Demokratie

Disobedience Award: MIT belohnt zivilen Ungehorsam mit 250.000 Dollar

250.000 $ gibt es beim „MIT Disobedience Awards“ zu gewinnen. Die Auszeichnung soll an eine Person oder Gruppe gehen, die für „ein außerordentliches Beispiel für zivilen Ungehorsam zum Vorteil der Gesellschaft“ verantwortlich zeichnen. Nominierungen werden angenommen.

Screenshot aus dem Video des Awards. Alle Rechte vorbehalten Disobedience Award

„You don’t change the world by doing what you’re told.“
Mit diesem Zitat von Joi Ito, Leiter des Media Labs am Massachusetts Institute of Technology, wird die Ausschreibung des ersten „MIT Disobedience Awards“ angekündigt, also eine Auszeichnung für zivilen Ungehorsam. Dass gerade das MIT so einen Preis sponsert, dürfte nicht zuletzt auf den Fall Aaron Swartz zurückzuführen sein. Der 2013 verstorbene Hacktivist hatte am MIT mehrere Millionen wissenschaftliche Artikel von dem Zeitschriftenarchiv JSTOR heruntergeladen um sie offen zugänglich zu machen und wurde dafür nach dem „Computer Fraud and Abuse Act“ strafrechtlich verfolgt.


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In der Ausschreibung heißt es, dass die Auszeichnung an eine Person oder Gruppe gehen soll, die für „ein außerordentliches Beispiel für zivilen Ungehorsam zum Vorteil der Gesellschaft“ verantwortlich zeichnen. Der Regelbruch muss dabei mit einer Reihe grundlegender Kriterien erfüllen: Gewaltfreiheit, Kreativität, Mut und die Übernahme von Verantwortung für die eigenen Taten.

Maria-Theresia-Orden (Foto: Robert Prummel, CC-BY-SA 3.0)

Deadline für Nominierungen ist der 1. Mai 2017, Verkündung der Ausgezeichneten ist für den 21. Juli geplant. Die Auswahlentscheidung wird durch eine (zumindest noch) nicht näher bekannte Jury aus „Aktivisten, Wissenschaftlern, Designern und Technikern“ aus dem Umfeld des MIT Media Labs getroffen und ist mit $ 250.000 dotiert.

Der „Disobedience Award“ ist jedoch nicht die erste Auszeichnung, die gerade auch für Regelbruch und zivilen Ungehorsam verliehen wird. Historisch verbürgt ist beispielsweise der in Österreich heute noch sprichwörtliche „Maria-Theresia-Orden“. Diese bis zum Ende der Habsburgermonarchie höchste militärische Auszeichnung wurde insbesondere an jene Soldaten unabhängig ihres Ranges verliehen, die einen Erfolg bei Missachtung eines Befehls erzielt haben.

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9 Kommentare
  1. Ist ja witzig.
    Es gibt eine andere Organisation mit gleichem Namen die das genaue Gegenteil macht und z.B. Aaron Schwartz für zivilen Ungehorsam in den Selbstmord getrieben hat.

  2. Snowden! Snowden! Snowden!

    Die Frage ist natürlich, ob er nach den Kriterien Verantwortung für sein Handeln übernimmt. Ich denke schon, er hat seine Identität öffentlich gemacht und muss zur Strafe in Russland leben. Nach deren Kriterien hingegen vermutlich nicht, weil er nicht in die USA zurückkehrt um sich hinrichten zu lassen.

    Daher ein schrecklicher Propaganda-Preis, der denen verliehen wird, die Kleinigkeiten tun, die der Welt aber kaum helfen. Wer den Herrschenden wirklich auf der Nase rumtanzt, der muss immer mit dem Tod rechnen und deshalb wird nur derjenige belohnt, der den Herrschenden nicht schadet. Und um zu demonstrieren, dass derjenige der sich nicht von einem US-Gericht bestrafen lassen möchte, unehrenhaft ist, wird auch gleich öffentlich gemacht, dass nur dem Ehre gebührt, der vor US-Gericht stand.

    Wieso ist das ein Kriterium für den Preis? Wenn jemand etwas zugunsten der Allgemeinheit getan hat und dies positiv für die Allgemeinheit ist, warum dann noch fordern, dass derjenige bestraft werden müsse?

    Anders ausgedrückt, der Preis ist eine Belohnung dafür, dass sich gute Menschen der US-Justiz ausliefern. Auf solche Preise kann die Welt echt gut verzichten!

  3. Ich finde es ziemlich unpassend, wie schnell und schonungslos du den Preis verurteilst auf Grundlage deiner eigenen Interpretation von zwei Wörtern („Verantwortung übernehmen“).

    Jeder kann auf der Webseite Vorschläge einreichen. Es steht dir also frei Snowden für den Preis zu nominieren. Sollte er abgelehnt werden mit der Begründung, Snowden hätte sich seiner Verantwortung nicht gestellt, kannste immer noch über die Preisverleiher herziehen. Vorher ist es reine Spekulation von deiner Seite aus.

  4. „… und die Übernahme von Verantwortung für die eigenen Taten“

    Schlechter Witz? Wer offenbar „Gewaltfreiheit, Kreativität, Mut“ bewiesen hat, soll sich das von einer Justiz legitimieren lassen, die für eine Politk einsteht, gegen die er gerade gewaltfrei, mutig und kreativ agiert hat? Was ist das für eine Veranstaltung?

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