Fünfzehn der wirtschaftsstärksten Länder der Welt unternehmen gerade konkrete Schritte hin zu einer nationalen Strategie für Künstliche Intelligenz (KI), einige haben sie bereits verabschiedet. Der kanadische Forscher Tim Dutton hat dazu einen Übersichtsartikel verfasst, den er laufend aktualisieren will.
Geht es nach den meisten Ländern, soll Künstliche Intelligenz in den nächsten Jahren vor allem für einen Wirtschaftsaufschwung sorgen. So schreibt beispielsweise die EU-Kommission, dass sie mit ihrer im April verabschiedeten Strategie (pdf) die Auswirkungen von Investitionen verstärken wolle und Synergien und Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Europa unterstützen wolle, damit „die EU als Ganzes global konkurrieren“ kann.
Eine andere Intention attestiert Dutton der indischen Regierung. Die Anfang des Jahres verabschiedete Strategie hält explizit fest, dass Künstliche Intelligenz nicht zuerst der Wirtschaft, sondern Allen dienen solle, oder #AIforAll. Kritiker begrüßten das Vorhaben zwar, bemängeln aber auch dass es bisher keine konkreten Pläne gibt, dafür auch zuständige Regierungsstellen zu schaffen. Die andauernden Datenlecks in der nationalen Biometriedatenbank Adhaar haben zudem das Vertrauen in die Netzpolitik der indischen Regierung erschüttert.
Der Bundestag kündigte letzte Woche eine Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ an, die diskutieren soll, „wie die Potenziale von Künstlicher Intelligenz für das Leben der Menschen, für die Entwicklung unseres Wohlstandes und die Gesellschaft als Ganzes gefördert und die Risiken begrenzt werden können“. Ob die Bundesregierung in ihre KI-Strategie, die ursprünglich noch vor der Sommerpause erscheinen sollte, auch gesellschaftliche, und nicht rein wirtschaftliche Aspekte aufnehmen wird, bleibt abzuwarten. Die Sommerpause beginnt kommende Woche, von einer Strategie ist noch nichts zu sehen. Dafür wurde eine Datenethikkommission angekündigt, die parallel zur Enquete ähnliche Fragestellungen diskutieren soll.
