Facebook hat am Wochenende überraschend die Seite von Extinction Rebellion Belgium gesperrt. Erst nach Protesten der Umweltgruppe und Nachfragen von Journalist:innen ging die Seite wieder online. Warum genau die Seite mit mehr als 17.000 Abonnenten gesperrt wurde, konnte Facebook nicht eindeutig beantworten.
Das soziale Netzwerk steht wegen seiner Löschentscheidungen häufig in der Kritik. Entscheidungen über Sperrungen und Löschungen von Veranstaltungen, Seiten und Konten müssen meist Beschäftigte in Facebooks Moderationszentren unter großem Zeitdruck treffen, Fehlentscheidungen sind kaum vermeidbar.
Gruppe fordert Aufklärung
Belgische Aktivist:innen von Extinction Rebellion loggten sich am Freitag bei Facebook ein, um die Seite zu verwalten. Doch sie war gesperrt, berichteten sie in einer Pressemitteilung. Als Grund für die Sperrung sei eine Monate zurückliegende Einladung der Gruppe zu einer Demo für Frauenrechte am 8. März genannt worden, die demnach ohne ersichtlichen Grund als „Hassrede“ gemeldet worden sei.
Bemühungen um Aufklärung und Entsperrung waren nach Angaben der Gruppe zunächst erfolglos. Facebook habe auf begrenzte Ressourcen während der Covid-19-Pandemie verwiesen. Erst drei Tage später, nach einer Pressemitteilung und Tweets von Extinction Rebellion, sei die Seite wieder dagewesen, sagte eine Sprecherin der Gruppe, Naila Sebbahi. „Wir haben immer noch nichts von ihnen gehört und warten weiter auf Antworten.“
Facebook machte nur vage Angaben über den Grund für die Sperrung der Seite. „Die Seite von Extinction Rebellion Belgien wurde irrtümlich von unseren automatisierten Tools entfernt und wiederhergestellt, sobald wir in der Lage waren, dies zu prüfen. Wir entschuldigen uns für die verursachten Unannehmlichkeiten“, sagte ein Sprecher auf Anfrage von netzpolitik.org.
Der Konzern musste sich in jüngerer Vergangenheit immer wieder für versehentliche Sperrungen entschuldigen. Oft reagierte Facebook erst nach kritischer Berichterstattung und Empörung der Betroffenen.
„Wir sehen das als Zensur, denn diese Art von Vorfall ist nicht neu“, beklagt Sebbahi. Ähnliches sei auch bei Gruppen von Extinction Rebellion in Frankreich und Großbritannien passiert. „Wir glauben, dass dies Versuche sind, uns zum Schweigen zu bringen.“ Die Sperrung von Seiten sei eine Bedrohung für die Rede- und Organisationsfreiheit einer gewaltfreien Bewegung von Hunderttausenden Menschen.
