DebatteSollten Journalist:innen Geldgeschenke von YouTube nehmen?

Bis zu 50.000 Dollar lässt YouTube für ausgewählte Journalist:innen springen. Das ist nur ein Teil der Einflussnahme von Google auf das Nachrichtengeschäft weltweit. Ist es OK, die Kohle zu nehmen? Wir haben mit drei geförderten Journalist:innen aus Deutschland gesprochen.

Marvin Neuman, Mathias Herwix, Stefanie Helbig
Freie Journalist:innen auf YouTube: Marvin Neuman, Mathias Hervix, Stefanie Helbig – Porträt Neumann: Neumann; Porträt Hervix: Marianna Deinyan; Porträt Helbig: Stefanie Helbig; Screenshot: YouTube; Montage: netzpolitik.org

Google steckt nicht nur hinter der größten Suchmaschine der Welt, der riesigen Videoplattform YouTube, dem meistverbreiteten mobilen Betriebssystem Android oder dem populären E-Mail-Dienst Gmail. Nein, Google mischt durch umfangreiche Investitionen auch im Nachrichtengeschäft mit. Hunderte Millionen Euro fließen über Fördergelder für Projekte an Verlage und nicht-kommerzielle Medien.

Die Spendierfreudigkeit ist nicht nur Imagepflege. Google wird damit zunehmend zum Teil der Medienlandschaft und untermauert langfristig die eigene Relevanz und Marktmacht. Ein winziger Baustein der Investitionen ist ein Förderprogramm für freie Journalist:innen auf YouTube. Es heißt Creator Program for Independent Journalists. Rund 50 Journalist:innen weltweit erhalten von Google-Schwester YouTube einmalig 20.000 bis 50.000 Dollar plus Workshops. YouTube macht also Geldgeschenke an einzelne Journalist:innen – was hat das zu bedeuten?

Für die Studie „Medienmäzen Google“ der Otto-Brenner-Stiftung haben die Journalisten Ingo Dachwitz und Alexander Fanta im Jahr 2020 den Einfluss von Google auf den Journalismus untersucht. Beide sind auch Redakteure bei netzpolitik.org. Hinweise auf Fälle redaktioneller Einflussnahme durch Google gab es der Studie zufolge nicht. Aber mehrere befragte Journalist:innen hätten die Sorge geäußert, Förderungen und die Nähe zum Konzern könnten zu „Beißhemmung“ und „Selbstzensur“ führen.

Schon heute ist Google ein dominanter Player, an dem kaum eine Redaktion vorbeikommt. Einige beschäftigen ganze Teams für Suchmaschinenoptimierung, um ihre Inhalte Google-gerecht zu gestalten. Je mehr Google seinen Einfluss ausbaut, desto mehr wird der Konzern für Journalismus unverzichtbar.

Google-Sprecher: „keine redaktionelle Kontrolle“

Insgesamt vier der aktuell von YouTube geförderten Journalist:innen kommen aus Deutschland. Drei hatten Anfang April Zeit, ausführlich mit netzpolitik.org zu sprechen. Sie bekommen umgerechnet rund 46.000 Euro von YouTube. Der Betrag orientiert sich an dem Land, in dem die geförderten Journalist:innen wohnen. Die Förderung läuft ein Jahr lang, dazu gehören auch Workshops, etwa zu Videoschnitt und Aufbau eines Kanals. Auch journalistische Seminare gibt es. Die veranstaltet aber nicht YouTube, sondern eine US-Universität.

Ein Google-Sprecher schreibt: „YouTube hat keine redaktionelle Kontrolle über Nachrichteninhalte“. Die Rolle von YouTube bestehe darin, „Best Practices für Dinge wie den Aufbau eines Publikums, die technische Produktion und den Produktsupport bereitzustellen.“ Die Teilnehmenden seien durch „News-Produktteams“ von Google interviewt und geprüft worden. Dabei seien Journalist:innen bevorzugt worden, die sich auf objektive Nachrichtenberichterstattung konzentrieren, nicht auf Meinungen oder Kommentare.

Es wäre „naiv zu glauben, dass Google und sein Geld harmlos sind“, kommentiert netzpolitik.org-Redakteur Fanta im Jahr 2018. Er ist selbst zweimal von Google mit Geld gefördert worden. In seinem Meinungsstück kritisiert er den Konzern unter anderem für das Geschäftsmodell mit Nutzer:innendaten, für Steueroptimierung in Offshore-Oasen und für Drohnenprojekte mit dem US-Militär. Sein Fazit: „Wer von diesen Firmen Geld nimmt, wird gegenüber der Öffentlichkeit erst noch seine Unabhängigkeit unter Beweis stellen müssen.“

Nun schildern drei aktuell von YouTube geförderten Journalist:innen ihre Positionen zum Geldgeschenk – und sie legen im Interview mit netzpolitik.org dar, warum sie darin keinen Interessenkonflikt mit ihrem kritischen Journalismus sehen. Alle drei machen die Förderung inzwischen direkt auf ihren YouTube-Kanälen transparent; eine konkrete Vorgabe von YouTube gab es dafür nicht.

Marvin Neumann: „Nichts hindert mich, kritisch zu berichten“

Auf seinem YouTube-Kanal (71.900 Abonnent:innen) berichtet Marvin Neumann über aktuelle politische Themen. Das Motto aus seiner Kanalschreibung: „Objektiv, aber immer unterhaltsam und informativ!“

Porträt von Marvin Neumann

„Ich mache seit 2016 Videos und war im Jahr 2019 Teil beim Förderprogramm YouTube NextUp. Ich habe den Eindruck, YouTube legt seit Jahren Wert darauf, auch kleine Kanäle zu fördern und ihnen das Gefühl zu geben: Ihr seid uns wichtig, ihr seid vielleicht die Zukunft von YouTube. Ob das nun wirklich so ist, sei dahingestellt.

Ob YouTube mit dem Geld wohlgesonnene Journalist:innen gewinnen möchte, kann ich für mich ganz einfach beantworten mit: Nein. Nichts hindert mich daran, auch kritisch über YouTube zu berichten. Immer wieder landen kritische Videos über YouTube in den YouTube-Trends. Wenn YouTube uns ein Seminar über die Analytics gibt, bin ich der erste, der sich auch kritisch äußert. Ich bin durch das Creator Program sogar in der privilegierten Position, Kritik aus meiner Community direkt an YouTube herantragen zu können.

Wie sollte denn eine reine Unabhängigkeit für freischaffende Journalist:innen aussehen? Wäre das nur möglich, wen man sich allein aus Community-Spenden finanziert? Oder gar kein Geld für seine Arbeit nimmt? YouTube ist die größte Videoplattform der Welt. Manchmal kommt mir die Plattform vor wie ein große Mülldeponie aus falschen Informationen. Ich finde das gut, wenn auf YouTube Leute für gesicherte Informationen sorgen. Dazu will ich meinen Beitrag leisten und ich bin froh, dabei unterstützt zu werden.“

Stefanie Helbig: „Journalismus kostet“

Den Kanal Flashlight Fish (38 Abonnen:innen) hat Helbig nach Fischen benannt, die mit den Augen Licht in der Tiefsee erzeugen. Zuschauer:innen will sie an ihren Recherchen teilhaben lassen und „neues Gefrickel aus der Recherchewerkstatt“ teilen.

Porträt von Stefanie Helbig

„Ich komme aus dem klassischen Fernsehen und habe gemerkt: YouTube unterscheidet sich stark davon. Ich profitiere sehr von den Workshops im Förderprogramm, bringe mir jetzt zum Beispiel bei, wie man schneidet. Dafür hatte ich beim Fernsehen immer Cutter:innen. Von dem Geld habe ich mir zum Beispiel einen Schnittrechner gekauft und eine Kamera.

Niemand von YouTube hat mir je gesagt: Mach dies oder das. Bei anderen Medienförderungen muss man mehr Vorgaben erfüllen, zum Beispiel Kameraleute aus einem bestimmten Bundesland engagieren. Bei YouTube gibt es keinerlei Vorgaben. Ich hatte in keiner einzigen Sekunde auch nur den Anschein des Gefühls, dass mir jemand in meine redaktionelle Unabhängigkeit reinredet.

Journalismus ist eine sehr prekäre Branche. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs und der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Ich bin ja total offen für andere Finanzierungs- und Geschäftsmodelle als der Förderung durch die großen Plattformen. Aber Journalismus kostet halt. In irgendeiner Form müssen die Leute bezahlt werden. Vielleicht macht YouTube das Förderprogramm, um Desinformation etwas entgegenzusetzen, und sei es nur als Zeichen. Gut möglich, dass YouTube mit der Förderung das Geschäftsmodell der Sender und Verlage strategisch angreifen will. Aber dafür sind wir kleinen Freischaffenden wohl die falschen Ansprechpersonen. Medienmanager:innen haben da mehr Einblick und Einfluss.

Ich verstehe auch das Risiko einer strategischen Einflussnahme. YouTube ist eine US-amerikanische Plattform. Selbst der öffentliche-rechtliche Rundfunk macht sich von YouTube abhängig, weil das junge Angebot von ARD und ZDF, Funk, dort Kanäle hat. Wenn wir sagen, wir wollen das nicht, dann halte ich das für legitim. Vielleicht brauchen wir eine europäische Plattform als Alternative oder etwas ganz anderes. Es greift aber zu kurz, einzelne Journalist:innen für eine Förderung zu kritisieren. Das ist eine gesellschaftliche Frage.“

Mathias Herwix: „Rote Linien nicht gekreuzt“

Herwix (230 Abonnent:innen) „reichen die ganzen negativen Schlagzeilen“, wie er in seiner Kanalbeschreibung notiert. In seinen Videos möchte er „konstruktiv und lösungsorientiert auf die Welt schauen“.

Porträt von Mathias Hervix

„Bei allem, was ich mache, ist für mich eines super wertvoll: Netzwerken. Im Creator Program gibt es ein weltweites Netzwerk. Ich bin zum Beispiel mit Leuten aus UK im engen Kontakt und lerne viel davon, wie sie Videos produzieren. Ich glaube YouTube als Plattform merkt, dass es nicht mehr allein auf dem Creator-Markt ist. TikTok, Instagram, das Privatfernsehen, alle arbeiten mit Creatorn. Auf dem freien Markt spielt Geld natürlich eine Rolle.

Zu glauben, dass ich durch die Förderung zum Google-Jünger werde und nur noch Ja und Amen sage, das halte ich für Quatsch. Ich verstehe die Sorge, aber ich glaube nicht, dass ich freundlich über jemandem berichte, weil ich mal Geld von ihm bekommen habe. Dann müsste ich auch immer freundlich über den WDR, RTL und viele kleine Zeitungen sprechen, für dich schon gearbeitet habe. Wer mir auf Twitter folgt weiß, dass ich mich auch kritisch äußere. Ist man ein schlechterer Journalist, weil man mal von Google Geld bekommen hat?

Ich glaube manchmal mögen wir Journalist:innen es, uns gegenseitig zu kritisieren. Auch Privatfernsehen und Öffentlich-Rechtliche kritisieren sich gerne gegenseitig. Schon vor fünf Jahren habe ich gehört, ich sei kein richtiger Journalist, weil ich für RTL gearbeitet habe. Es gibt Menschen, die sagen, Promi-Berichterstattung ist kein Journalismus. Jede Person zieht für sich selbst rote Linien. Bei Google werden die bei mir nicht gekreuzt. Ich will mich da auch nicht als moralische Superinstanz für andere etablieren.“

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12 Ergänzungen

  1. Ich denke, der relevante Teil ist schon von Dietl/Süskind geschrieben worden:

    „Ich mach dich nieder, wenn du mich jetzt hier stehen lässt wie einen Deppen, dann mach ich dich nieder. Ich ruinier dich. Ich mach dich fertig. Ich kleb dich zu von oben bis unten. Mit meinem Geld. Ich kauf dich einfach. Ich kauf deine Villa, stell noch einen Ferrari davor, deinem Weib schick ich jeden Tag nen Fünfkaräter. Ich schieb es dir hinten und vorne rein. Ich scheiß dich sowas von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast. Ich schick dir jeden Tag Cash in einem Koffer. Das schickst du zurück. Einmal, zweimal, vielleicht ein drittes Mal. Aber ich schick dir jeden Tag mehr. Irgendwann kommt der Punkt, da bist so mürbe und so fertig und die Versuchung ist so groß und da nimmst es. Und dann hab ich dich, dann gehörst du mir. Dann bist du mein Knecht. Ich bin dir einfach über. Gegen meine Kohle hast du doch keine Chance.“

  2. Es geht nicht darum zu beeinflussen was individuelle Journalisten schreiben. Das mag durch bewusste oder unbewusste Selbstzensur Teil des Resultats sein, ist aber nicht das Hauptziel.
    Hauptziel ist es Journalisten deren bestehende Weltsichten und Framing mit Googles Interessen bereits vereinbar sind zu stärken, während Journalisten die zu viele unliebsame Positionen vertreten oder Zusammenhänge beleuchten keine Förderungen erhalten. Es geht nicht um Kritikfreiheit, sondern nur darum das Meinungsbild über die gesamte Medienlandschaft zu verschieben.

  3. Ich würde auch eher von strategischen Interessen ausgehen, als dem plumpen Klein-Klein-Hineinregieren. Gegenüber „keine redaktionelle Kontrolle“ ist also vielleicht interessanter, nach welchen Kriterien was gefördert wird.

    Abgesehen von der PR, die Google wiederum bekommt, wenn „gute Leute von Google gefördert sind“, ist dann der Hebel, das Geld wieder zu streichen, also eigentlich erst dann, wenn es knapp wird. Kosten-Nutzen-mäßig ist vielleicht eher PR und Förderung dessen, was etwas bringt, wahrscheinlicher.

    Aufpassen würde ich (als Gesellschaft) mit „Ich bin durch das Creator Program sogar in der privilegierten Position, Kritik aus meiner Community direkt an YouTube herantragen zu können.“, denn hier geht potentiell die Transparenz flöten. Lobbyismus funktioniert ja auch nicht ausschließlich über an die Schläfen gehaltene Kleinkaliberwaffen.

  4. Bemerkenswert, wie kritisch jedes Engagement von Google/Youtube beleuchtet wird im Gegensatz zur sonstigen „Medienförderung“: Sind die Leistungsschutzgesetze Leistungsschutz oder Bestechung? Insbesondere, wenn man sich vor Augen hält, dass da in Sonntagsreden Kreative gefördert werden und per Gesetz dann Verleger. Verleger übrigens, die bei uns Verleger genannt werden, wären sie Russen, würde man sie Oligarchen nennen (einfach mal über die Wikipedia-Seite der reichsten Deutschen meditieren. Milliardäre heißt nicht, dass denen keine Urheberrechtsvergütung zusteht. Wenn unsere Medien in der Hand einer kleinen, nicht repräsentativen Minderheit von Bürgern sind, stellt sich allerdings die Frage nach Interessenvertretung und Einflußnahme stärker, als wenn Youtube ein paar Stipendien verteilt).
    Dann wäre da die Medienförderung in Deutschland, durch den Staat, und insbesondere auch über die öffentlich-rechtlichen, die kaum verkappt über eine verfilzte Aufsichtsstruktur (KEF, Rundfunkräte, Landtage) dann doch über die großen Parteien gesteuert werden, und über ihre „Auftragsproduktionen“ nicht nur entscheiden, was in Deutschland gemacht wird, sondern auch von wem.
    Bestes Beispiel waren die Rücktrittsforderungen durch Rundfunkräte an Unterstützer von #allesdichtmachen. Da wurde allen Ernstes von Rundfunkräten gefordert, Karriere und Leben von Menschen zu zerstören, der Meinung nicht in das Weltbild einiger Mainstreampolitiker passte. Öffentlich! Ohne jeden Widerspruch, ohne, dass die Rundfunkräte achtkantig rausgeworfen worden wären.

    Dieser Filz ist die größte Bedrohung für die Meinungsfreiheit in Deutschland. Nicht 50000 Euro von Youtube.

    1. >> Dieser Filz ist die größte Bedrohung für die Meinungsfreiheit in Deutschland. Nicht 50000 Euro von Youtube. <<

      Ansichtssache. Was aber keine Ansichtssache sein kann, ist die Redlichkeit der Argumentation.
      Es macht wenig Mühe, etwas als "die größte Bedrohung" hinzustellen, um vermeintlich kleinere Bedrohungen zu relativieren: Whataboutism.

      Im Übrigen sind Geschenke, die hier thematisiert werden, steuerpflichtig. Es stellt sich prinzipiell die Frage, wer bei Geschenken die Steuer bezahlt.

  5. Man mag es Geschenk nennen, denn es klingt unverdächtig und freundlich. Nichts aber ist umsonst.

    Die einen machen „Geschenke“ an Geschäftsfreunde, warum nur …?
    Die anderen machen „Geschenke“ an Politiker, ja warum …?
    Andere wiederum machen „Geschenke“ an Journalisten, warum ..?

    Gibt es zu viel Geld in der Welt? Wer hat zu viel? Und wer will noch mehr?

    Wem nützen Geschenke? Werden sie selbstlos gegeben?

    Wenn oben genannte Berufsgruppen kostenlose Reisen gezahlt bekommen,
    teure Luxus-Geschenke in ihren Hotelzimmern finden, was geht da vor sich?

    Die einen nehmen es an, andere verweigern die Annahme. So testet man Menschen ob ihrer „Empfänglichkeit“. Die einen können künftig nützlich sein, die anderen sind schon mal aussortiert. Wie nennt man das doch gleich? Ja, ja. Ganz genau!

    Warum erhalten Bedürftige, Arme, Hungernde und Kranke keine Geschenke dieser Art? Sie können nicht nützlich sein, in dieser Art von Meritokratie.

    1. Ich finde das Wort Geschenk im Beitrag nicht gut gewählt! Am Ende ist es doch eine Entlohnung/Förderung, wie es sie auch von Stiftungen und anderen Medienplattformen gibt.

      1. Ein Zählung bringt Klarheit:

        Die Zeichenfolge „geschenk“ kommt im Artikel 3 mal vor:

        Titel:
        Sollten Journalist:innen Geldgeschenke von YouTube nehmen?
        Text:
        YouTube macht also Geldgeschenke an einzelne Journalist:innen – was hat das zu bedeuten?
        Nun schildern drei aktuell von YouTube geförderten Journalist:innen ihre Positionen zum Geldgeschenk …

        Die Zeichenfolge „förder“ kommt hingegen 19 mal vor:
        4 geförderten
        1 Fördergelder
        3 Förderprogramm
        1 Förderungen
        7 Förderung
        2 gefördert
        1 fördern
        1 Medienförderungen

  6. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul! Man kann ja trotzdem seinen eigenen Stil bewahren und gegebenenfalls journalistisch auf Konfrontationskurs gehen.

    1. „Man kann ja trotzdem seinen eigenen Stil bewahren und gegebenenfalls journalistisch auf Konfrontationskurs gehen.“

      Was man nicht alles kann! Aber wie realistisch ist das? Reines Rechtfertigungsdenken.
      Dass jemand hochwertige „Geschenke“ annimmt und dann auf Konfrontationskurs geht, kommt höchstens nach heftigen Zerwürfnissen vor, und immer nur dann, wenn man glaubt noch heil aus der Sache herauszukommen.

      Aber möglicherweise hat Mandarin eine eigene Lebenserfahrung und möchte hier reale Begebenheiten nennen?

      1. Es soll tatsächlich Leute mit Rückgrad geben, die in der Lage sind, über einen Sachverhalt unabhängig der eigenen Position und unabhängig aus welcher Richtung er kommt umfassend zu informieren. Für eine Tätigkeit bezahlt zu werden ist immer noch besser als aus Idealismus heraus betteln zu gehen.

        Solche Leute muss man fördern. Und wenn man sich zu diesem Personenkreis zählt, kann es einem egal sein, von wem das Geld kommt, auch dann, wenn der Förderer wegen eines negativen Berichts pampig werden sollte. Ja-Sager und Opportunisten gibt es schon viel zu viele.

        Jeder Preis, selbst das „Seepferdchen“, ist Gefälligkeitsgeschenk.

  7. Ich fürchte, dass der Begriff „Journalismus“ im Kontext von sog. „Förderung“ durch Goggle bzw. YouTube nicht angemessen ist. Teil des Problems ist, dass sich jeder „Journalist“ nennen darf.

    Ich fürchte hier handelt es sich lediglich um sog. „YouTuber“, die ganz im Interesse des Werbegeschäfts zu effektiveren Kanalarbeitern (!) gemacht werden sollen.

    YT steht unter Druck, weiterhin ordentlich Revenues (Erträge) zu generieren:

    YouTube had made US$15.1 billion in ad revenue in 2019, in contrast to US$8.1 billion in 2017 and US$11.1 billion in 2018. YouTube’s revenues made up nearly 10% of the total Alphabet revenue in 2019.

    YouTube reserves the right to monetize any video on the platform, even if their uploader is not a member of the YouTube Partner Program. This will occur on channels whose content is deemed „advertiser-friendly“, and all revenue will go directly to Google without any share given to the uploader.

    Es geht also um revenue generating advertiser-friendly content und um Eindämmung von advertiser-unfriendly content, der nur Kosten und Ärger verursacht.

    Hierzu sollen YT-Nutzer (consumers) möglichst auf sog. Channels gelockt, und zu möglichst langem Verweilen auf YouTube animiert werden. Fortsetzungsfolgen tragen zur Konditionierung des Consumer-Verhaltens bei. Die producer von channels verdienen also die Bezeichnung „Kanalarbeiter“. :}

    YouTube/Google/Alphabet fördern mithin keine Journalisten (im gebräuchlichen Sinne des Wortes), sondern investieren in willige channel producers, die hoffentlich höhere Werbe-Revenues generieren helfen.

    Die Welt, die wir rezipieren besteht im Digitalen nun mal aus der Freßkette consumers, producers, providers und wenigen (westlichen) Werbe-Oligarchen mit hoher Machtkonzentration.

    Die Suchfunktion auf YouTube dient nicht dem, was der Sucher zu finden hofft, sondern:
    YouTube’s search and discovery system helps viewers find the videos they’re most likely to watch and *maximize long-term viewer satisfaction*.

    „Profitipp: Unser Algorithmus berücksichtigt nicht die Videos, sondern die Zuschauer. Anstatt zu versuchen, den Algorithmus durch Videos positiv zu beeinflussen, solltest du dich also lieber darauf konzentrieren, dass deine Zuschauer zufrieden sind. “

    Was also sind die Kriterien, um in der Werbewirtschaft als förderwürdig zu gelten?
    Nach welchen Kriterien werden Personen gefunden, in die Geld gesteckt wird?

    Nein, Journalismus darf man da nicht erwarten.

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