Markus Reuter

Markus Reuter

Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

Kontakt: E-Mail (OpenPGP)

  • : Öl-Lobbyist wirft Computerspiel Unterstützung von Öko-Terrorismus vor
    Öl-Lobbyist wirft Computerspiel Unterstützung von Öko-Terrorismus vor

    Die Killerspiel-Debatte war gestern. Jetzt kommt die Terrorspiel-Debatte. Im konkreten Fall geht es um das preisgekrönte Spiel „Thunderbird Strike“, das sich gegen die Zerstörung der Umwelt beispielsweise durch den Bau von Pipelines richtet.

    In einem Interview mit Associated Press wirft nun der Öl-Lobbyist Toby Mack den Machern des Spieles vor, sie würden „Öko-Terrorismus“ unterstützen. Er fordert, dass die Michigan University, die das Spiel finanziert hat, nun den Stecker zieht. Hintergrund der Lobby-Attacke: Im Spiel kann man mit der indigenen Figur des Donnervogels mit Blitzen Pipelines und Lastwagen zerstören, um die Umwelt zu retten.

    Elizabeth LaPensée, die Macherin von Thunderbird Strike, verweist gegenüber Motherboard darauf, dass es sich eben um ein Spiel handele und dass dieses in den Zwischensequenzen für saubere Energiequellen und nicht für Zerstörung werbe.

    30. Oktober 2017 9
  • : Sachsens künftiger Ministerpräsident findet Menschen mit Piercing verdächtig (Update)
    Piercings sind längst im Bundestag angekommen. Im Bild: Agniezka Brugger, Abgeordnete der Grünen.
    Sachsens künftiger Ministerpräsident findet Menschen mit Piercing verdächtig (Update)

    Der designierte sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer fordert einen Ausbau der Videoüberwachung auf den Autobahnen in Grenzrichtung.

    Laut „Bild“-Zeitung hat der CDU-Politiker auch klare Vorstellungen, nach welchen Verdachtsmustern mittels der Videoüberwachung Kriminalität erkannt werden soll: „Wenn ich da sehe, dass ein Gepiercter ein großes Auto fährt, dann ist das verdächtig und [man] kann ihn kontrollieren.“

    Das Thema ist brisant, da es in mehreren Bundesländern Tests gibt, die Videoüberwachung mit Verhaltens‑, Gesichts- und Mustererkennung erproben. Die Auswahl der als verdächtig eingestuften Muster kann zu Diskriminierungen führen. Während das Racial Profiling ein schon lange erforschtes Phänomen ist, macht Kretschmer mit dem „Jewellery Profiling“ ein neues Feld auf.

    Update 1.11.2017:

    Das Zitat von Michael Kretschmer ist so nicht gefallen, wurde von der „Bild“ verfälscht und von netzpolitik.org so übernommen. Wir haben allerdings bei der CDU Sachsen noch einmal nachgehakt und daraufhin ein Video der Rede zugeschickt bekommen. Demnach sagt Michael Kretschmer:

    Wenn Sie auf der Autobahn nach Dresden fahren oder nach Berlin, dann steht da irgendwo an der Abfahrt ein Polizeifahrzeug mit einem Fernglas, guckt wie ist das Kennzeichen von dem Auto, guckt was ist das für eine Marke, der zweite Kollege gibt das durch ins Revier, der checkt das und fragt, ob das KfZ-Kennzeichen zu dem Auto passt, ob der Halter er sein könnte oder ob das irgendwie ein junger gepiercter Typ ist – und wenn die Dinge nicht miteinander zusammenpassen, dann wird der Kollege rausgewunken. Das dauert, das bindet Personalkraft, das ist absolut ineffizient. Wenn man dann sieht, dass es technische Lösungen gibt, die das vollkommen von alleine machen, innerhalb von Bruchteilen von Sekunden und wir es nur deshalb nicht machen, weil wir den rechtlichen Rahmen nicht haben, weil Leute sich hinter Datenschutz verstecken, das kann doch nicht sein.

    Kretschmer fordert hier die – grundrechtlich höchst fragwürdige – Kombination aus Kennzeichenscanner mit automatischer Gesichtserkennung und nimmt den „jungen gepiercten Typ“ als Beispiel für eine Person, die nicht der richtige Halter sei. Das Vorurteil gegenüber Gepiercten wird durchaus transportiert, aber Kretschmer fordert keine generelle Kontrolle von Menschen mit Piercing, wie wir das auf Grundlage des Zitates in „Bild“ dargestellt hatten.

     

    30. Oktober 2017 30
  • : Jamaika: Breites Bündnis fordert Ende der Vorratsdatenspeicherung
    Sollten FDP und Grüne auf der Abschaffung der VDS bestehen, dürfte das der Union nicht schmecken. (Symbolbild)
    Jamaika: Breites Bündnis fordert Ende der Vorratsdatenspeicherung

    Grüne und FDP treten in ihren Wahlprogrammen für ein Ende der Vorratsdatenspeicherung ein. Ein Bündnis aus Bürgerrechts‑, Journalisten‑, Berufs- und Wirtschaftsverbänden fordert, dass die möglichen Partner der Union dieses in den Koalitionsverhandlungen auch durchsetzen.

    30. Oktober 2017 15
  • : Australien: Software mahnt 20.000 Menschen fälschlicherweise als Sozialbetrüger ab
    In Australien ist die staatliche Agentur "Centrelink" für Sozialhilfe zuständig.
    Australien: Software mahnt 20.000 Menschen fälschlicherweise als Sozialbetrüger ab

    In Australien haben nach Einsatz einer Software mindestens 20.000 Menschen falsche Sozialbescheide und Aufforderungen zur Rückzahlung erhalten. Die Software hatte automatisiert Daten abgeglichen und dann im Namen der staatlichen Sozialhilfe-Agentur Centrelink etwa 170.000 Bescheide verschickt.

    Auf Algorithmenethik.de, einem Projekt der Bertelsmann Stiftung, ist der Fall erstmals auf deutsch genauer beschrieben, der seit dem Jahreswechsel 2016/17 in Australien für Aufregung sorgte:

    Zwischen Juni 2016 und März 2017 wurden in Australien rund 200.000 solcher automatisierter Mahnschreiben verschickt. Viele Empfänger hatten dabei falsche Berechnungen erhalten, wie der Guardian berichtet. Laut den neuesten Daten waren die tatsächlichen Schulden in über 13.000 Fällen wesentlich niedriger als errechnet. Und in 7.000 Fällen gab es tatsächlich keine Grundlage für die von der Software eingeforderten Rückzahlungen.

    Laut Algorithmenethik.de ist der Fall „ein Paradebeispiel für den missglückten Einsatz algorithmischer Systeme in gesellschaftlich relevanten Zusammenhängen“.

    27. Oktober 2017 4
  • : Digitale Gesellschaft veröffentlicht Handlungsempfehlungen für Jamaika-Netzpolitik
    Digitale Gesellschaft veröffentlicht Handlungsempfehlungen für Jamaika-Netzpolitik

    Kurz vor Beginn der Sondierungsverhandlungen zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen zum Thema Digitalisierung hat die Digitale Gesellschaft Handlungsempfehlungen für zehn verschiedene Sachbereiche veröffentlicht. Die Empfehlungen richten sich an alle beteiligten Parteien und sollen einen Weg zu einer grundrechts- und verbraucherfreundlichen Netzpolitik gewährleisten.

    Hier ist der Katalog:

    1. Anlasslose Massenüberwachung beenden.

    • Bestehende Gesetze zur anlasslosen Überwachung (Vorratsdatenspeicherung, Fluggastdatenspeicherung) aufheben.
    • Freiwillige Speicherung von Verkehrs- und Standortdaten sowie Speicherung zu Abrechnungszwecken durch Provider auf absolut notwendiges Maß begrenzen.
    • Keine neuen Maßnahmen und Gesetze zur anlasslosen Speicherung personenbezogener Daten einführen.

    2. Schutz der Identität online und offline gewährleisten.

    • Intelligente Videoüberwachung weder punktuell noch flächendeckend einführen.
    • Möglichkeit der pseudonymen Nutzung von Online-Diensten erhalten.

    3. Datenschutz wahren und fördern.

    • Verbraucherunfreundliche Abweichungen von der Datenschutzgrundverordnung aus dem deutschen Datenschutzanpassungs- und Umsetzungsgesetz streichen.
    • Im Rahmen der ePrivacy-Reform Privacy-by-Design und Privacy-by-Default festschreiben, Verarbeitung von Verkehrs- und Inhaltsdaten wirksam begrenzen.
    • Datenschutzprinzipien, vor allem Datenminimierung und Zweckbindung, beibehalten und stärken, etwa durch Unterstützung wirksamer Datenschutzfolgeabschätzungen und Konkretisierung der Regelungen zu Privacy-by-Design und Zertifizierung.
    • Datenschutz als Standortvorteil begreifen: Förderung von StartUps und innovativen Datenschutzprojekten, durch die Privacy-by-Design und Privacy-by-Default gestärkt werden. Innovationen beim Datenschutz als Kriterium bei der Vergabe öffentlicher Fördermittel berücksichtigen.
    • Forschung zu automatisierten Entscheidungsverfahren und den Möglichkeiten ihrer Regulierung fördern.

    4. Meinungs- und Informationsfreiheit online stärken.

    • Das bewährte Haftungsregime Notice-and-Action beibehalten.
    • Wissenschaftliche Untersuchung der Phänomene Hate Speech und Fake News anstoßen und fördern.
    • Keine Upload-Filter für Host-Provider vorschreiben, Rechtsdurchsetzung nicht privatisieren.
    • Netzwerkdurchsetzungsgesetz aufheben.

    5. Verschlüsselung und IT-Sicherheit gewährleisten.

    • Hersteller und Entwickler von Verschlüsselungstechnologie verpflichten, bekannte Lücken unverzüglich zu schließen.
    • Produkthaftungsanspruch und Möglichkeit der Verhängung von Bußgeldern gegen Hersteller bei Verstößen gegen diese Pflicht schaffen.
    • Hersteller und Entwickler nicht zur Einrichtung von Backdoors, zur Hinterlegung von Schlüsseln oder zum Einsatz von Generalschlüsseln zwingen.
    • Staatlicherseits bekannt gewordene Sicherheitslücken unverzüglich veröffentlichen.
    • Staatliche Stellen dürfen keine Zero-Day-Exploits oder andere Sicherheitslücken ankaufen.

    6. Flächendeckenden, nachhaltigen Breitbandausbau vorantreiben.

    • Einsatz zukunftsfester Leitungstechnologien (Glasfaser) fördern.
    • Alternative Finanzierungskonzepte fördern, beispielsweise Bürgerfond Breitband
      oder kleinteilige genossenschaftliche Finanzierungsmodelle.
    • Neue, für Breitbandausbau zweckgebundene Fördermittel durch Verkauf der Bundesanteile an der Telekom bereitstellen.

    7. Netzneutralität sichern.

    • Zero-Rating ausdrücklich verbieten.
    • Unklarheiten und Unschärfen in europäischer Verordnung zur Netzneutralität beseitigen.
    • Neutrale Messverfahren in der Transparenzverordnung festschreiben.

    8. Urheberrecht zeitgemäß liberalisieren.

    • Recht auf Remix und Fair-Use-Klausel schaffen.
    • Urheberrechtliche Schranke für Text- und Data-Mining einführen.
    • Offene Lizenzen bei Vergaben und Mittelbeschaffung durch staatliche Stellen bevorzugen.
    • Keine (Re-)Upload-Filter zur Durchsetzung von StayDown-Verpflichtungen vorschreiben.

    9. Digitale Grundbildung ausbauen und fördern.

    • Zur Verbesserung der Medienkompetenz umfassende Fördermittel für außerschulische digitale Bildungsangebote bereitstellen (Erwachsenenbildung).
    • Die bereits in der vergangenen Legislaturperiode versprochenen 5 Milliarden Euro für digitale Ausstattung der Schulen bereitstellen.
    • Den Einsatz von Open Educational Resources und freier Software im Bildungswesen fördern.

    10. eGovernment und Open Data ausweiten und verbessern.

    • Behördliche Daten öffentlich elektronisch abrufbar machen.
    • Digitalisierung der Verwaltung vorantreiben.
    • Elektronisches „Bürgerkonto“ und „Bürgerportal“ insbesondere für Kontakte mit der Kommunalverwaltung einrichten.

    25. Oktober 2017 2
  • : EU führt Vorratsdatenspeicherung für Fingerabdrücke und Gesichter von Reisenden aus Drittstaaten ein
    EU führt Vorratsdatenspeicherung für Fingerabdrücke und Gesichter von Reisenden aus Drittstaaten ein

    Alle Nicht-EU-Bürger, die in die Europäische Union reisen, müssen ab sofort bei Ein- und Ausreise ihre Passdaten, Fingerabdrücke und einen Gesichtscan abgeben. Die Daten werden für mindestens drei Jahre gespeichert.

    25. Oktober 2017 6
  • : Neues Projekt zeigt, was in der Schweiz zensiert wird
    DNS-Sperren sind wie ein Stop-Schild. Sie können umgangen werden. Effektiver bei illegalen Inhalten ist Löschen statt Sperren.
    Neues Projekt zeigt, was in der Schweiz zensiert wird

    Ein neues Projekt wertet aus, welche Seiten in der Schweiz zensiert werden. Es macht damit transparent, aus welchen Gründen die Seiten gesperrt werden. Schon vor dem Start des Geldspielgesetzes sind hunderte Seiten in den Zensurlisten.

    24. Oktober 2017 8
  • : Studie zu Fake-News: AfD-Wähler glauben rechten Unsinn
    Stimmt die Meldung mit dem eigenen Weltbild überein, glauben viele Anhänger der AfD auch absurde Falschmeldungen. (Symbolbild)
    Studie zu Fake-News: AfD-Wähler glauben rechten Unsinn

    Für die Glaubwürdigkeit einer Meldung ist von enormer Bedeutung, ob sie ins Weltbild passt. Eine Studie der Stiftung Neue Verantwortung zeigt, dass die rechten Wähler besonders gern die rechten Falschmeldungen glauben.

    23. Oktober 2017 20
  • : Wired über Chinas Social Credit System: Big Data meets Big Brother
    Die bisherigen chinesischen Scoring-Systeme bewerten auch soziale Beziehungen, so dass sich schlechte Werte von Freunden auf einen selber auswirken. (Symbolbild)
    Wired über Chinas Social Credit System: Big Data meets Big Brother

    China will bis zum Jahr 2020 ein verpflichtendes „Social Credit System“ für alle natürlichen und juristischen Personen einführen. Das System soll Daten wie Internetnutzungsverhalten, Kreditwürdigkeit und Zuverlässigkeit gegenüber dem Regime in einem Wert erfassen.

    Die britische Ausgabe von Wired hat in einem Longread „Big data meets Big Brother as China moves to rate its citizens“ die Grundstrukturen des Systems zusammengefasst. Die chinesische Regierung entwickelt dieses zusammen mit Unternehmen. Eines davon ist China Rapid Finance, Partner des sozialen Netzwerks Tencent und Entwickler des Messaging-Dienstes WeChat. Die andere Firma ist Sesame Credit, eine Tochterfirma von AliBaba.

    Schon heute wirken sich die „Sesame-Scores“ auf das Leben aus, heißt es im Artikel:

    Hohe Werte sind schon ein Status-Symbol geworden. Fast 100.000 Menschen haben sie in den ersten Monaten nach Einführung bei Chinas Twitter-Alternative Weibo gepostet. Der Bürger-Score erhöht sogar die Chancen auf ein Date oder einen Ehepartner, denn wer einen höheren Wert hat, wird auf der größten Datingplattform Baihe prominenter platziert.

    Mit der Einführung des Social Credit Systems könnte auch der Zugang zu Schulen, Ausbildung, Jobs und vielen weiteren Lebensrealitäten von der Big-Data-Bewertung abhängen. Das System ist damit die ultimative digitale Dystopie, ein Kontroll- und Überwachungsinstrument über mehr als eine Milliarde Menschen.

    Über die Einführung des Systems und dessen Hintergründe haben wir schon zu Beginn der Planungen berichtet.

    23. Oktober 2017 14
  • : V‑Mann-Skandal: Behördenversagen aufklären statt Massenüberwachung ausbauen
    Das Grundrechtsabbau-Karusell dreht sich weiter, die Fehler der Behörden bleiben bestehen.
    V‑Mann-Skandal: Behördenversagen aufklären statt Massenüberwachung ausbauen

    Mehr Videoüberwachung, neue Gefährdergesetze, Verschärfung des Asylrechts. Alles wurde gefordert in der Folge des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt in Berlin. Jetzt kommt raus, dass ein V‑Mann den Attentäter offenbar angestachelt hat. Ein Kommentar.

    20. Oktober 2017 27
  • : G20-Akkreditierungen: Sperrlisten des Bundeskriminalamtes nicht rechtskonform
    Bestimmte Personen sollten trotz erfolgter Akkreditierung nach Willen des BKA nicht auf das Gipfelgelände kommen.
    G20-Akkreditierungen: Sperrlisten des Bundeskriminalamtes nicht rechtskonform

    Noch mehr Polizei-Pannen beim G20-Gipfel. Die Listen mit Namen von Journalisten, aber auch Catering-Personal, die das Bundeskriminalamt (BKA) zum Zwecke des Akkreditierungsentzuges verteilte, waren nicht rechtskonform. Das BKA zog die bereits an die Hamburger Polizei übermittelten Listen noch am gleichen Tag zurück, weil diese als Verschlusssache eingestuft waren und deshalb Geheimhaltungspflichten unterlagen. Die Polizei Hamburg setzte die Weisung allerdings nicht um.

    Beim Faktenfinder der Tagesschau heißt es:

    Das Bundeskriminalamt (BKA) übergab der Polizei Hamburg am 7. Juli 2017 um 14.24 Uhr eine Liste mit 82 Personen und einer kürzeren Liste als Ausdruck in Papierform; im Anschluss erfolgte durch das BKA eine elektronische Übermittlung der beiden Listen. Das geht aus einer Antwort des Hamburger Senats hervor. Eine gute Stunde später, um 15.32 Uhr, übermittelte das BKA eine weitere Liste mit 82 Personen per E‑Mail an die Hamburger Polizei. Auf diesen Listen befanden sich neben den Namen von 32 Medienvertretern offenkundig auch Namen von Mitarbeitern aus dem Service oder Catering-Bereich.

    Dass die Listen trotz Rückzugs durch das BKA weiter genutzt wurden, erklärt die Hamburger Polizei laut taz damit, dass in der Hochphase des Gipfels „täglich mehrere tausend Einsatzinformationen auf unterschiedlichen Kommunikationswegen“ eingingen. Deswegen sei die Anweisung „nicht umfassend umgesetzt worden“.

    20. Oktober 2017 3
  • : RBB-Kontraste über Fake-News von der Polizei auf Twitter
    Zu diesem Bild twitterte die Polizei: "Lebensgefahr für unsere Kolleg. Dieser Handknauf in der #Friedel54 wurde unter⚠️Strom⚠️gesetzt. Zum Glück haben wir das vorher geprüft." Medien übernahmen die Version ungeprüft. Am Ende stellte sich die Geschichte als falsch heraus.
    RBB-Kontraste über Fake-News von der Polizei auf Twitter

    Das RBB-Magazin Kontraste hat sich Falschmeldungen der Polizei angesehen. Diese werden vor allem über Twitter verbreitet. Der Artikel führt mehrere Beispiele an, darunter der angeblich unter Strom gesetzte Türknauf eines besetzten Hauses in Berlin sowie die angeblich gefundene Benzinflasche beim G8-Gipfel in Elmau. In beiden Fällen musste die Polizei später zurückrudern.

    Dabei macht der Bericht des RBB auf mehrere Grundprobleme der polizeilichen Kommunikation aufmerksam:

    Professor Albert Ingold, Kommunikationsrechtler an der Universität Mainz, hält diese Twitter-Praxis der Polizei für schlicht rechtswidrig. „Staatliche Organe können nicht auf gut Glück Sachverhalte kommunizieren. Behörden unterliegen in der Kommunikation besonderen Wahrheitspflichten. Das heißt: Unwahre oder missverständliche Äußerungen darf eine staatliche Stelle nicht veröffentlichen“, meint Ingold.

    Ein weiteres Feld ist, dass die Polizei mit Twitter oftmals selbst zum politischen Akteur wird. Dazu heißt es im RBB-Artikel:

    „Die Aufgabe der Polizei ist es, erstens Demonstrationsrecht zu sichern, durchzusetzen, und zweitens Gesetzesverstöße zu verfolgen“, sagt der Sozialwissenschaftler Peter Ullrich. „Sie soll aber nicht öffentlich Politik machen und bestimmten Akteuren Legitimität zu- oder absprechen. Das ist nicht ihre Aufgabe und auch nicht ihre Kompetenz.“

    Da die Polizeien in Deutschland mittlerweile mit mehr als 200 Accounts unterwegs sind, sollten sich Standards in der Kommunikation durchsetzen, die nicht in der Grauzone operieren, sondern sich an der gesetzlich festgeschriebenen Funktion der Polizei orientieren.

    20. Oktober 2017 4
  • : Twitter will härter gegen Hass, Belästigungen und Sexismus vorgehen
    Ein Symbolbild für Hass
    Hassrede gibt es auch auf Twitter (Symbolbild)
    Twitter will härter gegen Hass, Belästigungen und Sexismus vorgehen

    Dank einer durchgesickerten internen Mail von Twitter werden geplante Änderungen in der Moderationspolitik des Unternehmens öffentlich. Das soziale Netzwerk will in den kommenden Wochen die Regeln verschärfen.

    19. Oktober 2017 2
  • : Creative-Commons-Abmahnungen: Gegenwind für die Cider Connection
    Immer mehr Betroffene zeigen der Cider-Connection die Zähne. (Symbolbild)
    Creative-Commons-Abmahnungen: Gegenwind für die Cider Connection

    Die Kanzlei Schroeder aus Kiel mahnt offensichtlich weiterhin wegen fehlerhafter oder unvollständiger Creative-Commons-Bildreferenzierungen ab. Doch immer mehr Betroffene wehren sich gegen die Forderungen der Kanzlei. Anwalt Jan Schallaböck erklärt im Interview rechtliche Möglichkeiten und Vorgehensweisen.

    19. Oktober 2017 9
  • : Tübinger Wohnprojekt wochenlang videoüberwacht (Update)
    Wohnhaus in der Schellingstraße Tübingen
    Dieses Haus oberservierte die Tübinger Polizei mit einer Videokamera für fast einen Monat ohne richterliche Anordnung.
    Tübinger Wohnprojekt wochenlang videoüberwacht (Update)

    In der schwäbischen Studentenstadt hat die Polizei ohne richterliche Anordnung im Juli 2016 ein Wohnprojekt von über einhundert Menschen mit einer Kamera überwacht. Sie war bei einem Nachbarn des Hauses installiert. Der Landesdatenschutzbeauftragte kritisiert die Maßnahme.

    18. Oktober 2017 4
  • : Facebook sperrt EU-Abgeordneten Martin Sonneborn für 30 Tage (Update)
    Screenshot des Titanic-Postings.
    Facebook sperrt EU-Abgeordneten Martin Sonneborn für 30 Tage (Update)

    Martin Sonneborn, EU-Abgeordneter der Partei „Die Partei“, ist offenbar für 30 Tage bei Facebook gesperrt worden. Das berichtet der Satiriker selbst bei Twitter. Hintergrund ist vermutlich ein Posting der Titanic, in der das Satiremagazin indirekt zum Mord am österreichischen Politiker Sebastian Kurz aufruft.

    Sonneborn ist nicht der erste EU-Parlamentarier, der von Facebook mit Sanktionen belegt wird. Davor traf es schon die AfD-Politikerin Beatrix von Storch.

    Update 15:30 Uhr:

    Die Sperre ist wieder aufgehoben. Sonneborn postet wieder auf seinem Profil – das Titanic-Bild von Sebastian Kurz.

    In diesem Fenster soll ein Twitter-Post wiedergeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an Twitter. Aus technischen Gründen muss zum Beispiel Deine IP-Adresse übermittelt werden. Twitter nutzt die Möglichkeit jedoch auch, um Dein Nutzungsverhalten mithilfe von Cookies oder anderen Tracking-Technologien zu Marktforschungs- und Marketingzwecken zu analysieren.

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    18. Oktober 2017 15
  • : China: Parteitag bedeutet Zensur, Festnahmen, Hausarreste
    Auf dem letzten Parteitag 2012.
    China: Parteitag bedeutet Zensur, Festnahmen, Hausarreste

    Am Mittwoch beginnt in China der nächste Parteitag der Kommunistischen Partei. Traditionell werden im Vorfeld die Daumenschrauben der Zensur noch einmal angezogen. Der Messengerdienst WhatsApp ist seit Ende September nur noch bedingt oder gar nicht mehr einsetzbar. Seit Oktober greift ein Gesetz, das eine Klarnamenpflicht für Kommentare durchsetzen soll. Unter Präsident Xi Jinping hat sich die Kontrolle des Internets in China noch einmal verschärft, die letzten Freiräume werden geschlossen. Ab nächstem Jahr könnten auch private VPN verboten werden.

    Ein Artikel von Reporter ohne Grenzen fasst die Maßnahmen der chinesischen Regierung vor dem Parteitag zusammen. Zahlreiche Journalisten und Dissidenten werden im Vorfeld des Parteitages in bewachten „Gästehäusern“ untergebracht, berichtet Radio Free Asia.

    Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen sagt:

    Die starken Einschränkungen kurz vor dem Parteitag zeigen erneut, dass Präsident Xi Jinping ein ausgefeiltes System der Onlinezensur und Überwachung geschaffen hat. Um kritische Stimmen zu unterdrücken, werden auch die letzten Schlupflöcher im Internet geschlossen. In kaum einem Land sitzen mehr Journalisten in Haft als in China.

    China ist im Pressefreiheits-Ranking der Organisation auf Platz 176 von 180.

     

    17. Oktober 2017 3
  • : Schweiz: Referendum gegen Netzsperren gestartet
    Schweiz: Referendum gegen Netzsperren gestartet

    In einem Gesetz zur Regelung des Glückspiels verstecken sich Netzsperren. Gegen die Einführung einer Zensurinfrastruktur machen mehrere Schweizer Bürgerrechtsorganisationen mit einem Referendum mobil.

    17. Oktober 2017 1
  • : Greenpeace: Fairphone und Apple produzieren die ökologischsten Smartphones
    Greenpeace: Fairphone und Apple produzieren die ökologischsten Smartphones

    Fairphone und Apple holen sich gute Noten im jährlichen Greenpeace-Ranking ab. Amazon und Samsung landen wegen Intransparenz und nicht-ökologischer Produkte im letzten Drittel.

    17. Oktober 2017 25
  • : Studie: Wie Dating-Portale unsere Gesellschaft ändern könnten
    Eine neue Studie gibt erste Anhaltspunkte dafür, dass Online-Dating gesellschaftliche Diversitöt stärken könnte. (Symbolbild)
    Studie: Wie Dating-Portale unsere Gesellschaft ändern könnten

    Rassisten müssen jetzt ganz stark sein: Eine Studie findet erste Anzeichen dafür, dass Online-Dating die Diversität einer Gesellschaft vertiefen könnte. Seit Einführung der Plattformen steigen gemischte Partnerschaften in den USA stärker an als statistisch erwartet.

    16. Oktober 2017 7