Simon Columbus

  • : Kennzeichen-Scanning in Bayern rechtmäßig
    Kennzeichen-Scanning in Bayern rechtmäßig

    Der Freiheitsredner Benjamin Erhart hat gegen den KFZ-Massenabgleich in Bayern geklagt und vor dem Verwaltungsgerichtshof München verloren. Heute wurde das Urteil vom 23. Oktober veröffentlicht, berichtet Daten-Speicherung.de:

    In der inzwischen vorliegenden schriftlichen Urteilsbegründung erkennt das Gericht zwar das Risiko an, dass ein unschuldiger Autofahrer als „fehlerhafter Trefferfall erfasst wird“. Der Massenabgleich habe auch eine „präventive Datenerhebung ohne konkreten Anlass“ zum Gegenstand und stelle „eine ereignis- und verdachtsunabhängig ausgestaltete und deshalb im Sinn einer Prävention wenig zielgenaue Befugnis“ dar. Obwohl der erfasste Autofahrer „keinen ihm zurechenbaren Anlass durch sein Verhalten“ setze, sei die Maßnahme „als Vorsorge zur Verfolgung von bzw. Verhütung von Straftaten“ zulässig. Selbst der „Einsatz stationärer Anlagen an Kriminalitätsschwerpunkten im Dauerbetrieb“ sei für die abgeglichenen Fahrer im Regelfall „lediglich eine Grundrechtsbeeinträchtigung und kein Grundrechtseingriff“.

    Weitere Ausführungen zum Urteil und den vollständigen Text der Urteilsbegründung gibt es bei Daten-Speicherung.de

    Erhart will mit Unterstützung des ADAC vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in Berufung gehen. Für die Finanzierung des weiteren Verfahrens bittet er auf seinem Blog um Spenden.

    30. Oktober 2009 4
  • : Polizei kann abgehörte Gespräche nicht richtig löschen
    Polizei kann abgehörte Gespräche nicht richtig löschen

    Die Polizeibehörden in Bund und Ländern speichern entgegen geltender Rechtsprechung massenhaft abgehörte Telefonate und abgefangene Emails. Es fehlt schlicht an einer angemessenen Löschmethode. Die taz zitiert aus einem Schreiben des NRW-Landesamtes „Polizeiliche Dienste“ an das Innenministerium des Landes:

    Das neue Telekommunikationsüberwachungs-System der Polizei des Landes NRW mit dem Arbeitsnamen Gemini besitzt derzeitig keine standardisierten Möglichkeiten zur Löschung bestimmter Dateien oder Teilen aus Dateien, die dem Kernbereich der privaten Lebensführung unterliegen.

    30. Oktober 2009 10
  • : Englische Behörde verliert 100.000 Datensätze*
    Englische Behörde verliert 100.000 Datensätze*

    Die englische Rural Payments Agency (RPA) hat zwei Backup-Speicher verloren, auf denen sich Kontodaten von beinahe allen britischen Landwirten befanden. Danach hat sie gemeinsam mit einigen weiteren Beteiligten versucht, den Fall zu vertuschen.

    Die RPA wickelt die Auszahlung von EU-Subventionen für das englische Unwelt- und Landwirtschaftsministerium DEFRA (Department of Environment, Food and Rural Affairs) ab. Betroffen von dem Datenschutzskandal sind alle englischen Landwirte, die jemals EU-Subventionen erhalten haben.

    Die Backup-Festplatten enthalten Bankdaten, Adressen, Passwörter und Sicherheitsabfragen der Farmer. Trotzdem versuchten die verantwortlichen Behörden, den Verlust zu vertuschen. Der Fall wurde erst bekannt, als sich Mitarbeiter und ein externer Berater der RPA an das Magazin Farmers Weekly wandten, weil sie Schäden für die Betroffenen befürchteten.

    30. Oktober 2009 11
  • : Die Agentur für Arbeit ist beim Datenschutz „eine Katastrophe“
    Die Agentur für Arbeit ist beim Datenschutz „eine Katastrophe“

    Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und sein schleswig-holsteinischer Kollege Thilo Weichert überziehen die Bundesagentur für Arbeit mit harscher Kritik. Besonders „4‑PM“ („Vier-Phasen-Modell“), das neu eingeführtes Computersystem zur Betreuung von Arbeitslosen, ist aus ihrer Sicht völlig inakzeptabel. Auch innerhalb der Arbeitsagentur gibt es scharfen Widerspruch gegen die Software.

    In dem System werden unter anderem Informationen zu Suchtkrankheiten, Verschuldung und schwierigen Familienverhältnissen der Arbeitslosen gespeichert. Auf diese Daten können alle rund 100.000 Mitarbeiter der Behörde zugreifen. Lokale Einschränkungen gibt es nicht.

    30. Oktober 2009 27
  • : EFF startet eine „Hall of Shame“ für Fair-Use-Feinde
    EFF startet eine „Hall of Shame“ für Fair-Use-Feinde

    Die Electronic Frontier Foundation hat als Teil ihrer Kampagne No Downtime for Free Speech eine „Hall of Shame“ eingeführt. Aufgenommen werden Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen, die aufgefallen sind durch besonders dreiste „bogus takedowns“ – also ungerechtfertigte Aufforderungen zur Löschung von angeblich urheberrechtsverletzendem Material.

    Websites wie Youtube hätten zu einer „neuen Ära von Kreativität und Meinungsfreiheit im Internet“ geführt, aber einige der interessantesten Inhalte würden mittels falscher Urheberrechts-Ansprüche aus dem Netz entfernt. „Meinungsfreiheit hat es im 21. Jahrhundert häufig nötig, Video-Clips und andere Inhalte aus verschiedenen Quellen einzubinden“, schreibt die Anwältin der Electronic Frontier Foundation, Corynne McSherry.

    28. Oktober 2009 3
  • : Vorschlag der Deutschen Literaturkonferenz zu verwaisten Werken
    Vorschlag der Deutschen Literaturkonferenz zu verwaisten Werken

    Das Urheberrechtsblog Arbeit 2.0 berichtet über einen Vorschlag der Deutschen Literaturkonferenz zum Umgang mit „verwaisten Werken“.

    Der Vorschlag an den Gesetzgeber sieht im Falle von verwaisten Werken einen automatischen Rechteverlust des Urhebers an eine Verwertungsgesellschaft vor. […] Die Literaturkonferenz schlägt vor, dass Verwertungsgesellschaften zukünftig ermächtigt werden sollen, Werke solcher Urheber, die nicht auffindbar sind, für elektronische Nutzungen zu lizensieren.

    Mehr dazu bei Arbeit 2.0.

    28. Oktober 2009 9
  • : Digitale Privatkopien bleiben legal
    Digitale Privatkopien bleiben legal

    Das Bundesverfassungsgericht hat eine Klage der Musikindustrie nicht angenommen, die sich gegen das Recht auf digitale Privatkopien wandte. Anlass war ein formales Versäumnis der Kläger.

    Die Beschwerdeträger monierten, dass § 53 UrhG, der das Recht auf Privatkopie regelt, nicht mit dem Eigentumsrecht nach Artikel 14 I des Grundgesetzes vereinbar sei.

    Das Verfassungsgericht nahm die Klage nicht zur Entscheidung an, weil die Beschwerdeträger von falschen Annahmen ausgegangen seien und daher die 1‑Jahres-Frist versäumt hätten. Diese Frist habe mit dem „2. Korb“ zur Novellierung des Urheberrechts nicht neu zu laufen begonnen:

    „Bleibt die angegriffene Norm inhaltlich unverändert oder wird sie rein redaktionell angepasst, setzt kein neuer Fristlauf ein. Die Jahresfrist des § 93 Abs. 3 BVerfGG begann hier nicht deshalb neu zu laufen, weil § 53 Abs. 1 UrhG durch das am 1. Januar 2008 in Kraft getretene Zweite Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft vom 26. Oktober 2007 geändert worden ist. Denn der Gesetzgeber hat dabei die in Rede stehende Zulässigkeit digitaler Privatkopien unberührt gelassen. Die gesetzgeberische Klarstellung, dass auch digitale Vervielfältigungen erlaubt sein sollen, war bereits im Jahr 2003 erfolgt.“

    (via)

    28. Oktober 2009 8
  • : Repressionen gegen Politaktivisten in Großbritannien
    Repressionen gegen Politaktivisten in Großbritannien

    Der Guardian hat in den letzten Tagen eine Reihe von Artikeln der Autoren Paul Lewis und Rob Evans veröffentlicht, die verschiedene Seiten der Repressionen gegen politisch aktive Menschen in Großbritannien beleuchten.

    Am 22. Oktober berichtete der Guardian, dass sich die Polizei in Kent für die „unangemessene und kontraproduktive“ Durchsuchung tausender Umweltaktivisten entschuldigt hat.

    A total of 8,218 searches were carried out on protesters at the week-long demonstration last August against the energy company E.ON’s proposed coal-fired power-station, after orders from senior commanders were misinterpreted „as an instruction to search everyone“.

    Am Sonntag schrieben die beiden Autoren über die systematische Verfolgung von Aktivisten mittels automatischer Nummernschilderkennung. Die Polizei notiert Kennzeichen von Autos, die bei Demonstrationen gesichtet werden, und speist diese in eine landesweite Datenbank ein. Die Folge für die betroffenen Personen sind regelmäßige Kontrollen. Wenn sich in der Datenbank Notizen mit Verdächtigungen finden, kann es sogar zu Durchsuchungen nach Anti-Terror-Gesetzen kommen.

    27. Oktober 2009 16
  • : Lettre will Schadensersatz von Bild für eingescanntes Sarrazin-Interview
    Lettre will Schadensersatz von Bild für eingescanntes Sarrazin-Interview

    Die Kulturzeitschrift Lettre International hat mit ihrem Sarrazin-Interview, in dem der Bundesbanker über Migranten in Berlin herzog, einen überraschenden Hit gelandet. Das Quartalsmagazin veröffentlicht seine Texte allerdings nicht im Internet, was Bild.de dazu veranlasste, das gesamte 60.000 Zeichen umfassende Interview einfach selbst einzuscannen und hochzuladen. Dafür verlangt Lettre-Chefredakteur Frank Berberich nun Schadensersatz vom Axel-Springer-Verlag, wie der Mediendienst kress berichtet:

    „Weit über tolerierbare Umfänge hinaus“ hätten „Bild“ und „Bild.de“ das Interview für ihre Zwecke verwendet und weite Passagen zitiert, sagte Chefredakteur Berberich zu kress. „ ‚Bild.de’ hat gegen unser explizites Verbot das gesamte Interview eingescannt und auf seine Website gestellt.“ […] Neben der Verletzung von Berberichs Urheberrechten müsse man Schadensersatzansprüche geltend machen, sagte der Chefredakteur. Die Verkaufserlöse der Zeitschrift seien durch die unerlaubte Publikation im Internet gemindert worden. „Inwiefern uns Anteile der auf den betreffenden Seiten erzielten Werbeeinnahmen zustehen, wird zu klären sein.“

    Zuvor hatte Lettre Bild.de bereits mit einer einstweiligen Verfügung dazu gezwungen, den Scan des Interviews wieder von seiner Seite zu entfernen. Zu den Forderungen gibt es bisher keine Reaktion vom Springer Verlag, Kai Diekmann hat allerdings angekündigt, sich demnächst auf seinem Blog zur Sache zu äußern.

    Update: Lustig an dieser Sache ist, dass die Axel Springer AG zu den Verlagen gehört, die ein eigenes Leistungsschutzrecht für Verlage fordern. Einerseits wird gegen den „Content-Klau“ von Google News und Co. gewettert, andererseits bedient man sich gerne bei den eigenen Kollegen. Springer will selbst auf Bezahlinhalte setzen, damit, dass die Lettre-Ausgabe 17 € kostet, scheint man aber Probleme zu haben. Irgendwie passt das nicht zusammen.

    Update: Kai Diekmann hat mittlerweile tatsächlich in seinem Blog Stellung bezogen. Unter der Überschrift „Return to Sender“ weist er die Vorwürfe Berberichs von sich. Man habe wegen des großen Interesses das Interview vollständig ins Netz gestellt – „selbstverständlich mit ausführlicher Quellenangabe“:

    „So weit, so normal: Große Zeitung zitiert kleine Zeitschrift, Interesse wird erzeugt und mit ein bisschen Glück kaufen möglichst viele Zeitungsleser auch das Original-Magazin.“

    Darauf, dass es sich um eine Urheberrechtsverletzung handelt, geht Diekmann nicht direkt ein. Er schreibt allerdings:

    [N]atürlich haben wir das Interview nicht geklaut, sondern uns vorher die Erlaubnis zur Veröffentlichung geholt. Mein Kollege Hans-Jörg Vehlewald aus der Politikredaktion bat dafür telefonisch in ihrem Büro um den kompletten Text, den er anschließend auch per Fax bekam […]

    Ob tatsächlich eine Erlaubnis zur Veröffentlichung von Seiten Lettre Internationals vorlag, müssen wohl die Gerichte entscheiden. Ansonsten sieht es aber so aus, als habe Diekmann keinerlei Unrechtsbewusstsein, wenn es um die illegale Nutzung geistigen Eigentums geht.

    27. Oktober 2009 10
  • : Die Postbank erlaubt freien Beratern detaillierten Einblick in Kontobewegungen
    Die Postbank erlaubt freien Beratern detaillierten Einblick in Kontobewegungen

    Laut einem Bericht des Magazins Finanztest können tausende freie Mitarbeiter auf die Girokontodaten von Postbank-Kunden zugreifen. Dazu müssen die Berater lediglich Name und Geburtsdatum der betreffenden Person eingeben. Finanztest schreibt:

    Die Daten sollen laut interner Postbankanweisung freien Mitarbeitern der 2006 gegründeten Postbank Finanzberatung AG bei ihrer Arbeit helfen. Das Vertriebsunternehmen mit etwa 4 000 freien Handelsvertretern verkauft Produkte der Postbank und der BHW Bausparkasse. Sobald ein höherer Geldbetrag auf einem Konto eingeht, können die Berater den Kunden anrufen, um Geldanlagen zu verkaufen.

    Dabei werden auch Daten von Personen offengelegt, die einer Weitergabe ihrer Daten widersprochen haben. Finanztest mutmaßt, der Postbank sei bewusst, dass sie mit der Weitergabe von Kontodaten an freie Berater gegen Datenschutzbestimmungen verstößt. Laut der nordrhein-westfälischen Datenschutzbehörde wäre der umfassende Einblick selbst dann unzulässig, wenn Kunden einer Weitergabe ihrer Daten zugestimmt hätten. Die Einwilligungserklärung umfasse nicht den Blick auf sämtliche Kontobewegungen. Finanztest berichtet zudem von Anweisungen, die Datenschutzvergehen geheimzuhalten:

    27. Oktober 2009 15
  • : Statistiken zur Nutzung der Vorratsdatenspeicherung: Mehr als 20.000 Anfragen
    Statistiken zur Nutzung der Vorratsdatenspeicherung: Mehr als 20.000 Anfragen

    Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat die Berichte der Bundesregierung an das Bundesverfassungsgericht veröffentlicht. Darin wird detailliert ausgeführt, wie häufig im Zeitraum von 1. März bis zum 31. August 2009 sowie im Jahr 2008 auf Vorratsdaten zurückgegriffen wurde.

    2008 gab es in 8.316 Verfahren insgesamt 13.426 Erstanordnungen zur Erhebung von Verkehrsdaten. Im halbjährigen Zeitraum 2009 waren es 7.538 Erstanordnungen in 3.968 Verfahren. Das Papier listet auch die Anfragen der einzelnen Bundesländer auf. Besonders eifrig waren 2009 Behörden in Bayern, die 1.804 Anordnungen in 999 Verfahren erließen. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahlen der Bundesländer nutzten allerdings Bremen und Berlin noch häufiger Vorratsdaten.

    Bis zur vorläufigen Einschränkung des Gesetzes durch das Bundesverfassungsgericht am 11. März 2008 war neben Abfragen bei schweren Straftaten nach § 100a StPO auch die Nutzung von Vorratsdaten in Verfahren wegen mittels Telekommunikation begangener Straftaten möglich. Für 2008 listet der Bericht 1.414 solche Anfragen auf. Der Großteil der Anfragen bezog sich also auf schwere Straftaten (12.469 in 2008).

    27. Oktober 2009 16
  • : WhiteHouse.gov nutzt jetzt Drupal
    WhiteHouse.gov nutzt jetzt Drupal

    Die Website des Weißen Hauses nutzt nun Drupal. Das Open-Source-CMS löst eine proprietäre Software ab, die seit der Bush-Ära in Gebrauch war. An der Gestaltung hat sich allerdings wenig geändert.

    Das New-Media-Team von Obama hat nach einer anpassungsfähigeren Entwicklungsumgebung für die Internetpräsenz des Weißen Hauses gesucht, um Features wie Videostreaming oder Foren besser in die Infrastruktur der Seite einbinden zu können. Die Entscheidung ist letztlich nach einer Ausschreibung auf Drupal gefallen.

    Laut New-Media-Chef Macon Phillips arbeitet das vom Weißen Haus mit der Umsetzung beauftragte Unternehmen General Dynamics Information Technology (GDIT) mit einer Reihe von Open-Source-Entwicklern und ‑Beratern zusammen. Mit im Boot ist unter anderem der auf Drupal spezialisierte Anbieter Acquia. Das Unternehmen wurde von Dries Buytaert gegründet, der auch als Vater von Drupal gilt.

    Die Wahl von Drupal als CMS für die Seite des Weißen Hauses ist offensichtlich ein Erfolg für die Entwickler der Software. Es lässt sich sogar ein Sieg der Open-Source-Gemeinde hineindeuten. Allerdings ist mit der Nutzung von Drupal für eine der wahrscheinlich am häufigsten angegriffenen Seiten der Welt auch eine Herausforderung verbunden. Sollte sich Drupal an dieser Stelle als stabil erweisen, dürften Offiziellen zufolge andere Seiten mit der Implementierung der Open-Source-Software nachfolgen.

    (via)

    26. Oktober 2009 8
  • : Information Economy Report 2009
    Information Economy Report 2009

    Die United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) hat ihren Information Economy Report für 2009 veröffentlicht. Untertitel: „Trends and Outlook in Turbulent Times“.

    Das „turbulent“ dürfte sich besonders auf die Entwicklungsländer beziehen, in denen es enorme Wachstumsraten bei der Verbreitung von Internet und Mobilfunk gibt. Das Kapitel zum Wachstum des Mobilfunkmarktes ist dementsprechen überschrieben: „The mobile revolution continues“. Der Guardian widmet der Entwicklung in Afrika, wo die Mobilfunk-Durchdringung in den letzten fünf Jahren um 550% gewachsen ist, einen Artikel, der die Ergebnisse des Reports gut zusammenfasst:

    Mobiles have come as a blessing to those who never had access to landlines because of poor infrastructure. At the end of 2007, there were eight times as many mobile phones as fixed lines in the least developed countries.

    Auch bei der Internetanbindung holen Afrika und Asien auf: 2008 lebten erstmals mehr als die Hälfte der Internetnutzer in Entwicklungsländern. Als eine Folge der Entwicklung sieht die UNCTAD den Digital Graben schrumpfen, obwohl weiterhin extreme Unterschiede gerade bei der Breitbanddurchdringung bestehen.

    26. Oktober 2009
  • : Big Brother Awards in Österreich verliehen
    Big Brother Awards in Österreich verliehen

    In Österreich wurden am Wochenende zum zehnten Mal die Big Brother Awards verliehen. Aufsehen erregt vor allem die Auszeichnung dreier Grünen-Politiker.

    Die Abgeordneten der Grünen im oberösterreichischen Landtag Gottfried Hirz, Ulrike Schwarz und Maria Wagender wurden in der Kategorie Politik für ihre Unterstützung der Forderung nach Internetsperren für „Seiten mit kinderpornographischem Inhalt“ mit den Negativ-Preis bedacht. Der Initiativantrag war zwar einstimmig vom gesamten Landtag angenommen worden, die Jury zeigte sich allerdings besonders von den Grünen-Politikern enttäuscht. Diese hätten „allenfalls vorhandenen Sachverstand weggeworfen“. Die Entscheidung für eine Auszeichnung der Grünen wurde auch damit begründet, dass man die „ ‚üblichen verdächtigen’ Rechtspopulisten“ aus den anderen Parteien „in den vergangenen zehn Jahren bereits vielfach nominiert und ausgezeichnet“ habe.

    In der Kategorie „Behörden und Verwaltung“ hatte die Jury, wie sie extra anmerkt, eine besonders schwere Entscheidung zu fällen. Den Preis erhält das Bundesfinanzministerium für die verpflichtende Angabe der Sozialversicherungsnummer bei Spenden. Im entsprechenden Gesetz heißt es: „Ab dem Jahr 2011 muss die Spenderin/der Spender bei jeder Spende, die als Sonderausgabe absetzbar sein soll, dem Spendenempfänger ihre Versicherungsnummer bzw. ihre persönliche Kennnummer der Europäischen Krankenversicherungskarte bekannt geben.“ Diese Regelung verletzt das bestehende E‑Governmentgesetz. Darin ist vorgeschrieben, dass Personenkennzeichen nicht über Verwaltungsdatenbanken hinweg nachvollziehbar und bereichsspezifisch sein dürfen.

    Der Preis in der Rubrik „Kommunikation und Marketing“ wurde der Personensuchmaschine 123people und deren Geschäftsführer Russell E. List-Perry verliehen. Kritisiert wird von der Jury, dass die Suchmaschine „Ergebnisse von gefährlicher Beliebigkeit“ ausspucke. Wenn als Ursache dafür nicht Unfähigkeit, sondern Methode annehme, dann laufe das „auf eine Form von Nötigung hinaus, um an qualitativ hochwertige, weil richtige Datensätze zu gelangen: Es werden so lange dubiose bis falsche Angaben über eine Person verbreitet, bis diese Kontakt mit 123people aufnimmt und alle Daten richtigstellt.“

    Das Unternehmen reagierte mit einer Stellungnahme auf den Award, der darin als „professionelle Veranstaltung, die eine wichtige Datenschutz-Funktion in der Gesellschaft erfüllt“, gelobt wird. Einerseits enthalte die Begründung der Jury Fehler, andererseits sieht man sich selbst nicht in der Verantwortung: „Das Zuordnen der gefundenen Informationen zu einer bestimmten Person bleibt dem User überlassen.“ Mit der 123people könne jeder seinen „digitale Fußabdruck“ überprüfen. „Dafür einen Big Brother Award zu erhalten, ist absurd.“

    Besonders zynisch muten die Erklärungen des Geschäftsführers von Tiger Lacke, Clemens Steiner, an, der dafür in der Kategorie Business und Finanzen ausgezeichnet wurde. „Im Sinne des Erhalts der Zufriedenheit der Belegschaft“ und um „Verbesserungen frühzeitig durch geeignete Maßnahmen einleiten zu können“ habe die Geschäftsführung des Welser Unternehmens Tiger Coatings „regelmäßig die Kommunikation mit den betreffenden Mitarbeitern gesucht“ heißt es da von der Geschäftsführung. Soll heißen: Mitarbeiter wurden „auf freiwilliger Basis“ systematisch vorgeladen und nach den Gründen für ihren Krankenstand befragt.

    Zudem sorgte man sich bei den Unternehmen um die Sicherheit der Mitarbeiter. „Um Arbeitsplätze zu sichern“ und weil ein „existenzbedrohlicher Abgang von Pulverlacken“ vorlag, der sich später als Buchhaltungsfehler herausstellte, installierte man verdeckt in Hallen, Büros und Müllraum ein vernetztes System von rund 20 Kameras samt Aufzeichnungsanlage.

    Das Publikum zeichnete zudem den Chef der Österreichischen Bundesbahnen, Peter Klugar, mit einem eigenen Award aus. Für preiswürdig befunden wurde die systematische Anlage von Mitarbeiter-Krankenakten. „Erst geschah das relativ offen durch ein entsprechendes Feld in der Personaldatenbank. Nach einem Einspruch des Betriebsrats gingen dieselben Praktiken auch unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Peter Klugar unverändert weiter, nur eben verdeckt.“ Ein Leitfaden für den internen Gebrauch habe zudem „verschärfte Krankenstandskontrollen durch Detektivbüros“ und die „Befragung der Lebensgefährten von Beschäftigten mit langen Fehlzeiten“ empfohlen. Als das Ganze an die Öffentlichkeit drang, reagierte das Management „durch das Tilgen aller Spuren“, indem es die illegale Datensammlung nach eigenen Angaben löschte.

    Zu Anfang der Veranstaltung war nachträglich noch ein Big Brother Award für 2007 an die Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) verliehen worden. Damals sollte sie für Verschlechterungen bei der bereits 2003 kritisierten Bildungsevidenz ausgezeichnet werden, zog sich aber mit der Absichtserklärung aus der Malaise, bis 2009 eine Alternative zur Sozialversicherungsnummer als Personenkennzeichen zu finden. Weil das System aus Sicht der Jury nicht entscheidend geändert wurde, erhielt Ministerin Schmied den Preis nun doch.

    26. Oktober 2009
  • : ACTA 2009 Internettrends
    ACTA 2009 Internettrends

    Das Umfrageinstitut Allensbach hat mal wieder seine jährliche ACTA-Präsentation veröffentlicht. Dabei ist auch die Studie Zentrale Trends der Internetnutzung in den Bereichen Information, Kommunikation und E‑Commerce.

    Die Studie zieht das Fazit, dass der Kreis der Menschen, die User-generated Content erstellen, „kaum noch“ wachse. Zwar nehmen beinahe alle untersuchten Bereiche gegenüber 2008 zu, jedoch ist das Wachstum geringer als noch im Vorjahreszeitraum.

    Demnach betreiben nun neun Prozent der Deutschen zwischen 14 und 64 Jahren ein eigenes Blog, 18 Prozent kommentieren in den Blogs anderer und ganze 31 Prozent lesen zumindest darin. Allerdings gibt nur der geringste Teil davon an, das Medium „häufig“ zu nutzen, bei den Blogautoren sind das gerade einmal 2 Prozent der Befragten.

    Damit entsprechen die Zahlen auch in etwa den Ergebnissen der ARD – ZDF Onlinestudie.

    23. Oktober 2009 2
  • : Internetsperren-Gesetz in Frankreich verfassungsgemäß
    Internetsperren-Gesetz in Frankreich verfassungsgemäß

    Der französische Verfassungsrat hat das Hadopi-Gesetz genehmigt. Er hatte keine Einwände gegen die zweite Auflage des Gesetzes, das bei wiederholten Urheberrechtsverstößen eine Sperrung des Internetzugangs für bis zu einem Jahr vorsieht. Auch Freiheits- und Geldstrafen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro sind möglich, da Hadopi eine internetbezogene Ergänzung des Tatbestandes der „Fälschung“ ist.

    Damit hat sich der Verfassungsrat mit den vorgeschlagenen beschleunigten Verfahren zur Verurteilung illegaler Filesharer einverstanden gezeigt. Bemängelt wurden nur die Vorschriften zu Schadensersatzfragen. Diese müssen vom Parlament präzisiert werden und dürfen nicht über Dekrete an der Kammer vorbei geregelt werden.

    23. Oktober 2009 14
  • : McCain bringt Gesetz gegen Netzneutralitäts-Regelung ein
    McCain bringt Gesetz gegen Netzneutralitäts-Regelung ein

    Der ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain hat einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der die FCC (Federal Communications Commission) daran hindern soll, verbindliche Netzneutralitäts-Regeln für Provider aufzustellen. Die FCC hatte am Donnerstag in einer Abstimmung offiziell entschieden, mit der Erstellung solcher Regeln zu beginnen.

    McCains „Internet Freedom Act“ soll die „Übernahme“ des Internets durch die Regierung, wie der Senator es formuliert, verhindern. Es soll „das Internet frei von behördlicher Kontrolle und Regulierung“ halten. Dahinter stehen von Seiten McCains wirtschaftspolitische Gründe. Allerdings hatte zuletzt auch die Electronic Frontier Foundation (EFF) vor dem Vorhaben der FCC gewarnt.

    23. Oktober 2009 4
  • : „Madrider Erklärung“ fordert internationale Datenschutzabkommen und ein Moratorium für Überwachungsgesetze
    „Madrider Erklärung“ fordert internationale Datenschutzabkommen und ein Moratorium für Überwachungsgesetze

    58 Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt fordern in einer Erklärung internationale Abkommen zum Schutz von Privatsphäre und informationeller Selbstbestimmung der Bürger. Das Papier soll während dem 31. internationalen Gipfeltreffen der Datenschutzbeauftragten im November übergeben werden.

    Insgesamt zehn Punkte enthält die Liste der Forderungen. Einige davon wirken bescheiden, so etwa die Einhaltung bestehender nationaler und internationaler Datenschutzbestimmungen. Leider wird das nicht mehr Selbstverständlichkeit gesehen. Länder, die noch keine entsprechende Gesetzgebung erlassen habe, sollen das „so rasch wie möglich“ nachholen. Konkret setzen sich die Bürgerrechtler für die Ratifizierung der Europaratskonvention zum Datenschutz ein.

    23. Oktober 2009 2
  • : EFF warnt vor Netzneutralitäts-Plänen der FCC
    EFF warnt vor Netzneutralitäts-Plänen der FCC

    Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat sich gegen die derzeitigen Pläne der amerikanischen Federal Communications Commission (FCC) ausgesprochen, durch eine Richtlinie Internet-Provider zur Netzneutralität zu verpflichten. Sie nennt das Vorhaben ein „Trojanisches Pferd“.

    Zwar seien die Ziele von FCC-Chef Genachowski die gleichen, die auch die EFF verfolge. Doch die Behörde sei niemals vom Kongress authorisiert worden, das Internet zu regulieren. Die Frage lautet für die EFF nun, ob die FCC durch den bloßen Erlass von Bescheiden, die bestehende Gesetze ergänzen (sogenannte „ancillary jurisdiction“), Regeln für das Netz schaffen kann.

    Denn darin sehen die Bürgerrechtler die Gefahr, dass sich die FCC zur allmächtigen Regulierungsbehörde für das amerikanische Netz aufschwingt. Es gebe genügend Anlass zur Sorge, dass diese Regeln in Zukunft ganz und gar nicht mehr nach dem Geschmack der EFF wären:

    For example, it doesn’t take much imagination to envision a future FCC „Internet Decency Statement.“ After all, outgoing FCC Chairman Martin was a crusader against „indecency“ on the airwaves and it was the FCC that punished Pacifica radio for playing George Carlin’s “seven dirty words” monologue, something you can easily find on the Internet.

    Allerdings sieht die EFF noch zwei Möglichkeiten, die „Machtergreifung“ von Genachowski aufzuhalten. Einerseits wird diese Frage derzeit vor einem Bundesgericht in Zusammenhang mit der Klage des ISPs Comcast gegen einen FCC-Order bezüglich der Einschränkung von BitTorrent-Verkehr behandelt. Andererseits könnte auch der Kongress die Macht der FCC so einschränken, dass die Behörde nur zugunsten der Einhaltung der Netzneutralität regulieren könnte.

    [via]

    22. Oktober 2009 4
  • : Britische Regierung startet Daten-API
    Britische Regierung startet Daten-API

    In Großbritannien startet im Dezember eine von Tim Berners-Lee und Professor Nigel Shadbolt entwickelte Daten-API in die Beta-Phase, berichtet die BBC. Data.gov.uk lehnt sich an die amerikanische Seite Data.gov an. Diese stellt seit Mai sowohl Rohdaten als auch Werkzeuge zur Erstellung von Diagrammen und Karten zur Verfügung.

    Data.gov.uk wird wie das amerikanische Vorbild anonymisierte öffentliche Daten enthalten. Als Beispiele für Informationen, die zugänglich gemacht werden sollen, nennt Professor Shadbolt Zensus-Daten und Grundbucheinträge.

    22. Oktober 2009 4