Nach Kritik an Regierung: Fotograf und Blogger Shahidul Alam in Bangladesch verhaftet

Die Regierung in Bangladesch nutzt ein drakonisches Kommunikationsgesetz, um freie Meinungsäußerung zu unterdrücken. Letztes Opfer wurde der der prominente Fotograf und Blogger Shahidul Alam, der Kritik am gewaltsamen Vorgehen der Polizei gegenüber Demonstranten geübt hatte.

Shahidul Alam bei der re:publica 2012. CC-BY 2.0 Gregor Fischer I re:publica 2012

Nur Stunden, nachdem der Fotograf und Blogger Shahidul Alam aus Bangladesch dem Fernsehsender al-Jazeera ein Interview gegeben hatte, nahmen ihn vergangenen Sonntag rund 20 Polizisten fest. Vorgeworfen werden ihm „provokante Kommentare“, die mit Freiheitsstrafen zwischen sieben und 14 Jahren belegt werden können. Geäußert hatte sich Alam zu derzeit stattfindenden Studentenprotesten, die er fotografiert und teils live im Internet übertragen hatte.

Die bislang weitgehend friedlichen Proteste richten sich seit knapp zwei Wochen gegen die chaotische Verkehrspolitik in Bangladesch, die unnötig viele Todesopfer fordert, zuletzt zwei Teenager. Bei einer Großveranstaltung am Samstag setzte die Polizei schließlich Tränengas und Gummigeschosse in der Hauptstadt Dhaka ein und verletzte dabei über 100 Demonstranten. Die Kritik am harten Vorgehen der Polizei wurde Shahidul Alam zum Verhängnis.

Regierung verfolgt Kritiker

Als Grundlage für seine Verhaftung zieht die Polizei den drakonischen Information Communications Technology Act heran. Das vor fünf Jahren überarbeitete Gesetz nutzt die Regierung seitdem zur Verfolgung von politischen Gegnern, Journalisten oder kritischen Bürgern. So reicht es, Inhalte zu veröffentlichen, die die Öffentlichkeit „verderben oder korrumpieren“, „Recht und Ordnung“ stören oder dem Image des Staates oder einer Person Schaden zufügen.

Allein im Vorjahr wurden innerhalb von nur vier Monaten mindestens 21 Journalisten unter fadenscheinigen Bedingungen festgenommen und angeklagt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat mittlerweile 1.271 Verfahren dokumentiert, die sich oft gegen Nutzer von sozialen Netzwerken richten. So hatte etwa ein Facebook-Nutzer einen Beitrag geliked und geteilt, der die Premierministerin Hasina Wajed kritisiert hatte. Die Folge war ein dreimonatiger Gefängnisaufenthalt.

Amnesty International befürchtet gewaltsame Misshandlung

Bei einem Gerichtstermin am Montag war Shahidul Alam laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International nicht in der Lage, selbstständig zu gehen. Freunden gegenüber hat Alam angegeben, geschlagen worden zu sein. Amnesty fordert die „sofortige und bedingungslose Freilassung“ von Alam, der lediglich sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen hätte. Die Organisation stuft die Lage von Menschenrechten in Bangladesch als sehr schlecht ein, ähnlich düster ist es laut Freedom House um die Pressefreiheit bestellt. Bei den Protesten am Wochenende wurde teilweise der Mobilfunk abgedreht oder gedrosselt.

Der studierte Philosoph Shahidul Alam war mehrmals in Berlin bei der Konferenz re:publica zu Gast und hat dort über das Spannungsfeld zwischen freier Meinungsäußerung auf sozialen Medien und Internetzensur vorgetragen.

In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org


Mehr Zeit für kritische Berichterstattung

Ihr kennt es: Zum Jahresende stehen wir traditionell vor einer sehr großen Finanzierungslücke und auch wenn die Planung und Umsetzung unseres Spendenendspurts viel Spaß macht, bindet es doch sehr viele Ressourcen; Ressourcen, die an anderer Stelle für unsere wichtige Arbeit fehlen. Um Euch also weniger mit Spendenaufrufen auf die Nerven zu gehen und mehr Recherchen und Hintergründe bieten zu können, brauchen wir Eure regelmäßige Unterstützung.

Jährlich eine Stunde netzpolitik.org finanzieren

Das Jahr hat 8.760 Stunden. Das sind 8.760 Stunden freier Zugang zu kritischer Berichterstattung und wichtigen Fragestellungen rund um Internet, Gesellschaft und Politik bei netzpolitik.org.

Werde Teil unserer Unterstützungs-Community und finanziere jährlich eine von 8.760 Stunden netzpolitik.org oder eben fünf Minuten im Monat.

Jetzt spenden


Jetzt spenden

0 Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge! Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.