Klimaaktivismus

Facebook sperrte Seite von Extinction Rebellion

Drei Tage lang ist die Seite von Umweltaktivist:innen aus Belgien nicht erreichbar. Facebook reagiert erst nach erheblicher Kritik. Warum es überhaupt zu der Sperre kam, beantwortet der Konzern nur vage.

Extinction Rebellion
Exctinction Rebellion organisiert Proteste überall in Europa. Im Bild eine Demo in Nürnberg. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Markus Spiske

Facebook hat am Wochenende überraschend die Seite von Extinction Rebellion Belgium gesperrt. Erst nach Protesten der Umweltgruppe und Nachfragen von Journalist:innen ging die Seite wieder online. Warum genau die Seite mit mehr als 17.000 Abonnenten gesperrt wurde, konnte Facebook nicht eindeutig beantworten.

Das soziale Netzwerk steht wegen seiner Löschentscheidungen häufig in der Kritik. Entscheidungen über Sperrungen und Löschungen von Veranstaltungen, Seiten und Konten müssen meist Beschäftigte in Facebooks Moderationszentren unter großem Zeitdruck treffen, Fehlentscheidungen sind kaum vermeidbar.

Gruppe fordert Aufklärung

Belgische Aktivist:innen von Extinction Rebellion loggten sich am Freitag bei Facebook ein, um die Seite zu verwalten. Doch sie war gesperrt, berichteten sie in einer Pressemitteilung. Als Grund für die Sperrung sei eine Monate zurückliegende Einladung der Gruppe zu einer Demo für Frauenrechte am 8. März genannt worden, die demnach ohne ersichtlichen Grund als „Hassrede“ gemeldet worden sei.

Bemühungen um Aufklärung und Entsperrung waren nach Angaben der Gruppe zunächst erfolglos. Facebook habe auf begrenzte Ressourcen während der Covid-19-Pandemie verwiesen. Erst drei Tage später, nach einer Pressemitteilung und Tweets von Extinction Rebellion, sei die Seite wieder dagewesen, sagte eine Sprecherin der Gruppe, Naila Sebbahi. „Wir haben immer noch nichts von ihnen gehört und warten weiter auf Antworten.“

Facebook machte nur vage Angaben über den Grund für die Sperrung der Seite. „Die Seite von Extinction Rebellion Belgien wurde irrtümlich von unseren automatisierten Tools entfernt und wiederhergestellt, sobald wir in der Lage waren, dies zu prüfen. Wir entschuldigen uns für die verursachten Unannehmlichkeiten“, sagte ein Sprecher auf Anfrage von netzpolitik.org.

Der Konzern musste sich in jüngerer Vergangenheit immer wieder für versehentliche Sperrungen entschuldigen. Oft reagierte Facebook erst nach kritischer Berichterstattung und Empörung der Betroffenen.

„Wir sehen das als Zensur, denn diese Art von Vorfall ist nicht neu“, beklagt Sebbahi. Ähnliches sei auch bei Gruppen von Extinction Rebellion in Frankreich und Großbritannien passiert. „Wir glauben, dass dies Versuche sind, uns zum Schweigen zu bringen.“ Die Sperrung von Seiten sei eine Bedrohung für die Rede- und Organisationsfreiheit einer gewaltfreien Bewegung von Hunderttausenden Menschen.

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6 Ergänzungen
  1. Ich habe keinerlei Verständnis dafür, das NGOs globale monopolistische Konzerne benutzen und dadurch Menschen in deren kapitalistische Ausbeutungsmühlen treiben.

    Der Hunger nach Reichweite darf nicht soweit gehen, dass jedes Mittel recht ist. Es dreht sich mir schon dabei den Magen um, wenn ich daran denke, dass man sich nicht nur der kommerziellen Überwachung hingibt, sondern sich auch noch deren willkürlichen Regeln unterwirft.

    Schluss mit Facebook und Twitter!

  2. Es wird Zeit das alle sozialen Gruppen endlich mal unabhängiger von Facebook werden. Wieder mehr Foren und Anwendungen selbst hosten, auf Telegramm wechseln und so weiter. Ein dezentrales Internet ist ja schließlich viel schwieriger zu zensieren und zu überwachen !

    1. Telegramm ist zentralisiert, closed-source, hat fragwürdige e2ee und ist für Menschen, die ernsthaft politische Arbeit betreiben genauso wenig zu empfehlen, wie Whatsapp und Konsorten. Für dezentrales Messaging gibt es weitaus bessere Empfehlungen (die halt leider nur nicht so wirklich verbreitet sind).

  3. Willkommen in der Welt automatischer Prozesse. Zensur und Propaganda in einem kompakten Paket: Facebook.

    Wer noch den kleinsten Vor- oder Restverstand hat, sollte dieses Beispiel, sofern Gedächtnis vorhanden ist, im Sinn behalten, wenn es um die Frage automatischer Filter geht, wie es z.B. bei der EU-Urheberrechtsreform der Fall ist.

    Ähnlich wie bei der Schufa+Stromversorger-Frage, kann man bei Entscheidungen von Algorithmen natürlich nicht wirklich Menschen dafür verantwortlich machen, allenfalls kann man ein sehr komplexes, kaum zu fassendes System nur allmählich anpassen, so dass die Regularien denkbarerweise erfüllt sein könnten. Ein langwieriger Prozess!

  4. Und derweil macht Google sich and die Arbeit APPs für das Fediverse(Mastodon und co.) rauszuschmeißen(z.B. Fedilab) ohne ersichtlichen Grund.
    Aber das juckt mal wieder niemanden dort gibt es ja eh nur c.a. 4,2 Mio. Nutzer.

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