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US-Armee steuert ihre Drohnen in der Oberpfalz außerhalb der Sichtweite – Auch via Relaisstation in Ramstein?

In "Remote Split Operations" werden Drohnen des Typs "Shadow" über Satelliten gesteuert. Die "Shadow" fliegen auch in der Oberpfalz.
In „Remote Split Operations“ werden Drohnen des Typs „Shadow“ über Satelliten gesteuert. Die „Shadow“ fliegen auch in der Oberpfalz.

Mehrmals hatten wir an dieser Stelle bereits darüber berichtet, dass die US-Armee in der Oberpfalz Trainingsflüge mit drei verschiedenen Drohnen-Typen durchführt. Zuständig ist das „Joint Multinational Training Command“ (JMTC) in Vilseck. Die benötigten Aufstiegsgenehmigungen wurden vor elf Jahren vom deutschen Verteidigungsministerium für die Typen „Raven“, „Hunter“ und „Shadow“ erteilt.

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Im November vergangenen Jahres ist erstmals eine „Shadow“ über dem Truppenübungsplatz Hohenfels abgestürzt. Laut der Bundesregierung habe es sich um einen Übungsflug gehandelt. Erst acht Tage später war das Verteidigungsministerium vom USAREUR, dem US-Hauptquartier in Deutschland, ausführlich über den Unfall informiert worden.

Bundesregierung spricht erstmals von „Steuerung auch über Relaisstationen“

Wie die Bundesregierung nun mitteilt, liegt auch sieben Monate nach dem Absturz kein Untersuchungsbericht der US-Armee vor. So kann nicht geklärt werden, weshalb die Drohne abstürzte. Unklar ist etwa, ob das unbemannte Fluggerät auf Sicht gesteuert wurde. Denn laut der Bundesregierung finden die Flüge in der Oberpfalz auch nach dem Verfahren „Beyond Visual Line of Sight“ („außerhalb der Sichtweite“) statt. Die Steuerungsart hänge demnach „vom entsprechenden Übungsprofil ab“.

Auch zum „Übungsprofil“ der Crash-Drohne hatte die US-Armee bislang keine Mitteilung gemacht. Laut der Webseite des US-Kommandos sollen die Flüge jedoch den tödlichen Drohnenkrieg der US-Armee trainieren. Angeblich würde dabei keine Überwachungssensorik mitgeführt.

Denkbar wäre, dass bei den Flügen die Steuerung mithilfe von Relaisstationen geübt wird. Drohnen des Typs „Predator“ werden nach Medienberichten über eine solche Anlage in Ramstein gesteuert. Nach langem Leugnen spricht die Bundesregierung hierzu erstmals Klartext:

Der Bundesregierung sind die technischen Möglichkeiten der Steuerung von unbemannten Luftfahrzeugen auch über Relaisstationen bekannt.

Aus einem Dokument der US-Luftwaffe geht hervor, dass die Air Force hierfür das Konzept „Remote Split Operations“ entwarf: Von Kontrollstationen in den USA wird die Kommunikation mit den Drohnen über ein Glasfaser-Kabel nach Ramstein geleitet und von dort via Satellit in die Einsatzgebiete.

"Remote Split Operations" über die Relaisstation in Ramstein.
„Remote Split Operations“ über die Relaisstation in Ramstein.

Laut der Präsentation ermöglichten solche „Remote Split Operations“ noch mehr Einsätze von noch mehr Drohnen auch in Afghanistan und dem Irak. In dem Dokument wird die Satellitensteuerung einer „Remote Split Operation“ am Beispiel der in Hohenfels abgestürzten Drohne des Typs „Shadow“ erklärt.

Trainings in der Oberpfalz bald in „Korridoren“?

Eigentlich dürfen die Drohnen das Gelände der US-Basen in Bayern nicht verlassen. Jedoch hat das US-Militär eine erweiterte Zulassung beantragt, wonach Drohnen des Typs „Hunter“ in Korridoren zwischen den Basen Grafenwöhr und Hohenfels verkehren sollen. Sie könnten in diesen Übungsräumen über 4.000 Meter aufsteigen und mit bis zu 200 Kilometer pro Stunde fliegen.

„Hunter“ werden seit 1996 in unterschiedlichen Serien gefertigt und können – je nach Ausführung – auch mit Raketen bestückt werden. Der Bundesregierung ist nicht bekannt, ob in Bayern die bewaffnungsfähige Baureihe „MQ-5B“ genutzt wird.

Das Verteidigungsministerium hat zwar die Einrichtung der Korridore in einem bereits bestehenden Gebiet mit „Flugbeschränkungen“ genehmigt, deren Nutzung aber noch nicht. Hierfür fehle nach wie vor eine technische Bewertung der Drohnen. Da die US-Regierung die Herausgabe entsprechender Dokumente verweigert, liegt das Verfahren weiterhin auf Eis.

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8 Kommentare
  1. Die genannten UAVs werden immer über Relaisstation gesteuert. Auf Sicht geht da eigentlich gar nichts. Selbst die kleine Raven wird über Videofeeds gesteuert oder fliegt zumindest festgelegte GPS-Pubkte ab. Überwachungssensorik haben alle an Bord, können gar nicht ohne fliegen. Kann mir nicht vorstellen, dass die aufwändig die Sensorensysteme demontieren. Die Hunter fliegt glaube ich da keiner mehr.
    Die MQ1-Einsätze in Afghanistan, Irqk, Pakistan laufen alle zentral über Ramstein, ist lange offiziell bekannt. Die Aussage von Obama und Bundesregierung, dass von Deutschland aus keine Einsätze „geflogen“ werden ist dann in etwa, wie wenn man sagt, Google existiere in Deutschland nicht, weil die Recheninfrastruktur ja woanders steht.

  2. Wo sind eigentlich die medienwirksame Hacks von früher?

    Wenn die Drohnen wirklich außerhalb ihrer Basen fliegen, könnte man ja mal alle geniale Hacker da draußen dazu aufrufen, den Funkverkehr mitzuschneiden und zu analysieren.

    Nur leider muss man da mittlerweile Angst haben, dass man plötzlich geselbstmordet oder in einen „unglücklichen Unfall“ verwirkelt wird…

  3. Man kann sich über die amerikanische Regierung aufregen, doch eigentlich wäre das Sache des amerikanischen Volkes. Worüber wir uns aufregen müssten ist die Bande in Berlin, die sich Regierung nennt, die lügt, betrügt und Gesetze bricht und bis zur Taille im Arsch der amerikanischen Regierung und deren Dienste steckt.

    Aber was tut der mündige deutsche Bürger = er schreibt bei Netzpolitik.org (oder einer anderen ansatzweise kritischen Seite) ein paar entrüstete Sätze, um sich dann wieder seinem Wohlfühlfaktor zu widmen. Was hat die kriminelle Vereinigung, die sich Regierung nennt, denn schon zu befürchten? Über die paar mürrischen Kommentare freut sie sich zwar nicht (sofern sie sie überhaupt zur Kenntnis nimmt), aber tatsächlich berühren wir sie so was nicht – das machen die so wie sie es immer gemacht haben = aussitzen, denn die jüngere Vergangenheit hat doch gezeigt, dass sie tun und lassen können was sie wollen, ohne das tatsächlich etwas passiert.

    Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung sind Deutschlands Massenmedien, die zum überwiegenden Teil den Anspruch auf den Titel 4. Gewalt schon lange nicht mehr haben, da sie jeden Müll, den die Regierung verbreiten will, unreflektiert wiederkäut. Das stimmt nicht? Dann würde ich mal darüber nachdenken, dass Deutschlands oberster Ankläger (genannt Generalbundesanwalt) keine Beweise für rechtswidriges Verhalten von US Institutionen in Deutschland finden konnte. Wo war da der Aufschrei der Massenmedien? Ja es gibt ein paar kritische Journalisten die akribisch recherchieren, alles peinlich genau dokumentieren und dann auch die Quintessenz publizieren, doch das erreicht die Massen meist nicht sondern nur die, die es lesen / wissen wollen. Bis wir in Deutschland so die „kritische Masse“ erreichen wird es noch sehr lange dauern.

  4. Das die BRD Ausgangspunkt für Terroraktionen mit US-Killerdrohnen geworden ist sollte jeden interessieren. Egal was die Merkel-Administration uns vorlügt – sie beteiligen sich aktiv durch Duldung und Landfreigabe sowie durch Zieldaten vom BND an diesem illegalen völkerrechtswidrigen Killerdrohnenkrieg der USA!
    Man nennt so etwas Kriegsverbrecher!

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