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Zum Wert gemeinfreier Inhalte: Umfassende Untersuchung des UK Intellectual Property Office

cover-PD-studieEine im Auftrag des UK Intellectual Property Office erstellte Studie zum Wert der Public Domain mit dem Titel „Copyright and the Value of the Public Domain: An empirical assessment“ (PDF) ist seit kurzem online verfügbar. Vor allem die verschiedenen Versuche, den Wert gemeinfreier Werke und Nutzungsweisen* empirisch zu messen, sind in dieser Form bislang einzigartig.

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Die 81 Seiten starke Untersuchung der AutorInnen Kris Erickson, Paul Heald, Fabian Homberg, Martin Kretschmer und Dinusha Mendis gliedert sich in drei Teilstudien.

Die erste Teilstudie präsentiert Ergebnisse von Interviews mit 22 Unternehmen (aufgelistet im Anhang auf S. 69), die Geschäftsmodelle auf Basis der Nutzung von Public-Domain-Werken entwickelt haben (vgl. Abbildung über mögliche Nutzung von Public-Domain-Materialien entlang der Wertschöpfungskette). In diesem Kontext wurden vor allem Archive, Museen und Bibliotheken als wichtige Quellen für Public-Domain-Inhalte genannt und mehr rechtliche Klarheit gefordert.

Die zweite Studie verglich Kickstarter-Projekte, die Public-Domain-Materialien nutzten, und deren Chancen auf erfolgreiche Finanzierung mit jenen herkömmlicher Kickstarter-Projekte. Im Ergebnis wiesen Projekte mit sowohl Public-Domain-Inhalte als auch anderweitig lizenzierten Inhalten eine statistisch signifikant höhere Finanzierungswahrscheinlichkeit auf. Allerdings schwankten die Ergebnisse hier stark je nach Bereich und waren in den Bereichen Comics, Games und Theater am stärksten ausgeprägt.

Über die dritte Teilstudie, die den (durchaus beträchtlichen) Wert des Bildbestands der Wikipedia zu schätzen versucht, hatten wir bereits anlässlich der Veröffentlichung eines diesbezüglichen Arbeitspapiers im Detail berichtet (vgl. „Wieviel ist freies Wissen wert?„).

Über die Studien hinweg formulieren die AutorInnen drei konkrete Handlungsempfehlungen an die Politik:

  1. Communities bei der Verwertung des kulturellen Erbes unterstützen: dort, wo Public-Domain-Material digitalisiert und gut auffindbar ist, steigt dessen (auch: kommerzielle) Nutzung. Ziel sollte demnach die Förderung von Digitalisierungsinitiativen und die Zugänglichmachung in maschinenlesbarer und veränderbarer Form sein.
  2. Soweit möglich den rechtlichen Status der Public Domain klarstellen: vor allem auf Seiten der befragten Unternehmen herrsche Rechtsunsicherheit im Bezug auf die Nutzung gemeinfreier Inhalte.
  3. Zugang zu Information verbessern: oft sind die Kosten für Suche und Nutzung von Public-Domain-Inhalte höher als die Lizenzierung vergleichbarer, urheberrechtlich geschützter Inhalte. Hier wird auf zentralisierte Datenbanken wie Wikimedia Commons als Best-Practice-Beispiel verwiesen.

Aus deutscher Sicht dürften sich die Studienergebnisse ohne weiteres auch auf die hiesige Situation übertragen lassen. Es wird also Zeit, dass auch in der deutschsprachigen Urheberrechtsdebatte der Wert (gemein-)freier Inhalte und deren Nutzung stärkere Berücksichtigung findet.

* Gibt es auch im Englischen verschiedene Definitionen, was zur Public Domain zählen soll – also bspw. nur gemeinfreie Werke im engeren Sinn, bestimmte offen lizenzierte Inhalte wie die Wikipedia oder auch Nutzungen, die von Schranken erlaubt werden –, fehlt es im Deutschen überhaupt an einer begrifflich exakten Entsprechung des Konzepts Public Domain (vgl. zum Thema allgemein meinen auch in der Studie zitierten Aufsatz „The digital public domain: relevance and regulation“ bzw. als SSRN-Preprint).

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