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StaatstrojanerBahrain spioniert Oppositionelle mit Pegasus aus

Der Pegasus-Skandal reißt nicht ab. Das kanadische Citizen Lab hat herausgefunden, dass bahrainische Oppositionelle mit der Spionagesoftware ausgeforscht werden. Bei manchen fand die Überwachung sogar auf europäischem Boden statt.

  • Markus Reuter
Die Regierung gestaltete den Perlenplatz, an dem die Proteste des Arabischen Frühlings stattfanden, in den Folgejahren zur Unkenntlichkeit um. CC-BY-SA 3.0: nbdbahrain2@gmail.com;

In den Jahren 2020 und 2021 wurden mindestens neun Menschenrechtsaktivist:innen und Oppositionelle mit Pegasus ausspioniert, berichtet das Citizen Lab in einem neuen Report. Die neuen Fälle reihen sich ein in die Pegasus-Affäre, bei der hunderte Menschen weltweit mit einem Staatstrojaner der israelischen NSO Group ausspioniert wurden.

Zu den gehackten Aktivist:innen gehören drei Mitglieder von Waad, einer säkularen bahrainischen politischen Organisation, drei Mitglieder des Bahrain Center for Human Rights, zwei bahrainische Dissidenten im Exil und ein Mitglied von Al Wefaq, einer schiitischen bahrainischen politischen Organisation. 

Bahrain kauft verschiedene Staatstrojaner

Vier der Betroffenen wurden von LULU gehackt, einem Betreiber von Pegasus, den das Citizen Lab mit großer Sicherheit der bahrainischen Regierung zuordnet. Fünf der Telefonnummern der Betroffenen konnten in der Telefonliste des Pegasus-Projekt wiedergefunden werden. Zwei der Betroffenen wohnen gar nicht in Bahrain, sondern in London. Die Spionage fand also auf europäischem Boden statt. In seinem Report legt Citizen Lab technisch dar, warum die Überwachung auf Pegasus zurückzuführen ist.

Bahrain ist Kunde verschiedener Überwachungs- und Spionagesoftware. Seit dem Jahr 2010 hat Bahrain Staatstrojaner von FinFisher, Hacking Team und der NSO Group gekauft. Einer der jetzt von Überwachung Betroffenen hatte bereits 2018 die Gamma Group verklagt.

Als Reaktion auf den Pegasus-Skandal fordern Menschenrechtler und Journalistinnen eine Ächtung der staatlichen Hacker-Branche und fordern, dass die gesamte Überwachungsindustrie in Frage gestellt wird.

Menschenrechtsverletzungen in Bahrain

Bahrain ist eine autoritäre konstitutionelle Monarchie, in der Menschenrechte nach einer liberalen Phase nach 1999 vor allem seit dem Jahr 2010 immer mehr unter Druck geraten. Zu den Menschenrechtsverletzungen des Landes gehören Repressalien gegen die Opposition, Verhaftungen, Einschüchterung, Überwachung, Einschränkungen der Pressefreiheit und Zensur.

Während das Herrscherhaus sunnitischen Glaubens ist, ist die Bevölkerungsmehrheit schiitisch. Die politische Vertretung dieser Bevölkerungsmehrheit wird vom Herrscherhaus weithin verhindert. 

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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