Linkschleuder

Google speichert Standort auch bei ausgeschaltetem „Standortverlauf“

Beispiel von AP über von Google gespeicherte Standortdaten Alle Rechte vorbehalten Screenshot/AP

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, speichert Google den Standort seiner NutzerInnen, auch wenn diese den Standortverlauf ausgestellt haben. Die Journalisten bezeichnen dies als „irreführend“ und bezweifeln, dass Google-NutzerInnen sich über die Speicherung ihres Standorts bewusst sind. Den Vorwürfen liegen zwei verschiedene Google-Funktionen zugrunde, die auf Standortdaten zurückgreifen. Der „Standortverlauf“ zeichnet alle Orte auf, die NutzerInnen mit einem eingeschalteten und bei Google eingeloggten Gerät, zum Beispiel einem Android-Handy, besuchen. Diese Funktion lässt sich in den Einstellungen des Google-Kontos ausschalten. „Wenn Sie den Standortverlauf deaktivieren, werden die von Ihnen besuchten Orte nicht mehr gespeichert“, heißt es dazu in der Erklärung von Google.


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Wer denkt, damit Google das Speichern jeglicher Standortdaten verboten zu haben, liegt falsch. Denn der Konzern speichert standardmäßig den Standort auch bei jedem Suchvorgang, dem Aufrufen von Google-Maps und weiteren Google-Diensten. Diese werden unter „Meine Aktivitäten“ gespeichert und für zielgerichtete Werbung genutzt. Möchte ein Nutzer auch diese Standortspeicherung abschalten, muss er das Speichern von „Aktivitäten“ hier vollständig abstellen. Der Informatiker Jonathan Meyer von der Princeton Universität kritisiert die irreführenden Bezeichnungen und Funktionen gegenüber AP:

Wenn du Nutzern erlaubst, etwas zu deaktivieren, das sich „Standortverlauf“ nennt, dann sollten alle Orte deaktiviert werden, an denen du einen Standortverlauf hast. Das scheint eine ziemlich einleuchtende Position zu sein. (Eigene Übersetzung)

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15 Kommentare
  1. Hieran zeigt sich doch einmal mehr, dass die globalen Internetkonzerne den Datenschutz nicht einhalten können (oder wollen) und ihn stattdessen einfach ignorieren – dies nennt man auch “Bauernschläue“.

  2. Wer hätte nur gedacht, dass mit Software umgesetzte Schalter oft nicht das machen was sie sollen?

    Witzig finde ich ja auch die Idee, man könne iOS, Android, Windows etc. nutzen, ohne sämtliche sensible Daten damit an die Konzerne zu geben.

    Dass denen überhaupt noch gestattet wird, die Leute so krass zu belügen ist der Skandal dahinter, das ist arglistige Täuschung und Missbrauch von Marktbeherrschenden Stellungen was die Herrschaften betreiben.

    Ich möchte einen gesetzlichen Zwang, die Bootloader frei zu machen und zu garantieren dass man sein Betriebssystem selbst frei wählen kann! (dann glaube ich auch wieder daran dass sich jemand um den Verbraucherschutz kümmert an dieser Stelle)

  3. Um den Standortverlauf vollumfänglich zu „deaktivieren“ reicht es wohl, auf dem Android Gerät den Standortzugriff abzuschalten. Diese Einstellung kann an einer Stelle in den Settings vorgenommen werden und damit erübrigen sich alle weiteren Diskussionen. Wieso wird in diesem „Fachartikel“ nicht auf diese Option hingewiesen?

  4. Wo ist die Neuigkeit? Das diese Konzerne von Daten leben ist bekannt. Und das sie sich nicht um europäisches Recht kümmern ebenso… inkl. Steuern.

  5. Der Text unter der Einstellung ist einfach irreführend. Das Abschalten des Standortverlaufs schaltet eben genau diese Funktion ab. Das heißt nicht, dass keine Standort Daten mehr erhoben oder genutzt werden.

    „Standortverlauf“ ist eben der Name eines Features von Google.

  6. … sorry, halte diesen Anspruch für totalen Quatsch.
    Der Standortverlauf ist vollkommen eigenständig.
    Kein Anwender würde es verstehen, wenn Maps auf einmal nicht mehr funktioniert.
    … einen Tod müsst Ihr einfach sterben.
    Händi als hilfreiches Werkzeug oder
    Smartphone als teures Telefon….
    Ich empfehle den Aluhüten das Nokia 3210 ;-).

    Wer die Technik nicht versteht und
    die Geschichte nicht verfolgt,
    hat da natürlich ein Problem mit.

    1. Diese Kurzmeldung gibt eine Zusammenfassung der AP-Meldung, welcher Anspruch soll das sein?
      Wer sich nicht mehr vorstellen kann, eine Karte zu benutzen, ohne dafür seine Standortdaten mit einem Werbekonzern zu teilen, der mag hier kein Problem sehen. Aber das ist wohl weniger eine Frage des Technikverständnisses.

      Alles normal, es gibt nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter.

  7. Heißt also im Klartext: Die einzige Möglichkeit, sich wirksam gegen den Datenmissbrauch zu schützen ist es, Google-Dienste nicht zu nutzen.
    Und selbst dann trackt Dich Google quer durchs Web und weiß wer Du bist bzw. warst, wenn Du deren Dienste Mal genutzt haben solltest.
    Alles, was ich irgendwann Mal bei Google an Daten hinterlegt habe – egal ob Bild oder Dokument – wird ohnehin niemals mehr von deren Servern gelöscht und dient meiner Identifizierung.

    Was macht das Nutzen von irgendwelchem Datenschutzfirlefanz überhaupt noch für einen Unterschied?
    Die Gesellschaft möchte überwacht werden. Sonst würde Google nicht solchen Zulauf haben. Dann kann ich auch gleich jeden noch so kleinen Mist meines Lebens auf deren Servern speichern, wenn ansonsten kein probates und vor allem ernsthaft sicheres Verfahren existiert, sich wirksam vor dem Zugriff dieses Konzerns zu entziehen.

    Irgendwelche Ideen?

    1. Mein erster und vermutlich einziger Beitrag nach vielen Jahren des (Mit-)Lesens hier, entschuldigt daher bitte die Länge.

      (Auch) ich habe in den letzten Jahren gerne viel Zeit, Arbeit und Geld in den Versuch der digitalen Selbstverteidigung gesteckt und nebenbei versucht, andere Personen zu sensibilisieren.

      Doch was rechtfertigt am Ende diesen Aufwand inklusive der notwendigen Einschränkungen, wenn mein Umfeld (Familie, Freunde, Kollegen, Nachbarn usw.) mich permanent „mitüberwacht“ ?

      Denn natürlich speichern diese Menschen meine persönlichen Daten auf Ihren Geräten+Clouds ab inklusive Fotos, Korrespondenz, gemeinsamen Aktivitäten usw.

      Wer seine Freunde danach aussucht, ob Sie verschlüsselt kommunizieren und Ihre Geräte beherrschen, kann schnell einsam werden.

      Ich habe als Experiment ein knappes Jahr komplett ohne Mobiltelefon gelebt und parallel das www sehr kontrolliert verwendet. Es ist möglich, doch für mich nicht alltagstauglich, denn es gibt nicht immer eine Offline-Alternative oder anonyme Lösungen.

      Was nützt der anonyme Browser, wennn ich mich nur online für eine Fortbildung anmelden kann?

      Was nützt der offline-Einkauf, wenn ich spätestens bei der Garantie-Abwicklung für meinen Kärcher doch wieder viele Daten angeben muss, die dann auch noch in den Clouds von Amazon, Google und Co. landen?

      Erschreckend viele Unternehmen und Organisationen(!) verlagern Ihre zuvor eigenen Rechenzentren zu diesen Web-Services. Wir alle wissen, dass die Daten dort nicht ungenutzt liegen.

      Ich kann mich nicht mal mehr bei einem kleinen Volkslauf anmelden, ohne dass hinterher Daten und Fotos im Netz landen.

      In der örtlichen Schule wurde nun die stufenweise Pflicht-Einführung von ipads beschlossen und man lässt sich dafür feiern (die Lehrer können mit einer Ausnahme nicht mal die Smartboard-Tafeln bedienen).

      Ich habe noch nicht SIM-Karten in Autos oder „intelligenten“Verkehr“ oder Beacons oder Gesichtserkennung und all die anderen „Innovationen“ angesprochen – ein Fass ohne Boden.

      Was nützt vermeintlich gehärtete Software, wenn die Hardware selbst schon das Problem ist?

      Warum soll ich „mir und meinen Lieben“ das Leben komplizierter gestalten, wenn am Ende kein realer Vorteil verbleibt?

      In den letzten Wochen bin ich für mich persönlich hier angekommen:

      Alles was technisch möglich ist, wird auch gemacht -> „Der Kampf ist eigentlich schon verloren“.

      Denn selbst radikalste Ansätze können das globale System und dessen Entwicklung aus meiner Sicht nicht mehr aufhalten. (Nein, keine Aluhut-Weltverschwörung sondern reinen Kapitalismus und Kontrollwahn sehe ich dahinter).

      Ich erwäge derzeit ernsthaft den vollen Umstieg auf Google-Services, auch wenn ich auf deren Seiten im Moment noch mit Magengrummeln unterwegs bin. Doch das wird sicher verfliegen, der Mensch ist ja ein bequemes Gewohnheitstier.

      Für Netzpolitik werde ich weiter spenden und ich danke Euch für Eure vorbildliche und herausragende Arbeit!

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