Aufträge an Rüstungskonzerne

Italien und Frontex überwachen das Mittelmeer jetzt mit Drohnen

Die Europäische Union hat die mehrjährige Stationierung großer Drohnen im Mittelmeer beschlossen, jetzt zieht Italien nach. Die begünstigten Firmen aus Israel und Italien haben in den vergangenen Jahren bereits Tests für Frontex durchgeführt.

Frontex hatte drei große Drohnen aus Israel und Italien für die Grenzüberwachung getestet. Deren Hersteller erhalten jetzt langfristige Verträge. – Alle Rechte vorbehalten Leonardo

Das italienische Innenministerium stellt 7,2 Millionen Euro für den Betrieb von Drohnen im zentralen Mittelmeer zur Verfügung. Für die Polizei und die ebenfalls für die Grenzsicherung zuständige Finanzpolizei sollen die unbemannten Luftfahrzeuge bei Tag und Nacht irreguläre Migration aus Ländern wie Libyen und Tunesien überwachen. Die EU-Kommission übernimmt die Hälfte der Kosten über den Fonds für innere Sicherheit.

Den Auftrag hat offenbar der italienische Rüstungskonzern Leonardo erhalten. Für zunächst ein Jahr soll die Firma bis zu 1.800 Flugstunden bereitstellen. Die Stationierung der Drohnen erfolgt auf den sizilianischen Flughäfen Trapani, Lampedusa oder Ragusa, als Einsatzradius fordert das Innenministerium rund 550 Kilometer. Der Vertrag hat eine Laufzeit von zunächst einem Jahr und kann zweimal verlängert werden.

Echtzeit-Daten an Eurosur

Das Abfluggewicht der Drohnen soll zwischen 500 und 1.000 Kilogramm, die Nutzlast bei mindestens 100 Kilogramm liegen und ihre maximale Flughöhe mindestens 1.800 Meter betragen. Die Eckdaten treffen auf die Drohne „Falco Evo“ zu, mit der Leonardo bereits umfangreiche Erfahrung im Mittelmeer gesammelt hat. Die Drohne hat vom Flughafen in Lampedusa mehrere Hundert Flugstunden für die EU-Grenzagentur Frontex durchgeführt.

Die „Falco Evo“ kann per Satellit außerhalb der Sichtweite gesteuert werden, hierfür werden nach Angaben von Leonardo allerdings Relaisstationen zur Weiterleitung des Signals zur Steuerung und Missionsführung benötigt. Zum Vertrag gehört auch die Installation von Bodenstationen zum Empfang des Videostreams, der in Echtzeit über das italienische nationale Kontaktzentrum in das von Frontex betriebene Überwachungsnetzwerk Eurosur eingespeist werden soll.

An Bord befinden sich elektrooptische sowie Infrarotsensoren, ein von Leonardo entwickeltes Radargerät sowie ein Empfänger für Schiffspositionsdaten. Entdeckt eine Drohne ein Boot mit Geflüchteten, wird dieses mit einem Laserzielbeleuchter markiert. Befindet sich das Boot in der libyschen Seenotrettungszone, informiert die italienische Leitstelle zur Seenotrettung die libysche Küstenwache.

Einsatzradius von 500 Kilometern

Die "Heron 1" im Frontex-Einsatz. Sie wird auch von der Bundeswehr geflogen.
Die „Heron 1“ im Frontex-Einsatz. Sie wird auch von der Bundeswehr geflogen. - Alle Rechte vorbehalten Airbus

Nach mehreren Pilotprojekten hat auch Frontex vergangene Woche über den langfristigen Einsatz von Drohnen im Mittelmeer entschieden. Einen ausgeschriebenen Auftrag über 50 Millionen Euro erhält nach eigener Auskunft der Rüstungskonzern Airbus in Bremen, der hierfür eine israelische „Heron 1“ von Israel Aerospace Industries (IAI) anmietet. Beide Firmen hatten parallel zu den Frontex-Tests mit der „Falco Evo“ eine „Heron 1“ auf Kreta für die EU-Grenzüberwachung erprobt.

Noch ist unklar, wo die Stationierung der nun beschlossenen Frontex-Drohnen erfolgt, in der Ausschreibung ist die Rede von Griechenland, Italien oder Malta. Den Einsatzradius gibt Frontex wie das italienische Innenministerium mit 500 Kilometern an, die Drohne kann dabei mehr als 24 Stunden in der Luft bleiben. Die bei den Missionen anfallenden Informationen will Frontex ebenfalls an die libysche Küstenwache übermitteln.

Laut „Tenders Electronic Daily“, dem Anzeiger für das öffentliche Auftragswesen in Europa, hat auch die israelische Firma Elbit den Zuschlag von über 50 Millionen Euro für eine Frontex-Drohne erhalten. Dabei dürfte es sich um das Modell „Hermes 900“ handeln, deren Dienste Frontex bei der EU-Agentur für Meeressicherheit angefragt hatte.

Flug im zivilen Luftraum

Die „Heron 1“ wird seit über zehn Jahren von Militärs geflogen und hat dabei angeblich bereits über 450.000 Flugstunden absolviert. Die Bundeswehr setzt die Drohne in Afghanistan und Mali zur Überwachung ein. Auch dieser Vertrag wird über Airbus als Hauptauftragnehmer abgewickelt. Airbus sieht das Geschäft mit Frontex nun als Möglichkeit, seine Drohnendienste von „militärischen Kunden auf zivile Interessengruppen“ auszuweiten. Auch laut IAI wird der Vertrag „die Tür zu weiteren zivilen Märkten öffnen“.

Beim Militär operieren die „Heron 1“ in militärischen Sperrgebieten, für Frontex soll die Drohne im zivilen Luftraum fliegen. Es ist unklar, ob dort wie bisher Korridore für Starts und Landungen gesperrt werden. Leonardo wirbt damit, dass die „Falco Evo“ auch in nicht segregierten Lufträumen verkehren kann. Die Drohnen würden dann von zivilen Fluglotsen wie Flugzeuge behandelt.

5 Ergänzungen
  1. Kein Witz: ein Schritt in Richtung Killzone. Ist halt „dual use“…

    Damit meine ich nicht absaufen lassen, oder Hehler für Warlords spielen, sondern aktiv abknallen, was sich bewegt, in der nächsten Phase, für die ich noch kein gesellschaftlich diskutiertes Konzept sehe, bin aber auch fast halb blind.

    1. Naja, ich vermute mal, dass das eher für die Middleware und das Frontend gilt. Die Drohnen werden dann eben gegen bewaffnete ausgetauscht, und überwachen dann Nationalparks oder sowas.

  2. Während die Geheimdienste sich in teils internationaler Gemeinsamkeit immer weiter „verabschieden“, fällt es schwer zu glauben, dass Motorbote nicht recht präzise geortet werden.

    Trappsen:
    – Geräusch?
    – Satelliten?
    – Radar, Infrarot, Mobilgeräte?

    Worin bestehen also die Handlungen „unseres“ Apparates? In Unterlassung?

    1. Die Drohnen sind nur aus Papier. Es benötigt aber immer einen offensichtlich glaubwürdigen oder wenigstens vordergründigen Vorwand, um zu kaschieren, wie welches Boot jetzt detektiert wurde. Das ändert am Prinzip der „schon recht konvenienten Unterlassung“ allerdings nichts.

      1. R->i<-P-D in action!

        Oder funken die Amis die Positionen immer rüber, weil wir offiziell nicht mit den Russen kooperieren??

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