Datenschutz

SPD-Politiker Kelber zum neuen Bundesdatenschutzbeauftragten gewählt

Der SPD-Politiker Ulrich Kelber wird nächstes Jahr Deutschlands wichtigster Datenschützer. Der Bundestag wählte den Bonner Abgeordneten heute mit großer Mehrheit. Kelber folgt auf Andrea Voßhoff.

Der SPD-Politiker Ulrich Kelber CC-BY-SA 3.0 Sven Teschke

Der Bundestag hat heute den SPD-Politiker Ulrich Kelber zum neuen Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit gewählt. Kelber folgt auf Andrea Voßhoff, die nach fünf Jahren zum Jahreswechsel aus dem Amt scheidet. Seit 18 Jahren sitzt Kelber als Abgeordneter für den Wahlkreis Bonn im Bundestag. Das Mandat wird Kelber zum Amtsantritt am 1. Januar ablegen.


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Im Bundestag hat sich der studierte Informatiker einen Namen gemacht als Fachpolitiker für den Bereich Daten- und Verbraucherschutz. Staatstrojaner und Online-Durchsuchung lehnte er ab, die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung unterstützte er jedoch. In der letzten Legislaturperiode war Kelber Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium und arbeitete am Netzwerkdurchsetzungsgesetz mit. Früher als andere legte er seine Einkünfte als „gläserner Abgeordneter“ offen.

Nachfolger von Voßhoff

Bei der Wahl am Donnerstag erhielt Kelber 444 von 658 abgegebenen Stimmen und wird somit auch von Teilen der Opposition getragen. Seine Wahl galt als sicher. Union und SPD hatten sich auf seine Kandidatur bereits vor einigen Monaten geeinigt. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich Kelber stärker als seine Vorgängerin Voßhoff in die politischen Debatten einmischt. Zwar konnte Voßhoff eine bessere personelle Ausstattung ihrer Behörde erreichen, sie blieb aber in der Öffentlichkeit weitgehend blass.

Ein Schwerpunkt seiner Amtszeit wird die Durchsetzung der Datenschutz-Grundverordnung bei Facebook und Google sein, kündigte Kelber gegenüber dem Handelsblatt an. Kelber will sich für die Regulierung von Verbraucher-Scoring und -Profiling einsetzen sowie für die Weiterentwicklung des europäischen Datenschutzrechts. Daneben will Kelber sich auch in die aktuellen Überwachungsdebatten einmischen. Es müsse „sichergestellt sein, dass die Sicherheitsbehörden des Bundes ihre in den letzten Jahren massiv ausgeweiteten Befugnisse nur gesetzes- und datenschutzkonform nutzen“, sagte er dem Handelsblatt. Mit Kelber steht das erste Mal ein Informatiker an der Spitze der Bundesdatenschutzbehörde.

3 Kommentare
  1. > Kelber folgt auf Andrea Voßhoff, die nach fünf Jahren zum
    > Jahreswechsel aus dem Amt scheidet.

    Fünf Jahre schon hat Frau Voßhoff das Amt dann ausgeübt? Unglaublich. Sie ist dann nach meiner Wahrnehmung nicht nur „weitgehend blass“ geblieben, sondern quasi unsichtbar.
    Da war ja Peter Schaar als Datenschutzbeauftragter a. D. präsenter und hat sich deutlicher zu den – in diesen Jahren zudem unter der Geflüchtetenthematik und dem Aufstieg der neuen Rechten begrabenen – weiterhin in ihrem Lauf nahezu ungebrochenen Überwachungs- und Kontrolltechnologien geäußert.

  2. Nun ja, ein Datenschützer, der nach wie vor die Vorratsdatenspeicherung unterstützt? Da passt doch irgend etwas nicht ganz zusammen. Halten wir ihm aber erstmal zugute, dass er zumindest Fachpolitiker ist und nicht digitales Neuland betritt. Wir werden ja sehen, wie er sein Amt ausfüllen wird.

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