Was vom Tage übrig blieb

Faktenverbiegen mit Facebook, sozialer Steampunk im Silicon Valley und Copyright-Krise mit Kraftwerk

Facebook lässt Lügen frei herumlaufen, in Kalifornien müssen wieder Dienstboten schaufeln, Kraftwerk und Pelham wollen vor dem Bundesgericht raufen und den WDR lässt die Umweltsau schnaufen. Die besten Reste des Tages.

Berliner Fernsehturm
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Facebook Says It Won’t Back Down From Allowing Lies in Political Ads (New York Times)
Auch im Wahljahr 2020 dürfen Donald Trump und andere Politiker weiterhin ungestraft wissentlich Unwahrheiten in politischer Werbung auf Facebook verbreiten. Der Datenkonzern bekräftigte nun, seine diesbezügliche Linie nicht ändern zu wollen. Da es keine gesetzlichen Regelungen dagegen gebe, entscheide Facebook eben selber, was es auf seiner Werbeplattform erlaube und was nicht, sagte der Facebook-Manager Rob Leathern. Darüber, wie sich bei Facebook Menschen manipulieren und Wahlen beeinflussen lassen, haben wir zuletzt ein paar Zeilen geschrieben.

Silicon Valley reinvents Victorianism (Financial Times)
Gelegentlich leistet sich die britische Finanzpresse Kritik in einer Schärfe, mit denen selbst Flugblätter von linken Splittergruppen es nicht aufnehmen können. In diesem Artikel in der Financial Times bemerkt der Autor, dass der Silicon-Valley-Kapitalismus uns an viktorianische Beschäftigungsverhältnisse zurückführt, in denen die Arbeit der Dienstboten unsichtbar und ihre Lebenswelt von der ihrer Herren (!) vollkommen getrennt ist. „Nun, es zeigt sich, dass es uns nicht stört, die Uhren um ein Jahrhundert oder so zurückzudrehen, solange ein paar Y-Combinator-Absolventen [einem Startup-Inkubator] dabei reich werden“, lautet das Resümee. Wenn man so was nur im Handelsblatt lesen würde.

Kraftwerk vs. Moses Pelham vor dem Bundesgerichtshof (Spiegel)
Der Bundesgerichtshof wird erneut über den mehr als 20-jährigen Streit um die Nutzung eines Samples aus Metall-auf-Metall entscheiden. Zu dem Fall urteilte im vergangenen Sommer bereits der Europäische Gerichtshof. Auch das erneute Verfahren dürfte wieder große Auswirkungen für eine Remix-Kultur haben. Der Spiegel erklärt nochmal den Rechtsstreit.

WDR: „Wir werden nicht einer Meinung sein“ (Zeit.de)
Ralf Heimann berichtet bei Zeit-Online über eine Redaktionsversammlung beim WDR, bei der es um den Umgang mit dem Satire-Video über eine vermeintliche „Umweltsau“ ging. Dabei ging es auch um die Frage, ob Intendant Tom Buhrow seinen Mitarbeier:innen mit seiner Entschuldigung in den Rücken gefallen ist.

Hass im Netz (Die Zeit)
Der Journalist und Blogger Richard Gutjahr ist seit Jahren das Opfer von Rechtsradikalen und Verschwörungstheoretikern, weil er zufällig als Mitarbeiter des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks bei den beiden Attentaten in Nizza und München in der Nähe war. In einem offenen Brief an den Intendanten des Bayrischen Rundfunks arbeitet er die Ereignisse auf und beschuldigt die Institution BR, ihn als festen freien Mitarbeiter nicht ausreichend bei der Bewältgung der Hass-Kampagne unterstützt zu haben. In der Zeit gibt es nochmal eine größere Einordnung der Geschehnisse. Markus Beckedahl hat über den Fall vor einer Woche mit Deutschlandfunk Kultur gesprochen.

Wir haben mit der Influencerin gesprochen, die auf TikTok vor einem Weltkrieg warnte – und jetzt angegriffen wird (Bento)
Die Influencerin Laura Sophie hatte bei TikTok ein fragwürdiges „Erklärvideo“ veröffentlicht, in dem sie vor einem möglichen Dritten Weltkrieg warnte. Die Dinge, die sie darin ihren mehr als zwei Millionen Abonnent:innen über den Konflikt zwischen den USA und dem Iran erzählt, sind mindestens teilweise falsch. Seither wird sie offenbar aufs Übelste beschimpft – nach eigenen Angaben vor allem von Männern „zwischen 30 und 60 Jahren“. Über Politik will sie auf der Plattform in Zukunft nicht mehr sprechen.

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