion war auch nur ein Experiment und beim nächsten Mal können wir auf den Erfahrungen aufbauen. Zum Glück hattenw ir den Netzzugang und mussten nicht über UMTS ins Netz. Ich hätte ja gerne mehr getwittert, aber UMTS ist im Roaming unbezahlbar. Eine Sache, die wir einigen Abgeordneten auch klar artikulieren konnten und die alle gelobten, sich für Verbesserungen einzusetzen.

    Die strittigen Punkte im Telekom-Paket

    Zum Telekom-Paket muss man erstmal klarstellen, dass wir den gesamten Rahmen gar nicht ablehnen. Der Grossteil ist gut und sinnvoll, um für Europa einen verbesserten Innovationsrahmen und auch die Stärkung von Verbraucherrechten zu bringen. Es gibt aber kleine Punkte, die wir ablehnen und wo wir unsere Bedenken artikulieren.

    In der Datenschutzrichtlinie geht es u.a. um die Frage, ob IP-Adressen personenbezogene Daten sind oder nicht. Ich bin da der Meinung, dass diese klar personenbezogene Informationen sind. Andere sagen, dass man IP-Adressen ja noch nicht klar einer Person zuordnen kann und dass man dies erstmal so abbilden muss. Wenn man aber IPv6 und Entwicklungen wie die Vorratsdatenspeicherung ein berechnet, so wird das aber bald der Fall sein und so ein Gesetz hält ja länger.

    In der Universaldienste-Richtlinie (Harbour-Report) sind in den letzten Monaten Punkte aufgetaucht, die nicht in der Intention der EU-Kommission waren. Im Direktiven-Vorschlag der EU-Kommission war es gar nicht vorgesehen, dass man Inhalte mit in die Infrastruktur-Gesetzgebung einbaut. Aber auf einmal war in der Diskussion, dass man Regelungen zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (Stichwort Internetsperrungen und Filterungen) einbaut. Die Diskussion ist geprägt von der französischen Initiative, die Strategieempfehlung der Entertainment-Lobby umzusetzen, eine „3 strikes and you are out“ umzusetzen. Dieses Modell wurde erst vor wenigen Monaten vom EU-Parlament abgelehnt. Aber es gibt immer wieder Bestrebungen, dies wieder in anderen Gesetzen wie dem Telekom-Paket doch noch durchzusetzen. Die verwendete Sprache in dem aktuellen Kompromissvorschlag ist daher auch eher schwer zu verstehen. Monica Horten hat in ihrem Analysen-Papier darauf hingewiesen, dass einige Wörter den Rahmen bilden. Und unser Anliegen war und ist, diese raus zu bekommen. Wenn dort in einer „Cooperaton“ zwischen ISPs und Rechteinhabern gesprochen wird, so findet man die Definition von „Cooperation“ vor allem in Lobby-Papieren der Rechteinhaber. Auch wird oft das Wort „lawful“ und „unlawful“ verwendet. Diese wollen wir raus bekommen und es sieht auch ganz gut aus. Denn es ist unklar, wie man rechtmässige Inhalte definiert und in der Regel wird dies in anderen Gesetzen schon getan. Die Gefahr bei diesen Worten ist, dass man Massnahmen trifft, um unrechtmässige Inhalte raus zu filtern. Da bdeutet Zensur und in der Regel stellen sich Rechteinhaber dafür eine technologische Umsetzung vor, die China als Zensurinfrastruktur nutzt. Aus Bürgerrechtssicht ist dies inakzeptabel.

    Bei einer anderen Verwendung des Wortes „lawful“ konnten wir darauf aufmerksam machen, dass dies anderes formuliert besser klappen könnte. Es ist nämlich die Rede von „lawul applications“. Gemeint ist damit von Verbraucherschützern, dass man Telekommunikationsunternehmen verbieten möchte, dass Software wie Skype / VOIP in ihren Netzen nicht erlaubt wird. Diese Forderung unterstütze ich voll und ganz. Aber wir befürchten, dass man diese Formulierung auch verwenden kann, um Trusted Computing Infrastrukturen zu legitimieren und aufzubauen. Hier suchen wir gerade noch nach anderen Formulierungsmöglichkeiten, um den ersten Sinn besser zu definieren und das zweite auszuschliessen.

    Und sonst?

    Sonst waren das vier spannende Tage, die uns auch wieder neue Einblicke in die Arbeit der europäischen Ebene gebracht haben. Und dazu viele neue Kontakte, bzw. die Vertiefung von schon bestehenden Kontakten. Erfreut waren wir auch über die Kooperatonsangebote einige Abgeordneter, ihre Büros und Telefone mit zu nutzen. Und das WLAN. Was es ist für konkrete Diskussion gebracht hat, wird sich in den nächsten Wochen rausstellen. Hinter den Kulissen laufen jetzt die Verhandlungen und die Suche nach anderen Kompromissen und Mehrheiten. Wir planen auf jeden Fall noch weitere Aktionen aus dem Netz, um den Druck aufrecht zu halten, im Sinne von Netzneutralität und Bürgerrechten zu stimmen. Und in einem angemieteten Appartment in Brüssel werden die kommenden drei Wochen noch einige Aktive aus unserem losen Netzwerk unterkommen und vor Ort mit ihren Abgeordneten sprechen. Das verfolge ich dann aber nur noch aus Berlin und im Netz.

    29. August 2008 16
  • : World Day Against Software Patents
    World Day Against Software Patents

    Am 24. Septmber findet erstmals der „World Day Against Software Patents“ statt. An diesem Tag soll einmal im Jahr der Erfolg in Brüssel im Jahre 2003 gefeiert werden, wo das EU-Parlament in der ersten Lesung gegen Softwarepatente in Europa stimmte und die Pläne stoppte. Dazu gibt es die folgende Petition und es sollen Demonstrationen vor vielen nationalen Patentämter in der ganzen Welt organisiert und durchgeführt werden. Mehr Infos gibt es auf stopsoftwarepatents.org und irgendwann hab ich auch noch ein Video-Interview dazu bearbeitet..

    Considering the following:

    1. The issue of software patents is a global one, and several governments and patent offices around the world continue to grant software & business method patents on a daily basis; they are pushing for legal codification of the practice, such as currently in New Zealand and India, and via the misappropriation of Free Trade Agreement instruments;
    2. Previous initiatives as the Noepatents.org petition (approx. 400 000) at the EU level are outdated (notably on the issues of the central EU patent court) and not open for signatures anymore.
    3. Companies still view software patents as assets. They have yet to understand that software patents should also be considered liabilities, especially if they are in the hands of trolls.
    4. Time is on our side as litigation gets spread wide: Markets learn the hard way that you may not leave reform to patent professionals. Patent litigation is becoming wide spread in key markets such as the financial sector, and will be more wide spread in the software sector in the forthcoming years due to the number of applications pending;
    5. The United States lacks a coalition of business and civil society against software patents

    * The lobby gap makes Congress and Senate, the Court of Appeals for the Federal Circuit (CAFC) and the Supreme Court susceptible to lobbying from patent industries, holders and patent professionals. American software creators have been intimidated by the patent establishment and have failed to make themselves heard.
    * Companies affected by software patent litigation have been lobbying for reform, but their advocacy for „quality“ and „lower damages“ aims at symptoms rather than the roots of the problem.

    For these reasons,

    We declare the 24 September as the World Day Against Software Patents, in commemoration of the European Parliament First Reading in 2003 with amendments stopping the harmful patenting of software, guaranteeing that software programmers and businesses can safely benefit from the fruits of their work under copyright law.

    28. August 2008
  • : NetzpolitikTV 047: Aus der Lobby
    NetzpolitikTV 047: Aus der Lobby

    Und sofort dahinter die nächste Folge NetzpolitikTV aus Brüssel, diesmal die Nummer 047. Ich beschreibe darin etwas, wie Grasswurzel-Lobbying funktioniert und wie man Kontakt zu Abgeordneten aufnimmt.

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    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    Auch diese Folge gibts leider wieder nur im unfreien MP4.

    Mehr zur Diskussion rund um das Telekom-Paket findet man hier im Blog und auch im Wiki.

    27. August 2008 3
  • : NetzpolitikTV 046: Hallo aus Brüssel
    NetzpolitikTV 046: Hallo aus Brüssel

    NetzpolitikTV 046 ist die erste Folge aus dem Europaparlament in Brüssel, wo ich mich seit gestern aufhalte. Mit dabei sind einige Aktivisten aus verschiedenen Nationen. Das Ziel ist, Abgeordnete davon zu überzeugen, dass es im sogenannten Telekom-Paket einige Fallstricke für ein offenes Internet gibt, was nächsten Monat vom EU-Parlament beschlossen wird. In den nächsten Tagen wird es noch einige mehr NetzpolitikTV-Folgen aus Brüssel geben. Neben Hintergrundgesprächen sind auch einige Interviews mit deutschen Abgeordneten, Wissenschaftlern und NGO-Vertretern geplant, die wir hier treffen werden. Und morgen gibt es eine spannende Veranstaltung zu Internet-Filtering.

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    Das Ergebnis gibts diesmal leider nur als unfreies MP4.

    Mehr zur Diskussion rund um das Telekom-Paket findet man hier im Blog und auch im Wiki.

    27. August 2008 1
  • : 2008 zirkulieren über 127 Millionen us-amerikanische Kundendatensätze
    2008 zirkulieren über 127 Millionen us-amerikanische Kundendatensätze

    Heise hat schon viel über Datenlecks und gehandelte Adressdaten berichten müssen. Heute wieder, in Verlustfälle bei Kundendaten nehmen zu:

    Laut einem Bericht des Identity Theft Resource Center in San Diego beläuft sich die Zahl der 2008 öffentlich einsehbaren Fälle von Datenverlusten in den USA bereits auf 449. Im Vergleich dazu seien im gesamten Jahr 2007 „nur“ 446 entsprechende Vorkommnisse gelistet worden. Von den Sicherheitsdebakeln betroffen gewesen sein sollen im vergangenen Jahr Datensätze von 127 Millionen Kunden.

    Berichterstattung ist wichtig. Aber immer noch kommt dabei zu kurz, dass der „Verlust“ von Daten tatsächlich ein „Kontrollverlust“ ist – diejenige Instanz, die die Daten hält und verwaltet, ist durch den jeweils berichteten Vorfall nicht mehr in der Lage, diese kontrolliert zu verwenden. Und das ist noch sehr konservativ formuliert – und nimmt implizit an, dass die Datensammlung selbst sauber zustande gekommen und lediglich schlampig gehandhabt wurde. Vermutlich ist die Formulierung „Spitze des Eisbergs“ eine der einlullendsten die es gibt, indem das unvorstellbare versuchsweise greifbar gemacht wird. Aber auch hier fehlt die Tiefe: nimmt man alle öffentlich berichteten Fälle der USA seit 2000 zusammen, dann dürfte die gesamte als Kunde erfasste Bevölkerung schon mehrfach profiliert worden sein, ohne dass sie davon weiß. Man muss nur zählen können. Zusammenführen von Datenbeständen ist trivial. Aufklärung tut Not.
    Für Deutschland fehlt bislang eine solche öffentliche Liste, mit der Datenschützer, Mahner und Redaktionen ordentlich argumentieren können. Einen Anfang haben wir von wiki.data-loss.de schon gemacht; ich fühle mich allerdings überrannt von der jüngeren Entwicklung seit Mitte Juni. :P

    Über die breit gelaufene Berichterstattung, die tendenziöse wie von Ralf erläutert oder die mahnenden Forderungen für künftige Gesetzgebung wie vom ULD zusammengefasst, hat dieses Blog ebenfalls schon berichtet, und wird das auch weiterhin tun müssen. Von alleine wird die Welt nicht besser, schon gar nicht durch Trippelschritte. Die losgelassenen Datensätze hierzulande werden im Wochentakt mehr, staatlicher oder privatwirtschaftlicher Herkunft. Die Demonstration „Freiheit statt Angst“ am 11. Oktober in Berlin kann das ändern helfen. Geht hin!

    26. August 2008 3
  • : CSU macht Wahlkampf mit Datenspeicherung
    CSU macht Wahlkampf mit Datenspeicherung

    Aus der Kategorie „schlechtes Timing“:

    Das Bild steht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND‑3.0‑Germany, Quelle: horatiorama.

    Gefunden beim taz-Blog „CTRL – alles unter Kontrolle“.

    24. August 2008 7
  • : How Obama Really Did It
    How Obama Really Did It

    Die US-Ausgabe der Technology Review hat einen grossartigen Artikel über die Social-Networking Strategie der Obama-Kampagne gemacht: How Obama Really Did It.

    „The campaign, consciously or unconsciously, became much more of a media operation than simply a presidential campaign, because they recognized that by putting their message out onto these various platforms, their supporters would spread it for them,“ says Andrew Rasiej, founder of the Personal Democracy Forum, a website covering the intersection of politics and technology (and another Dean alumnus). „We are going from the era of the sound bite to the sound blast.“

    Zur Abwechslung mal ein gut geschriebener Artikel über eCampaigning-Strategien von einem Autor, der die verwendeten Technolgien und ihre soziale Nutzung versteht und ausführlich beschreibt.

    24. August 2008 4
  • : Das Telekom-Paket im Netzpolitik-Wiki dokumentieren
    Das Telekom-Paket im Netzpolitik-Wiki dokumentieren

    Es gibt jetzt auch ein Netzpolitik-Wiki unter netzpolitik.org/wiki. Das soll mit der Zeit immer mehr im Rahmen dieses Blogs genutzt werden. Wir fangen erstmal mit der Debatte rund um das Telekom-Paket auf EU-Ebene an. Dafür gibt es eine Seite, wo ich schon viele Informationen zusammengefasst habe. Mehr kommt noch im Laufe der kommende Woche.

    Mögliche To-Do´s für fleissige Helfer/Innen:

    * Übersichtlicher machen, ggf. Überpunkte auf verschiedene Seiten auslagern.
    * Mehr EU-Ressourcen rund um das Telekom-Paket recherchieren und dokumentieren
    * Beteiligte Abgeordnete und ihre Kontaktinformationen recherchieren
    * Pressespiegel ergänzen
    * Kreativ werden!

    23. August 2008
  • : Reaktionen auf die Datenskandale – staatliche Datensammelei verbieten!
    Reaktionen auf die Datenskandale – staatliche Datensammelei verbieten!

    Die in letzter Zeit aufgeflogenen Datendealereien, Überwachungen, Memory-Stick-Verlierereien und so weiter haben in der offiziellen Politik und ihrem Umfeld bereits zu hektischen Reaktionen geführt.

    Meine Prognose: In der aktuellen Debatte um den Datenschutz wird es absehbar viel Getöse um die Stammtischhoheit geben, Leute werden sich profilieren, ein paar Gesetzesänderungen werden ins BDSG eingepflegt werden und eventuell gibt es ein wenig mehr Geld für die Aufsichtsbehörden, während die Unternehmen versichern, das seien nur Ausnahmen gewesen, die hart verfolgt gehören. Insgesamt werden alle den Eindruck erwecken wollen, jetzt mal hart durchzugreifen. Dabei ist der zentrale Konflikt hier in den nächsten Wochen und Monaten, ob sich die Diskussion auf die Kundendaten beschränkt oder ob klar wird, dass auch staatliche Datenhalden eine große Gefahr darstellen. Hier noch mehr Druck gegen den Überwachungsstaat zu machen, wird sicherlich eine der Aufgaben der Demonstration „Freiheit statt Angst“ am 11. Oktober in Berlin sein.

    Im Einzelnen ist das Gewusel durchaus interessant anzusehen:

    Wolfgang Schäuble (CDU) klaut Sebastian Edathy (SPD) dessen Idee eines Datenkrisengipfels. Wenn man nicht mehr weiter weiss, dann gründet man nen Arbeitskreis. Macht sich aber sicher gut in der Tagesschau. Worum es da gehen soll, wie die Umsetzung eventueller Ergebnisse ausgeführt werden soll, wie der mit den im Bundesrat vorliegenden Änderungsvorschlägen zum Bundesdatenschutzgesetz verkoppelt werden soll, dazu war bisher nichts zu hören. Die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern arbeiten immerhin an einem Forderungskatalog.

    Die Computerbranche rät, technische Lösungen für den Datenschutz (Privacy-Enhancing Technologies) stärker zu nutzen. Überraschung. Auch Verbraucherminister Seehofer will technische Hürden gegen Datenmissbrauch vorschreiben, hat aber das Prinzip von PETs noch nicht verstanden:

    „Damit es nicht zu ungewollten Online-Bestellungen kommt, soll künftig vor Vertragsabschluss ein Extra-Bestätigungsfeld erscheinen“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Der Kunde müsse dann mit einem Klick bestätigen, „dass er weiß, was er tut“.

    Herr Seehofer, PETs sind kein „One Click“-Datenstriptease, sondern sorgen dafür, dass erst gar keine unnötigen personenbezogenen Daten anfallen. Immerhin unterstützt die IT-Industrie

    den Vorschlag des Bundesdatenschutzbeauftragten, dessen personelle und finanzielle Ausstattung zu verbessern. Bei den derzeit kursierenden, weiteren Vorschlägen würden meist die damit einhergehenden Kosten und die dadurch entstehende Bürokratie vergessen.

    Die Grünen wollen dies auch, stellen sich aber vor allem auf die politische Bühne mit ihrer Forderung, den Datenschutz ins Grundgesetz zu schreiben. Welchen Eindruck so eine symbolische und potenziell gefährliche Änderung auf kriminelle Leute in Call-Centern machen soll, ist dabei noch erläuterungsbedürftig.

    Dann doch lieber „Datenfahnder“ einführen, wie es der Bund Deutscher Kriminalbeamter nach Vorbild der Steuerfahndung fordert? Strategisch ist das ja nicht blöd – falls es wirklich in den Haushaltsberatungen für 2009 mehr Geld für die Datenschutz-Aufsicht geben sollte, dann kann man es so im Budget des Innenministeriums für Polizeistellen halten und muss es nicht an die lästigen Datenschutzbehörden weiter reichen.

    Michael Glos (CSU) hält bisher die Populismus-Bestmarke, indem er ein komplettes Verbot des privaten Datenhandels ins Spiel bringt.

    „Wenn wir die Verbraucher anders vor kriminellen Machenschaften nicht schützen können, müssen wir überlegen, ob wir den Handel mit persönlichen Daten generell verbieten“.

    Natürlich weiss Wirtschaftsminister Glos genau, dass so etwas nicht durch kommt, und seine Mitarbeiter werden das der Informationswirtschaft vermutlich auch schon versichert haben, aber vor der Bayern-Wahl macht es sich offenbar ganz gut, damit in der Bild-Zeitung zu stehen.

    Wir setzen noch eins drauf mit der einzig konsequenten Forderung: Wenn schon ein Verbot von Datensammlung und Datendealerei, dann aber auch für den staatlichen Bereich!

    Die konservativen haben hier schon eine offene Flanke entdeckt und versuchen mühsam, sie zu schließen. Kanzleramtschef Thomas de Maiziére (CDU) macht dazu erstmal Wähler-Bashing. Hat er wohl von der Musikindustrie abgeschaut. Er

    rügte den Internet-Umgang vieler Bürger und lobte den Umgang mit Daten durch den Staat. Ihm sei schon lange klar, dass beim Datenschutz die größere Gefahr vom Privatsektor ausgehe und nicht vom Staat. „Wie wir jetzt sehen, sind Daten beim Staat allemal besser aufgehoben als bei Privaten“, sagte der Minister. Die beste Sofortmaßnahme gegen Datenmissbrauch hätten die Bürger selbst in der Hand, indem sie nicht so viele Daten über sich ins Internet stellen. „Es ist schon sehr erstaunlich, dass besonders Jüngere große Angst vor Überwachung durch den Staat haben, aber freiwillig Bilder, Briefe und andere intime Daten ins allgemein zugängliche Internet bringen“, kritisierte de Maiziére.

    Herr de Maisiére, die Leute stellen auch bei StudiVZ nicht ihre Kontonummern online. Bitte erst das Problem verstehen, dann antworten. Staatliche Datenhalden werden außerdem von den Bürgern nicht freiwillig gefüttert. Hier bleibt als Sofortmaßnahme des Selbstschutzes oft nur die Verfassungsklage. Die Urteile aus Karlsruhe haben allerdings in den letzten Jahren nie zum Vertrauen in staatliche Datenhalden beigetragen, sondern regelmäßig ihre Grundgesetzwidrigkeit bestätigt.

    Auch Dieter Wiefelspütz (SPD), der jahrelang Projekte wie die Vorratsdatenspeicherung und die Online-Durchsuchung offensiv unterstützt hatte, reagierte zunächst ähnlich und dichtete dem Staat eine weiße Weste an:

    Mangelnder Datenschutz sei vor allem ein Problem der Privatwirtschaft, während der Staat sauber sei, meint der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion.

    Diese Position scheint allerdings in der SPD-Fraktion keine Mehrheit mehr zu finden. Als erstes Opfer zeichnet sich das zentrale Melderegister ab, das von Justizministerin Brigitte Zypries und der SPD-Fraktion für tot erklärt wurde. Auch Dieter Wiefelspütz gestand nun ein,

    gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Fälle von Datenmissbrauch „sollte auch der Staat sich hüten, verzichtbare neue Datensammlungen anzulegen“.

    Dann mal los, es gibt da viel zu tun: Vorratsdatenspeicherung der Kommunikationsdaten, ELENA-Arbeitnehmerdatenregister, „Gefährder“-Dateien, DNA-Datenbanken, Passagierdaten, Kontendaten, KFZ-Nummernschilder, und und und. Die sind alle verzichtbar. Wir haben immerhin seit Gründung der Bundesrepublik mehr als 50 Jahre gut ohne sie gelebt.

    Update: Die SPD beginnt mit Schäuble-Bashing. Man sollte vielleicht aus aktuellem Anlass mal Wiefelspütz und Zypries mit „Stasi 2.0“ breitflächig streuen, um dieser Geschichtsklitterung „SPD=Datenschützer“ vorzubeugen.

    Update 2: Eine interessante Diskussion entwickelt sich hier: „Teilrückzug aus dem Web 2.0“

    23. August 2008 6
  • : Video zum Aktionstag „Freiheit statt Angst“ am 11. Oktober
    Video zum Aktionstag „Freiheit statt Angst“ am 11. Oktober

    Die Großdemo gegen Überwachung in Berlin und die internationalen Proteste am selben Tag sprechen sich langsam rum. Mittlerweile gibt es Aktionen in 21 Ländern, von Wien bis Buenos Aires, Skopje oder Washington.

    Mittlerweile macht das Event auch in verschiedenen Medienformaten die Runde. Hier ist ein aktuelles Video. Ich hätte das auch gerne noch mit je einer Tonspur aus House, Latino, Minimal, Soul, Swing und so weiter. Musikproben gibt es hier.

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    Weitere Videos wären auch klasse. Ist ja genug los gerade. Zum Schmachten und als Ansporn hier noch ein Verweis auf das superschöne Video „Planet unter Beobachtung“ von Alexander Svensson vom letzten Jahr.

    Die Bustickets nach Berlin gibt es bis 31. August noch zum Frühbucher-Rabatt beim FoeBuD.

    22. August 2008 1
  • : Totengräber-Brigade im Auftrag McCains
    Totengräber-Brigade im Auftrag McCains

    Sueddeutsche.de berichtet mit Verweis auf die LA Times, dass die John McCain-Kampagne wohl in der Lage ist, negative Nachrichten auf digg.com im Datennirvana verschwinden zu lassen: McCains Bestattungsgehilfen.

    Blogger, die diesem Treiben zuschauen, sprechen bereits von einer „Totengräber-Brigade“ im Auftrag McCains. Ob es sich bei diesen Bestattungsgehilfen tatsächlich um Helfer aus der republikanischen Parteizentrale handelt, lässt sich jedoch nicht herausfinden, die Bewertungen sind anonym. Zudem wiederspricht es den Nutzungsbedingungen von digg.com nicht, dass sich die User untereinander absprechen, nur das „künstliche Ändern“ ist verboten.

    Es gibt bei Digg.com die Funktion „bury“. Damit kann man dafür stimmen, einen Artikel zu beerdigen. Das klappt wohl ganz gut, zumindest, wenn man mit einer grossen Anzahl von Anhängern die Plattform bespielt. Kritische Links, wie zu dem beliebten Video von Paris Hilton als Antwort auf McCain, kommen auf der Plattform kaum Beachtung.

    Aktuell ist auch das Action Center von McCain. Dort werden Anhänger aufgefordert, positive vorgefertigte Kommentare in Blogs zu platzieren. Thomas Pleil spricht zu Recht von Astroturfing: McCain: Der Netzverschmutzer.

    Auf der Webseite wird auch im kleingedruckten darauf hingewiesen, wie man agieren soll:

    “The content of these sites is not controlled by the McCain campaign and may contain offensive material. Please use your discretion in visiting these sites.”

    Ich kann mich Thomas Pleil im Fazit auch nur anschliessen:

    In der Tat ist die McCain-Initiative eine der unappetitlichsten Kampagnenideen, die mir in letzter Zeit begegnet sind.

    12. August 2008 3
  • : Freedom not fear – Banner
    Freedom not fear – Banner

    Für den internationalen Aktionstag gegen Überwachung, der am 11. Oktober, u.a. mit einer Gross-Demonstration in Berlin stattfindet, gibt es jetzt neue Banner-Motive. Weitere Motive werden gerne gesehen.

    8. August 2008 4
  • : USA: Musiker für Netzneutralität
    USA: Musiker für Netzneutralität

    Die Future of Music – Coalition hat die „Rock the Net: Musicians for Net Neutrality“ – Kampagne gestartet. Hauptelement ist eine CD-Kompilation, deren Erlöse in die Kampagne fliessen soll. Mit dabei sind die Künstler Wilco, Bright Eyes, They Might Be Giants, Aimee Mann, DJ Spooky, Portastatic, The Wrens, Palomar, Guster, The Classic Brown, Matthew Shipp, BC Camplight, David Miller, David Bazan (ex-Pedro the Lion) und Free Form Funky Freqs (Vernon Reid), die alle einen Track beigesteuert haben. Ziel ist, mehr Bewusstsein für die Bedeutung von Netzneutralität innerhalb der Musik-Community zu schaffen. Man kann die CD in US-Läden kaufen und in diversen Online-Stores.

    Das Future of Music – Blog beschreibt den Hintergrund:

    The current structure of the web lets the biggest companies and the smallest bedroom recording artist exist on an equal technological playing field. But big telecommunications and cable companies want to charge content providers (artists, labels — anyone who puts stuff on the web) a fee for the faster delivery of their sites. Those who couldn’t afford — or didn’t want to — pay a toll would be stuck in the slow lane. The Internet works because it belongs to everyone. All artists — big or small — have been able to use the web as a powerful tool to engage audiences. This all takes place without interference from gatekeepers and middlemen. But if net neutrality goes away, musicians lose an important connection, and fans lose the freedom of choice. That’s why we started the Rock the Net, which includes founding artists Death Cab For Cutie, R.E.M., Pearl Jam, Kronos Quartet and Ted Leo.

    30. Juli 2008 1
  • : Freiheit statt Angst: Großdemo in Berlin am 11. Oktober
    Freiheit statt Angst: Großdemo in Berlin am 11. Oktober

    Ungefähr ein Jahr nach der letzten bundesweiten Großdemonstration rufen Bürgerrechtler und Datenschützer wieder auf, in Berlin Gesicht zu zeigen gegen den Überwachungswahn. Der offizielle Aufruf ist heute veröffentlicht worden, jetzt werden weitere Unterstützer und Helfer gesucht, darüber hinaus viele Spenden, um das alles zu finanzieren. Dieses Mal wird der FoeBuD Busse aus ganz Deutschland nach Berlin organisieren, die Karten dafür gibt es demnächst in deren Shop.

    Das beste: Gleichzeitig mit uns werden in vielen anderen Hauptstädten Menschen mit dem gleichen Aufruf (englisch) gegen den Überwachungswahn demonstrieren und andere Aktionen machen. Bisher haben wir insgesamt 16 Länder gewinnen können, aber es trudeln täglich neue ein. Innerhalb weniger Tage hat sich die Idee bis nach Sri Lanka und anderswo herumgesprochen und Interesse geweckt. Da scheint der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, der die ganze Sache wieder iniitiert hat, mal wieder die richtige Idee zur richtigen Zeit gehabt zu haben. Wer Datenschutz-Kontakte im Ausland hat: Schaut mal im Planungswiki, ob ihr noch helfen und die Leute darauf ansprechen könnt.

    Im Vorfeld kann man am 20. September in München als „Aufwärmtraining“ unter dem Motto „Freiheit Weiß-Blau“ gegen das verschärfte bayerische Versammlungsgesetz und andere Überwachungsmaßnahmen auf die Straße gehen. International wird am 22. September an vielen Orten im Rahmen des OneWebDay für den Aktionstag „Freedom not Fear 2008“ mobilisiert werden.

    28. Juli 2008 1