Was vom Tage übrig blieb

Desinformation, Werbepanne, Straffreiheit

Die Demokratie wurde mit Desinformation geflutet, Twitter muss sich entschuldigen und eine antisemitische Website ist vom Netz. Die besten Reste des Tages.

Auch heute war es um 18 Uhr bereits dunkel. Nicht aber um 17:10 Uhr, als dieses Bild entstanden ist.

“Flood the zone with shit”: How misinformation overwhelmed our democracy (Vox)
Wir sehen uns mit einer Form von Propaganda konfrontiert, die vor dem digitalen Zeitalter gar nicht möglich war, schreibt der Journalist Sean Illing. Dabei gehe es nicht darum, einen Konsens herzustellen, sondern so viel Verwirrung zu stiften, dass ein Konsens gar nicht mehr möglich ist. Perfektioniert habe diese Methode Steve Bannon, der Chefstratege von Donald Trump war. „Die echte Opposition sind die Medien“, habe Bannon mal gesagt. „Man wird mit ihnen fertig, indem man den Strafraum mit Scheiße flutet.“

Twitter apologises for letting ads target neo-Nazis and bigots (BBC)
Werbetreibende konnten bei Twitter Anzeigen ausdrücklich für Neonazis oder homophobe Menschen schalten, wie die BBC berichtet. Möglich gewesen sei dies, weil sich Zielgruppen bei Twitter über Begriffe erstellen lassen, nach denen Nutzer:innen gesucht haben oder über die sie selbst gewittert haben. Dem Unternehmen zufolge hätten empfindliche Begriffe für die Werbung eigentlich gesperrt sein sollen. „Es tut uns sehr leid, dass das passiert ist, und sobald wir davon erfahren haben, haben wir es korrigiert“, habe Twitter mitgeteilt.

Virtueller Judenstern (Zeit Online)
Die antisemitische Website Judas.Watch ist offline. Menschen, die Rechtsextremist:innen für ihre Feinde hielten, waren dort aufgelistet worden, viele von ihnen jüdisch. Nach Recherchen von Zeit Online und dem Bayerischer Rundfunk könnte der mutmaßliche Hintermann dennoch ungestraft davonkommen: Dem österreichischen Innenministerium zufolge gebe es weder eine Gefahrenlage noch einen Gesetzesverstoß. Wie zuvor bereits Der Standard berichtet hatte, könnte der Betreiber der Website in Wien leben. Darauf deuten mehrere IP-Adressen unterschiedlicher Internetanbieter hin, die er genutzt hatte, um in dem Neonazi-Forum „Iron March“ zu posten. Dessen Datenbank war im November geleakt worden.

Netzagent: Wie gefährlich ist die Citrix Sicherheitslücke? (ARD Audiothek)
Seit Wochen ist eine Sicherheitslücke im System des Softwareherstellers Citrix bekannt. Tausende Unternehmen, aber auch öffentliche Einrichtungen und Behörden seien potenziell gefährdet, hatte der SWR Anfang dieser Woche berichtet. Viele von ihnen haben offenbar noch immer keine Maßnahmen ergriffen. In der Radiosendung Netzagent sprechen die IT-Experten Jan Hoff und Manuel Atug der Unabhängigen Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen über die Gefahren und Auswirkungen solcher Sicherheitslücken.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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