Was vom Tage übrig blieb

Uploadfilter, Unsummen und US-Unternehmungen

Incels haben während der Krise nicht minder besorgniserrengende Ansichten als vorher. Die USA wollen ihr Internet saubermachen. Die Digitale Gesellschaft äußert sich zu Uploadfiltern und wie kommt man eigentlich an 25 Millionen in Bitcoin?! Die besten Reste des Tages.

Himmel über Berlin
Die Temperaturen steigen, die Türme schmelzen.

US-Regierung will Netzwerke und Apps von Chinesen „säubern“ (Heise)
„Saubere Netze“ wünscht sich der US-Außenminister Michael Pompeo. „Gesäubert“ von chinesischem Einfluss, um genau zu sein. Der Vorschlag geht weit über das diskutierte TikTok-Verbot hinaus, das sein Vorgesetzter in den Raum gestellt hatte. In einer Analyse geht Daniel AJ Sokolov auf die Details des Vorstoßes ein – und ordnet ein, was „sauber“ in einem US-amerikanischen Kontext bedeutet.

Auch die am wenigsten schädlichen Uploadfilter stellen einen Dammbruch dar. (Digitale Gesellschaft)
Uploadfilter – ja oder nein? Im Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung noch festgehalten, eine Verpflichtung zum Einsatz der Technik abzulehnen. Nun müssen die Filter aber wohl trotzdem kommen, will die Regierung die EU-Urheberrechtsreform rechtlich sauber umsetzen. In einer Stellungnahme zum jüngsten Diskussionsentwurf des Gesetzes aus dem Justizministerium begrüßt die digitale Grundrechts-NGO Digitale Gesellschaft die Bemühungen des Ministeriums, die Gefahren von automatisierter Sperrung von Inhalten zu minimieren. Allerdings stellten auch die am wenigsten schädlichen Uploadfilter einen Dammbruch dar: „Wir sollten uns deutlich machen, dass der vorliegende Entwurf nicht einfach neue Urheberrechtsregeln, sondern eine grundlegend neue algorithmenbasierte Infrastruktur schaffen würde, in die hinein alle künftigen Regeln für Urheberrechte und möglicherweise alle anderen zu kontrollierenden Inhalte im Online-Bereich formuliert werden“, warnt DigiGes-Vorstandsmitglied Volker Grassmuck und fordert die Regierung auf, das „Defizit Uploadfilter“ auf EU-Ebene zu korrigieren.

The Pandemic as Incels see it (Cambridge Cybercrime Centre COVID Briefing Paper)
Incels sind Männer, die sich selbst als hässlich, unzureichend und daher „unfreiwillig zölibatär“ sehen und glauben, Frauen schuldeten ihnen Sex. Das mag zunächst lustig klingen. Aus diesen extrem misogynen Online-Subkulturen sind allerdings schon mehrere Mörder hervorgegangen – zuletzt der Attentäter von Hanau. Anh V. Vu hat nun für das Cambridge Cybercrime Centre analysiert, wie sich die Corona-Pandemie auf diese Communities auswirkt. Das Ergebnis: Die Gewaltfantasien in den Foren waren während des Lockdowns besonders ausgeprägt. Einige haben aber auch Hoffnung: darauf, dass Corona vor allem attraktive Menschen ausrotten wird.

Ermittlungsverfahren gegen die Betreiber von movie2k.to – Sicherstellung von Bitcoins im Gesamtwert von 25 Millionen Euro (Generalstaatsanwaltschaft Dresden)
Die beiden als Hauptbetreiber der Videoplattform movie2k Verdächtigen sind laut der Dresdner Generalstaatsanwaltschaft geständig. Der mutmaßliche Programmierer der Plattform hat dabei nun wohl die damit erzielten Bitcoins an die Justiz herausgegeben, mit satten 25 Millionen Euro aktuellem Gegenwert. Die sollen aus „Werbeentgelten und Abofalleneinnahmen“ stammen.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

Du möchtest mehr kritische Berichterstattung?

Unsere Arbeit bei netzpolitik.org wird fast ausschließlich durch freiwillige Spenden unserer Leserinnen und Leser finanziert. Das ermöglicht uns mit einer Redaktion von derzeit 15 Menschen viele wichtige Themen und Debatten einer digitalen Gesellschaft journalistisch zu bearbeiten. Mit Deiner Unterstützung können wir noch mehr aufklären, viel öfter investigativ recherchieren, mehr Hintergründe liefern - und noch stärker digitale Grundrechte verteidigen!

 

Unterstütze auch Du unsere Arbeit jetzt mit deiner Spende.

0 Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.