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Mitmachen: Wie lange dauert es, bis Facebook dir deine Daten bereitstellt?

Auf Facebook verlieren türkei-kritische Accounts auf rätselhafte Weise Follower. Ein Betroffener wollte dem auf den Grund gehen und dazu seine privaten Facebook-Daten herunterladen – doch auch nach Tagen stellt Facebook die Daten nicht bereit. Mit der Crowd-Recherche wollen wir herausfinden, wie lange der Vorgang normalerweise dauert.

Alle Rechte vorbehalten Screenshot Facebook / Bearbeitung: netzpolitik.org

Für eine Recherche brauchen wir die Hilfe von Menschen, die einen Facebook-Account haben. Wir haben heute über den mysteriösen Follower-Schwund bei türkei-kritischen Accounts auf Facebook berichtet. Trotz aller Nachforschungen wissen wir immer noch wenig darüber, wie die Accounts ausgewählt werden, die dann den türkei-kritischen Accounts nicht mehr folgen oder keine Freunde mehr sind. Das wollen wir ändern.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Um die Recherche rund um die „Entfreundungen“ auf eine bessere Faktengrundlage zu stellen, hatten wir Kerem Schamberger, der vom rätselhaften Follower-Schwund betroffen ist, gebeten, seine Facebook-Daten herunterzuladen. Sie enthalten neben sehr vielen privaten Details auch eine Freundesliste. Mit Downloads dieser Daten an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen hätten wir überprüfen können, welche Personen genau entfreundet werden, ob es bestimmte Muster gibt und wieviele falsche und gelöschte Accounts dabei sind. Doch Schamberger konnte diese Daten auch nach fünf Tagen nicht herunterladen.

Facebook sagt uns gegenüber zu dieser Sache, dass die Zusammenstellung des Daten-Reports eben einige Tage dauern könne, gerade bei großen und alten Accounts. Wir haben mittlerweile Tests durchgeführt und bezweifeln diese Darstellung: Bei vier Accounts von netzpolitik.org – darunter auch einer mit 4.000 Freunden und knapp 2.000 Abonnenten – dauerte der Vorgang maximal 14 Minuten. Beim seit 2008 existierenden Account von Sascha Lobo mit mehr als 42.000 Abonnenten dauerte es nur 76 Minuten. Sascha Lobos Account hat fast dreimal so viele Follower wie der von Schamberger, der seit Tagen auf seine Daten wartet.

Um eine noch bessere Datengrundlage zu haben, wollen wir wissen, wie lange die Bereitstellung der Daten bei Euch so dauert.

Update:

Vielen Dank für die rege Beteiligung, das hat super geklappt. Wir haben genug Daten und werten jetzt aus. Bitte keine Daten mehr schicken.

So kannst Du mitmachen:

In deinem Facebookprofil oben rechts auf den Pfeil klicken, dann:

Einstellungen –> Lade eine Kopie deiner Facebook-Daten herunter –> Mein Archiv aufbauen –> Passwort eingeben —> Absenden.

Bitte mache einen Screenshot von der Bestätigungsmeldung, die nach dem Klick auf „Absenden“ erscheint. Halte im Namen des Screenshots Datum und Zeit fest.

Nun müsste dir Facebook in gegebener Zeit eine Benachrichtigungsmail schicken. Uns interessiert die Eingangszeit der Mail. Mache einen Screenshot vom Maileingang. Versuche bei den Screenshots keine weiteren persönlichen Daten zu erfassen bzw. schneide diese weg oder mache sie unkenntlich.

Schicke uns bitte die beiden Screenshots und folgende Angaben:

  • Zeit der Datenanforderung
  • Eingangszeit der „Download is ready“-Mail
  • Dauer bis zum Eingang
  • Anzahl der Freunde
  • Anzahl der Abonnenten

per Mail mit dem Betreff „Facebook“ an crowd-recherche@netzpolitik.org. Falls Ihr die Mail verschlüsseln wollt, findet ihr den GPG-Key (EF6FFD0A) auf dem Schlüsselserver.

SCHICKE UNS AUF GAR KEINEN FALL DEINE HERUNTERGELADENEN FACEBOOK-DATEN

Hinweis zum Datenschutz: Wir werden von niemandem ungefragt Screenshots, Namen, Mailadressen oder personenbezogene Daten veröffentlichen.

18 Kommentare
  1. 1. Dass das bereitstellen der Daten einige Zeit dauern soll, ist völliger Unsinn. Wenn Facebook wollte, könnten sie alle Arten von Daten „instant“ zur Verfügung stellen.
    2. Den Follower-Schwund bildet ihr euch leider ein. Es steckt nicht die geringste Logik dahinter, einige Accounts anders zu handhaben als andere. Oder anders ausgedrückt: Was hätte Facebook davon?

    1. „Was hätte facebook davon?“

      Nun, weniger Probleme mit staatlichen Stellen z.B., die sehr gern sehen möchten, dass Oppositionelle weniger/keine Kontakte mehr zur Verbreitung seiner Botschaften hat…

  2. Könnte es nicht sein, dass es bei solchen Accounts länger dauert, die diese Option nie zuvor benutzt haben? Das sollte man vielleicht auch auf ein Muster untersuchen. Ich schätze Sascha Lobo lädt das Archiv nicht zum ersten mal herunter, und das trifft wohl auf ein paar Weitere eurer Follower genauso zu.

    1. Du solltest beachten, dass die verarbeiteten Informationen beim Browsen der Website keine anderen sind, als die exportierten Informationen. Und auf der Website gibts keine Verzögerungen, was? Natürlich wird nicht alles angezeigt, was exportiert wird, aber die Informationen werden sehr wohl durch Programme gejagt.

      Die Exportfunktion hat für Facebook keinen Nutzen und sie sind ja auch gar nicht interessiert, daher kann ich es mir gut vorstellen, dass sie viele Steine in den Weg stellen:

      * werden Exporte wahrscheinlich nicht on-demand angestoßen, sondern von einem Job alle n Minuten.
      * werden Exporte wahrscheinlich von einem Raspberry Pi gemacht, das an einem 56k-Modem im Kongo hängt.
      * werden Exporte wahrscheinlich möglichst uneffizient gemacht, z.B. könnte das Programm zufällig eine zufällige Anzahl an Sekunden schlafen, und das möglichst viel.

      Und natürlich politisch motivierte Verzögerungen. Ein Unternehmen achtet eigentlich nur Profit, aber könnte es durch Daumenschrauben zu gewünschten Ergebnissen gezwungen werden (negative Gesetzgebung, Blockierung). Nicht zu vergessen Aktenkoffer voll Geld.

    2. Nein, allzulange kann das technisch gesehen nicht dauern. Selbst, wenn es ein riesiger Account wäre. Ist schon richtig mal nachzuhaken. Meiner Meinung nach gab es da haufenweise „Freunde“, die nur aus fake – Accounts bestanden. Das wäre aber zu beweisen und gerade die Beweise verweigert FB offensichtlich.

    3. Sie vergessen, dass, wenn wir über die Verzögerung sprechen, nur davon sprechen, was der Server, sei es ein Pi oder ein Großrechner (letzteres halte ich für wahrscheinlicher), für Arbeit zu verrichten hat. Browser oder Datenleitungen spielen dabei so gut wie gar keine Rolle. Und Computer sind schnell, sehr schnell, jedenfalls wenn es darum geht Zeichen zu verarbeiten. Bei Grafiken oder gar Videos wird es schon schwieriger, aber mit denen wird nicht „gearbeitet“, die Daten sind da und werden bereitgestellt, allerhöchstens noch zu einem „Archiv“ komprimiert, was relativ sinnfrei ist, da Bild- und Videodaten schon von sich aus komprimiert sind und keiner extra Komprimierung bedürfen. Ergo ist der Prozess innerhalb von Millisekunden erledigt. In einer künstlichen Verzögerung des Prozesses liegt überhaupt keine Logik. Kosten werden damit jedenfalls nicht gespart.

  3. Mir fiele noch ein; rein Technischer; Grund ein für die variablen und ggf. längeren Zeiten.
    Meines Wissen benutzt Facebook Linux als Betriebssystem-grundlage. Und das Zusammenstellen eines Download-archives wird dort bestimmt keine höchste Priorität haben, selbst wenn es dafür spezielle Server geben sollte. Denn wie auch immer man es sehen will, für die Software ist es extra Arbeit die neben den üblichen Dingen erledigt werden müsste. Es müssen dort sicherlich Daten aus verschiedenen Quellen (Bilder, Posts, likes) geholt und in einem Sinnvollen Zusammenhang zusammen gepackt werden. Also jede menge Datenbank-recherche, sortieren und zusammenfassen der Ergebnisse und zuletzt die Archiv-erstellung und ablegen an einem erreichbaren Download-Platz – für den richtigen User.

    Ergäben sich zwei Fälle.
    1. Spezielle Server die nur diese Anfragen erledigen: Hier kommen dann die Aufträge von vielen Usern rein die ihre Profildaten haben wollen. Das könnte natürlich nach dem First-come-first-serve Prinzip erledigt werden. Es könnte aber auch per Zufall sortiert (der Gerechtigkeit wegen?) werden, oder nach Technischen Kriterien wie Verfügbarkeit der Daten aus anderen Systemen (Bilderserver down oder ausgelastet u.a.). Eine Voraussagbarkeit dürfte hier schwer werden.

    2. Als Hintergrund-job auf x-beliebigen Servern. Um den normalen Betrieb nicht zu gefährden würde so ein Job warscheinlich in eine Warteschlange sortiert werden die nur abgearbeitet wird wenn die Systemlast gering genug ist. Das kann dann durchaus auch länger dauern, z.b. wenn in der Gegend die der Server betreut nacht ist.

    Ist alles nur eine Vermutung, aber basierend auf meiner Linuxkenntniss (z.B. at jobs, top u.ä.) und kann sicher auch anders sein. Oder auch nicht!

  4. Ich habe meine Daten das erste mal angefordert auf einem normal großen Facebook-Account und es hat nur 3 Minuten gedauert. Habe natürlich bei der Recherche mitgemacht. Hoffe ihr findet etwas raus!

  5. Acount ohne Vorwarnung & Begründung gesperrt – trotz mehrfacher Aufforderung keinen Downloadlink bereitgestellt…
    Facebook
    An vomister@yahoo.com
    Okt 25 um 3:55 PM
    Hallo,

    vielen Dank für deine Meldung. Wir werden die von Dir eingeschickten Informationen überprüfen und uns danach bald bei Dir melden.

    In der Zwischenzeit kannst du dich mit unseren Gemeinschaftsstandards vertraut machen, um mehr darüber zu erfahren, was auf Facebook zulässig ist und was nicht:

    https://www.facebook.com/communitystandards/?ref=CR

    Vielen Dank für deine Geduld.

    Updates im Support-Postfach: —

    Mit freundlichen Grüßen
    Das Facebook-Team

    Hast du diese E-Mail fälschlicherweise erhalten

  6. Von „Archiv erstellen“ bis „Download“ hat es bei mir drei Minuten gedauert. Politisch halte ich mich im Hintergrund, habe keine Partei Seiten mit „Gefällt mir“ angeklickt und nie kritische Posts geteilt.

    LG Nico

    1. Das riecht doch nach dem kürzlich neuentwickelten Verzögerungsalgorithmus:

      * Facebook-CEO: Direktdownload,
      * Politisch im Hintergrund, keine Partei geliked, keine kritischen Posts = 3 Min,
      * Landesverrat* = 14 Min, da Raspberry Pi zum Einsatz kommt,
      * Kritischer Journalist gegen bösen Wolf = 3 Monate, da die Datei über 56k-Modem geleitet wird.

        1. Vielleicht haben Sie Recht und es handelt sich tatsächlich nur um eine Warteschlange, die mal lang und mal kurz ist. Und wenn mal ewig gewartet werden muss, ist es sicher nur ein unschuldiger Null-Pointer, der das Exportprogramm zum Absturz bringt…

    2. Ich war es nicht, der behauptet hat, es gebe eine Warteschlange. Kann aber sein, dass es sie gibt. So oder so, glaube ich nicht, dass FB ein Tool in Betrieb nehmen würde, dass Exceptions wirft, NullPointer oder sonstige.

  7. Ich habe das Herunterladen in den letzten Jahren immer wieder mal versucht, geklappt hat es nie. Immer hieß es, dass das ein Archiv aufgebaut wird, nie habe ich eine mail bekommen. Wie würde denn der genaue Betreff der mail lauten? Vielleicht habe ich es ja übersehen…

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