Datenschutz

Wie jetzt, Mark? Zuckerberg spielt vor dem US-Senat den Ahnungslosen

Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg tarnte und täuschte sich durch seine Anhörung vor dem US-Kongress. Künstliche Intelligenz soll alle Probleme seiner Plattform lösen.

Protest vor dem US-Kongress während der Anhörung von Zuckerberg am Dienstag CC-BY-NC-ND 2.0 Victoria Pickering

Mark Zuckerberg kann seinen ersten Auftritt im US-Kongress als Erfolg für sich verbuchen. Durch Tarnen und Täuschen vermied der Facebook-Chef echte Antworten auf viele der Fragen, die ihm die Senatoren stellten. Zuckerberg führte die Abgeordneten wiederholt in die Irre, wie ein Factcheck der New York Times deutlich macht. Besonders deutlich wurde dies bei der Frage, warum er die dubiose Datenfirma Cambridge Analytica nicht schon 2015 von der Plattform schmiss. „Da gab es nichts zu verbieten“, sagte der 33-jährige Milliardär. Kurz darauf korrigierte er sich und gestand den Fehler ein: „Zuvor habe ich mich versprochen, oder etwas Falsches gesagt.“ Wie jetzt, Mark?


netzpolitik.org - ermöglicht durch Dich.

Die Facebook-Propaganda stellt Zuckerberg gerne als virtuosen Mastermind dar, der alle Aspekte der Plattform im Blick hat und alle wesentlichen Entscheidungen trifft. Auch bei der Anhörung am Dienstag bediente der Facebook-Gründer dieses Klischee, in dem er immer wieder auf sein College-Zimmer verwies, in dem er eine erste Version des sozialen Netzwerks schuf. Zugleich spielte Zuckerberg vor dem Senat aber den Ahnungslosen, der wichtige Bausteine seiner Plattform nicht erklären konnte. „Ihnen wurden einige wichtige Fragen gestellt, auf die Sie keine Antwort haben“, kritisierte die Senatorin Kamala Harris.

Der Datenschützer Max Schrems bringt es auf den Punkt: Wenn nicht mal der Facebook-Chef selbst genau weiß, was für Daten die Firma sammelt, wie kann dann von Nutzern erwartet werden, dass sie ihre „informierte Zustimmung“ zur Verwendung hochpersönlicher Angaben geben?

„Pokerface“ Zuckerberg

In vielen Berichten stieg Zuckerberg trotzdem als Gewinner aus: „Pokerface“ attestierte ihm etwa Zeit-Online. Internationale Medien wie die BBC nahmen Aussagen der Facebook-Chefs zum „Wettrüsten“ mit Russland im Kampf um politischen Einfluss als Schlagzeile. Datenschutzbedenken spielten nur die zweite Geige, etwa die Gretchenfrage, ob die Ausbeutung von Nutzerdaten für die Werbekunden Facebooks nicht das zentrale Geschäftsmodell der Firma sei. Die beste Frage dazu kam noch vom demokratischen Abgeordneten Dick Durbin, der von Zuckerberg wissen wollte, ob es ihm denn recht sei zu verraten, in welchem Hotel er letzte Nacht genächtigt habe. Bezeichnenderweise folgte ein langes Schweigen, dann ein Nein Zuckerbergs.

Auch die Frage, ob Facebook denn nicht ein gefährliches Monopol darstelle, durfte Zuckerberg mit einer flappsigen Bermerkung wegwischen. „Es fühlt sich nicht so an“, sagte er und erntete noch Lacher im Saal. Unerwähnt blieb, dass Facebook und Google sich gemeinsam im Vorjahr nach einer Schätzung rund 84 Prozent der globalen Einnahmen aus digitaler Werbung (ohne Anteil Chinas) teilten und damit de facto ein Oligopol bilden.

KI löst alle Probleme

Konfrontiert wurde Zuckerberg auch mit den seit der Wahl von US-Präsident Donald Trump immer wieder kritisierten Rolle von Facebook bei der Verbreitung von Falschnachrichten und Hassbotschaften sowie der Angst vor ausländischer Einflussnahme auf der Plattform vor Wahlen. Die Antwort des Facebook-Gründers war immer wieder: Künstliche Intelligenz wird das Problem für uns lösen. Das ist ein vertrautes Mantra aus Tech-Kreisen, die am liebsten alle gesellschaftlichen Problemen mit technischen Lösung begegnen. Zuckerbergs absolutes Vertrauen in KI öffnet das Tor zu immer weiterem Einsatz von problematischen Technologien wie Upload-Filtern und einem vollständig durch Algorithmen gesäuberten Netz.

Die Senatorinnen und Senatoren waren bei der Anhörung offenkundig dem gut vorbereiteten Zuckerberg nicht ganz gewachsen. Die Fragelust wurde wohl auch davon gebremst, dass einige der Politiker bedeutende Summen an Wahlkampfspenden aus dem Facebook-Umfeld erhalten. Einige der älteren Abgeordneten hatten auch Probleme mit dem Kontext und den technischen Details:

Keine Rede vom Rücktritt

Ein Zeichen, dass Zuckerberg mit Samthandschuhen angefasst wurde: Die Frage nach seinem möglichen Rückzug von der Facebook-Spitze blieb aus, obwohl er sich offenbar darauf vorbereitet hatte.

Für Zuckerbergs zweite Runde heute im Repräsentantenhaus bleibt also vieles offen. Spannend ist dabei etwa eine Aussage Zuckerbergs, die unmittelbar nach der Anhörung im Senat wenig Beachtung fand.

Übernimmt Facebook in Zukunft die Verantwortung für alle Inhalte auf seiner Plattform? Dagegen hat sich das Unternehmen bisher gewehrt, denn das würde Facebook für Falschnachrichten, Lügen und illegale Inhalte verantwortlich machen. Die Aussage macht deutlich, dass Zuckerberg bisher viel erzählt hat, aber wir seinen Worten wenig Gewicht beimessen können. Was also von der ersten Anhörung des Facebook-Chefs bleibt: Täuschungen und beredtes Schweigen.

 

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
14 Kommentare
  1. Regulierungen wären ja das Beste für Facebook. Das hat ja schon Standard Oil mehr Marktmacht beschert.
    Denn: Regulierungen können von großen Unternehmen problemlos finanziert werden. Gleichzeitig verhindern Regulierungen den Marteintritt von Konkurrenten. So schafft man Monopole.

    Nichts verstanden und nichts dazugelernt…

    1. Das Monopol von Facebook könnte in Deutschland durch ein öffentlich-rechtliches Soziales Netzwerk gebrochen werden das z.B. über einen erhöhten Rundfunkbeitrag finanziert wird.
      Alle Einwohner Deutschlands könnten automatisch und kostenlos Mitglied in diesem Sozialen Netzwerk sein, die Daten dafür sind z.B. beim ARD ZDF Deutschlandradio Rundfunkservice in Köln verfügbar (zumindest auf Ebene der einzelnen Wohnungen).

      Durch Netzsperren könnte man private Anbieter wie Facebook denen es nur um Profit geht daran hindern ihren Machenschaften auch in Deutschland zu verfolgen – eventulle mit der Option das diese Sperren aufgehoben werden wenn sich die Firma verpflichtet z.B. einen gewissen Teil des Gewinns auch in Europa als Steuer abzuführen, selbst wenn der Gewinn rechnerisch nicht in einem europäischen Land anfällt.

        1. Ganz verkehrt ist der Gedanke nicht. Man kann nicht darüber jammern, dass Facebook ein Monopol hat, ohne sich Gedanken zu machen, was die Alternative sein soll. Wer könnte (jetzt noch) ein Konkurrenzprodukt schaffen, wenn nicht der Staat? Und vor allem, bei welchem anderen Anbieter gäbe es die Chance, das Produkt rechtskonform und nicht gewinnorientiert zu gestalten?

          1. Es gibt, wie hier schon öfter zu lesen, Alternativen.
            Das Monopol zu brechen wäre für die User ein Leichtes. #deleteFB
            Stattdessen infantiles Geplärr nach dem Staat.

            Nö! Da brauchts keinen Staat. Erstens nicht, weil der es traditionell sowieso verkacken würde und zweitens in Sachen Datensicherheit wohl nicht viel vertrauenswürdiger wäre.

            Monopolstellung und Gewinnorientierung halte ich für das geringste Problem.

        2. Eben.
          http://www.zeit.de/kultur/film/2018-04/super-mediathek-ard-oeffentlich-rechtliche-inhalte-facebook-alternative/komplettansicht

          Netzaktivist Markus Beckedahl ist auch für eine öffentlich-rechtliche Finanzierung von Alternativen für Facebook „Aus der Haushaltsabgabe könnten wir einfach mal zehn Prozent abziehen und in einen Fonds für nichtkommerzielle Netzinnovationen stecken“, sagte Beckedahl. „Damit könnten wir vielleicht das Facebook von morgen bauen, wo wir dann alle hingehen können, weil es datenschutzfreundlich, offen und sicher ist.“

          Wer sonst ausser den öffentlich-rechtlichen könnte so eine datenschutzfreundliche, offene und sichere Plattform aufbauen ? Ein anderer Konzern wie Bertelsmann ?
          Es kann ja nicht Sinn der Sache sein mit Beitragsgeldern einen privaten Konzern als Alternative zu Facebook aufzubauen. Eine öffentlich-rechtliches soziales Netzwerk ist also alternativlos.
          Die öffentlich-rechtliche Rechtsform erlaubt es eine staatsferne Verwaltung zu etablieren bei der trotzdem gesellschaftliche Gruppen wie z.B. die katholische Kirche mit eingebunden werden können.
          Der Verwaltungsrat könnte mit angesehen Fachleuten wie z.B. Günther Öttinger oder Marc Jan Eumann besetzt werden.

          Gleichzeitigt erlaubt es die Nutzung des Verwaltungsrechts die Beiträge bei renitenten Schwarzsehern ohne lästigen Schuldtitel gleich vom Gerichtsvollzieher eintreiben zu lassen – denn manchen wir uns nichts vor, diejenigen welche meinen sie müssen nichts zahlen nur weil sie das öffentlich-rechtliche sozial Netzwerk nicht nutzen werden auch gegen einen erhöhten Beitrag hetzen.

          Leider begibt sich Herr Beckedahl selber in rechtspopulistische Fahrwasser wenn er einen Teil des bisherigen Rundfunkbeitrags umwidmen will. Durch die neoliberale Sparpolitik der letzten Jahre sind die Sender so geschwächt das der Beitrag nicht sinken kann, sondern steigen muß.
          Auch die kürzlich erfolgte Einigung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten mit den Kabelnetzbetreibern bezüglich der Einspeisegebühr wird zusätzliche Beitragsmittel fordern. Eine öffentlich-rechtliche Alternative zu Facebook kann also nur über einen erhöhten Beitrag finanziert werden.

          1. Jetzt bin ich aber etwas beruhigt.
            Besonderen Dank auch für den Link. Mir war lange nicht mehr so schlecht.
            Dank auch an Markus, als kleiner Lichtblick.
            Ich frage mich allerdings dennoch, warum es überhaupt eine so umfassende Plattform sein muß. Das wird doch immer Begehrlichkeiten wecken.
            Zeichnet das „Netz“ nicht eigentlich die Dezentralität aus?!

            Markus, bei deinem Ansatz, wie könntest Du dir vorstellen, Unabhängigkeit zu garantieren? Wie Datenmissbrauch effektiv ausschließen?
            Wer möchte wie gestalten, wie Meinungsfreiheit garantiert wird und wer möchte sich mit welchem Recht anmaßen, selbige in welcher Form und nach welchen Gesichtspunkten ggf einzuschränken? Wer bestimmt, ob der Fall gegeben ist?

          2. Leider begibt sich Herr Beckedahl selber in rechtspopulistische Fahrwasser wenn er einen Teil des bisherigen Rundfunkbeitrags umwidmen will. Durch die neoliberale Sparpolitik der letzten Jahre sind die Sender so geschwächt das der Beitrag nicht sinken kann, sondern steigen muß.

            Das („rechtspopulistische fahrwasser“) weise ich gerne zurück. Lustigerweise wird mir von rechter Seite für den Vorschlag vorgeworfen, ich würde einen Staatssozialismus propagieren. Was denn nun? Die Forderung ist in Zusammenhang mit einer Weiterentwicklung und Reform der Öffentlich-Rechtlichen Idee zu sehen, nicht um dem System Geld zu nehmen. Früher,a sld er Auftrag formuliert wurde, fehlten Inhalte für Meinungsvielfalt. Heute fehlt es vor allem an neutralen und unabhängigen Infrastrukturen. Erfolgreiche Open Source Communities wie Mozilla und Wikimedia zeigen, dass es noch andere Wege zwischen Industrie und ARD gibt.

  2. Die Palette der Vorwürfe der US-Senatoren war gewaltig:

    -Rassendiskriminierung, nicht nur durch Mikrotargeting
    -Ausbeutung der Daten von Kindern (in den USA gabs ’ne Facebook-App auch für unter 13 Jährige)
    -Zusammenarbeit mit Rüstungsunternehmen vià Palantir
    -Monopolstellung (keine Alternative zu Facebook!)
    -Ende der Privatsphäre, auch der, der Senatoren
    -Nicht die User sind Eigentümer ihrer Daten, sondern Facebook ist Eigentümer der Daten seiner User
    -In frühreren AGBs (die jede/r (!) per Häckchen wegklickt) stand mal, daß alle Daten, die Facebook erhebt auch archiviert (!) werden!
    -Wahlmanipulation durch Mikrotargeting
    -Ausschließliche (!) Finanzierung durch Werbung
    -Facebook ist ein Medienunternehmen, daß nicht wie eine Medienunternehmen besteuert und reguliert wird.
    – ..

    – .. und mehr, aber noch einer der besten: Cambridge Analytica soll, sofern Facebook da nicht was gegenteiliges beweisen kann, oder so, .. die 87 Milionen User Daten auf einem russischen Server gespeichert haben.

    Auf die Frage ob es nur in den USA ginge, daß man so wie Marc Zuckerberg innerhalb von nur 10 Jahren (2004-2014) von einem Studentenzimmer zum Milliardär wird, antwortete er, das China auch gute Möglichkeiten böte.

    Hat noch wer Aktien von dem Haufen?! xD

    1. Stichwort Aktien: Das ist auch ne gute Idee, die Menschen dazu zu bewegen, dass Facebook sich ändert.
      Die Investoren- Fondsmanager usw. dazu zu bringen, Ihre Aktienpakete zu verkaufen!
      Wie könnte ein solcher Aufruf gezielt aussehen?
      Ein weiterer Schritt, auch wenn es abgedroschen ist, #deletefacebook

  3. Und die deutschen Behörden springen gleich mit auf den Zug auf – und wollen ihre Daten auch zu Geld machen. Selbstverständlich ganz anonym.

    Ehrlicher wäre vermutlich, zu klären, wer diesen Zug in Gang gesetzt hat, und nicht erst seit gestern. Spannend sind ja auch die Einkommen, Gehälter, Renten. Nähere Auskünfte erteilt gerne Ihre Krankenkasse. Irgendwie müssen die Unsummen ja wieder hereinkommen, die unser Gesundheitssystem kostet. Nur wieso kostet das trotzdem so viel? Facebook ist fairerweise umsonst.

  4. Und dennoch ist fast jeder bei Facebook, nach wie vor. Ich glaube die Leute denen hier alles so egal ist, müssen erst persönlich betroffen sein und solange sie sich bei FB einloggen (falls sie sich überhaupt jemals abmelden :-D) und ihnen kein Banner angezeigt wird, dass sie warnt, das ihre Daten gestohlen wurden, schaffen sie es weiter sich mit dieser Ignoranz wohl zu fühlen.

    „Hat ja nichts mit mir zu tun“ ist wohl der Slogan unserer Zeit.

    1. Denke ich auch! Facebook selbst bildet quasi all‘ die (professionelle) Trolle aus, die innerhalb kürzester Zeit nicht nur etliche Posts generieren, Kommentare kommentieren und mit Beleidigungen (und Beleidigtem!) überziehen können, darunter auch unzählige (sinnfreie) Wortschöpfungen stakkatohaft in die materielle Form ihres Gedankens zu gießen mögen: Das Wort. Ihnen wird ein Forum, selbst eins wie Facebook, zu klein, ist ein Account gesperrt, wird schlicht ein neuer erstellt.

      Facebook hat meiner Meinung nach diese Un-Kultur geschaffen, die Foren nutzt als seien sie die New Yorker-Börse (Wallstreet) des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Unbedingt muss der 1. Post mit Halbwissen und Ablenkung vom Thema belegt werden, damit möglichst eine un-sinnige Diskussion entsteht, die nur noch Klicks und Aufmerksamkeit erheischt – treu dem Geschäftsmodell Facebooks‘! :)

      Durch das regelmäßige Abgleiten vom Thema in Diskussionen (s. SPON, ZEIT uvm.) „zwingen“ diese (doch, doch bei FB) „geschulten“ Trolle andere Foristen ja Informationen von sich preiszugeben – beispielsweise, welche Partei gewählt wird, wie der soziale Status ist, welche sexuelle Orientierung jemand hat, welches Geschlecht etc. pp.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.